Turnierbericht Klingenberg 2006

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Erlenbach 2006...


das erfolgreiche Comeback eines Fidelity „Plastikbombers“...

oder:

traue niemals einem „Excel 68000“  !


Vom 22.04. bis 23.04.2006 fand zum zweiten mal das von Steffen Scholz ins Leben gerufene „Erlenbacher OLDIE-Brettcomputerturnier“ statt. An sich hätte das Turnier als „Klingenberg 2006“ bezeichnet werden müssen, da es gegenüber dem Vorjahr infolge fehlender Übernachtungsmöglichkeiten in das Hotel „Fränkischer Hof“ in das direkt benachbarte Städtchen Klingenberg verlegt wurde. Der Name "Erlenbach" hat sich aber neben dem „D.A.CH.-Turnier“ in Kaufbeuren schon als fester Begriff in der Brettcomputerszene etabliert und wurde deshalb beibehalten. Insgesamt hatten sich 16 Teilnehmer aus ganz Deutschland und Österreich zu diesem Turnier angemeldet. Die Spielstärke der Geräte war in einer Bandbreite von ca. 1900 bis ca. 2000 ELO-Punkten angesiedelt. Gespielt wurden 6 Runden nach Schweizer System mit einer durchschnittlichen Bedenkzeit von 30 Sekunden pro Zug. Nach insgesamt 48 Partien und sehr spannendem Turnierverlauf setzte sich sehr zur Überraschung aller ein „Fidelity-Plastikbomber“ knapp gegen seine Kontrahenten durch. Alwin Gruber (Kaufbeuren) schildert seine Eindrücke im nachfolgenden Bericht.


Viele der 16 Brettcomputer-Enthusiasten waren zum Teil mehr als 600 km weit in die romantische, von Weinbergen umgebene bayerische Kleinstadt Klingenberg angereist, um ihre Schützlinge über das Wochenende beobachten zu können. Der „inoffizielle Teil“ des Turniers begann –wie bei solchen Turnieren meistens üblich- am Vortag. Bei den bereits am Freitag Angereisten handelte es sich um Erwin Biri, Rainer Migas mit Freundin Sabine Kesting, Günther Steinmüller und Kurt Kispert, Dirk Heidtfeld, Bernhard Lederwasch sowie den Verfasser dieses Artikels. Man traf sich zu einem „gemütlichen Beisammensein“ im Hotel „Fränkischer Hof“. Dazwischen zeigte der in Erlenbach beheimatete Steffen Scholz zusammen mit Freundin Katharina Reszka allen Interessierten seine recht beachtliche und qualitativ hochwertige Schachcomputersammlung. Speis und Trank im Hotel Fränkischer Hof schmeckte allen Anwesenden vorzüglich und es wurde über Gott und die Welt fachgesimpelt, im Besonderen natürlich aber über Brettschachcomputer. Die Bedienung des Hotels mit dem Namen Christine bewirtete die Letzten –trotz mehrerer Anrufe ihres Freundes- bis in die frühen Morgenstunden. Die letzten gingen erst gegen ½ vier Uhr früh zu Bett.


Das „gemütliche Beisammensein“ der bereits am Freitag angereisten Teilnehmer manifestiert sich in den nachfolgenden Bildern:


Das von Steffen Scholz und dessen Freundin Katharina Reszka im Vorfeld vorzüglich organisierte Hauptturnier begann am Samstag um 10.30 Uhr. Freundlicherweise erklärte sich der aus Rostock angereiste Michael Völschow spontan bereit, die Turnierverwaltung zu übernehmen, sämtliche Partien zu archivieren sowie die jeweiligen Partie-Auslosungen vorzunehmen. An dieser Stelle hierfür nochmals ein herzliches Dankeschön an Steffen, Katharina und Michael für Ihre geleistete Arbeit !


Turnierleiter Michael Völschow  (rechts) mit seinem Novag Super Expert C gegen den Saitek Corona von  Robert Weck.
Turnierleiter Michael Völschow (rechts) mit seinem Novag Super Expert C gegen den Saitek Corona von Robert Weck.


Im Vorjahr waren beim 1. Erlenbacher Turnier die „OLDIES“ aus den frühen 80 iger Jahren wie z.B. ein Mephisto III oder ein Fidelity Sensory 9 am Start. Beim D.A.CH.-Turnier 2005 in Kaufbeuren duellierte sich hingegen die Creme de´la Creme des Computerschachs wie z.B. ein Resurrection Fruit oder ein TASC R30.

Was lag also näher, in diesem Jahr speziell die Brettcomputer-„Mittelklasse“ flächendeckend gegeneinander antreten zu lassen. Die Geräte des illustren Teilnehmerfeldes werden in nachfolgend in der Reihenfolge ihrer Platzierung –beginnend mit dem Turnierletzten- im Detail beschrieben.

Weit abgeschlagen mit nur lediglich ½ Punkt fand sich der Mephisto Milano von Frank Jäger am Tabellenende wider. Das Schröder-Programm enttäuschte zum Großteil, wurde aber letztendlich meines Erachtens deutlich unter Wert geschlagen, weil einige Partien doch recht unglücklich im Endspiel verloren gingen. Frank Jäger nahm die Sache in seiner ruhigen und ausgeglichenen Art jedoch nicht allzu ernst und wird sicher beim nächsten D.A.CH.-Turnier in Kaufbeuren wieder mit dabei sein.

Das einzige (!) Remis gelang dem Milano als Schwarzer ausgerechnet in einer sehenswerten Partie gegen den Mitfavoriten Novag Scorpio 68000.


Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano








 

PetrovC43

Novag Scorpio 68000 (2073)
Mephisto Milano (2010)

Erlenbach 2006 (2.7)
Klingenberg, 2006


1. e4 e5 2. Sf3 Sf6 3. d4 Sxe4 4. Ld3 d5 5. Sxe5 Ld6 6. O-O O-O 7. c4 Lxe5 8. dxe5 Sc6 9. Lf4 Le6 10. Dh5 Sb4 11. Lxe4 dxe4 12. Sd2 Sd3 13. Le3 Sxb2 14. Sxe4 Sxc4 15. Lc5 Te8 16. Sg5 Dd3 17. Sxe6 Txe6 18. f4 Dd5 19. Lf2 Tg6 20. Dh3 Td8 21. Tfc1 c5 22. a4 b6 23. Kh1 a6 24. Lg1 Sb2 25. f5 Th6 26. Dc3 Sd3 27. Td1 Th5 28. Td2 Txf5 29. Tb1 b5 30. axb5 axb5 31. Txb5 h6 32. Txc5 Sxc5 33. Txd5 Txd5 34. g4 Tfxe5 35. Ld4 Tg5 36. h4 Txg4 37. Lxc5 Txh4+ 38. Kg2 Tg5+ 39. Kf1 Th2 40. Lf2 Tb5 41. Dc6 Tb8 42. Lg3 Tb1+ 43. Le1 Tbb2 44. Dc8+ Kh7 45. Df5+ Kh8 46. Dc8+ Kh7 47. Df5+ Kh8 1/2-1/2



Frank Jäger (2. von links), hier in der Partie mit seinem Milano gegen den Mephisto Amsterdam von Thomas Jäger (1. von links), hat das Lachen trotz des schwachen Abschneiden seines Milano nicht verlernt.


Mit nur jeweils 2 Punkten aus 6 Partien platzierten sich Geräte wie der Millennium Genesis, CXG Dominator 2.05 11 Mhz, Mephisto Amsterdam sowie Mephisto MM IV am unteren Ende der Tabelle.

Beim Millennium Genesis von Steffen Scholz handelt es sich um einen absoluten Exoten, welcher bislang noch nie bei einem offiziellen Brettcomputerturnier mitspielte. Dieses graue, recht unscheinbare Kunstoffgerät mit Drucksensorfolie aus dem Jahr 1999 kam nie zur Serienreife und wurde als Prototyp nach Steffen´s Angaben lediglich in 20 Einheiten für ca. 150,00 EUR auf dem Markt verkauft. Das Programm stammt aus der Feder von „Mr. Nimzo“ Chrilly Donninger. Dieser musste innerhalb eines Monats (die Produktionskapazitäten waren in Hong Kong schon reserviert!) ein komplett neues Schachprogramm erstellen. Die Ursache lag darin begründet, dass ein von David Levy ursprünglich engagierter Programmierer es nicht fertig brachte, die vorgegebenen Spezifikationen für den zur Verfügung gestellten Hitachi-Chip mit 20 Mhz (vermutlich H8) mit 4 KB RAM, 32 kB ROM zu erfüllen. Ein Klon des Genesis wurde später übrigens in größeren Stückzahlen dann offiziell unter der Lizenz von der Firma Tiger Electronics als „Grenadier“ verkauft. Teilweise wählt der Genesis aus seinem rd. 10.000 Positionen umfassenden Eröffnungsrepertoire recht ungewöhnliche Varianten wie 1. b3 oder 1. g3. Der Spilstil des Programms erinnert oftmals an Wiener Kaffeehausschach und ist teilweise recht unausgegoren, was aber auch in der sehr kurzen Entwicklungszeit, welche Chrilly zur Verfügung stand, begründet sein dürfte. Rainer Migas ließ sich im Beisein der Bedienung Christine zu der Bemerkung hinreißen, die „Bedienung sei verwirrend“, was natürlich einen verduzten Blick derselben nach sich zog (er meinte natürlich die Bedienung des Millennium Genesis !)


Turnierorganisator Steffen Scholz mit  „Bedienung Christine“
Turnierorganisator Steffen Scholz mit „Bedienung Christine“


Nachfolgend eine schöne Gewinnpartie des Millenium Genesis als Schwarzer gegen den Mephisto Milano.


Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano









 

Ruy LopezC80

Mephisto Milano (2010)
Millennium Genesis (1960)

Erlenbach 2006 (3.6)
Klingenberg, 2006


1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. O-O Sxe4 6. d4 b5 7. Lb3 d5 8. dxe5 Le6 9. Sbd2 Lc5 10. Sxe4 dxe4 11. Lxe6 Dxd1 12. Lxf7+ Kxf7 13. Sg5+ Kg6 14. Txd1 e3 15. Se6 exf2+ 16. Kf1 Lb6 17. Td7 Sxe5 18. Sf4+ Kf5 19. Txg7 Tad8 20. Sd3 Sxd3 21. cxd3 Txd3 22. Tg5+ Kf6 23. Lf4 Thd8 24. Td5 0-1


Steffen Scholz mit seinem Millenium Genesis (links) gegen  den Fidelity Mach II c von Rainer Migas
Steffen Scholz mit seinem Millenium Genesis (links) gegen den Fidelity Mach II c von Rainer Migas


Am Samstag Nachmittag fand eine kurze Unterbrechnung des Turniers statt, da ein Vertreter der örtlichen Lokalpresse anwesend war. Dessen Interesse richtete sich vor allem auf den Novag Chess Robot sowie auf einen von Erwin Biri selbst nachgebauten (!) Fidelity Decorator Challenger. Bei diesem Gerät handelt es sich um den größten, jemals in Serie hergestellten Schachcomputer mit dem Blechstimmen-Programm des Challenger Voice. Während der Original aus Holz gefertigt ist, besteht der maßstabsgetreue Nachbau ganz aus Aluminium. Fortan wurde das beeindruckende Unikat von den Teilnehmern auf „Erwinator“ umgetauft. Auch der durch seine fundierten Analysen aus den Schachforen bekannte Eckehard Kopp schaute auf einen Sprung vorbei.


Interessierter Beobachter im Hintergrund - Eckehard Kopp
Interessierter Beobachter im Hintergrund - Eckehard Kopp
Der „Erwinator“ in einer  Demonstrationspartie gegen den Novag Chess Robot.
Der „Erwinator“ in einer Demonstrationspartie gegen den Novag Chess Robot.

Der Verfasser dieses Artikels war mit einem CXG Sphinx Dominator, welcher auf eine Taktrate mit 11,0 Mhz getunt wurde, am Start. Das von Fritz-Autor Frans Morsch entwickelte Programm aus dem Jahr 1988 in der „fehlerbereinigten“, aktuellen Version 2.05 konnte trotz der 2,75 fachen Geschwindigkeitssteigerung gegenüber dem Seriengerät mit 4,0 Mhz die Erwartungen nicht erfüllen und fand sich am unteren Tabellenende wider. Das vom „Domi“ gewohnte Angriffsschach entpuppte sich im Laufe des Turniers als laues Lüftchen. Hinzu kamen immer wieder ungewohnte, taktische Aussetzer, welche in der Summe wertvolle Punkte kosteten.


Alwin Gruber (links) mit seinem CXG Sphinx Dominator 11 Mhz in der Partie gegen den Saitek Corona von Robert  Weck.
Alwin Gruber (links) mit seinem CXG Sphinx Dominator 11 Mhz in der Partie gegen den Saitek Corona von Robert Weck.


Ebenfalls nur 2 Punkte konnte der „Oldie“ Mephisto Amsterdam von Thomas Jäger (Wuppertal) auf der Habenseite verbuchen. Das Lang-Programm aus dem Jahr 1985 war das dienstälteste Gerät im Teilnehmerfeld und konnte sich trotz 16-Bit Hardware nicht überzeugend in Szene setzen. Der Amsterdam agierte bei vielen Partien in typischer Lang-Manier oftmals zu passiv, um entscheidende Punkte einzufahren.

Der bei den vergangenen OLDIE-Turnieren recht passabel spielende Mephisto MM IV von Kurt Kispert (Wien) konnte sich bei diesem Turnier nicht entsprechend in Szene setzen. Immerhin gelangen dem Gerät jedoch 2 Remis gegen die Fidelity 16-Biter Mach II und Mach III.

Der Saitek Maestro D++ mit 6 Mhz von Sabine Kesting konnte sich mit 2 ½ Punkten auf den 11. Tabellenplatz festsetzen. Dieses Gerät holte seine Punkte ausschließlich nur gegen Gegner von den unteren Tabellenplätzen, wie den Mephisto MM IV, CXG Sphinx Dominator sowie Mephisto Milano. Ingesamt verhielt sich das von Julio Kaplan geschriebene Programm einfach zu passiv.

Im gesicherten Mittelfeld platzierten sich mit jeweils 3 Punkten der Novag Scorpio 68000 von Katharina Reszka, der Mephisto Miami von Wilfried Eberl sowie der Fidelity Mach II C von Rainer Migas.

Der als Mitfavorit auf den Turniersieg gehandelte Novag Scorpio 68000 konnte in diesem Jahr nicht an die guten Leistungen beim D.A.CH.-Turnier 2005 (u.a. Sieg gegen die Mephisto Turniermaschine London 68030 / 36 Mhz!) anknüpfen. Das Programm von Dave Kittinger konnte seine Punkte ausschließlich gegen Konkurrenten der unteren Tabellenhälfte einfahren und belegte den 10. Platz. Selbst der bekannte Schachcomputersammler Steve Blincoe aus New York, welcher über das Internet laufend über die Zwischenergebnisse informiert war, verwettete spaßeshalber im Vorfeld des Turniers sein Conchess Monarch T8-Modul auf einen Sieg des Scorpio.


Gleich in der ersten Runde bezog der Novag Scorpio 68000 In einer sehenswerten Partie gegen den Saitek President kräftig Prügel und ging als Schwarzer in einem Königsangriff unter.

Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano









 

Ruy LopezC62

Saitek President (1997)
Novag Scorpio 68000 (2073)

Erlenbach 2006 (1.2)
Klingenberg, 2006


1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 d6 4. O-O Lg4 5. d3 Sf6 6. Lg5 Le7 7. h3 Ld7 8. Sc3 O-O 9. a3 a6 10. La4 b5 11. Lb3 Sa5 12. La2 h6 13. Le3 c6 14. Sd2 Dc7 15. f4 Tad8 16. De2 exf4 17. Txf4 Sb7 18. Df2 c5 19. Txf6 Lxf6 20. Sd5 Da5 21. Sxf6+ Kh8 22. Dh4 Lf5 23. exf5 Da4 24. c4 Dc2 25. Lxh6 Dc1+ 26. Txc1 gxf6 27. Dxf6+ Kh7 28. Dg7# 1-0


Der Mephisto Miami von Wilfried Eberl konnte trotz seiner geringen Außenmasse (Reisegerätformat) einen gesicherten 9. Tabellenplatz erklimmen. Der kleine „Morsch-Teufel“ machte es einigen seiner Konkurrenten sehr schwer, musste aber im Laufe des Turniers auch einige Nackenschläge einstecken.


In einer spannenden Auseinandersetzung mit dem Novag Super Expert C geht der Miami auf ein Damenopfer ein und wird anschließend vom Novag in 7 Zügen mattgesetzt.

Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano









 

EnglishA31

Novag Super Expert C 6 Mhz (2019)
Mephisto Miami (1966)

Erlenbach 2006 (1.3)
Klingenberg, 2006


1. c4 c5 2. Sf3 Sf6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 e5 5. Sb5 Lb4+ 6. Ld2 Lxd2+ 7. Dxd2 O-O 8. Sd6 Sc6 9. e3 Se8 10. Sc3 Sxd6 11. Dxd6 Te8 12. Ld3 Te6 13. Da3 b6 14. Td1 Te8 15. O-O a6 16. Se4 Te7 17. Sd6 Dc7 18. Le4 Ta7 19. Ld5 g6 20. f4 b5 21. fxe5 b4 22. Txf7 bxa3 23. Txe7+ Kh8 24. Te8+ Kg7 25. Tg8+ Kh6 26. Sf7+ Kh5 27. Lf3+ Kh4 28. g3+ Kh3 29. Sg5# 1-0

Der Fidelity Mach IIc von Rainer Migas spielte ein ordentliches Turnier. Aufgrund der 16-Bit Hardware hätte das Spracklen-Programm mehr aus seinem –zweifelsohne- vorhanden schachlichen Potential schöpfen können. Im Endklassement konnte das Gerät sich im gesicherten Mittelfeld auf Platz 8 festsetzen.

Die Plätze 5, 6 und 7 belegten mit jeweils 3 ½ Punkten der Mephisto Roma 68000, der Saitek President sowie der Fidelity Designer Mach III.

Der Fidelity Designer Mach III von Mo Sai, spielte das gesamte Turnier recht durchwachsen. Teilweise schön herausgespielte Erfolge gegen Geräte der unteren Tabellen-Region folgten Schnitzer gegen höherplatzierte Geräte. Dessen Operator Mo Sai, ein gebürtiger Hong-Kong Chinese, der für jeden Spaß zu haben ist, wurde während des Turniers von den Teilnehmern zum chinesischen Sportminister „Ping Pong“ ernannt. Er nahm die Sache nicht allzu ernst und genoss seine „Doping“-Bananen, um damit die Strapazen des Turniers zu überbrücken.

Mo Sai mit der besagten „Doping“-Banane.
Mo Sai mit der besagten „Doping“-Banane.


In der nachfolgenden Partie werden dem Millennium Genesis als Anziehender durch den Mach III die Grenzen deutlich aufgezeigt, wobei die ungewöhnliche Eröffnungsbehandung (1. b3!) einen Teil zu dessen Misserfolg beigetragen haben dürfte.

Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano









 

Nimzovich-Larsen AttackA01

Millennium Genesis (1960)
Fidelity Designer 2265 Master (2021)

Erlenbach 2006 (4.4)
Klingenberg, 2006


1. b3 e5 2. Lb2 Sc6 3. e3 d5 4. Lb5 Ld6 5. f4 f6 6. fxe5 fxe5 7. Sf3 De7 8. Sxe5 Lxe5 9. Lxc6+ Kd8 10. d4 Lg3+ 11. Kd2 Lf2 12. De2 Lxe3+ 13. Dxe3 Dxe3+ 14. Kxe3 bxc6 15. Sd2 Lf5 16. c4 Tb8 17. Thc1 Sh6 18. Kf2 Te8 19. Te1 Sg4+ 20. Kg1 Kd7 21. Tf1 Se3 22. Tf3 g6 23. Lc3 Sc2 24. Taf1 Te2 25. T1f2 Tbe8 26. Tf4 T8e3 27. Txe2 Txe2 28. Sf3 Se3 29. g3 Tg2+ 30. Kh1 Txa2 31. Se5+ Kc8 32. Kg1 Tc2 33. Lb4 Tg2+ 34. Kh1 Tb2 35. Kg1 dxc4 36. Tf3 Tg2+ 37. Kh1 cxb3 38. Lc3 Te2 39. Kg1 Le4 40. Tf4 Tg2+ 41. Kh1 Tc2+ 42. Kg1 Tc1+ 43. Le1 b2 44. Txe4 Txe1+ 45. Kf2 b1=D 46. Sd3 Dxd3 47. Te8+ Kd7 48. Txe3 Dxe3+ 0-1

Beim Saitek President handelt es sich um einen verbesserten Programm-Ableger des legendären Saitek Brute Force-Moduls aus der Feder von Frans Morsch. Der Brute Force erreichte Anfang der 90er Jahre bei diversen Mensch-Computer-Vergleichen eine rechte beachtliche Elo-Performance weit über 2000. Dessen Operator „Mr. President“ Erwin Biri, selbst ein aktiver Verbandsrunden-Spieler, verfolgte stets mit großer Aufmerksamkeit und Engagement die Partien seines Schützlings. Der President verlor einige Partien recht unglücklich, was eine höhere Platzierung im Endklassement verhinderte.

Zur Überraschung aller spielte der Mephisto Roma 68000 mit seinem Bediener Günther Steinmüller im Teilnehmerfeld im Rahmen seiner Möglichkeiten ganz ordentlich mit. Sicherlich ist das aus dem Jahr 1987 stammende Programm von Richard Lang nicht mehr ganz „up to date“. In einigen Partien bewies das Gerät jedoch seine sprichwörtliche „Ausdauer und Zähigkeit“ zur Freude von Günther, welcher selbst ein exzellenter Schachspieler ist.


Hier eine schöne Gewinnpartie des Mephisto Roma 68000 als Schwarzer im „Bruderkampf“ gegen den 8-Biter Mephisto MM IV von Kurt Kispert.

Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano









 

Benoni (Bd3)A65

Mephisto MM IV (1920)
Mephisto Roma 68000 (1956)

Erlenbach 2006 (5.4)
Klingenberg, 2006


1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 c5 4. d5 exd5 5. cxd5 d6 6. e4 g6 7. Ld3 Lg7 8. Sge2 O-O 9. O-O b6 10. Lf4 La6 11. Tc1 Dd7 12. Te1 Lxd3 13. Dxd3 Te8 14. Tcd1 a6 15. Sc1 b5 16. a3 Sg4 17. Dg3 Se5 18. Sd3 Sc4 19. Tc1 De7 20. b3 Se5 21. Tcd1 c4 22. bxc4 Sxc4 23. Tc1 Dc7 24. Sb1 Db6 25. Sd2 Dd4 26. Df3 Sd7 27. Sb3 Db6 28. h3 Tac8 29. Dg3 a5 30. Tc2 a4 31. Sd2 Sxa3 32. Txc8 Txc8 33. Lxd6 Sc4 34. Sxc4 Txc4 35. Le5 Sxe5 36. Sxe5 Tc2 37. Sc6 a3 38. Tf1 a2 39. e5 Dc5 40. De3 Dc4 41. Td1 Te2 42. Db6 h5 43. d6 Td2 44. Te1 Dc2 45. De3 Dd1 46. Kf1 a1=D 47. Dxd2 Dxd2 48. Txa1 Kh7 49. h4 Dc2 50. d7 Dd3+ 51. Kg1 Dxd7 0-1


Man sieht es Günther Steinmüller (links)  mit dem Roma 68000 und Bernhard Lederwasch (rechts) mit dem „Excel 68000“  geradezu an: Sie haben viel Spaß beim Analysieren der Partie Ihrer beiden  Schützlinge.
Man sieht es Günther Steinmüller (links) mit dem Roma 68000 und Bernhard Lederwasch (rechts) mit dem „Excel 68000“ geradezu an: Sie haben viel Spaß beim Analysieren der Partie Ihrer beiden Schützlinge.


Die Plätze 4 und 3 wurden vergeben an den Mephisto Polgar von Dirk Heidtfeld sowie an den Novag Super Expert C von Michael Völschow.

Für viele keine Überraschung: Der Mephisto Polgar in der normalen „Serien-Version“ mit 5,0 Mhz bewies sein zweifelsohne vorhandenes, schachliches Potential. Was wäre gewesen, wenn der 6502-Prozessor mit 10,0 Mhz „befeuert“ worden wäre? Diese rein hypothetische Frage kann man sich aber auch beim CXG Sphinx Dominator stellen, welcher bei diesem Turnier mit 11,0 Mhz und grossen Erwartungen ins Turnier geschickt wurde und letztendlich im Verhältnis zur „Serien-Version“ mit 4,0 Mhz ziemlich enttäuschte.

Dirk Heidtfeld (links) mit seinem Mephisto Polgar gegen den Saitek President von Erwin Biri
Dirk Heidtfeld (links) mit seinem Mephisto Polgar gegen den Saitek President von Erwin Biri


Bis zur 5. Runde in Führung liegend spielte der Drittplatzierte, der Novag Super Expert C ein ganz tolles Turnier. Durch einen katastrophalen Aussetzer in der letzten Partie gegen den Saitek Corona brachte er sich um den Turniersieg, als er völlig unsinnig in die offenen Schusslinien der weißen Schwerfiguren rochierte, was der Corona prompt mit einem Matt in 7 bestrafte.

Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano









 

QGDD15

Saitek Corona D+ 8 Mhz (2063)
Novag Super Expert C 6 Mhz (2019)

Erlenbach 2006 (6.3)
Klingenberg, 2006


1. Sf3 c6 2. d4 d5 3. c4 Sf6 4. Sc3 dxc4 5. e4 b5 6. e5 Sd5 7. Sg5 h6 8. Sge4 Lf5 9. g4 Lg6 10. Lg2 e6 11. a4 Lxe4 12. Lxe4 Lb4 13. Ld2 Sb6 14. axb5 Dxd4 15. De2 Sd5 16. O-O Dxe5 17. Dxc4 Lxc3 18. Lxc3 Dg5 19. Lg2 cxb5 20. Dxb5+ Sd7 21. Tae1 O-O-O 22. Ld2 Dxd2 23. Tc1+ Dxc1 24. Txc1+ Sc5 25. Txc5+ Sc7 26. Txc7+ Kxc7 27. Dc6+ Kb8 28. Db7# 1-0

Der Zweitplatzierte Saitek Corona D+ spielte insgesamt ein sehr solides und ausgeglichenes Turnier. Insgesamt gab das Gerät lediglich 1,5 Punkte ab. Zum einen in Form eines Remis gegen den Mephisto Roma 68000 und zum anderen in der –allerdings entscheidenden- Verlustpartie gleich in der 1. Runde als Weißer in einer längeren Endspielschlacht gegen den späteren Turniersieger „Fidelity Excel 68000


Hier die Partie aus der 1. Runde, welche letztendlich den Ausschlag für den Turniersieg des "Fidelity Excel 68000" gab:

Novag Scorpio 68000 - Mephisto Milano









 

King's IndianE94

Saitek Corona D+ 8 Mhz (2063)
Fidelity Excel 68000 Mach III Master (2021)

Erlenbach 2006 (1.4)
Klingenberg, 2006


1. d4 Sf6 2. Sf3 g6 3. c4 Lg7 4. Sc3 d6 5. e4 O-O 6. Le2 e5 7. d5 Sbd7 8. O-O Sc5 9. Dc2 a5 10. Lg5 h6 11. Le3 Sh5 * 12. Se1 Sf4 13. Lf3 * 13... Dg5 14. Sb5 0,63 14... De7 15. Lxc5 dxc5 16. Sd3 Sxd3 17. Dxd3 0,49 17... Td8 18. De3 b6 19. Tab1 Lb7 20. Lg4 c6 21. Sc3 Td6 22. Sa4 cxd5 23. cxd5 Dh4 24. Dh3 Dxh3 25. Lxh3 Tad8 26. Sc3 La6 27. Tfd1 Lf6 28. a4 Lg5 29. Lg4 f5 30. exf5 Lc8 31. Lf3 Lxf5 32. Se4 Txd5 33. Txd5 Txd5 34. Sf6+ Kg7 35. Sxd5 Lxb1 36. Sxb6 e4 37. Ld1 e3 38. Sc4 exf2+ 39. Kxf2 Lh4+ 40. Kf3 Ld8 41. Lb3 Lc7 42. g3 Lf5 43. Ke2 Le6 44. Kd3 Kf6 45. Sd2 Ke7 46. Lxe6 Kxe6 47. Kc4 Le5 48. b3 Ld4 49. Se4 Kf5 50. Sxc5 Lg1 51. h3 g5 52. Sb7 g4 53. hxg4+ Kxg4 54. Sxa5 Kxg3 55. Sc6 h5 56. Sd4 Lxd4 57. a5 La7 58. b4 h4 59. b5 h3 60. b6 h2 61. bxa7 h1=D 0-1

Kommen wir nun zum offiziellen Turniersieger, dem Fidelity Excel 68000 von Bernhard Lederwasch aus Tirol (Österreich). Der 36-jährige Bernhard, selbst ein sehr starker Schachspieler mit einer ELO-Zahl von 2.150, beschäftigt sich seit den 80er Jahren mit der Materie Computerschach. Sein 1. Brettgerät war ein Saitek Simultano. Er bevorzugt als Sammler nach wie vor die Brettcomputer als Trainings-Partner und spielt (fast) noch mit jedem seiner Geräte. Lediglich für die ernsthafte Turniervorbereitung greift er auf PC-Schachprogramme zurück. Darüber hinaus beteiligt sich Bernhard sehr aktiv mit Beiträgen unter dem Pseudonym „rodel“ auf der Schachcomputer.info-Homepage von Michael Völschow.

Kurz nach der Beendigung des Turniers spielte Robert Weck interessehalber die Partien des doch für viele überraschenden Turniersiegers mit seinem eigenen Excel 68000 nach und kam in mehreren Fällen zu anderen Ergebnissen. Dadurch aufmerksam geworden, testete Bernhard einige BT-Stellungen und kam ebenfalls zu unterschiedlichen Ergebnissen. Letzte Gewissheit brachte dann die Tastenkombination Options + New Game, welche nur mit einem Mach III funktioniert und die jeweilige Programm-Version anzeigt nebst Aufleuchten aller 64 Feld LED´s. Und siehe da, aus einem Excel 68000 wurde flugs ein Mach III mit der Version Nr. db 53! Den „Excel 68000“ hat Bernhard übrigens von der Firma Ketterling aus Berlin erworben. Auf der Unterseite des Gerätes ist keine Modell-Nr angegeben. Auf der Rechnung wird wortwörtlich ausgewiesen „Chess Challenger Excel 68000 (gebraucht) für EUR 199,00“. Den sympathischen Bernhard beschäftigte die gesamte Angelegenheit ziemlich und er bedankte sich bei den Internet- Forumsteilnehmern für die sehr hilfreichen Tips sowie den offenen und ehrlichen Umgang miteinander. Er möchte beim nächsten Turnier mit dem gleichen Gerät an den Start gehen, diesmal aber unter der Bezeichnung „Ketterling Experimental“!


[bearbeiten] Fazit:

Das interessante beim „Erlenbach Turnier 2006“ war, dass die Leistungsdichte bei den teilnehmenden Geräten sehr eng beieinander lag. Zudem war die Anzahl der ausgetragenen Partien mit lediglich 6 Runden recht gering. Dieser Umstand drückte sich in den relativ kleinen Punktabständen in der Gesamttabelle aus. Hätte das Turnier eine Woche später unter den gleichen Bedingungen stattgefunden, wäre die Tabellenkonstellation voraussichtlich gänzlich anders ausgefallen. Aber gerade „Kollege Zufall“’ macht ja die Spannung unter nahezu gleichwertigen Gegnern aus!

Sämtliche weiteren Partien stehen übrigens als kostenloser Download auf den Homepages von Kurt Kispert und Michael Völschow zur Verfügung.


Zum Abschluss nochmals ein Blick in das Teilnehmerfeld: Hinten (von links nach rechts): Wilfried Eberl, Kurt Kispert und Sabine Kesting sowie vorne die beiden Turnierorganisatoren Katharina Reszka und Steffen Scholz.



[bearbeiten] Abschlussbemerkung:

Für Tischcomputer konnte im Gegensatz zu PC-Programmen aus technischen Gründen leider nie ein Autoplayer realisiert werden. Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, müssen nach wie vor alle Partien in mühevoller Handarbeit erfasst und ausgewertet werden. Das Internet, insbesondere die Schachcomputer-Homepages von Kurt Kispert www.schachcomputer.at sowie von „Chessguru“ Michael Völschow www.schachcomputer.info haben zwischenzeitlich dazu beigetragen, dass i