Schröder, Ed

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Ed Schröder [Homepage]

Der holländische Programmierer Ed Schröder wurde 1950 in Den Haag geboren. Nach einer Ausbildung zum Operator arbeitete er lange Zeit in einem Rechenzentrum, anschließend ließ er sich zum Programmierer ausbilden. Er programmierte lange Zeit kaufmännische Lösungen in den klassischen Programmiersprachen Cobol und NCR.

1980 begann Ed Schröder mit dem Entwickeln von Schachprogrammen. Sein erster Rechner war ein TRS 80 mit dem damals weit verbreiteten Z80 Prozessor. Für dieses Gerät gab es zwei Schachprogramme, Sargon2 und Gambit, deren Spielstärke konnte aber nicht überzeugen. Zu dieser Zeit war aber die Auswahl an Software noch sehr begrenzt, also beschloß Ed, ein stärkeres Programm zu entwickeln. Ein gutes Schachprogramm zu entwickeln, ist auch heute noch ein sehr schwieriges Unterfangen, vor 13 Jahren erst recht, denn es gab weder Compiler, Festplatten und Diskettenlaufwerke waren nicht zu bezahlen. Die erste Version wurde in Basic geschrieben, alle erforderlichen Programmiertechniken mußte er selbst entwickeln, denn Literatur war auch nicht vorhanden. Ed Schröder trat dann sehr bald der Holländischen Schachcomputervereinigung bei und konnte durch die Kontakte wertvolle Anregungen gewinnen. Ed Schröder entwickelte dann die nächste Version in Assembler und nahm zum erstmals 1982 an einem Computerturnier, der holländischen Meisterschaft, teil und konnte auf Anhieb den 2. Platz erreichen. Dieser Erfolg spornte weiter an und die Arbeit wurde intensiviert. Bald darauf wurde die deutsche Firma Hegener + Glaser auf den begabten Autor aufmerksam und er bekam den Auftrag, ein Programm für den 6502- Prozessor zu schreiben. Dieses Programm, Rebel, sorgte bei der Computer-WM in Köln 1986 für großes Aufsehen, denn fast hätte der Rechner das Turnier gewonnen. In der letzten Runde verspielte Rebel in einer dramatischen Partie
Weltmeister 1992 - © CSS 1993
Download gegen die Schachmaschine "Be-Be" den Weltmeistertitel, nachdem eine klare Gewinnstellung erreicht war, konnte aber sogar einige Großrechner (Sun Phoenix, Bobby) schlagen.

Damit war der Durchbruch geschafft, denn alle Schachzeitungen lobten das Programm und Ed war der neue Stern am Schachcomputer Himmel. Nach der Weltmeisterschaft in Köln brachte Mephisto das Programm unter dem Namen Rebell 5.0 als 5 Mhz Modul (die WM Version lief auf einer 11 MHz schnellen Accelleratorkarte) auf den Markt, die erste kommerziell erhältliche Version eines Schröder Programms. Den großen Durchbruch brachte das Modul aber leider nicht. Viele Besitzer zeigten sich enttäuscht über die schachlichen Leistungen des Moduls. Ed Schröder entwickelte das Programm konsequent weiter und im Jahr 1987 war die neue Version, der Mephisto MM IV, erhältlich. Dieses Programm war positionell sehr stark, vor allem war es mit viel Wissen über die Bauernführung und die Freibauernbehandlung versehen. Der MM IV wurde ein absoluter Erfolgsschlager und einer der meist verkauftesten Schachcomputer. In Verbindung mit dem TurboKit der Firma Schätzle & Bsteh, konnte der MM IV Turbo 1988 sogar Platz 1 in der Schachcomputerrangliste SSDF einnehmen. Rund 1 Jahr hielt sich das kleine 8 Bit Gerät vor den 32 Bit Boliden der Firma Mephisto, bis sich die SSDF plötzlich entschloss, den MM IV Turbo unter fragwürdigen Gründen aus der Liste zu streichen. Weitere 8-Bit- Schachcomputer wurden programmiert und alle waren äußerst spielstarke Geräte, die heute noch einen guten Ruf haben, z. B. Academy, Polgar oder der MM V. Diese Geräte zeichneten sich alle trotz der langsamen Hardware durch eine gute Spielstärke aus, leider gab die Firma Hegener + Glaser diesem begabten Programmierer nicht die Möglichkeit, mit einer wirklich guten, schnellen Hardware zu arbeiten. Für Ed Schröder war diese Situation nicht sehr befriedigend und er suchte nach einem schnellen Prozessor, der die Möglichkeiten der Software auch voll unterstützt. Er knüpfte Kontakte zu der holländischen Firma TASC und entschied sich für den schnellen RISC Prozessor ARM2, der für die Abarbeitung seiner komplexen Programme ideal geeignet war. Das neue Programm wurde Gideon getauft und konnte 1991 souverän die Computerweltmeisterschaft in Vancouver gewinnen, Ed Schröder wurde Weltmeister und stürzte gleichzeitig den langjährigen Titelträger Richard Lang aus dem Hause Mephisto vom Thron. Gideon zeichnete sich durch sehr solides positionelles Spiel aus und konnte vor allem durch die Kunst der Bauernführung glänzen. Bei der Weltmeisterschaft 1992 in Madrid konnte Ed Schröder mit der 32 MHz schnellen ChessMachine seinen bislang größten Erfolg feiern und wurde erneut Weltmeister. Diesmal sogar vor etlichen Großrechnern und konnte damit seine führende Position untermauern. Beide WM-Versionen wurden später als Schachcomputer- (Mephisto Risc 1MB & Risc 2) und Steckkarten-Varianten (ChessMachine) aufgelegt. Nach 1992 wurde es etwas ruhiger um Ed. Trotzdem gehört Ed Schröder nach wie vor zu den absoluten Topautoren. Gerade die Kunst, umfangreiches positionelles Wissen in die Programme zu integrieren, zeichnen die Werke dieses Programmierers aus.

Ed Schröder schrieb am 15. Januar 2002 im CCC-Forum

[ In nostalgic mode ]

Frans Morsch in those days did an even better job, 2 Mhz 6502, 16 Kb ROM, 512 bytes RAM (the Mephisto Mondial) and it was very close in strength to my stuff wheras my stuff ran on 5 Mhz, and 4 Kb RAM (Mephisto Rebell 5.0). Don't ask me how Frans did it, but he did.

In those days there wasn't any C compiler so you were forced to write in assembler. Writing assembler it was not the chess engine that gave me a headache (I was used to that delicate needle work) but writing the interface was a major pain for me each time. You have to realize you had write directly into the hardware, make those LED's burn, program the buzzer, write to the screen (you had to program the characters yourself), program the keys all driven my some tricky interrupt routine. Bah, I never liked it.

Later the hardware was upgraded to 32 Kb ROM and 8 Kb RAM, it gave some extra ELO but not all that exciting. At a certain moment you realize the hardware limitation is a dead-end street, time to say goodbye to the 6502 and move on to the RISC processor (the ChessMachine) and a few years later to the PC.

[ back to real life, wiping a tear ]

Ed

.. und ebendort auch am 26. November 2001

Some specific chess knowledge through the years become out-dated due to the speed of nowadays computers. An example: In the early days of computer chess, say the period 1985-1989 I as hardware had a 6502 running at 5 Mhz. Rebel at that time could only search 5-7 plies on tournament time control. Such a low depth guarantees you one thing: horizon effects all over, thus losing the game.

To escape from the horizon effect all kind of tricks were invented, chess knowledge about dangerous pins, knight forks, double attacks, overloading of pieces and reward those aspects in eval. Complicated and processor time consuming software it was (15-20% less performance) but it did the trick escaping from the horizon effect in a reasonable way.

Today we run chess program on 1500 Mhz machines and instead of the 5-7 plies Rebel now gets 13-15 plies in the middle game and the horizon effect which was a major problem at 5 Mhz slowly was fading away.

So I wondered, what if I throw that complicated "anti-horizon" code out of Rebel, is it still needed? So I tried and found out that Rebel played as good with the "anti-horizon" code as without the code. In other words, the net gain was a "free" speed gain of 15-20%, thus an improvement.

One aspect of chess programming is that your program is in a constant state of change due to the state of art of nowadays available hardware. I am sure a Rebel at 10 Ghz several parts of Rebel need a face-lift to get the maximum out of the new speed monster.

One recent example: Century 4 eval is more speculative than previous versions. Why? Because I believe (confirmed by my test results) that the program can handle it because of the mixture of smart search and fast hardware. A deep search simply filters out most of the "too speculative errors" of eval and the net result is a better, even more attractive chess engine.

Ed