11. WMCCC Vancouver 1991

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P Player Hardware Score SOP 1 2 3 4 5 6 7
1: Gideon 86010 (ARM2), 32 MHz 6.0 / 7 27.5 15b+ 11w+ 4b+ 2w+ 8b+ 5w+ 3b-
2: M-Chess 80486, 33 MHz 5.5 / 7 31.5 10w+ 5b= 3w+ 1b- 4b+ 8w+ 6w+
3: The King 86010 (ARM2), 32 MHz 5.0 / 7 29.5 13w+ 3b+ 1w- 5b+ 2w- 11b+ 10w+
4: Mephisto X 68030, 66 MHz 5.0 / 7 30.5 6b+ 4w- 2b- 9w+ 12b+ 7w+ 1w+
5: Saitek-X Sparc, 25 MHz 4.5 / 7 30.5 9b+ 2w= 8b+ 4w- 7b+ 1b- 11w+
6: Hiarcs Sparc, 25 MHz 4.0 / 7 24.5 .... 10b+ 5w- 11w+ 1w- 2b- 13b+
7: Now 80386, 40 MHz 4.0 / 7 19.0 5w- 7b- 13w+ 3b- .... 15w+ 14w+
8: Brainstorm 68020, 6 MHz 3.5 / 7 25.5 3w- 12b+ 7w= 10b= 11b= 13w+ 2b-
9: Nightmare 80386, 33 MHz 3.5 / 7 23.5 2b- 8w- .... 6w= 14b+ 12w+ 4b-
10: Echec 80486, 25 MHz 3.5 / 7 23.0 11b- 9w+ 6b= 14w+ 5w- 3b- 15b+
11: Patzer 80386, 33 MHz 3.0 / 7 18.0 14b+ 6w- 11b- 15w+ 3w- 10b- ....
12: Cumulus Sony News Station R3000 2.5 / 7 29.5 7w+ 1b- 12w+ 8b- 6w= 4w- 5b-
13: Woodpusher 80486, 25 MHz 2.5 / 7 20.0 4b- 14w= 9b- .... 15b+ 6b- 8w-
14: Innovation Mac II, 68030, 40 MHz 2.5 / 7 17.5 12w- 13b= 15w+ 7b- 10w- .... 9b-
15: Centaur 80386, 33 MHz 0.0 / 7 21.5 1w- .... 14b- 12b- 13w- 9b- 7w-

49 games: +25 =5 -19

Ed Schröder


Der König ist tot, es lebe der König. Zwar gewann Mephisto den Titel in der Herstellergruppe kampflos, aber die Wachablösung war erfolgt und damit das Ende der Schachcomputer eingeläutet. Bezeichnenderweise gewann nicht ein PC-Programm den Titel, sondern eine Art “Übergangslösung” - eine RISC Steckkarte für den PC, die ChessMachine der Firma TASC. Die ChessMachine wurde von einem ARM2-Prozessor mit 32 MHz angetrieben und war somit unabhängig vom verwendeten PC-Prozessor. Als “Königsmörder” diente das Programm Gideon von Ed Schröder. Dieser seinerseits, konnte nun endlich einmal zeigen, wozu er imstande ist, wenn ihm entsprechende Hardware zur Verfügung steht. Bei seinen bisherigen Versuchen, wurde Ed Schröder mit 8 Bit Hardware (u.a. Polgar, MM V) abgespeist.


Tasc ChessMachine



Putsch der PC-Programme

Günter Niggemann berichtet über die Mikro-WM in Kanada

(Turnierbericht aus Computerschach und Spiele / Heft 3 / 1991)

Nach Jahren der Eintönigkeit sollte es bei der 11. Weltmeisterschaft der Mikrocomputer in Vancouver, Kanada (1.-11. Mai 1991) wieder zu einer echten Herausforderung des Abonnementsweltmeisters Richard Lang kommen. Ein illustres Teilnehmerfeld von 15 Kandidaten war angetreten, um am Thron des Mephisto Lyon zu sägen.

Dieser, das Unheil wohl ahnend, wollte sich allen diesbezüglichen Versuchen widersetzen und in einer gegenüber der WM 1990 nur geringfügig in der Eröffnungsbibliothek überarbeiteten 68030er Version mit 66 MHz und kein bisschen leise - drei Ventilatoren, um in der Hitze des Gefechts bestehen zu können - die Vormachtstellung, behaupten. Von Dauergast Brainstorm, dem russischen Centaur oder Woodpusher (Klötzchenschieber), soviel war klar, würde wohl keine Gefahr ausgehen. Zum engeren Kreis der Titelaspiranten zählten aber:

1. Gideon (= Rebel Version 9.04 = The ChessMachine) von Ed Schröder, dessen Fans schon lange davon überzeugt sind, dass er mangels geeigneter Hardware künstlich dazu verdammt ist, bei Mephisto ein Schattendasein zu führen. Das Programm wurde von einem 86C010 (ARM2) Prozessor abgearbeitet und stellt auf einer PC-kompatiblen Steckkarte mit u.a. eigenem Speicher einen vollwertigen Schachcomputer dar, der sich lediglich für die Ein-und Ausgabe von Daten des so genannten Hostcomputers bedient. Durch diese Eigenständigkeit ist unabhängig von der Rechenkapazität des verwendeten Personalcomputers (PC, XT, AT etc.) eine grundsätzlich gleichbleibende Spielstärke gegeben.

Der ARM2, in der bei der WM verwendeten Version mit ca. 32 MHZ getaktet (handelsüblich in der ChessMachine mit 16 MHz), gehört zur Familie der RISC (= Reduced Instruction Set)-Prozessoren. Sie zeichnen sich durch einen wesentlich kleineren Befehlssatz (ca. 50 Instruktionen) als herkömmliche, komplexe Prozessoren (ca. 100 bis 200 Instruktionen) aus, der bei effizienter Auslegung der Hardware eine optimale Ausführungsgeschwindigkeit erzielt, weil die CPU nicht durch den Ballast einer Vielzahl anderer Befehle gebremst wird. Bei gleicher Taktfrequenz ergibt sich gegenüber den Spitzenprozessoren der Konkurrenz eine höhere Leistung in sog. MIPS (Millionen Instruktionen pro Sekunde).

2. The King: Eine Weiterentwicklung des bereits 1990 in Lyon mit einem Achtungserfolg gestarteten Programms von Johan de Koning, der wie Ed Schröder zur Firma TASC (The Advanced Software Company) gehört. The King lief ebenfalls auf dem eingangs beschriebenen RISC-Prozessor.

3. M-Chess von Marty Hirsch auf einem Super-PC: 80486 mit 33 MHz.

4. Saitek Experimental von Dan und Kathy Spracklen auf einer SPARC Workstation von SUN Microsystems (RISC-Prozessor mit 25 MHz). Die Software des seit 1990 nicht mehr für Fidelity arbeitenden Programmiererehepaars war die unbekannte Größe in diesem Wettbewerb. Das Programm ist seit ca. einem Jahr in Arbeit - mit Unterstützung von Heuristic Software (J. Kaplan, Craig Barnes und Marc Leski) - und stellt eine komplette Neuentwicklung dar. Eigentlich ist es noch nicht vollständig. Zwar ist das Modul für die Königssicherheit bereits implementiert, bedarf aber noch des Feinschliffs. Weiterer Code für starke und schwache Felder, gute und schlechte Läufer sowie Module für Bauernstrukturen sind lediglich im Entwurfsstadium vorhanden.

Bei Saitek war man sich des Risikos einer Teilnahme und der möglichen, negativen Auswirkungen bei zu schlechtem Abschneiden wohl bewusst, wollte aber die Chance einer Austestung gegen die zur Zeit stärksten Programme unter realistischen Bedingungen nicht missen.

Wie bei Turnieren nach Schweizer System nicht anders zu erwarten (Paarung 1. Teilnehmer aus der ersten Hälfte der Rangliste gegen 1. Teilnehmer aus der zweiten Hälfte der Rangliste etc.) sollte sich anfänglich die Spreu vom Weizen trennen. In der Partie Now-Spracklen zeigten sich sowohl die aufgrund der oben beschriebenen Strukturmängel zu erwartenden positionellen Schwächen (z.B. Aufhebung der Fesselung und Abtausch des Läufers auf g2) als auch die bei diesen Programmierern bekannte taktische Schlagkraft (vergl. nach 28.Txd6). Mephisto konnte aus einer Fesselung das erforderliche Punktekapital schlagen: Die zweite Runde sah das Spracklen-Programm in einer spannenden Partie gegen den Mitfavoriten M-Chess nach dessen Bauernraub schon bald auf der Siegesstraße. Bei einem Plus von zwei Bauern und einer zur Untätigkeit auf g7 verdammten schwarzen Dame schien alles sonnenklar. Doch nach dem Springereinschlag auf f2 befreite sich M-Chess aus seiner misslichen Lage und rette sich schließlich in ein Dauerschach. "O.W." dachte sich wohl selbiger, als Lyon dem holländischen König in der Eröffnung auf den Leim ging und partout nicht wahr haben wollte, dass es den Bauern zurückgeben musste. Nach dem recht souverän abgehakten Endspiel wurde es verdächtig still im Mephisto-Lager, keimte etwa hier schon dunkle Vorahnung auf?

Kalte Dusche

Der dritte Tag sollte bei strahlendem Sonnenschein in Vancouver erneut eine kalte Dusche für den sonst so Erfolg gewohnten Titelverteidiger bereithalten. Gegen M-Chess reichte eine kleine Ungenauigkeit zum Verlust und zum endgültigen Aus für die Aussichten auf einen Sieg in der Softwaregruppe. Nach dem etwas unglücklichen Remis gegen M-Chess war Fortuna den Saitekianern wieder hold und bescherte ihnen in Form eines vorwitzigen Bäuerlein auf a5 gegen den späteren Amateurweltmeister einen halben Punkt mehr, als die Stellung eigentlich zuließ. Beim niederländischen Treffen der RISC-Platinen hinterließ die von The King gewählte Eröffnung eher den Eindruck der Firmenräson denn den einer eröffnungstheoretischen Neuerung. Zur Mitte des Turniers konnte Gideon in der direkten Begegnung mit M-Chess nach dessen Fehler 13.Se5? mit einem Vorstoß im Zentrum die Schwächen der schwarzen Königsstellung bloßlegen und einen hartnäckigen Verfolger abschütteln. Damit schien sich für ihn ein Durchmarsch anzubahnen, mit dem vor der Weltmeisterschaft wohl nur Jan Louwman, der langjährige Betreuer dieses Schröder-Programms gerechnet hatte. Am nächsten Tage schien Gideon doch ein wenig erschöpft und es dauerte recht lange, bis er den Ariadnefaden fand, um Hiarcs ("highly intelligent auto response chess system") aus einer pattverdächtigen Situation herauszumanövrieren. In der sechsten Runde bereits fielen die wesentlichen Entscheidungen für zwei Titel. Mit dem verdienten Sieg über Saitek Experimental, dessen noch fehlendes Verständnis hier sehr deutlich wurde, war Gideon der Softwareweltmeistertitel nicht mehr streitig zu machen. Mit einer guten Endspielleistung ließ auch M-Chess als 1991er PC-Weltmeister nichts anbrennen. Mit Spannung wurde die direkte Begegnung des alten und neuen Weltmeisters erwartet, und sie enttäuschte nicht. Bedauerlicherweise wurden die so geweckten Erwartungen in der Playoff-Runde, in der es um den Titel des absoluten Weltmeisters ging, nicht erfüllt. Wohl um die Auswirkungen einer Niederlage fuerchtend, einigten sich beide Partien schnell auf eine Teilung der Gesamtpunkte, die durch den Partieverlauf nicht gerechtfertigt war und dem Geist eines Wettkampfes auch wohl dem Turnierreglement widersprach. Schade!

Playoff Runde

Hier sind die Leser gefordert: Spielen Sie diese beiden Partien mit ihren Computern zu Ende und sagen Sie uns, welche Rechner welche Ergebnisse erzielen. Vor allem interessieren die Resultate mit der RISC-Card und Mephisto Lyon.

Die Kommentare in diesem Bericht wurden z.T. nach Analysen von IM M.Valvo und IM M.Leski abgefasst.



Weblinks


siehe auch