Novag

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Die Firma NOVAG

und mit ihr der amerikanische Programmierer David Kittinger wurden mit dem Release des Super Constellation im Jahre 1984 zu den erklärten Lieblingen sehr vieler Schachcomputerfans. Für damalige Verhältnisse war dieses Gerät äußerst spielstark und fand vor allem wegen seines unkonventionellen, intuitiven, taktisch geprägten und sehr menschlichen Spielstils eine große Anhängerschaft.

Das Programm hatte wie fast alle damaligen 8-Bit Computer eine 6502 CPU, die mit mit 3,6 MHz getaktet war. Die Programmgröße betrug 56 K und der Computer konnte auf eine 20.000 Halbzüge umfassende Eröffnungsbibliothek zurückgreifen, was seinerzeit rekordverdächtig war. Darüber hinaus bot dieses Gerät erstmals die Möglichkeit einer vom Benutzer zu programmierenden Eröffnungsbibliothek von ca. 2000 Halbzügen, ein Ausstattungsmerkmal, dass sich bis in die heutige Zeit bei den NOVAG-Geräten erhalten hat. Weitere Highlights waren die Anschlussmöglichkeit eines Druckers, sowie einer Schachuhr . Der Computer kostete damals ca. 800 DM und war auch in sehr eleganter Holzausführung als Constellation Expert erhältlich.

Zwar konnte der „Super Conny“, wie er von seinen Anhängern liebevoll genannt wurde, sich auf den damaligen Computerveranstaltungen nicht gegen die 16-Bit Konkurrenz der Mephistos entscheidend durchsetzen, aber es konnten vielfach Achtungserfolge und spektakuläre Siege (auch gegen starke menschliche Gegner) errungen werden. In der Fachwelt sprach man von Kittingers berühmten PSH-Algorithmen (scherzhaft von Dirk Frickenschmidt mit passt sicher halbwegs übersetzt), die das Programm häufig „intuitive“ Züge und Figurenopfer spielen ließen. Und genau das ist es, was es auch heute noch so reizvoll macht gegen die „Kiste“ zu spielen, zumal man als Amateurschachspieler hier gelegentlich ganz gut aussieht, weil sich der Super Constellation halt doch verrechnet. Der Autor schätzt die Spielstärke auf ca. 1700 ELO (SSDF alt: 1750, SSDF neu: 1650).

NOVAG brachte 1985 den Nachfolger, den Forte heraus, der ein Jahr später in einer überarbeiteten Version B erschien. Diese Geräte besaßen erstmals ein Display zur Anzeige von Spielinformationen. Die Spielstärke war geringfügig höher als die des Super Constellation, was aber wohl ueberwiegend der auf 5 MHz erhöhten Taktfrequenz zuzuschreiben war. Programmtechnisch begann Kittinger jetzt nämlich mehr und mehr positionelle Kriterien einzubauen, was dem spektakulären Spielstil, wie man ihn bis dato gewohnt war, leider nicht unbedingt zu Gute kam.

Diese Tendenz setzte sich zunächst auch mit dem Super Forte A fort, der im Jahre 1987 erschienen ist. Die B-Version von 1989 war dagegen taktisch ein Monster, hatte aber in positioneller Hinsicht einige Schwachpunkte. Eine neue Meisterleistung Kittingers sollte aber der Super Forte in der C-Version (1990) werden, besonders in der 6 MHz Ausführung, die auch in diesem Turnier eingesetzt wurde. Kittingers schaffte es fast, die für 8-Bitter magische Grenze von 2000 Elo Punkten in der SSDF-Liste zu knacken, geführt wurde das Gerät mit 1960 Elo (alt, neu ca. 1860). Aus Sicht des Autors war und ist es das stärkste 8-Bit Gerät aller Zeiten und das vorliegende Turnier wird diese Einschätzung nochmals bekräftigen.

Was war nun das Besondere am C-Programm Kittingers? Nun, der Amerikaner führte neben grundsätzlichen programmtechnischen Verbesserungen, sogenannte Selective Search Funktionen ein, die es dem Super Forte ermöglichen, je nach Einstellung, bestimmte Stellungen in den Spitzen effektiv und vor allem tiefer zu untersuchen. Das Programm erlaubt die Einstellung von 8 verschiedenen Selective Search Stufen, als spielstärkste Einstellung hat sich Sel 5 herauskristallisiert, obwohl hier in einschlägigen Fachkreisen auch andere Meinungen vertreten werden.

Der Super Expert C war taktisch sowie positionell gleichermassen stark und auch spektakuläre PSH-Züge tauchten wieder auf, man fühlte sich in seelige Super Conny-Zeiten (auf höherem Niveau!) zurückversetzt. Ausstattungsmäßig hatte sich gegenüber der Forte-Generation u. a. das Display zum Positiven geändert, es zeigte jetzt die verbrauchte Zeit beider Seiten an und war auch deutlich besser zu lesen. Darüberhinaus wurde erstmals eine PC-Schnittstelle über eine sogenannte Distributor-Box angeboten. Die Eröffnungsbibliothek war inzwischen auf 32.000 Halbzüge angewachsen.

Auch Dave Kittinger mußte dann irgendwann feststellen, dass es mit den 8-Bit Zeiten vorbei war und stieg 1990 mit dem Novag Scorpio 68000 bzw. dem aus namensrechtlichen Gründen dann umbenannten Diablo auf den Motorola 68000 Prozessor um. Die hohen Erwartungen konnten allerdings nicht vollständig erfüllt werden, immerhin gelang aber erstmals der Sprung über die 2000 Elo Grenze in der SSDF (neu ca. 1900 ELO) und optisch war das Gerät eine Augenweide.

Novag Schachcomputer


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