9. WMCCC Portoroz 1989

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  • Portoroz YUG, 1989.09.09 - 1989.09.13
  • World Microcomputer Chess Champion: Mephisto Portorose


P Player Score SB M R P A W P K N
1: Mephisto X 6.5 / 7 18.75 X = 1 1 1 1 1 1
2: Rebel 5.5 / 7 15.00 = X = 1 = 1 1 1
3: Pandix 4.5 / 7 10.00 0 = X = = 1 1 1
4: AI Chess 4.5 / 7 9.25 0 0 = X 1 1 1 1
5: Why Not 89 4.0 / 7 8.00 0 = = 0 X 1 1 1
6: Paul 2.0 / 7 1.00 0 0 0 0 0 X 1 1
7: Kempelen Atari 1.0 / 7 0.00 0 0 0 0 0 0 X 1
8: Nightmare 0.0 / 7 0.00 0 0 0 0 0 0 0 X
9: Quick Step disq. - - - - - - - - -

28 games: +12 =5 -11

Nichts Neues unter der Sonne bei der 9.WM. Der Mephisto Portorose gewann, wie erwartet mühelos, da die gesamte Schachcomputer-Konkurrenz (Saitek, Novag, Fidelity und CXG) der Veranstaltung fern blieb. Trotzdem kam es zu einem Skandal. Das Programm Quick Step von Klaus Dieter Lange aus Berlin begeisterte die Zuschauer mit eindrucksvollem Spiel (z.B. Partie gegen Why Not 89) und führte die Tabelle mit 5 Punkten aus 5 Partien an. In der 6. Runde kam es zur entscheidenden Partie gegen den Weltmeister, die Quick Step allerdings verlor. Somit war die WM für Mephisto gelaufen und keiner hätte sich über die spannende WM beschwert, wenn da nicht die 7.Runde gewesen wäre. Quick Step unterlag AI Chess aufgrund eines Eröffnungslochs in seiner Bibliothek und das Mephisto Team Weiner & Lang beschlich ein Verdacht. Der Mephisto Almeria wies exakt das gleiche Eröffnungsloch in seiner Bibliothek auf. Mephisto reichte daraufhin Protest ein und nach einigem hin und her, gab Klaus Dieter Lange den Betrug zu. Das Programm Quick Step war nichts weiter als eine Raubkopie des Vorjahresmodels Mephisto Almeria. Quick Step wurde daraufhin disqualifiziert. Hegener&Glaser sah aber von einer Anzeige ab, warum auch immer.


Lang und Langer

Beinah-Sensation und handfester Skandal in Portoroz

(Turnierbericht von Frederic Friedel aus Computerschach und Spiele / Heft 5 / 1989)

Eigentlich hätte es die langweiligste Mikro-WM aller Zeiten werden können, die neunte namentlich, die in der zweiten Septemberwoche im adriatischen Badeort Portoroz (Jugoslawien) ausgetragen wurde. Doch ein bislang unbekannter Programmierer sorgte reichlich für Furore.

Natürlich kam von der Verweigerungsfront (Saitek, CXG und Novag) wieder einmal niemand zur WM, und auch von den Newcomern Yeno und Peri war nichts zu sehen. Fidelity, inzwischen die Tochter eines Größeren (Nachtrag: Fidelity wurde im Jahr 1989 von Hegener & Glaser übernommen) wollte nicht ohne ihre sagenumwobene 68040-Hardware antreten. Die war aber kurz vor der WM noch immer nicht voll lauffähig. Mit dem „alten" 68030 waren sie schon dreimal (zuletzt in London) hinter Mephisto gelandet. Also sahen sie keine echte Chance und blieben ebenfalls der Weltmeisterschaft fern.

Folglich war der einzige kommerzielle Teilnehmer, Mephisto Portorose, ganz allein auf weiter Flur. Er wurde bereits am ersten Tag kampflos zum Sieger in der Herstellergruppe erklärt. Immerhin: Ganz ohne Schach lief die WM doch nicht ab. In der Software-Gruppe gab es neun Programme, die mit Brett und Figuren um den Titel kämpfen mussten:

Kempelen Atari, das bekannte Programm des Ungarn Attila Kovacs, der bei vielen Computer-WMs und fast immer am Tabellenende zu finden ist.

Pandix von Gyula und Zsuzsa Horvath, die auch aus Ungarn stammen und sich rege an Computer-Turnieren beteiligen. Ihr PC-Programm wird kontinuierlich verbessert und kann nicht mehr müde belächelt werden.

A.I.Chess, ebenfalls ein PC (sprich MS-DOS) Programm, das von einem sympathischen Kalifornier namens Martin Hirsch entwickelt wurde. Man sollte diesen jungen Mann und seine Arbeit in Zukunft genau beobachten.

Quick Step, ein bislang unbekanntes Programm von Klaus Dieter Langer aus Berlin, das schon für die Computerschach-WM in Edmonton angemeldet war, dann aber doch nicht antreten konnte. Nach Portoroz war der 35jährige Langer mit seiner Braut angereist - für ihn war es also auch die Hochzeitsreise.

Paul, eine Neuentwicklung von zwei jungen Amateuren, Michael Schmitt (19) und Christopher Lutz (mit 18 Deutschlands jüngster IM!), beide aus Neunkirchen. Vor nur einem Jahr haben sie auf einem AT-Kompatiblen mit der Schachprogrammierung angefangen, schon nach zwei Monaten entstand die erste spielfähige, wenn auch noch recht schwache Version. Da sie nur wenig Fachliteratur zum Thema besaßen, mussten sie die meisten Techniken selbst erarbeiten. Das Programm ist in Pascal geschrieben und belegt ohne Eröffnungen ca. 55 KByte.

Nightmare (= Alptraum) ist das vier Monate alte Kind von zwei jungen Osnabrückern, Reinhold Gellner (früher beim SK 32 Münster in der 2. Schachbundesliga) und Gaby von Rekowski. Beruflich sind sie im medizinischen Bereich tätig, die Schachprogrammierung betrachten sie als Hobby. Nightmare wurde nur geschrieben, weil die beiden die Programmiersprache „C` erlernen wollten.

Why Not 89 (früher „Y!89", was genauso ausgesprochen wird). Der schwedische Autor Ulf Rathsman zeichnet für den Mephisto MM II und die Conchess-Programme verantwortlich. Ulf wird neuerdings von dem italienischen Eröffnungsspezialisten Sandro Necchi assistiert.

Rebel, von Ed Schröder, soll in dieser Version demnächst im Mephisto Polgar die Arbeit verrichten. Bei der Computer-Olympiade in London hatte das Programm besser abgeschnitten als der große Bruder, was zum Teil auf die vorzügliche Eröffnungsvorbereitung von Jeroen Noomen zurückzuführen ist. Natürlich lief Rebel in Portoroz auf höchster (Bit-Slice-) Geschwindigkeit.

Mephisto X, identisch mit Mephisto Portorose, von Richard Lang mit tüchtiger Entwicklungshilfe von Ossi Weiner aus dem Almeria weiterentwickelt. In Portoroz steckte ein 36 MHz schneller 68030-Prozessor und 2 MByte RAM unter der Haube. Diese neun hatten nun ein Rundenturnier unter-einander auszutragen, und der Gewinner sollte gegen den Default-Sieger der kommerziellen Gruppe spielen, um den „Absoluten Weltmeister" zu ermitteln. Dass hier nur Mephistos eine Rolle spielen würden, daran konnte niemand zweifeln.

Doch es kam, wie immer, alles ein wenig anders als erwartet, und die Weltmeisterschaft wurde doch noch interessant. Oder besser: pikant. Warum, das wollen wir hier noch nicht verraten, sondern in chronologischer Folge die Ereignisse ablaufen lassen, wie sie sich in Portoroz zugetragen haben.


Spitzenpaarung in Runde eins

Samstag, der 9. September 1989. Gleich in der ersten Runde sorgt die Auslosung für die Spitzenpaarung des Turniers: Mephisto X gegen Rebel. Für die Eröffnungspanne in London hat Ossi Weiner Rache geschworen, nun ist die Gelegenheit schon da. Und tatsächlich gibt es strahlende Gesichter bei ihm und Richard Lang, als Mephisto in einer slawischen Abtauschvariante 18 Züge lang in der Bibliothek bleibt, während der Gegner fünf Züge früher rausfliegt. Sehr zum Missvergnügen seiner Väter hat sich Mephisto geweigert, in das Gewinnendspiel Dame + Bauer gegen Dame überzugehen, denn dann würde seine Bewertung von +1,40 auf +1,00 fallen. Nach sechs Stunden Spielzeit wird die Partie von GM Bruno Parma als remis abgeschätzt.

Der Ausgang dieser Partie begünstigt Rebel, der sehr wahrscheinlich bei einer Fortsetzung Schwierigkeiten in der Verteidigung bekommen hätte. Am Abend berufen die beiden Turnierleiter Dr. Jaap van den Herik und Prof. Jonathan Schaeffer ein Meeting aller Teilnehmer ein, um die Frage der Abschätzungen zu diskutieren. Die meisten Programmierer wollen im Prinzip keine menschlichen Interventionen. Ossi Weiner schlägt vor, dass alle Partien grundsätzlich von den Rechnern zu Ende gespielt werden, und zwar (nach sechs Stunden Spielzeit) mit einer Stunde für die restlichen Züge. Andere protestieren, weil sie diese Zeiteinstellung nicht haben oder weil sie meinen, dass die schnelleren Programme dadurch begünstigt würden.

Es wird beschlossen, dass die Gegner vor jeder Partie selbst entscheiden können, welche „Tiebreak"-Methode sie verwenden. Wenn sie sich nicht einigen, gilt die Abschätzung, die grundsätzlich durch einen Internationalen Großmeister vor-genommen werden muss (zum Teil muss dafür John Nunn in London telefonisch bemüht werden).

Schulmäßiger Angriff

In der ersten Runde gibt es noch eine aufregende Partie: Zwischen dem Neuling Quick Step und dem taktisch starken Why Not 89 steht es nach interessanter Eröffnung mit heterogenen Rochaden ziemlich unklar. Doch dann kommt zur Begeisterung der Zuschauer wie aus heiterem Himmel ein schulmäßiger Angriff von Quick Step, der die schwarze Stellung in wenigen Zügen zertrümmert. Man wird auf das unbekannte Programm aus Berlin aufmerksam.

In der zweiten Runde hat Rebel erhebliche Mühe mit A.I.Chess, der zwar zum Schluss verliert, doch wieder einmal seinen Anspruch auf zukünftige Größe anmeldet. Das Duell der beiden deutschen Amateure Nightmare und Quick Step ist nach 15 Zügen praktisch schon entschieden, zugunsten des schwarzspielenden Berliner Teilnehmers. Im ungarischen Derby Kempelen-Pandix gewinnt ebenfalls der Nachziehende.

Die goldene Partie dieser Runde ist jedoch die Begegnung zwischen Mephisto und Why Not, wo Sandro Necchi eine teuflische Falle mit doppeltem Bauernopfer für den Weltmeister vorbereitet hat. Im 12. Zug kann man beobachten, wie Richard Lang nervös an seinem Kugelschreiber kaut und Ossi Weiners Gesicht immer blasser wird, derweilen ihr Zögling viereinhalb Minuten lang ein reges Interesse für einen vergifteten Bauern auf b2 anzeigt. Doch in letzter Sekunde entscheidet sich Mephisto für das erlösende Dc5. Zwar zwingt das taktisch brandgefährliche schwedische Programm den Gegner auch weiterhin zu einer schmalen Gratwanderung. Doch zum Schluss, als die Damen getauscht sind, gewinnt wie so oft ein starker Mephisto-Freibauer die Partie. Ossi Weiner, der in Almeria mit seinen Eröffnungskünsten dem Fidelity-Team das Leben schwergemacht hatte, empört sich über „den Einsatz von Eröffnungen als Waffe" (verzichtete aber wohlweislich auf einen offiziellen Protest). In der dritten Runde besiegen die Profis Mephisto und Rebel die Amateure Nightmare und Paul spielend. A.I.Chess fliegt mit Weiß nach 1.c4 e6 bereits aus der Bibliothek, gewinnt aber die entstehende Damengambitpartie durch einen kraftvollen Angriff mit Figurenopfer - und das gegen Why Not! Quick Step holt sich den dritten Punkt in Folge gegen Kempelen und bleibt damit in Führung. Erste Recherchen werden gestartet: Wer ist dieser Klaus Dieter Langer? Wieso hat man bislang noch nichts von ihm gehört?

Das Interesse setzt sich fort, als der Berliner in der vierten Runde wieder einen vollen Punkt verbucht und das gelbe Trikot behalten kann. Man erfährt, dass der Autor des „Sensationsprogramms" vom Beruf Diplomingenieur in Nachrichtentechnik ist und sowohl von Hardware wie auch von Software etwas versteht. Das Hobby Computerschach beschäftigt ihn, wie er sagt, schon seit zehn Jahren - aus „Schwellenangst" sei er bislang nicht an die Öffentlichkeit getreten. Er bezeichnet sich als mittelmäßigen Schachspieler, der sein eigenes Programm schon lange nicht mehr besiegen kann. Die Entwicklung geschah mit Unterstützung von starken Spielern, als Testgegner hat er hauptsächlich ein Psion-Programm verwendet (einige Partien zwischen den beiden hat er übrigens vor einem halben Jahr zur Begutachtung an die CSS-Redaktion geschickt, die ein wenig stolz ist, ihn „entdeckt" zu haben - als ICCA-Gutachter hatte Frederic Friedel seine Teilnahme an der WM befürwortet).

Die genauere Programmstruktur von Quick Step bleibt aber Langers Geheimnis. Er verrät lediglich, dass sein Programm selektiv arbeitet, mit sehr viel Schachwissen, vor allem über Bauernstrukturen. Auch gebe es Mustertabellen für Endspiele. Besonders eindrucksvoll ist sein Computer: ein VME Bus-System mit 33 MHz schnellem 68030 Prozessor und 8 MByte RAM. Das Programm (64 KByte Assembler) und die Eröffnungsbibliothek sind nicht auf Floppys oder Festplatte gespeichert, sondern auf Eproms untergebracht. Die Kommunikation erfolgt nicht über ein Bildschirm-Terminal sondern über ein kleines Eingabegerät mit 32stelliger LCD Anzeige - ideale Komponenten für einen kommerziellen Schachcomputer. Mindestens ein Hersteller aus Hongkong meldet konkretes Interesse an.


Stehender Applaus

Die Entscheidung, ob es zu einem Sensationssieg des Berliner Teilnehmers kommt, fällt in der sechsten Runde, als Quick Step sich dem amtierenden Mikro-Weltmeister zu stellen hat. Es wird eine spannende Spitzenpartie, die beste des Turniers. Fünfzehn Züge lang spielt Quick Step im angenommenen Damengambit eine Lieblingsvariante des Mephisto Almeria (Weiner: „Seine Eröffnungsbibliothek ist sehr genau auf uns abgestimmt!") und es entsteht die für diesen Eröffnungstyp charakteristische Konstellation: Schwarz hat Vorteile am Damenflügel, Weiß dafür starken Königsangriff. Nur durch sehr präzise Verteidigung kann Mephisto das Gleichgewicht halten. Schließlich schlägt das neue Lang-Programm den Angriff ab und erhält ein vorteilhaftes Endspiel, allerdings mit Türmen und ungleichfarbigen Läufern. Nach fast sechs Stunden Spielzeit gelingt der entscheidende Durchbruch und der Sieg ist perfekt. Die fachkundigen jugoslawischen Zuschauer applaudieren stehend dem hochklassigen Spiel beider Seiten. Damit ist die WM für Mephisto praktisch gelaufen, zumal Rebel gegen Why Not remisiert. In der siebten Runde gerät Quick Step gegen A.I.Chess in eine schlechte Eröffnung, die einen fürchterlichen Opferangriff des amerikanischen Programms heraufbeschwört: In der gleichen Runde verliert der ewige Pechvogel Kempelen mit Schwarz gegen Rebel in rekordträchtiger Kürze: übertroffen wird das nach unseren Recherchen nur noch von der historischen Partie Chat-Kempelen aus der Mikro-WM in Rom (CSS 5/87, S.43): 1.d4 f5 2.h3 Sf6 3.g4 fxg4 4.hxg4 Sxg4 5.Dd3 Sf6 6.Txh7 Sxh7 7.Dg6 matt!

Am nächsten Tag machen die Teilnehmer auf Einladung der jugoslawischen Veranstalter einen Busausflug zu den Höhlen von Skocjanske Jame und nach Lipica, der Wiege der Lipizaner Schimmel. Anschließend gibt es ein Wettkampf an zehn Brettern (ein Gast-Fidelity komplettierte die Computermannschaft) gegen den Schachklub Portoroz. Die Rechner gewinnen mit 6:4 Punkten, was für die Einheimischen eine „Katastrofa" bedeutet. Sie fordern Revanche nach der WM und schwören grausame Rache.


Schleichender Verdacht

Alle sind bester Laune - nur das Mephisto-Duo scheint ein wenig geistesabwesend. Ossi Weiner beschäftigt immer noch die Partie Quick Step - A.I.Chess, weil Mephisto Almeria früher genau dasselbe Eröffnungsloch hatte, und Richard Lang wird das Gefühl nicht los, dass seiner Partie gegen das Berliner Programm in der sechsten Runde etwas Merkwürdiges anhaftet. Plötzlich kommt den beiden ein aberwitziger Verdacht und sie verschwinden schleunigst auf ihr Zimmer, um ein wenig zu recherchieren...

Am Abend platzt dann die Bombe: Mephisto reicht einen formellen Protest gegen die Teilnahme von Quick Step ein. Der Autor dieses Programm heiße gar nicht Langer (Klaus Dieter) sondern Lang (Richard)! Es sei schlicht eine Raubkopie von Mephisto Almeria! Als Beweis führt man u.a. folgende Punkte an:

  • Quick Step spielt mit identischer Eröffnungsbibliothek - sogar alte Fehler des Almeria tauchen bei ihm an gleicher Stelle auf.
  • Alle Partien von Quick Step lassen sich (bei entsprechend verlängerter Bedenkzeit) auf jedem beliebigen Almeria 32 Bit genau reproduzieren.
  • Quick Step verwendet nahezu das identische Dialog-Eingabesystem (mit Haupt- und Untermenüs und Cursorbedienung) wie der Almeria.
  • Quick Step zeigt im Info-Modus (der allerdings fast immer ausgeschaltet bleibt) die gleichen Rechentiefen, Zuglisten und Hauptvarianten wie Mephisto Almeria. Zum Beispiel zeigte er im 16. Zug der Partie gegen Mephisto 05/13 g2g4=26/54 an. Herr Langer sagte, dass 05/13 fünf Halbzüge brute-force und 13 selektiv bedeute, und g2g4= 26/54 dass von 54 legalen Zügen g2g4 die 26. der Zugliste sei. Wenn man dieselbe Stellung in den Almeria eingibt, erhält man die Anzeige 05/13 G2G4=26/54 mit gleicher Bedeutung.


Nächtliches Verhör

Fast die ganze Nacht hindurch befragen die Turnierleiter van den Herik und Schaeffer den Beschuldigten. Anfangs leugnet er hartnäckig, weigert sich, Quelltexte seines Programms vorzulegen oder seine schachlichen Berater zu nennen. Doch dann verwickelt er sich immer mehr in Widersprüche und am nächsten Morgen gesteht er seine Schuld in vollem Umfang ein. Er wird von der ICCA für die Wettkämpfe disqualifiziert, und alle bisherigen von Quick Step erzielten Ergebnisse werden annulliert.

Traurig darüber ist vor allem Martin Hirsch, dessen Sieg gegen Quick Step ihm praktisch den WM-Titel für Personal Computer gebracht hatte. Jetzt muss er nach einer Schlussniederlage gegen Mephisto den Titel mit Pandix teilen (der in den letzten Runden sensationell gegen Rebel und Why Not remisiert).

Eigentlich müssten jetzt die beiden Gruppensieger Mephisto X und Mephisto Portorose (Software und kommerziell) einen Wettkampf um den Titel des Weltmeisters aller Klassen austragen. Da aber niemand großes Interesse an einer Auseinandersetzung zwischen zwei identischen Programmen zeigt, wird der Titel an Mephisto Portorose kampflos vergeben. Zum Ausgleich findet ein Wettkampf mit halber Bedenkzeit zwischen den Weltmeistern von 1988 und 1989 statt (déjà vu - wurde das nicht genauso im Editorial von CSS 6/87 beschrieben?). Mephisto Portorose erkämpft sich gegen Almeria einen Sieg bei drei Remisen. Das gleichzeitig stattfindende 15-Minuten-Blitzturnier der anderen Teilnehmer gewinnt A.I.Chess vor Rebel.

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Rückkampf gegen den Schachklub Portoroz an acht Brettern (diesmal ohne Fidelity und Quick Step) von den Menschen 5:3 gewonnen wird. Das Gesamtergebnis lautet also 9:9. So harmonisch ging die 9. Microcomputer-Schachweltmeisterschaft dann doch noch zu Ende.


Weblinks


siehe auch