Capablanca Edition master chess endgame

Capablanca Edition master chess endgame
Capablanca Edition master chess endgame war ein Endspielmodul der US-amerikanischen Firma Applied Concepts, das 1981 erschien. Es wurde als spezialisiertes Endspiel-ROM für die modulare Schachcomputerplattform des Herstellers entwickelt und stellte innerhalb des Systems eine Ergänzung zu den Mittelspielprogrammen Morphy Edition master chess und Sandy Edition master chess dar. Der Einführungspreis betrug 398 DM.
Das Modul wurde nach dem kubanischen Schachweltmeister José Raúl Capablanca benannt.
Markteinführung
Die Capablanca Edition erschien im Frühjahr 1981. Das Modul erschien zeitgleich mit dem Eröffnungsmodul Gruenfeld Edition master chess openings und bildete zusammen mit diesem sowie dem Mittelspielmodul (Morphy bzw. Sandy) das sogenannte „Master Chess Trio“.
Beschreibung
Die Capablanca Edition wurde für die Systeme Great Game Machine (GGM), Modular Game System (MGS) sowie Multi Game System III (MGS III) angeboten. Sie war als spezialisiertes Endspielmodul konzipiert und sollte die im Hauptprogramm begrenzten Endspielkenntnisse gezielt verbessern.
Das Grundkonzept bestand darin, die Partie zunächst mit einem Mittelspielmodul zu spielen und beim Übergang ins Endspiel auf das Capablanca-Modul zu wechseln. Der empfohlene Wechselzeitpunkt wurde von Morphy bzw. Sandy über einen zusätzlichen Punkt in der Anzeige signalisiert, sobald das Programm anhand der Materialbilanz das Endspiel als erreicht einstufte.
Die Capablanca Edition verbesserte damit vor allem die Behandlung von Endspielen und Mattaufgaben. Während Morphy und Sandy im Endspiel und beim Problemlösen nur mittlere Leistungen erreichten, bot das Endspielmodul eine deutlich spezialisiertere Rechen- und Bewertungslogik.
Technische Eigenschaften
Das Modul verfügte über mehrere Funktionen, die über den Standardumfang der Hauptmodule hinausgingen:
- Berücksichtigung der 50-Züge-Remisregel
- Berücksichtigung der Remisregel durch dreifache Stellungswiederholung (sofern die Wiederholung innerhalb von acht Zügen auftrat)
- Rücknahmefunktion mit bis zu 8 Zügen
- Erkennung illegaler Stellungen bei der Eingabe
- Spezielle Mattsuchstufe auf Stufe 0
- Deutlich verlängerte Rechenzeiten in hohen Stufen (insbesondere Stufe 6)
Die Stufe 0 arbeitete im Capablanca-Modul nicht als normale Spielstufe, sondern als Mattsuchstufe. Sie war für Langzüger bis zu etwa 11 Zügen ausgelegt. Die Suche lief ohne Unterbrechung weiter, bis entweder ein Matt gefunden oder die Berechnung manuell abgebrochen wurde. Viele Aufgaben wurden dabei vergleichsweise schnell gelöst; bei längeren Mattfolgen konnten jedoch sehr hohe Rechenzeiten auftreten.
Bei einem Wechsel von Morphy oder Sandy auf die Capablanca Edition wurde eine eventuell aktive Stufe 0 automatisch auf Stufe 1 umgeschaltet, da Stufe 0 im Endspielmodul eine andere Funktion hatte.
Auffällig war außerdem das Verhalten in Stufe 6: Während Morphy in dieser Stufe typischerweise einige Stunden rechnete, konnte die Capablanca Edition je nach Stellung auch Rechenzeiten von einem oder mehreren Tagen erreichen.
Funktionsweise im modularen System
Das Modul war auf die Zusammenarbeit mit den Mittelspielprogrammen von Applied Concepts ausgelegt. Die Partie wurde zunächst mit Morphy oder Sandy gespielt. Erkannte das Hauptprogramm auf Basis der Materialverteilung den Übergang ins Endspiel, wurde dies durch einen zusätzlichen Punkt in der Anzeige signalisiert.
Für den Modulwechsel wurde der Netzschalter auf die Speicherstellung (MEM) gesetzt. Dadurch blieb die aktuelle Stellung im RAM erhalten, während das ROM-Modul ausgetauscht wurde. Nach dem Einsetzen der Capablanca Edition konnte die Partie in derselben Stellung mit dem Endspielprogramm fortgesetzt werden.
Dieses Verfahren entsprach dem modularen Konzept des Systems, bei dem Eröffnungswissen, Mittelspielsuche und Endspielwissen auf getrennte ROM-Module verteilt wurden.
Schachliche Eigenschaften
Die Capablanca Edition war auf Endspielbehandlung und Mattsuche spezialisiert und stellte in diesem Bereich eine deutliche Verbesserung gegenüber den Hauptmodulen Morphy und Sandy dar.
Besonders bei der Lösung von Mattaufgaben zeigte das Modul eine höhere Leistungsfähigkeit. Die Mattsuchstufe (Stufe 0) erlaubte die Bearbeitung längerer Kombinationen und Mattfolgen, die mit den normalen Spielstufen der Hauptmodule nur eingeschränkt erreichbar waren.
Die schachlichen Eigenschaften der Capablanca Edition entsprachen in vielen Punkten bereits dem späteren Nachfolgemodul Capablanca S Edition master chess endgame, das die Grundidee weiter ausbaute und zusätzliche Analysefunktionen ergänzte.
Kompatibilität
Das Modul war kompatibel mit:
- Morphy Edition master chess
- Sandy Edition master chess
- Steinitz Edition-4 master chess
- Sargon 2.5
- Boris 2.5
- Great Game Machine (GGM)
- Modular Game System (MGS)
- Multi Game System III (MGS III)
Nicht kompatibel war es mit Morphy Encore und Sandy Encore.
Im Zusammenspiel mit Gruenfeld Edition master chess openings konnte das Modul als Endspielbaustein des „Master Chess Trio“ eingesetzt werden.
Weiterentwicklung
Eine verbesserte und heute seltene Nachfolgeversion erschien später unter der Bezeichnung Capablanca S Edition master chess endgame.
Diese bot unter anderem eine zusätzliche Fernschachstufe 9 sowie erweiterte Anzeige- und Analysefunktionen. Äußerlich waren beide Modulversionen nicht voneinander zu unterscheiden.
Bedeutung
Die Capablanca Edition stellte einen frühen Versuch dar, spezialisiertes Endspielwissen aus dem Hauptprogramm auszulagern und in einem eigenen ROM-Modul bereitzustellen. Das Modul verfolgte damit einen wissensbasierten Ansatz, der die begrenzten Ressourcen früher Schachcomputer gezielt auf einzelne Partiephasen verteilte.
Im Rahmen des Applied-Concepts-Systems bildete die Capablanca Edition den Endspielbaustein des modularen „Master Chess“-Konzepts. Die funktionale Trennung von Eröffnungsbuch, Mittelspielsuche und Endspielwissen nahm strukturell spätere Entwicklungen in der Schachsoftware vorweg.
Quellen
- Hein Veldhuis: Schachcomputer-Datenbank, Eintrag 05-1981 [0947]
- Herstellerangaben Applied Concepts (1981)