ICGA Journal (Zeitschrift)
Das ICGA Journal ist eine wissenschaftliche Fachzeitschrift der International Computer Games Association (ICGA) und zählt zu den wichtigsten Publikationsorganen im Bereich des Computerschachs. Über Jahrzehnte hinweg dokumentierte es die technische und wissenschaftliche Entwicklung von Schachprogrammen und Schachcomputern.
Die Zeitschrift erschien erstmals 1977 unter dem Titel ICCA Journal (International Computer Chess Association Journal). Im Jahr 2000 wurde sie im Zuge der Umbenennung der Organisation in ICGA Journal umbenannt.
Geschichte
Die Zeitschrift entstand im Umfeld der 1977 gegründeten International Computer Chess Association (ICCA). Ziel dieser Vereinigung war die Förderung des Computerschachs durch internationale Turniere, wissenschaftlichen Austausch und Publikationen.
Ab 1978 erschien das ICCA Journal vierteljährlich. Es entwickelte sich rasch zur wichtigsten internationalen Plattform für Fachbeiträge über:
- Schachprogramme
- Suchalgorithmen
- Bewertungsfunktionen
- Hardwareentwicklungen
- Turnierberichte
Viele Entwickler führender Schachprogramme veröffentlichten hier erstmals ihre Konzepte und Testergebnisse.
1999 erfolgte die Umbenennung der ICCA in 'International Computer Games Association (ICGA). Damit wurde der thematische Rahmen erweitert, das Journal blieb jedoch weiterhin ein zentrales Medium des Computerschachs.
Nach dem Ausscheiden des langjährigen Chefredakteurs Jaap van den Herik erschien 2016 kein Band. Seit 2017 wird das Journal wieder regelmäßig veröffentlicht.
Charakter und Zielsetzung
Das ICGA Journal versteht sich als wissenschaftliches Forum für Computerspiel-Forschung mit starkem historischen Schwerpunkt auf Computerschach. Es verband akademische KI-Forschung mit praktischer Programmiererfahrung.
Typische Themen waren:
- Alpha-Beta-Suche und ihre Optimierungen
- Selektive Suchverfahren
- Endspieldatenbanken
- Parallelrechner im Schach
- Bewertungsheuristiken
- Turnieranalysen
Gerade in den 1980er und 1990er Jahren war das Journal das führende internationale Fachmedium für Computerschach.
Redaktion
Über viele Jahre prägten folgende Wissenschaftler die Redaktion:
- Bob Herschberg – langjähriger Herausgeber des ICCA Journal
- Jaap van den Herik – Chefredakteur über mehrere Jahrzehnte
- I-Chen Wu
- Mark Winands
- Tristan Cazenave
Die Redaktion war traditionell eng mit der akademischen KI-Forschung verbunden.
Herausgeberliste
| Zeitraum | Name | Rolle |
|---|---|---|
| 1977–1997 | Bob Herschberg | Herausgeber |
| 1983–2015 | Jaap van den Herik | Editor-in-Chief |
| 2017–2018 | I-Chen Wu | Editor-in-Chief |
| 2019–2020 | Mark Winands | Editor-in-Chief |
| 2021–2022 | Tristan Cazenave | Editor-in-Chief |
| 2023–heute | Mark Winands | Editor-in-Chief |
Bedeutende Artikel (Computerschach)
| Jahr | Autor(en) | Titel | Publikation |
|---|---|---|---|
| 1995 | Michael Buro | ProbCut: An Effective Selective Extension of the Alpha-Beta Algorithm | ICCA Journal, Vol. 18, No. 2 |
| 1995 | Bradley Kuszmaul | The StarTech Massively Parallel Chess Program | ICCA Journal, Vol. 18, No. 1 |
| 1997 | Robert Hyatt, Monroe Newborn | Crafty Goes Deep | ICCA Journal, Vol. 20, No. 2 |
Diese Arbeiten beeinflussten die Entwicklung moderner Schachengines nachhaltig.
Publikationsform
Das Journal erschien vierteljährlich in englischer Sprache. Es war lange Zeit eine Mitgliederzeitschrift der ICCA/ICGA.
Die Print-ISSN lautet 1389-6911, die Online-ISSN 2468-2438.
Während frühe Jahrgänge im Selbstverlag erschienen, erfolgt die neuere Publikation in Zusammenarbeit mit Fachverlagen wie IOS Press und SAGE Publications.
ICGA Journal Award
Seit 1992 vergibt die ICGA jährlich den ICGA Journal Award für den besten Beitrag eines Erstautors. Die Auszeichnung gilt als eine der renommiertesten Ehrungen im Bereich Computerschach-Forschung.
Bedeutung für Schachcomputer
Das ICGA/ICCA Journal dokumentierte die Entwicklung kommerzieller und akademischer Schachcomputer über mehrere Jahrzehnte hinweg. Viele Innovationen, die später in dedizierten Schachcomputern zum Einsatz kamen, wurden zunächst hier beschrieben.
Dazu zählen:
- Verbesserte Suchalgorithmen
- Bewertungsmodelle
- Eröffnungsbibliotheken
- Endspielwissen
Damit stellt das Journal eine wichtige historische Quelle zur Entwicklung dedizierter Schachcomputer dar.
Verfügbarkeit
Ältere Jahrgänge sind über Bibliotheken, private Sammlungen und digitale Archive zugänglich. Neuere Ausgaben erscheinen über die Plattformen der beteiligten Fachverlage.