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Svetlana

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Svetlana
Herstellerinformationen
Sitz:
Sankt Petersburg, Russland

Svetlana (russisch: Светлана, offiziell ПАО «Светлана») ist ein traditionsreicher sowjetischer bzw. russischer Elektronikhersteller aus Sankt Petersburg. Das Unternehmen ging aus einer bereits 1889 gegründeten Werkstatt hervor und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Produzenten von Elektronenröhren, Halbleitern, Mikroelektronik und Rechentechnik.[1] Für die Geschichte der Schachcomputer ist Svetlana vor allem deshalb von Bedeutung, weil unter der Marke Elektronika mehrere eigenständige sowjetische und frühe russische Schachcomputer entstanden.[2]

Geschichte

Die Wurzeln des Unternehmens reichten bis in das Jahr 1889 zurück, als J. M. Ajvaz eine Werkstatt zur Herstellung von Zigarettenhülsen gründete. 1911 wurde daraus eine Maschinenbau-Aktiengesellschaft. 1913 entstand innerhalb dieses Unternehmens die Abteilung für Glühlampen unter dem Namen Svetlana.[1]

Nach der Nationalisierung im Jahr 1919 wurde das Werk in den sowjetischen Industrieapparat eingegliedert. Bereits 1928 entwickelte sich Svetlana durch die Zusammenführung mit dem Leningrader Elektrovakuumwerk zu einem der wichtigsten Hersteller von Empfangs-, Verstärker- und Spezialröhren in der UdSSR.[1]

Von besonderer Bedeutung für die spätere Schachcomputer-Produktion war der Ausbau der Halbleiter- und Mikroelektronikkompetenz. 1955 begann bei Svetlana die Transistorfertigung; 1962 entstand die Leningrader Vereinigung für elektronischen Gerätebau „Svetlana“. In den 1970er Jahren folgten wesentliche Schritte in Richtung Rechnertechnik: 1972 wurden bei Svetlana die ersten sowjetischen Taschenrechner der Reihe Elektronika 24-71 gefertigt, 1976 die Einplatinen-Mikrorechner Elektronika C5-11 entwickelt und 1979 eine einkristallige 16-Bit-Mikrorechnereinheit vorgestellt.[1][3]

Diese Entwicklungslinie machte Svetlana zu einem der wenigen sowjetischen Unternehmen, das nicht nur Bauelemente, sondern auch komplette mikroprozessorgestützte Konsum- und Spielgeräte herstellen konnte. Vor diesem technischen Hintergrund entstanden in den 1980er und frühen 1990er Jahren die Schachcomputer der Marke Elektronika.

Svetlana und die Marke „Elektronika“

Die Marke Elektronika wurde in der Sowjetunion und später in Russland für Rechner, Heimcomputer, Uhren und elektronisches Spielzeug verwendet. Im Schachcomputerbereich ist die Marke eng mit Svetlana verbunden; schach-computer.info führt die entsprechenden Geräte ausdrücklich als Produkte der Firma Svetlana in Sankt Petersburg.

Die Modellbezeichnung IM steht für игра микропроцессорная („Mikroprozessorspiel“).[4] Innerhalb der sowjetischen und russischen Schachcomputergeschichte nimmt Svetlana damit eine Sonderstellung ein, da das Unternehmen nicht nur ein Einzelgerät, sondern eine klar erkennbare Reihe eigener Serienmodelle hervorbrachte.[2]

Schachcomputer von Svetlana

Überblick

Modell Markteinführung Charakteristik Bemerkungen
Elektronika IM-01 1986 16-Bit-Tischgerät auf Basis des K1801BM1; 6 Spielstufen; ca. 200 Halbzüge Eröffnungsbibliothek; 4-stellige 7-Segment-Anzeige.[5] Gilt als eines der frühesten vollständig in der Sowjetunion gefertigten Schachcomputer-Seriengeräte.[4]
Elektronika IM-01T 1992 Überarbeitete Version mit K1801BM1, 2 KB RAM, 8 KB ROM, 7 Spielstufen, grüner LED-Anzeige und ca. 200 Halbzügen Eröffnungsbibliothek.[6] Späte Fortführung der IM-01-Linie in der Übergangszeit nach dem Ende der UdSSR.
Elektronika IM-05 1993 Weiterentwickeltes 16-Bit-Tischgerät mit K1801BM2, 4 KB RAM, 24 KB ROM, 7 Spielstufen und LED-Anzeige.[7] Technisch stärkstes bekanntes Gerät der Reihe; laut Sammlerquellen eine deutliche Verbesserung gegenüber IM-01 und IM-01T.[8]
Elektronika IM-29 Schachpartner 1992 Handgerät mit LCD-Schachbrett, 4 Spielstufen, INS8050, 256 Byte RAM und 4 KB ROM.[9] Kopie des Mattel Computer Chess; zeigt eine andere Produktstrategie als die eigenständigen Tischgeräte der IM-01/05-Linie.[10]

Die Reihe IM-01 / IM-01T / IM-05

Das Kernstück von Svetlanas Schachcomputerproduktion bildeten die Tischgeräte IM-01, IM-01T und IM-05. Sie besaßen ein Sensorbrett, eine Netzstromversorgung und orientierten sich in ihrer technischen Basis an der sowjetischen 16-Bit-Rechnerwelt rund um die K1801-Prozessorfamilie.[5][6][7]

Als Programmierer der IM-01- und IM-05-Linie wird in Sammler- und Spezialquellen V. Petrenko genannt.[5][6][7] Die Geräte boten für sowjetische Verhältnisse eine bemerkenswert komfortable Ausstattung, darunter mehrere Spielstufen, Bibliotheksfunktionen, Analyse- und Problemstellungen sowie eine für die Zeit anspruchsvolle Brett-/Display-Kombination.[4][8]

Gerade der Übergang vom IM-01 zum IM-05 zeigt, dass Svetlana nicht bei einer einmaligen Konstruktion stehen blieb, sondern die Reihe technologisch weiterentwickelte. Während der IM-01 noch als frühes, heute seltenes Pioniergerät gilt, stellt der IM-05 den ausgereiftesten bekannten Vertreter der Familie dar.[4][8]

Turnierbezug der Petrenko-Linie

Die von V. Petrenko entwickelte Elektronika-Linie stand nicht nur im Konsumgüterbereich, sondern auch im sowjetischen Computerschach in Erscheinung. Laut Chessprogramming Wiki wurde Elektronika IM-01 beim 1. sowjetischen Computerschach-Championat 1988 wegen Transportproblemen nicht rechtzeitig zum Turnierort gebracht. Nach dem offiziellen Ende wurden jedoch Schaupartien gegen Spitzenprogramme angesetzt, in denen Petrenkos Programm 2,5 aus 3 Punkten erzielte.[2][11]

Für das dort beschriebene Petrenko-System werden 8 KB ROM, 1 KB RAM, eine Eröffnungsbibliothek von 200 Halbzügen sowie eine Alpha-Beta-Suche mit etwa 25 Stellungen pro Sekunde genannt.[2] Beim 1. internationalen Computerschachturnier in der UdSSR 1989 erreichte Elektronika IM den fünften Platz.[2]

Diese Turnierbezüge unterstreichen, dass Svetlanas Schachcomputer nicht nur als Spielzeug, sondern als Teil der sowjetischen Computerschachkultur zu verstehen sind.

IM-29 Schachpartner

Eine Sonderrolle innerhalb der Svetlana-Schachcomputer nahm der Elektronika IM-29 Schachpartner ein. Im Gegensatz zu den größeren Tischgeräten handelte es sich um ein kompaktes Handgerät mit LCD-Brettanzeige. Nach übereinstimmender Einschätzung von Spezialquellen war der IM-29 eine sehr enge Kopie des Mattel Computer Chess.[9][10]

Damit dokumentiert der IM-29 eine zweite Produktstrategie Svetlanas: Neben eigenständigen, auf sowjetischer Prozessorbasis entwickelten Tischgeräten wurden in der frühen postsowjetischen Phase auch stark an westlichen Vorbildern orientierte Geräte gefertigt. Für Sammler ist der IM-29 gerade deshalb interessant, weil er eine seltene russische Variante eines frühen LCD-Handschachcomputers darstellt.[10]

Bedeutung

Svetlana gehört zu den wenigen Herstellern aus der Sowjetunion beziehungsweise dem frühen postsowjetischen Russland, die im Bereich der Schachcomputer eine klar nachvollziehbare Modellreihe hinterließen. Während viele andere sowjetische Geräte Einzelstücke, Kleinserien oder wenig dokumentierte Entwicklungen blieben, lassen sich bei Svetlana mit IM-01, IM-01T, IM-05 und IM-29 mehrere Serienmodelle nachweisen.[2]

Die Bedeutung des Unternehmens für die Schachcomputergeschichte liegt deshalb weniger in einer internationalen Turnierdominanz als vielmehr in der Tatsache, dass es in Sankt Petersburg eine eigenständige russische Linie von Schachcomputern hervorbrachte. Zugleich spiegeln die Geräte den Wandel vom späten sowjetischen Elektronikkomplex zur frühen russischen Konsumgüterproduktion wider: vom technisch ambitionierten 16-Bit-Brettgerät bis hin zum kompakten Klon-Handgerät.[1][4][8][10]

Weblinks

Einzelnachweise

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