Lang, Richard: Unterschied zwischen den Versionen

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Dieses neue PC-Programm, Chess Genius, konnte sich binnen kürzester Zeit in der schwedischen Eloliste für Schachcomputer auf einem der Spitzenplätze etablieren. Da '''Richard Lang''' nur ein halbes Jahr Zeit für die Entwicklung inklusive der grafischen Oberfläche hatte, er mußte das Programm auch noch auf den für ihn neuen Prozessor optimieren, kann diese Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden und beweist, welches Potential dieser geniale Programmierer besitzt. [[1993]] erreichte er mit Chess Genius 2 in der Software Gruppe einen guten 3.Platz. In der Hersteller Gruppe konnte [[Mephisto]] und '''Richard Lang''' mit ihrer [[Mephisto Wundermaschine|Wundermaschine]] (dabei handelte es sich um einen 486-PC/66 MHz mit Chess Genius 2, verbaut in einem [[Mephisto Modulare Reihe|Mephisto München Brett]]) knapp vor dem [[TASC R40]] gewinnen. Den Stichkampf um den "Absoluten Weltmeister", konnte [[Mephisto]] mit 1,5 : 0,5 gegen HIARCS ebenfalls für sich entscheiden. [[1994]] holte '''Richard Lang''' mit seinem Genius 3 zum ultimativen Schlag aus und besiegte den damaligen Weltmeister Garry Kasparov beim Intel World Chess Grand Prix in zwei 25 Minuten Partien mit 1,5 : 0,5!   
 
Dieses neue PC-Programm, Chess Genius, konnte sich binnen kürzester Zeit in der schwedischen Eloliste für Schachcomputer auf einem der Spitzenplätze etablieren. Da '''Richard Lang''' nur ein halbes Jahr Zeit für die Entwicklung inklusive der grafischen Oberfläche hatte, er mußte das Programm auch noch auf den für ihn neuen Prozessor optimieren, kann diese Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden und beweist, welches Potential dieser geniale Programmierer besitzt. [[1993]] erreichte er mit Chess Genius 2 in der Software Gruppe einen guten 3.Platz. In der Hersteller Gruppe konnte [[Mephisto]] und '''Richard Lang''' mit ihrer [[Mephisto Wundermaschine|Wundermaschine]] (dabei handelte es sich um einen 486-PC/66 MHz mit Chess Genius 2, verbaut in einem [[Mephisto Modulare Reihe|Mephisto München Brett]]) knapp vor dem [[TASC R40]] gewinnen. Den Stichkampf um den "Absoluten Weltmeister", konnte [[Mephisto]] mit 1,5 : 0,5 gegen HIARCS ebenfalls für sich entscheiden. [[1994]] holte '''Richard Lang''' mit seinem Genius 3 zum ultimativen Schlag aus und besiegte den damaligen Weltmeister Garry Kasparov beim Intel World Chess Grand Prix in zwei 25 Minuten Partien mit 1,5 : 0,5!   
  
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[Event "5/94-10 London GP"]
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[Site "CSS"]
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[Date "1994"]
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[Round "1"]
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[White "Kasparov, G."]
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[Black "Pentium/Genius"]
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[Result "0-1"]
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[ECO "D23"]
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[Annotator "Hertneck,G"]
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[PlyCount "120"]
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[EventDate "1994"]
  
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1. c4 c6 {Keine Experimente mit modernen Systemen wie 1...e5. Doc Hertnek hat
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Genius die ganz klassische Gangart verordnet.} 2. d4 d5 3. Nf3 Nf6 4. Qc2 dxc4
<title>Intel World Chess Grand Prix London</title>
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{Damit leitet Chess Genius in ein angenommenes Damengambit über, während er
<link rel="StyleSheet" href="../jscss/t.css" type="text/css">
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mit 4...g6 im Slawischen Damengambit geblieben wäre. Beide Züge gelten als gut
<script type="text/javascript">
+
spielbar.} 5. Qxc4 Bf5 6. Nc3 Nbd7 7. g3 e6 8. Bg2 {Man könnte sich um 60
<!--
+
Jahre zurückversetzt fühlen, denn diese Stellung kam bereits im WM-Kampf
var hrefDir="games";
+
Bogoljubov-Aljechin, Mannheim 1934 aufs Brett.} Be7 9. O-O O-O 10. e3 Ne4 11.
var hrefBase="genius_3_kasparov";
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Qe2 Qb6 12. Rd1 {Der weiße Aufbau macht keinen besonders gefährlichen Eindruck.
var hrefNumber=new Array("1","2");
+
Genius hat  seine Figuren harmonisch aufgebaut und somit den Eröffnungstest
var columnNames=new Array("White","WhiteElo","Black","BlackElo","ECO","Event","Round","Date","Result","Annotator");
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bestanden, was gegen Kasparov die halbe Miete ist!} Rad8 {Ich würde eher 12...
var tableData=new Array("Kasparov, Garry","2805","Genius 3","","D23","Intel World Chess Grand Prix London","1","1994.08.12","0-1","Hertneck,G","Genius 3","","Kasparov, Garry","2805","E12","Intel World Chess Grand Prix London","2","1994.08.12","1/2-1/2","Tischbierek,R");
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Tfd8 spielen, aber man stellt ja immer den falschen Turm aufs falsche Feld.}
//-->
+
13. Ne1 Ndf6 {Richard Lang darf stolz darauf sein, daß Genius dem Abtausch 13..
</script>
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.Sxc3  widersteht, was nur die weiße Bauernstruktur verbessern würde. Genius
<script type="text/javascript" src="../jscss/t.js"></script>
+
hat also auch strategisches Grundwissen...} 14. Nxe4 Nxe4 $6 (14... Bxe4 15. f3
</head>
+
Bg6 {nebst ...c5. Damit hätte Schwarz die Probleme wesentlich besser gelöst.})
<body onLoad="initTable()" onKeyDown="return kd(event.keyCode)">
+
15. f3 Nd6 16. a4 $6 {Genius erwartete 16.Sd3, und recht hat er! Weiß mußte
<!--
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den Hebel c5-c6 aus der Stellung nehmen.} Qb3 $2 {Der schwächste Zug von
<body onLoad="initTable()" onKeyDown="return kd(event.keyCode)" style="background-color:white; margin:10px">
+
Genius in dieser Partie. Erstens stand alles für den befreienden Vorstoß 16...
-->
+
c5 bereit, und zweitens gewinnt Weiß nun einige Tempi durch Angriff auf die
<div id="tab"></div>
+
Dame.} 17. e4 Bg6 18. Rd3 Qb4 19. b3 {[#]} Nc8 $1 {Wäre Genius zu menschlichen
</body>
+
Reaktionen fähig, hätte er hier Reue und Erleich- terung verspürt. Reue über
</html>
+
seinen verfrühten Damenausfall und Erleichterung über die gelungene
 
+
Verteidigung. Nun stimmt die Figurenkoordination wieder.} 20. Nc2 Qb6 21. Bf4
 +
$2 {Nach diesem Fehler gleicht Genius völlig aus. Richtig war sofort...} (21.
 +
Be3 {Zwar scheitert dann auf} c5 {das strategisch wünschenswerte} 22. d5 {an}
 +
exd5 23. Rad1 {doch gegenüber der Partie hat Weiß ein Mehrtempo (22.Tad1).
 +
Bemerkenswert, daß Genius diese Stellung bereits als völlig ausgeglichen
 +
ansieht.}) 21... c5 22. Be3 cxd4 23. Nxd4 Bc5 24. Rad1 e5 25. Nc2 Rxd3 26. Qxd3
 +
Ne7 {Erstaunlich, wie virtuos Genius in dieser Partie mit seinem Springer
 +
manövriert!} 27. b4 $6 {Genius bevorzugt...} (27. Qc3 Bxe3+ 28. Nxe3 {oder 28.
 +
Dxe3} Nc6 29. Rd6 {und wieder hat er recht, denn der gelockerte weiße
 +
Damenflügel wird im Endspiel zum Angriffsobjekt.}) 27... Bxe3+ 28. Qxe3 Rd8 $1
 +
{Ein genauer Zug folgt auf den anderen. Der Druck auf der d-Linie wird mit
 +
taktischen Mitteln egalisiert.} 29. Rxd8+ Qxd8 30. Bf1 b6 31. Qc3 f6 32. Bc4+
 +
Bf7 33. Ne3 {Nach...} (33. Kf2 Qd1 34. Qd3 Qxd3 35. Bxd3 Bb3 36. a5 bxa5 37.
 +
bxa5 Nc6 38. a6 Bxc2 39. Bxc2 Nb4 40. Bb3+ Kf8 41. Bc4 Ke7 {erhält Schwarz
 +
Endspielvorteil. Diese Variante illustriert recht deutlich, daß Weiß bereits
 +
um den Ausgleich kämpfen muß.}) 33... Qd4 34. Bxf7+ Kxf7 35. Qb3+ $2 {
 +
Diese Stellung erinnert mich an meine Gewinnpartie gegen Fritz3 im Münchner
 +
Intel Express Challenge. Dort holzte ich alle Schwerfiguren (und vor allem die
 +
Damen! ab, um im Springerendspiel zu landen. Hätte Kasparov hier...} (35. Qxd4
 +
exd4 36. Nc4 {gespielt, wäre die Stellung unverlierbar gewesen:} Nc6 37. b5 Ne5
 +
38. Nxe5+ fxe5 39. f4 {muß Weiß nicht fürchten. Nach dem Textzug wird Genius
 +
zum Tier.}) 35... Kf8 36. Kg2 $2 {Faszinierend, daß Genius hier im
 +
Kasparov-Stil die Variante...} (36. Kf1 Qd2 37. Nc4 Qxh2 38. Nd6 {sieht, mit
 +
Kompensation für Weiß, z.B.} Qh5 39. Qe6 {(??) mit der Idee Dd7-d8} Qxf3+ 40.
 +
Ke1 Qxg3+) 36... Qd2+ 37. Kh3 Qe2 $1 38. Ng2 {Aktivere Springerzüge verlieren
 +
noch schneller, z.B. ...} (38. Nf5 Qf1+ 39. Kg4 h5+ 40. Kxh5 Qh3+ 41. Nh4 g5 (
 +
41... g6+ $1 {Fritz} 42. Kh6 g5)) 38... h5 $1 {Genius sieht sich wegen der
 +
Drohung g5-g4 bereits mit einem Bauern im Vorteil. Unter Großmeistern steht
 +
Weiß bereits auf Verlust, aber wer würde denken, daß ein Computer den Vorteil
 +
fehlerfrei verwertet?} 39. Qe3 Qc4 40. Qd2 $2 {Die letzte Chance war...} (40.
 +
a5 Qxb4 41. axb6 {(Genius). Weiß vermeidet damit die Zersplitterung seines
 +
Königsflügels und kann sich wegen der offenen schwarzen Königsstellung noch
 +
Remishoffnungen machen. In der Partie verliert Weiß den Bauern unter
 +
ungünstigen Umständen.}) 40... Qe6+ 41. g4 hxg4+ 42. fxg4 Qc4 {Die Dame hat
 +
auf e6 ihre Schuldigkeit getan und nimmt nun die schwachen  Bauern ins Visier.}
 +
43. Qe1 Qb3+ 44. Ne3 {[#]} Qd3 $1 {Allein für diesen Zug kann man Genius nicht
 +
genug loben. Der Bauer e4 ist natürlich viel wichtiger als der Bauer a4, denn
 +
der weiße Damenflügel bleibt eh schwach.} 45. Kg3 Qxe4 46. Qd2 Qf4+ 47. Kg2 Qd4
 +
{Einfach und klar. Nach...} (47... a5 $2 {konnte Weiß sich noch mit...} 48. b5
 +
Qxa4 49. Qd8+ Kf7 50. Qxb6 {verteidigen.}) 48. Qxd4 exd4 49. Nc4 $2 {Nach...} (
 +
49. Nc2 {hätte Schwarz noch genau spielen müssen, z.B.} d3 50. Ne3 d2 $2 (50...
 +
Nc6 51. b5 Ne5 {nebst Ke7-d6-c5.}) 51. b5 Nd5 52. Nd1 {und der d-Bauer wird
 +
schwach. Die richtige Reaktion war 50...Sc6}) 49... Nc6 50. b5 Ne5 51. Nd6 d3
 +
52. Kf2 Nxg4+ 53. Ke1 Nxh2 {Ich hätte...} (53... Ke7 {gespielt, denn das
 +
Endspiel nach...} 54. Nc8+ Kd7 55. Nxa7 Ne5 56. Kd2 (56. a5 bxa5 57. b6 g5)
 +
56... Kc7 57. h4 Kb7 58. Nc6 Nxc6 59. bxc6+ Kxc6 60. Kxd3 Kc5 61. Kc3 f5 {ist
 +
verloren.}) 54. Kd2 {Oder...} (54. Nc8 Nf3+ 55. Kf2 d2 56. Ke2 g5 57. Nxa7 g4
 +
58. a5 g3 59. axb6 g2 60. b7 d1=Q+ {mit schwarzem Gewinn. Genius mußte hier 14
 +
Halbzüge berechnen, um den Sieg nicht aus der Hand zu geben.}) 54... Nf3+ 55.
 +
Kxd3 Ke7 $1 56. Nf5+ Kf7 57. Ke4 Nd2+ 58. Kd5 g5 59. Nd6+ Kg6 60. Kd4 Nb3+ {
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Entnervt gab Kasparov auf. Sollte Genius die letzten 40 Züge fehlerfrei
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gespielt haben?. Wenn ja, dann wäre das wahrlich eine neue Dimension des
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Computerschachs.} 0-1
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[Event "5/94-12 London GP"]
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[Site "CSS"]
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[Date "1994"]
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[Round "2"]
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[White "Pentium/Genius"]
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[Black "Kasparov, G."]
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[Result "1/2-1/2"]
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[ECO "E12"]
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[Annotator "Tischbierek,R"]
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[PlyCount "111"]
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[EventDate "1994"]
  
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1. d4 Nf6 2. Nf3 e6 3. c4 b6 4. a3 Bb7 5. Nc3 d5 6. Bg5 Be7 7. e3 O-O 8. Bd3
 +
Nbd7 9. cxd5 exd5 10. O-O c5 11. Rc1 Ne4 12. Bf4 a6 13. Qc2 Ndf6 14. dxc5 Bxc5
 +
15. Rfd1 Qe8 16. b4 Be7 17. Be2 Rc8 18. Qb2 b5 19. Nd4 Nd6 20. Bd3 Nc4 21. Qb3
 +
Nh5 22. Bf5 Ra8 23. Nde2 Nf6 24. Bg5 Rd8 25. Nf4 d4 $1 {Kasparov gibt einen
 +
Bauern für positionelle Kompensation.} 26. exd4 h6 27. Bxf6 Bxf6 28. Nce2 Be4
 +
29. Bxe4 Qxe4 30. Qg3 Rfe8 31. Qc3 Rd6 32. Re1 Red8 33. Rcd1 Bxd4 34. Nxd4 Qxf4
 +
35. Ne2 Qe5 36. Rxd6 Rxd6 37. a4 Re6 38. Qc1 {Schwarz hat seinen Bauern
 +
zurückgewonnen und steht dank seiner vorzüglich postiertem Figuren und der für
 +
Weiß höchst unangenehmen Fesselung auf Gewinn.} Qd6 {Erobert zwar einen Bauern,
 +
erschwert aber die Verwertung des Vorteils.} (38... h5 {Nach Kasparov am
 +
genausten. Nach} 39. axb5 axb5 {gehen Weiß die vernünftigen Züge aus.}) 39.
 +
axb5 axb5 40. Ng3 (40. Qb1 $2 Qd2) 40... Qxb4 41. Rxe6 fxe6 42. h3 Qc5 43. Nf1
 +
Qd5 {Schwarz steht auf Gewinn, aber die Bedenkzeit wird knapp.} 44. Qa1 Qe5 45.
 +
Qa7 Kh7 46. Qd7 Qd5 47. Qe7 Qd6 48. Qb7 Qd5 49. Qe7 Qe5 50. Qd7 Nd6 51. Ne3 Nf5
 +
52. Qd3 Kg8 53. Qd8+ Kf7 54. Qd7+ Kg6 55. Qd3 Qd4 $4 56. Qb1 {Sieht ein
 +
Rechner natürlich sofort. Die Doppeldrohung 57.g4 und Dxb5 kostet den
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Mehrbauern und alle Siegeschancen.} 1/2-1/2
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Zum ersten Mal wurde der "menschliche Weltmeister" in einem offiziellen Wettkampf von einer schachspielenden Maschine geschlagen. [[1995]] auf der 13.[[WMCCC]] in Paderborn, teilte sich '''Richard Lang''' mit Marty Hirsch den Titel "Professioneller Microcomputer-Schachweltmeister", obwohl sein Chess Genius nach Feinwertung nur den 2.Platz belegt hatte. Ausschlaggebend waren wieder einmal kommerzielle Gründe. Im folgenden Stichkampf um den Titel des "Absoluten Microcomputer-Schachweltmeisters" unterlag Richard dann aber dem neuen Weltmeister M-Chess.  
 
Zum ersten Mal wurde der "menschliche Weltmeister" in einem offiziellen Wettkampf von einer schachspielenden Maschine geschlagen. [[1995]] auf der 13.[[WMCCC]] in Paderborn, teilte sich '''Richard Lang''' mit Marty Hirsch den Titel "Professioneller Microcomputer-Schachweltmeister", obwohl sein Chess Genius nach Feinwertung nur den 2.Platz belegt hatte. Ausschlaggebend waren wieder einmal kommerzielle Gründe. Im folgenden Stichkampf um den Titel des "Absoluten Microcomputer-Schachweltmeisters" unterlag Richard dann aber dem neuen Weltmeister M-Chess.  
 
Zwar folgten noch einige Versionen seines Erfolgsprogramms Chess Genius, aber der ganze große Wurf sollte "König Richard" nicht mehr gelingen.
 
Zwar folgten noch einige Versionen seines Erfolgsprogramms Chess Genius, aber der ganze große Wurf sollte "König Richard" nicht mehr gelingen.

Version vom 6. August 2015, 21:13 Uhr

Richard Lang [Homepage]

Der 1956 geborene Engländer Richard Lang ("König Richard") gilt als einer der genialsten bzw. erfolgreichsten Schachprogrammierer aller Zeiten. Insbesondere im Bereich der Schachcomputerprogrammierung erreichten seine Programme, besonders im Endspiel, ein Niveau, welches von keinem Programmierer übertroffen werden konnte. Diese Meinung wird auch durch die herausragenden Erfolge der Lang-Programme im Spiel gegen stärkste menschliche Gegnerschaft nachhaltig unterstützt.

Richard Lang kam eher durch Zufall zur Schachprogrammierung. Nach Abschluß seines Physik-Studiums trat er eine Stellung bei den Königlichen Gaswerken an. Die Anschaffung eines Homecomputers markierte den Wendepunkt in seinem Leben. Seine ganze Freizeit opferte er nun, um sich der intellektuellen Herausforderung durch die Maschine zu stellen. In den späten 70er Jahren war kaum Software für die Computer zu bekommen, der Anwender mußte zwangsläufig selbst programmieren. Innerhalb weniger Monate erlernte Richard Lang mehrere Programmiersprachen und beschäftigte sich intensiv mit den Prozessoren und deren Architektur. Anschließend begann er die Suche nach einer wirklich schwierigen und komplexen Aufgabe und beschäftigte sich schon bald mit der Entwicklung von Schachprogrammen. Ein guter Schachprogrammierer muß übrigens kein guter Schachspieler sein, Richard Lang ist für diese These der lebende Beweis. Bei vielen Computerturnieren war dieser Autor sogar auf die Hilfe Dritter bei der Eingabe der Züge angewiesen.

Innerhalb kurzer Zeit entwickelte er sein erstes spielstarkes Programm und begann damit, seine Kreation auf Computerturnieren mitspielen zu lassen. Im Jahr 1981 konnte dann sein Programm Cyrus die Europameisterschaft in London gewinnen. Dieser Erfolg beeindruckte den bekannten Computerspezialisten David Levy so sehr, daß er Richard Lang sofort engagierte. Bald darauf machte Richard Lang sich selbstständig und entwickelte Auftragsarbeiten für verschiedene Systeme, z. B. Apple Macintosh, Sage II oder Sinclair QL. 1984 bei der 4.WMCCC in Glasgow, belegte Richard Lang mit seinem Programm Psion auf einem Sinclair QL, den geteilten 1.Platz. Hätte man bei der 4.WMCCC nicht auf die Buchholz Wertung verzichtet, wäre Psion alleiniger Weltmeister geworden.

1985 trat die deutsche Firma Hegener + Glaser an Richard heran und sein bekanntes Programm Psion bildetet die Grundlage für sein erstes Programm für Mephisto. Das neue Programm, der Mephisto Amsterdam, hatte auf der folgenden Computer-WM in Amsterdam durchschlagenden Erfolg, alle möglichen Titel wurden gewonnen. Nach diesem überzeugenden Durchbruch gewann der Engländer mit seinen Mephisto-Programmen alle folgenden Weltmeisterschaften fast ungefährdet bis 1990. Bei der Entwicklung seiner Programme wurde er von vielen Schachexperten nachhaltig unterstützt, die seine Programme immer wieder auf Fehler und Ungenauigkeiten untersuchten. Die tatkräftige Hilfe starker Schachspieler und die Genialität des Programmierers ermöglichten die Entwicklung von Schachprogrammen, die bis dahin noch nie erlebte Erfolgsergebnisse gegen starke Spieler, sogar Großmeister, erreichten.

Das WM-Programm von 1989, der Mephisto Portorose 68030, gewann souverän die deutsche Blitzmeisterschaft 1990, konnte Exweltmeister Karpov und den deutschen Ausnahmespieler Dr. Robert Hübner während einer Simultanvorstellung bezwingen. 1991 konnte der Nachfolger des Portorose, das Lyon Programm ein Blitzmatch gegen Exweltmeister Michail Tal unentschieden halten. Das Vancouver Programm deklassierte im März 1992 die gesamte deutsche Schachelite in einem Turnier mit 1 Std. Bedenkzeit pro Partie, der Computer gewann souverän.

In dem Zeitraum von 1985 bis 1991 hatte Richard Lang eine unangefochtene Position in der Szene, bei der Weltmeisterschaft 1991 in Vancouver wurde aber deutlich, daß die Konkurrenz in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen war. Richard Lang konnte seinen Titel "nur" in der Herstellergruppe verteidigen. Der Titel in der Software Gruppe ging an den bekannten holländischen Programmierer Ed Schröder, der mit der ChessMachine "König Richard" vom Thron stürzen konnte. Auch andere Programmierer setzten superschnelle Hardware ein, der Preisverfall bei den sehr schnellen Personalcomputern ermöglichte auch unbekannten Programmierern, schnelle Prozessoren einzusetzen, die der Hardware der Mephisto - Computer deutlich überlegen war. Richard Lang sah sich mit immer größerer Kritik konfrontiert und schlug auf seine Weise zurück. Binnen kürzester Zeit transportierte er sein Programm auf den PC, sogar die grafische Oberfäche programmierte er selbst. Diese Leistung erbrachte er innerhalb eines halben Jahres, eine besonders bewunderungswürdige Leistung, da seine Programme in Assembler, einer komplizierten Maschinensprache geschrieben waren. Dieses neue PC-Programm, Chess Genius, konnte sich binnen kürzester Zeit in der schwedischen Eloliste für Schachcomputer auf einem der Spitzenplätze etablieren. Da Richard Lang nur ein halbes Jahr Zeit für die Entwicklung inklusive der grafischen Oberfläche hatte, er mußte das Programm auch noch auf den für ihn neuen Prozessor optimieren, kann diese Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden und beweist, welches Potential dieser geniale Programmierer besitzt. 1993 erreichte er mit Chess Genius 2 in der Software Gruppe einen guten 3.Platz. In der Hersteller Gruppe konnte Mephisto und Richard Lang mit ihrer Wundermaschine (dabei handelte es sich um einen 486-PC/66 MHz mit Chess Genius 2, verbaut in einem Mephisto München Brett) knapp vor dem TASC R40 gewinnen. Den Stichkampf um den "Absoluten Weltmeister", konnte Mephisto mit 1,5 : 0,5 gegen HIARCS ebenfalls für sich entscheiden. 1994 holte Richard Lang mit seinem Genius 3 zum ultimativen Schlag aus und besiegte den damaligen Weltmeister Garry Kasparov beim Intel World Chess Grand Prix in zwei 25 Minuten Partien mit 1,5 : 0,5!

Zum ersten Mal wurde der "menschliche Weltmeister" in einem offiziellen Wettkampf von einer schachspielenden Maschine geschlagen. 1995 auf der 13.WMCCC in Paderborn, teilte sich Richard Lang mit Marty Hirsch den Titel "Professioneller Microcomputer-Schachweltmeister", obwohl sein Chess Genius nach Feinwertung nur den 2.Platz belegt hatte. Ausschlaggebend waren wieder einmal kommerzielle Gründe. Im folgenden Stichkampf um den Titel des "Absoluten Microcomputer-Schachweltmeisters" unterlag Richard dann aber dem neuen Weltmeister M-Chess. Zwar folgten noch einige Versionen seines Erfolgsprogramms Chess Genius, aber der ganze große Wurf sollte "König Richard" nicht mehr gelingen.

Richard Lang - Question & Answer Interview given to a German magazine in 2003

1) place / date of birth?

Born in Wokingham, England in 1955

2) education / programmer background?

First class degree in physics from Imperial College, London I have no computing qualifications but the physics course did include some programming in FORTRAN

3) job before professional chess programming?

Experimental research work with "British Gas" involved with accessing safety of Liquid Natural Gas storage.

4) is it true that you were a well known British marathon runner?

I have never been well known as a marathon runner! I ran the London Marathon 3 times in the early 80's. Best time was 3hrs 29 mins. I still jog but no more marathons.

5) what was your first officially released chess program and, is there still something of it in the current ChessGenius versions?

It was Cyrus for an early Sinclair computer. The program was released soon after I joined "Intelligent Software". There is still much of this program in current versions of ChessGenius. For example I have never used capture searches and rely instead on a static swap off routine. This has changed little over the years.

6) a complete as possible, chronical list of your commercial chess programs including release year, platform and programming language? (please Richard, it would be GREAT)

Here goes! Hope I have not missed too many out. Some of the dates may not be exact.

Programs released whilst I worked for "Intelligent Software"

Cyrus for Sinclair Z80 Assembly language 1981
Chess 2001 Z80 Assembly language 1982?
L'Empereur Z80 Assembly language
L'Regence Z80 Assembly language
Dragon Chess 6809 assembly language

Programs released with Psion

Psion Chess for Sinclair QL 68000 assembly language
Psion Chess for Atari ST 68000 assembly language 1984
Psion Chess for MAC 68000 assembly language
Psion Chess for IBM PC 8086 assembly language
Psion Chess for Psion Organiser 8086 assembly 1991 ?

Hegener + Glaser Chess Computers

(All 68000 assembly language)

Mephisto Amsterdam 1985
Mephisto Dallas 1986
Mephisto Roma 1987
Mephisto Almeria 1988
Mephisto Portorose 1989
Mephisto Lyon 1990
Mephisto Vancouver 1991
Mephisto Berlin ???
the London update 1996
ChessGenius for IBM compatible computers. ( All 80x86 assembly language with Windows code in "C" )
ChessGenius 1 MSDOS 1992
ChessGenius 2 1993
ChessGenius 3 1994
ChessGenius 4. First Windows version 1995
ChessGenius 5 1996
ChessGenius 6 1998
ChessGenius 6.5 1999
ChessGenius Classic 2002
ChessGenius for Handheld devices.
Palm 68000 assembly language and C 2000
Pocket PC "C" 2001
Nokia series 60. Nokia 7650/3650 "C" 2002
Windows powered Smartphones "C" 2003

7) what was the decisive reason to become a professional chess programmer?

My first program, Cyrus, was written as a hobby in my spare time. It won the European championship in 1981 and I was offered a job by Intelligent Software. I was delighted to turn a hobby into a job.

8) current focus of your work?

I am concentrating on Handheld devices, PDA's and phones. New features, playing strength improvements and new versions for new devices

9) have you ever developed basically different chess programs or has one version - more or less - chronologically always been a slight improvement from the previous one?

Most versions have been developments of the previous version. Every now and then the old code has got too complex and messy and there has been a complete rewrite. For example, between the Roma and Almeria

10) have chess players always been involved in the development and - if yes - of which strength?

Except in the beginning yes. Strength has been up to IM.

11) who is responsible for your opening books?

The early opening books, before Hegener and Glaser, were taken from (paper) books. During the H+G time and for ChessGenius for PC's they were written by Ossi Weiner and his team.

12) which positive moment of your career has remained most intensively in your memory?

Winning the Amsterdam World micro computer championship in 1985. It was an overwhelming victory, in 24 games the Mephisto Amsterdam won 21 draw 2 and lost 1. This is closely followed by winning European championship in 1981 (which started my career) and the victory over Kasparov in 94 when ChessGenius became the first program ever to beat him at a non blitz level.

13) how important are tests against other programs - and tests against human chess players for you?

Very important. It is very difficult to know if program changes really do make it stronger and large numbers of "autoplayed" games against other computer are the only way to be sure. Analysis of Human (and computer) games is useful to reveal weak points that need to be worked on.

14) has the particular strength of your programs in rather weak hardware environments always been a target of your development or was it a positive side effect of your programming technique?

This is just the way my programs have turned out. In the early days memory and program space was always tight and it has become second nature to try to use as little as possible.

15) Have you also worked yourself on the development of your PC-programs' GUI?

Pre windows yes, but the windows GUI was part written by someone else.

16) what do you think are the main reasons for the long dominance of your programs in the 80s/early 90s and the persisting change on the top afterwards (until now)?

Looking back on it I am amazed that my programs were dominant for so long. Hard work, enthusiasm, attention to detail and excellent support from, for example, Hegener+Glaser all played a part. More recently I have failed to make progress with top PC programs. In part perhaps due to my programs (and programming technique) not scaling well on very fast hardware. The program has become very complex, and unfortunately the complexity seems necessary and new ideas have not really worked. It is great that there is a new generation of programmers taking things forward.

17) is the high power consumption the only reason you do not want to implement Permanent Brain (even as an option) on the Nokia Genius?

It was the original reason that the first Nokia Genius did not have Permanent Brain or Analysis mode. The current version has analysis mode and the next update will have permanent brain.

18) How many hours of development-work do you invest in your ChessGenius products per week?

I try to work fairly normal office hours. But sometimes when working on something interesting it is much more.

19) any goals for the future?

20) how critical was the change from developing programs for board computers to the PC-development and why?

For many years board computers were the ultimate and more powerful than PC's but quite suddenly PC's overtook them and the market for high end board computers collapsed. This was devastating for board manufacturers. From a programming point of view it meant porting the chess code to a new processor and writing some simple I/O and graphics.