Mephisto Atlanta: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Kann Mephistos neues Spitzenmodell »Atlanta« den Kampf um das blaue Band der Brettcomputer aufnehmen? Im April dieses Jahres durften wir während des AEGON-Turniers in Den Haag einen ersten Blick auf das neue Spitzengerät aus dem Haus Hegener & Glaser (Saitek) werfen. Im Heft 4/97 wurden seine sechs Partien besprochen. Die im Mensch-Computerturnier erreichten 50 Prozent (Turnierperformance 2288 Elo) sowie die von Frans Morsch angekündigten Nachbesserungen bei den Bewertungsfunktionen und im Endspielbereich ließen hoffen, dass die vom Hersteller propagierten 2300 Elo vom Programm des »Atlanta« zu erreichen waren.'''
 
'''Kann Mephistos neues Spitzenmodell »Atlanta« den Kampf um das blaue Band der Brettcomputer aufnehmen? Im April dieses Jahres durften wir während des AEGON-Turniers in Den Haag einen ersten Blick auf das neue Spitzengerät aus dem Haus Hegener & Glaser (Saitek) werfen. Im Heft 4/97 wurden seine sechs Partien besprochen. Die im Mensch-Computerturnier erreichten 50 Prozent (Turnierperformance 2288 Elo) sowie die von Frans Morsch angekündigten Nachbesserungen bei den Bewertungsfunktionen und im Endspielbereich ließen hoffen, dass die vom Hersteller propagierten 2300 Elo vom Programm des »Atlanta« zu erreichen waren.'''
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Version vom 18. Januar 2020, 19:12 Uhr

Mephisto Atlanta
Hersteller Saitek Jahr: 1997
Elo 2270 Preis 795 DM (400 €)
Programmierer Morsch, Frans BT-2450 -
Prozessor SH7034 BT-2630 2244
Prozessortyp 32 Bit Colditz -
Takt 20 MHz (Tuning bis 40 MHz) Rechentiefe 23 Halbzüge
RAM 4 KB + 512 KB Hash Display 5-stellige 7-Segment Anzeige
ROM 64 KB Zugeingabe Drucksensoren
Bibliothek 50.000 Halbzüge Zugausgabe LC-Display und 64 Feld LEDs
Spielstufen 64
Maße 34 x 26 x 3,5 cm
Spielfeld 19,5 x 19,5 cm
Stromversorgung   HGN 5001 / Batterie 6x AA
Verwandt Mephisto Magellan
Sonstiges
Laptop-Design

• beherrscht Mattführung mit König, Läufer und Springer




Level Infobox
30 Sek / Zug 30 Min / Partie 60 Sek / Zug 60 Min / Partie Turnier Analyse
Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Test


Infos
Der Mephisto Atlanta erschien im Herbst 1997 auf dem Markt. Das mit einem Programm (Fritz) von Frans Morsch ausgestattete Gerät wurde seinerzeit als Flaggschiff der Mephisto-Flotte angekündigt. Das Kunststoffgehäuse misst 34 x 26 x 3,5 cm und zählt damit zu den so genannten Laptop-Geräten. Der Atlanta kann über einen Adapter mit Netzstrom aber auch mit Batterien betrieben werden. Einzelfelddioden erleichtern die Zugausführung erheblich, da die lästige Schnittpunktbildung entfällt. Die Eröffnungsbibliothek umfasst 50.000 Züge, wobei zwischen 4 verschiedenen Stilen (Vollständige -, Passive-, Aktive- & Turnier-Bibliothek) ausgewählt werden kann. 64 Spielstufen sind kein Hinweis auf die Qualität des Gerätes, bieten aber viel Abwechslung. Bei den Spielstilen kann zwischen "Selektive" und "Brute Force" gewählt werden. Das mit einem 32 Bit-Prozessor (SH7034 - 20 MIPS) ausgestattete Gerät besitzt 512KB RAM für Hash Tables + 4KB Arbeits-, sowie 64KB ROM Programmspeicher. Der Atlanta hat einen sehenswerten Stil. Druckvoll, präzise und aggressiv wird versucht auf Gewinn zu spielen. Die Spielanlage des Atlanta ist dabei stark taktisch orientiert, jedoch werden auch positionelle Partien nicht grundsätzlich schlecht behandelt. Wenn der Atlanta erst einmal in Fahrt gekommen ist und Angriffspunkte gefunden hat, haben selbst Geräte wie der R30 so ihre Probleme. Die Schwachstelle ist, wie bei allen Morsch Kreationen, das Endspiel. Kenntnisse sind sicherlich vorhanden und die Hash Tables richten so manches, aber einige Abwicklungen sind dermaßen schwach, dass Zweifel bestehen bleiben. Wenn es sich nicht um reine Bauernendspiele (s.h. Bauernendspiel Test) handelt, verschenkt der Atlanta so manche(n) Partie bzw. Punkt. Trotzdem ist das Endspielverhalten nicht so schlecht, wie von schwächeren Morsch Geräten (z.B. Saitek President oder Saitek Brute Force ) bekannt. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen.


Atlanta Endspiel Stellung1.png


Beispiel 1:

Die Stellung hat nach der Endspiellehre Remischarakter; es gibt jedoch eine Besonderheit, die Weiß zum Sieg führen kann, wenn er sich korrekt verhält. Auf keinen Fall darf hier der Bauer geschlagen werden, da sonst Schwarz Remis halten kann. MIT dem Bauern verliert er aber das Endspiel bei optimaler Verteidigung binnen 14 Zügen. Einzig sinnvoller Zug - 1. Kg5...und in der Folge verliert Schwarz tatsächlich. Der Atlanta spielt diesen einzig korrekten Zug a tempo mit hoher Bewertung und ziemlich hoher Suchtiefe und behält auch im weiteren Verlauf den Überblick.



Atlanta Endspiel Stellung2.png


Beispiel 2:

Motiv : Opposition der schwächeren Seite. Weiß kann nicht gewinnen - der schwarze König steht in Opposition, der weiße König muss jedoch vorziehen, was dem Nachziehenden erlaubt, immer wieder die passive Opposition, die zum Remis reicht, herzustellen. Der Atlanta sieht die Position nach wenigen Sekunden bis zu 15 Minuten mit ausgeglichener Bewertung und spielt die sinnvollen Zugversuche für Weiß.



Wirklich rekordverdächtig?

Mephistos neues Flaggschiff »Atlanta«
(Günter Rehburg aus Computer Schach & Spiele / Heft 6 / Dezember 1997)

Kann Mephistos neues Spitzenmodell »Atlanta« den Kampf um das blaue Band der Brettcomputer aufnehmen? Im April dieses Jahres durften wir während des AEGON-Turniers in Den Haag einen ersten Blick auf das neue Spitzengerät aus dem Haus Hegener & Glaser (Saitek) werfen. Im Heft 4/97 wurden seine sechs Partien besprochen. Die im Mensch-Computerturnier erreichten 50 Prozent (Turnierperformance 2288 Elo) sowie die von Frans Morsch angekündigten Nachbesserungen bei den Bewertungsfunktionen und im Endspielbereich ließen hoffen, dass die vom Hersteller propagierten 2300 Elo vom Programm des »Atlanta« zu erreichen waren.

Einige Monate sind bis zur Marktreife des Gerätes ins Land gegangen. Lassen Sie uns überprüfen, ob die Zeit dazu genutzt wurde, das neue Flaggschiff der Mephisto-Flotte voll seetauglich zu machen.

Wie ein Ei dem anderen

Sie könnten eineiige Zwillinge sein, der Atlanta und sein kleinerer Bruder Milano Pro. Neben der abweichenden Gerätebezeichnung und der zusätzlichen Angabe »Hash Tables« sind es im Wesentlichen die 64 Einzelfelddioden, die die beiden Geräte unterscheiden. Sie verhelfen zweifelsohne zu einer erheblich einfacheren Zugausführung, ist doch die lästige Schnittpunktbildung, wie sie beim Milano vorzunehmen ist, hier nicht erforderlich.

Die Abmessungen von 34 x 26 x 2,4 cm und der Abschlussdeckel verleihen dem Drucksensorgerät ein laptopartiges Aussehen. Da das Gerät sowohl für den Adapter- wie auch für den Batteriebetrieb ausgerüstet ist, eignet es sich uneingeschränkt für die Mitnahme auf Reisen. Um beim Öffnen kein Aufsehen bei den Mitreisenden zu erregen, sollten Sie allerdings vorher den vom Haus Hegener & Glaser noch einzurichtenden mehrtägigen Lehr-gang »Öffnen von Mephisto-Laptopgeräten für technisch Unbegabte« besuchen.

Das Spielbrett (198 x 198 mm) in Schwarz/Silber gewährt in Verbindung mit den farblich gut zu unterscheidenden Figuren auch bei »Vollbesetzung« jederzeit einen ausreichenden Überblick über das Spielgeschehen. Doch Gestaltung und Informationsmöglichkeiten des in der Werbung als »übersichtlich« angepriesenen Displays müssen als Rückfall in die Urzeiten des Brettcomputerschachs angesehen werden. Übersichtlich ja — aber Übersicht worüber?

Technik und Programm

Der mit 20 MHz getaktete neue Chip »H 7000« ist eine Weiterentwicklung des beim MM VI verwendeten H8 in 32 Bit-Architektur. Der Hersteller hofft, dem Programm damit die zu einer Spitzenspielstärke erforderlichen »Kräfte« verliehen zu haben. 512 KByte stehen für die Hash-Tables zur Verfügung. Die Eröffnungsbibliothek umfasst 50.000 Halbzüge.

Der Niederländer Frans Morsch, der zur Elite der Profi-Programmierer zählt, hat nun das Zepter im Hause Hegener & Glaser auch bei der Spitzen-technologie in die Hand genommen. Kein leichtes Erbe, waren doch Richard Langs Qualitäten auf-grund der Vielzahl der errungenen Weltmeisterschaftstitel wie auch der von ihm programmierten Spitzengeräte belegt.

Let's test again!

Lassen Sie uns zu Beginn in zwei ausführlich kommentierten Partien (60 Min./Partie) sehen, wie sich der »Atlanta« gegen seinen kleineren Bruder »MM VI« schlägt:

Um den Atlanta in einem Bereich zu prüfen, der annähernd der vom Hersteller angestrebten Spielstärke entspricht, musste ich zunächst einmal Möbelumstellungen in meinem Arbeitszimmer vor-nehmen. Aus der äußersten Ecke wurde der schon fast antike 486er hervorgekramt, entstaubt und startklar gemacht. Aufgerufen wurde Kittingers WChess, dass sich in der SSDF-Liste bei Elo 2.302 (486/50-66 MHz), also haarscharf im Zielbereich des Atlanta befindet. In der Revanche holte sich der Atlanta ebenfalls eine klare Niederlage. Ähnlich negativ sah es in den vier Partien gegen den bei 2223 Elo liegenden Berlin Professional 68020 aus. Gegen Richard Langs Genius 3 gelangen Frans Morschs Programm demgegenüber zwei ausgeglichene Partien. Hier die Ergebnisse auf einen Blick:

Atlanta — Mephisto MM VI	        4,0 : 0,0
Atlanta — Novag WChess	                0,0 : 2,0
Atlanta — Mephisto Berlin Prof. 68020	0,5 : 3,5
Atlanta — Genius 3	                1,0 : 1,0
Atlanta — Novag Sapphire II	        0,5 : 0,5

Lassen Sie mich vor dem Versuch einer Abschlussbewertung kurz das Ergebnis des hauseigenen Tests (Jahresdiskette 1992) aufzeigen, das nicht zur Gesamtbewertung beitragen, sondern lediglich einzelne Stärken und Schwächen des jeweils abgeprüften Programms aufzeigen soll:

Programm Atlanta Vancouver Berlin Pro Sparc
Taktik 42 61 67 57
Strategie 73 101 96 74
Endspiel 37 57 37 52
Gesamt 152 219 200 183

Die Abschlussbewertung

Testpartien wie auch die Ergebnisse einzelner Test-stellungen geben Anlass, daran zu zweifeln, dass der Mephisto Atlanta das von mir nach dem Aegon-Turnier prognostizierte und vom Hersteller angestrebte Ziel Elo 2300 erreichen kann. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird sich das Gerät in der SSDF-Liste knapp unter der 2200er-Marke einordnen. In Mensch-Computer-Turnieren kann Frans Morschs Programm aufgrund seiner für diese Gegnerschaft ausreichenden taktischen Fähigkeiten auch in der Zukunft durchaus darüber liegende Turnierperformancen erreichen. Wie erfreulich, wird doch der durchschnittliche Mitteleuropäer mit einem derartigen Programm auf jeden Fall »in Schach gehalten«. Beruhigen darf eine derartige Feststellung dennoch nicht. Im strategischen Bereich zeigt das Programm zufriedenstellende Leistungen. Taktisch spielt es nicht mit der von Frans Morsch gewohnten Stärke auf. Hier bleiben einige erstaunliche Löcher festzustellen. Über die Endspielfähigkeiten schweigt des Sängers Höflichkeit.

Besitzer eines Gerätes aus der Mephisto 68000er-oder 68020er-Reihe oder gar eines TASC R30 beziehungsweise Genius 68030 haben angesichts der Leistungen des Atlanta keinerlei Anlass, ihr Gerät auf den Müllberg der Wegwerfgesellschaft zu schleudern. Der Mephisto Atlanta ist das geeignete Gerät für den Einsteiger mit einigem Spielniveau. Eine Alternative ist er auch für den Schachfreund, der sich in der Billigklasse ausgetobt hat und nun nach leicht stärkeren Anforderungen Ausschau hält. Bei der Entwicklung eines Spitzengerätes kann sich der Blick aber doch nicht auf diese Käuferschicht richten — das Flaggschiff eines Topproduzenten wendet sich an eine Klientel, die es gewohnt ist, weitaus höhere Ansprüche zu stellen. Die bleiben unerfüllt.

»Atlanta steht für Spitzenleistungen aus dem Hause Mephisto. Er verfügt über eine rekordverdächtige Spielstärke von 2300 Elo«, lautet der Spruch der Werbung. Rekordverdächtig? In Bezug worauf? Selbst mit der hier propagierten Elozahl wäre der TASC R30 (Elo 2373) nicht in Gefahr, seine Spitzenposition im Brettcomputerbereich einzubüßen. Es bleibt festzustellen, dass der Atlanta einem Vergleich mit der modularen Serie vergangener Tage weder von der Spielstärke noch von der Ausstattung her standhalten kann.

So richtet sich der Blick schon beinahe verzweifelt auf die seit Jahren angekündigten Module »Boston« und »New York«. Allein, Neuigkeiten oder gar »amtliche Stellungnahmen« hinsichtlich eines Erscheinungszeitpunkts sind nicht zu vernehmen. In diesem Zusammenhang stellt sich fast automatisch die Frage nach der Modellpolitik des Hauses Hegener & Glaser. Aus Fachkreisen ist zu hören, dass der Ausbau der modularen Serie wohl überhaupt nicht mehr zu erwarten sei. Derart unklare Aussagen in Verbindung mit fast als halbherzig zu betrachtenden Geräteentwicklungen müssen Befürchtungen hervorrufen, dass auch der Spitzenbereich sich in Richtung Massenmarkt bewegt. Fest steht, dass der Ab-stand zum PC-Markt beispielsweise mit dem hier vorgestellten Atlanta nicht verringert werden kann.

Als Resümee bleibt festzustellen, dass das »Blaue Band« für das Flaggschiff der Mephisto-Flotte im Bereich des Unerreichbaren bleiben wird. Dies sollte gleichzeitig als Aufruf an den Hersteller gesehen werden, Bemühungen in Richtung der modularen Serie wieder aufzunehmen. Nur eine unter voller Ausreizung der Technologie mit Spitzenprogrammen ausgerüstete Modellreihe scheint geeignet, Boden in Richtung PC-Bereich gutzumachen.

Der Listenpreis von DM 990,- ist aus der Sicht des Preis-Leistungsverhältnisses gerade noch mit »befriedigend« zu bezeichnen.



Endspiel 001-2.png
Prospekt
Ist der Atlanta in der Lage auch dieses Problem zu lösen?

Die Auflösung hier: Endspielposition


Beispielpartien




© Pictures by Michael Watters - Chess Computer UK / Website

Verpackung
Zubehör
Display
Batteriebetrieb