Fidelity SPS 3.5

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Ebenfalls Anfang 1984 brachte die deutsche Fidelity Electronics ein ganz neues Gerätekonzept auf den hiesigen Markt. Die Fidelity-Private-Line. Es handelte sich um den SPS 3.5 (Softpacked Sensory 3.5), ein Gerät für 798,-DM mit einem superflachen und turniergroßen, ledernden Drucksensorbrett. Die Hardware war in einem separaten Zusatzkästchen untergebracht, welches per Flachbandkabel an das Brett angeschlossen wurde. Die Zugausgabe erfolgte mittels 64 Feld-LED's , die auf der Oberseite des separaten Kästchens angebracht waren. Programmtechnisch war das Gerät identisch mit der Budapest Version des Chess Challenger 9 und lief mit einer Taktrate von 3,5 MHz. Es konnte sogar noch zwischen Netz- und Batteriebetrieb gewählt werden.

  • Auszug aus dem Bericht von Alwin Gruber:

Die Geschichte der Firma Fidelity Electronics Ltd.


SPS 3.5 und CC as ELITE 5.0

Zwei neue Rennpferde aus dem Stall von Fidelity von Hans-Peter Ketterling (aus Computer Schach & Spiele / Heft 2 / 1984)

Vor einem kleinen und exklusiven Kreis hat die Firma Fidelity Anfang April in Mülheim zwei neue Produkte vorgestellt, die demnächst auf den Markt kommen sollen. Unser Mitarbeiter Hans-Peter Ketterling war dabei.

Die Jahresmitte ist bekanntlich für das Computerschach die Sauregurkenzeit — soweit es Neuerscheinungen angeht. Kurz vor der Ferienzeit kommen gewöhnlich bestenfalls kleine Reisegeräte heraus, während die wirklichen Knüller erst zum Herbst oder gar kurz vor Weihnachten auf den Markt geworfen werden. In diesem Jahr ist das zumindest bei FIDELITY anders. Die deutsche Tochtergesellschaft hat jetzt Eigeninitiative entwickelt und tritt wahrscheinlich in den nächsten Monaten mit zwei selbst durchgeführten Neuentwicklungen an die Öffentlichkeit. Am Rande sei hierbei erwähnt, dass dies durchaus nicht das erste Mal ist, dass Fidelity Deutschland erfolgreich eigene Ideen realisiert. Das erste Beispiel war die „Veredelung" des CC Sensory 9 zum PLAYMATIC S und das zweite der gegenüber der Normalausführung doppelt so schnelle CC s 9 Speed.

Nun wurde der Versuch unternommen, die beiden erfolgreichsten Modelle der CHALLENGER-Reihe sowohl in ein neues Gewand zu kleiden, als auch ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Wie man sich bei der Erstvorstellung der Geräte im April überzeugen konnte, ist dieser Versuch durchaus als gelungen zu bezeichnen.

Superflaches Lederbrett

Da ist zunächst einmal der SPS 3.5, ein Gerät mit einem superflachen und turniergroßen, ledernen (!) Drucksensorbrett. Die Elektronik ist in einem über Flachbandkabel angeschlossenen Zusatzkästchen untergebracht, dessen Abmessungen 240 x 230 x 40 mm betragen. Die Feld-LEDs befinden sich in einem Minibrett auf der Oberseite des Kästchens und signalisieren wie gewohnt die Züge. Auf dem großen Drucksensorbrett spielt es sich deutlich angenehmer als auf dem kleinen Brett des CC s 9, wobei die Übertragung der Züge vom Anzeigefeld auf die Spielfläche völlig problemlos ist.

Das Programm des SPS 3.5 ist mit der Budapester Version des CCs 9 identisch, die Taktfrequenz wurde jedoch von 2,0 auf 3,5 MHz erhöht. Da das Gerät jedoch nach wie vor für Netz- und Batteriebetrieb geeignet ist, kann man es auch fernab von jeder Steckdose benutzen, ohne auf den Komfort eines großen Brettes verzichten zu müssen. Mit DM 798 liegt der Preis bei gesteigerter Leistung sogar noch unter dem des PLAYMATIC S. Der SPS 3.5 ist damit eine interessante Alternative für alle diejenigen, die ein starkes Programm mit einem großen Sensorbrett suchen und keinen Wert auf die nur bei Computerfreaks beliebten Extras legen.

Scharf kalkuliert

Noch interessanter ist jedoch der CC as ELITE 5.0, der das ELITE-WM-Programm aus Budapest enthält, welches hier jedoch mit einer von 3,2 bzw. 3,5 auf 5,0 MHz gesteigerten Taktfrequenz läuft und damit selbst den CC as PRESTIGE um 25% übertrifft. Die Zeiteinteilung der einzelnen Spielstufen ist unverändert geblieben, so dass die höhere Rechengeschwindigkeit einer etwas gesteigerten Suchtiefe zugutekommt. Vom Aufbau her ist das Gerät ähnlich wie der SPS 3.5 gestaltet, allerdings enthält das Gehäuse außer dem Anzeigebrettchen mit den 64 Feld-LEDs auch noch eine vierstellige Anzeige. Das Brett ist auch bei diesem Gerät sehr flach und besteht ebenfalls aus Leder. Es enthält außer den Magnetsensoren auch noch Magnete, welche die Figuren automatisch auf den Feldern zentrieren, was vor allem bei Blitz- und Schnellpartien sehr angenehm ist. Die eigentliche Spielfläche hat eine Kantenlänge von 40 cm, also nahezu Turniergröße, und auch die Figuren entsprechen in Größe und Form den üblichen Turnierschachfiguren. Wie beim normalen CC as ELITE—S ist allerdings nur Netzbetrieb möglich, dafür bleibt er mit DM 1.198 deutlich unter dessen Preisni-veau. Offensichtlich hat man bei Fidelity sehr scharf kalkuliert.

Die beiden neuen Geräte gehören zur „Privaten Linie", die ausschließlich über ausgesuchte Fachhändler vertrieben werden soll, weil man sie dem Kunden nur zusammen mit fachlich qualifizierter Beratung anzubieten beabsichtigt.

Flotte Partien

Schachspieler belassen es gewöhnlich nicht bei der Theorie, sondern gehen schnellstmöglich zur Praxis über. Da es mir nicht anders geht, habe ich natürlich einige flotte Partien mit dem neuen „Stargerät" in Stufe A3 mit einer durchschnittlichen Rechenzeit von 30 Sekunden pro Zug gespielt (in dieser Stufe weist der Computer eine Rechentiefe und damit auch eine Spielstärke auf, die jene vieler anderer Schachcomputer in Turniereinstellung deutlich übertrifft). Ein wenig leichtsinnig war ich dabei schon, indem ich glaubte, den Computer mit einem nicht einmal korrekt gespielten Gambit übertölpeln zu können. Mit energischem Vorgehen hat mein elektronischer Gegner mich in der Eröffnung dann ganz schön zusammengefaltet. Im Mittelspiel ließ er mir jedoch wieder etwas Luft und beim Übergang ins folgende Doppelturmendspiel hat er dann die Tücken der Stellung nicht richtig zu beurteilen vermocht - die Partie kippte plötzlich um und es kam zur Katastrophe.

Einige weitere Partien in der gleichen Stufe zeigten, dass der Computer taktisch sehr auf der Höhe ist. Man kann ihn am ehesten strategisch und im Endspiel überlisten.

Sanierung bei Fidelity

Dass es in der Firmenstruktur von Fidelity in den USA im vergangenen Jahr einige Veränderungen gab, hat sich auch hierzulande herumgesprochen. Anlässlich der Vorstellung der neuen Geräte ergab sich die Möglichkeit, dieses Thema mit Peter Reckwitz, dem Geschäftsführer von Fidelity in Deutschland etwas ausführlicher zu erörtern. Er erläuterte, dass es bei der Mutterfirma in den USA ein Sanierungsprogramm gegeben hat, in dessen Verlauf die Geschäfte von Fidelity Electronics auf die Neugründung Fidelity Computer Products übergegangen sind. Die Computerschach-Aktivitäten von Fidelity in den USA werden weitergeführt. Darüber hinaus ist die deutsche Fidelity Electronics ein selbständiges Unternehmen, das für sich selbst verantwortlich ist und notfalls eigene Wege gehen könnte. Problematisch ist zur Zeit der gegenüber der Situation vor ein bis zwei Jahren erhöhte Dollarkurs, der die Kostensituation für Importe aus den USA verschärft hat, was auch der Grund für einige kürzlich vorgenommene Preisanhebungen war. Für neue Produkte wird deshalb ein Eigenanteil von mindestens 70% angestrebt, um im deutschen Markt wettbewerbsfähig bleiben zu können. Die neuen Geräte werden infolgedessen, wie schon seit längerem der PLAYMATIC S und teilweise auch der CC as ELITE S weitgehend in Deutschland produziert werden. Lediglich die Elektronik und die Programme kommen weiterhin aus den USA. In Mülheim ist man auch auf den schnellen Service stolz, den man bieten kann: Die meisten Reparaturen sind innerhalb von ein bis zwei Tagen erledigt.

Enzyklopädie in fünf Modulen

Die Neuheiten von Fidelity und insbesondere der CC as ELITE S dürften auch das Interesse stärkerer Klubspieler wecken. Für theoretisch gut beschlagene Spieler gibt es noch eine weitere interessante Neuigkeit: Die lang angekündigte Serie von Eröffnungsmodulen ist jetzt endlich lieferbar. Diese "Enzyklopädie der Schacheröffnungen" besteht aus fünf Modulen mit insgesamt über 73 000 Halbzügen, die thematisch genauso wie das gleichnamige eröffnungstheoretische Werk aufgeteilt worden sind:

  • Modul A: Systeme mit 1.b3, 1.c4, 114 und 1.d4, jedoch ohne 1...d5, aber mit 1...Sf6, allerdings ohne 2.c4;
  • Modul B: Systeme mit 1.e4, jedoch ohne 1...e5 und 1...e6;
  • Modul C: Systeme mit 1.e4 e5 und 1...e6;
  • Modul D: Systeme mit 1.d4 d5 und 1...Sf6 2.c4 g6 mit 3...d5;
  • Modul E: Systeme mit 1.d4 Sf6 2.c4 e6 und g6, jedoch ohne 3...d5;

Diese Modulreihe kann als Ergänzung der Eröffnungsrepertoires aller CHALLENGER eingesetzt werden, die dafür entsprechend vor-bereitet sind. Gegenüber den bereits seit längerem verfügbaren Modulen CB 9 und CB 16 stellen sie eine bedeutende Erweiterung dar. Alle Modulen enthalten die gleichen Grundvarianten, jedoch sind im jeweiligen Modul nur diejenigen Varianten weitergeführt, welche zum behandelten Eröffnungskomplex gehören. An den Variantenenden erscheinen Querverweise auf die anderen Modulen, sofern die betreffenden Varianten dort enthalten sind. Man muss dann das Modul wechseln, andernfalls fängt der Computer an, selbständig zu rechnen. Der ganze Spaß ist indessen nicht gerade billig: Für den kompletten Satz muss man nämlich DM 1745 springen lassen, pro Modul also immerhin DM 349! Allerdings werden sich die meisten Spieler wohl mit den Modulen begnügen, die ihre Lieblingseröffnungen enthalten.