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Data Cash Systems / Staid Inc.

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Existenz: 1977 - 1978

Data Cash Systems war ein US-amerikanisches Elektronik- und Software-Unternehmen aus Largo, Florida, das in den späten 1970er Jahren vor allem durch die Entwicklung und den Vertrieb von frühen dedizierten Schachcomputern bekannt wurde. Das Unternehmen existierte hauptsächlich in den Jahren 1977 bis 1978 und ist heute vor allem ein Teil der Geschichte früher Computerschach-Hardware.

Geschichte

Gründung und Produkte

Data Cash Systems begann 1976 mit der Entwicklung eines eigenen Schachcomputers mit dem Ziel, der erste Hersteller eines elektronischen Schachcomputers für den Endkundenmarkt zu werden. Dieser ambitionierte Plan wurde jedoch durch Verzögerungen im Entwicklungsprozess behindert und das Unternehmen wurde von seinem Wettbewerber Fidelity Electronics überholt, der im Frühjahr 1977 sein Modell Chess Challenger erfolgreich einführte.

Der primäre Produktname von Data Cash Systems war CompuChess, ein dedizierter Schachcomputer, der ab Herbst 1977 im Handel erhältlich war. Später folgte eine überarbeitete Version (CompuChess Second Edition). Die Geräte wurden von Data Cash Systems gefertigt und über eine separate Firma namens Staid Inc. vertrieben. Data Cash Systems ließ die Software für den CompuChess von unabhängigen Beratern (D. B. Goodrich & Associates) entwickeln, die den ROM-Code für den Schach-Algorithmus erstellten.

CompuChess-Reihe

Der CompuChess-Schachcomputer war eines der ersten handelsüblichen elektronischen Schachcomputer und nutzte einen Fairchild F8-Prozessor + 2 KB ROM und 256 Byte RAM. Das Gerät wurde über eine 16-Tasten-Tastatur gesteuert und zeigte Züge sowie Informationen auf einem 4-stelligen LED-Display an. Es bot sechs Schwierigkeitsstufen, darunter vier für normale Schachpartien und ermöglichte die Eingabe von Schachproblemen.

Obwohl CompuChess nicht der allererste am Markt erschien (dieser Erfolg ging an das Chess Challenger), erzielte es dennoch beachtliche Stückzahlen: bis Ende 1977 wurden nach Angaben der Hersteller über 2.500 Geräte verkauft.

Gerichtlicher Rechtsstreit

Ein bedeutender Abschnitt in der Geschichte von Data Cash Systems betraf einen Urheberrechts- und Wettbewerbsrechtsstreit gegen andere Schachcomputer-Hersteller.

Hintergrund des Falls

Im Juni 1978 wurde Data Cash Systems darüber informiert, dass der ROM-Code ihres Schachprogramms angeblich in anderen Schachcomputern verwendet wurde, insbesondere in einem Modell, das für den US-Markt durch die JS&A Group vertrieben wurde und von Novag Industries hergestellt wurde. Der ROM-Inhalt des Programms schien identisch mit dem des CompuChess zu sein, was Data Cash Systems als unrechtmäßige Reproduktion wertete.

Data Cash Systems reichte daraufhin 1978 bei einem US-Bundesgericht Klage wegen copyright infringement (Urheberrechtsverletzung) und unlauteren Wettbewerbs gegen die JS&A Group, Inc., deren Führung und die mit der Herstellung verbundenen Firmen ein.

Urteil und Appeal

Im Jahr 1979 entschied das United States District Court for the Northern District of Illinois, dass es sich bei einer ROM-Speicherabbildung nicht um eine "Kopie" im Sinne des damaligen US-Urheberrechtsgesetzes handele, wenn der Quellcode nicht direkt von Menschen lesbar sei, und wies somit die Urheberrechtsansprüche von Data Cash Systems zurück. Die Klage auf unlauteren Wettbewerb wurde nicht in gleicher Weise weiter verfolgt. Gegen diese Entscheidung legte Data Cash Systems Berufung ein, doch auch der Appeals Court des 7. Circuits bestätigte 1980 das summarische Urteil der Vorinstanz.

Der Fall gilt als früher Präzedenzfall in Bezug auf die Frage, ob Programme im ROM-Format urheberrechtlichen Schutz genießen, da die Gerichte damals überwiegend Quellcode-Lesbarkeit als Maßstab anlegten.

Bedeutung und Erbe

Obwohl Data Cash Systems nur kurzzeitig am Markt aktiv war, gehört es zu den Pionieren dedizierter Schachcomputer und trug durch den CompuChess zur Entwicklung von Heimschachcomputern in den späten 1970er Jahren bei. Die technischen Merkmale, Vertriebspartner und die begleitende Rechtsprechung spiegeln die frühen Herausforderungen der Computerschach-Industrie wider.

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