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Commodore

aus Schachcomputer.info Wiki, der freien Schachcomputer-Wissensdatenbank
Commodore International
Gründung 1978
Auflösung 1978
Sitz USA

Commodore International war ein US-amerikanischer Hersteller von Bürorechnern, Heimcomputern und Unterhaltungselektronik, der zu den prägenden Unternehmen der Heimcomputer-Ära der 1970er und 1980er Jahre zählt. Mit Systemen wie dem Commodore 64 und der Amiga-Reihe erreichte Commodore weltweit große Verbreitung. Weniger bekannt, aber technikhistorisch bemerkenswert, ist Commodores Engagement im Bereich dedizierter Schachcomputer, insbesondere mit dem Commodore Chessmate von 1978.

Geschichte

Gründung und frühe Jahre

Commodore wurde 1954 von Jack Tramiel in Toronto als Commodore Portable Typewriter Company gegründet. Das Unternehmen importierte zunächst Schreibmaschinen und verlagerte den Schwerpunkt später auf mechanische sowie elektronische Rechenmaschinen. Der zunehmende Preisdruck durch asiatische Hersteller führte in den späten 1960er Jahren zu einer strategischen Neuausrichtung.

Vertikale Integration durch Halbleiter

1976 übernahm Commodore den Chip-Hersteller MOS Technology. Damit erhielt das Unternehmen Zugriff auf eigene Mikroprozessoren (u.a. aus der 6502-Familie) und konnte Computer zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten. Diese vertikale Integration wurde zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil.

Aufstieg im Heimcomputermarkt

Mit dem Commodore PET (1977) gelang Commodore der Einstieg in den Personal-Computer-Markt. Der VIC-20 (1980) war einer der ersten farbfähigen Heimcomputer in einem günstigen Preissegment. 1982 folgte der Commodore 64, der zu den meistverkauften Computern der Geschichte zählt.

1984 verließ Jack Tramiel nach internen Konflikten das Unternehmen. In den Folgejahren setzte Commodore stark auf die technisch fortschrittliche Amiga-Plattform, konnte deren Potenzial wirtschaftlich jedoch nur begrenzt nutzen.

Niedergang

Zunehmende Konkurrenz durch IBM-PC-Kompatible, Managementprobleme und Marktveränderungen führten 1994 zur Insolvenz. Markenrechte und Technologien wurden anschließend von verschiedenen Unternehmen übernommen.

Diversifikation und Spezialgeräte

Neben Universalcomputern produzierte Commodore zeitweise auch Taschenrechner, Peripheriegeräte sowie Spezialgeräte. In die Phase der späten 1970er Jahre fällt auch ein kurzzeitiges Engagement im Bereich dedizierter Schachcomputer.

Schachcomputer bei Commodore

Commodore Chessmate (1978)

Der Commodore Chessmate wurde im Juni 1978 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Chicago vorgestellt. Er zählt zu den frühen Schachcomputern für den Heimmarkt und basiert technisch weitgehend auf dem Einplatinencomputer KIM-1.

Entwicklung

Das Schachprogramm stammt vom kanadischen Entwickler Peter R. Jennings, der zeitweise für Commodore tätig war. Es handelt sich um MicroChess in der Fassung 1.5, das Jennings 1977 für den KIM-1 entwickelt hatte. Obwohl einzelne Quellen MicroChess 2.0 nennen, gilt bei genauerer Betrachtung MicroChess 1.5 als die tatsächlich verwendete Version.

Der Chessmate ist im Prinzip ein leicht modifizierter KIM-1, bei dem der Maschinensprache-Monitor durch das Schachprogramm ersetzt wurde. Entwickelt wurde das Gerät bei Commodore International Limited; die Serienfertigung erfolgte später kostengünstig in Hongkong.

Technik

Der Chessmate nutzte den Mikroprozessor MOS MPS 6504 (1 MHz), eine 28-Pin-Variante des MOS 6502 mit 13 Adressleitungen (bis 8 KB adressierbar).

Der Programmspeicher ist auf ein 5 KB großes ROM verteilt (u.a. 6332-ROM). Ein RIOT-Baustein (MOS 6530) stellt zusätzlich 1 KB ROM, 64 Byte RAM, Ein-/Ausgabeports und einen Timer bereit. Hinzu kommen weitere RAM-Chips; insgesamt verfügt das Gerät über 320 Byte RAM.

Als Ein-/Ausgabe dienen vier 7-Segment-LED-Anzeigen zur Zug- bzw. Zeitanzeige, zusätzliche Status-LEDs sowie eine Membrantastatur zur Zugeingabe. Ein Pieper erzeugt akustische Signale.

Funktionen

Der Funktionsumfang war für das Erscheinungsjahr 1978 vergleichsweise groß:

  • acht Schwierigkeitsstufen
  • eingebaute Schachuhr (Summenzeitmessung)
  • kann Weiß oder Schwarz spielen (Farbwechsel möglich)
  • Spiel gegen sich selbst
  • Rochade und en passant
  • verweigert regelwidrige Züge
  • 32 internationale Standarderöffnungen (zusammen ca. 500 Halbzüge; bis zu 16 Züge je Variante)
  • Zufallsgenerator nur in der Eröffnungsphase
  • Stellungsprüfung der Figuren während des Spiels möglich
  • Problemeingabe
  • effektive Rechentiefe (bei ca. 3 Minuten/Zug): etwa zwei Halbzüge
  • 14 elektronische Töne; u.a. Sieges- und Niederlagemelodien

Modellausführungen

Es existieren zwei Gehäusevarianten:

  • eine verbreitete Ausführung mit cremefarbenem Gehäuse
  • eine seltenere Ausführung mit hellblauem Gehäuse

Technisch sind beide Modelle identisch.

Markt und Bedeutung

Der Chessmate war kein großer Verkaufserfolg. Der Vertrieb erfolgte vor allem in den USA, Großbritannien und Deutschland. In Deutschland sollen die Verkäufe vergleichsweise am besten gewesen sein. Heute gilt das Gerät als seltenes Sammlerstück.

Trotz begrenzter Spielstärke gilt der Chessmate als frühes Beispiel dafür, wie komplexe Algorithmen auf minimaler Hardware realisiert wurden. Die Arbeit von Peter Jennings wird in der Computerschach-Geschichte häufig als Pionierleistung eingeordnet.

Übergang zu Software-Schach

Mit der Verbreitung leistungsfähiger Heimcomputer verlagerte sich das Computerschach ab den 1980er Jahren zunehmend auf Softwarelösungen für Systeme wie den Commodore 64 und die Amiga-Rechner. Dedizierte Schachcomputer verloren dadurch im Massenmarkt an Bedeutung.

Nachwirkung

Commodore gilt als einer der Wegbereiter des Heimcomputers. Viele Anwender sammelten auf Commodore-Rechnern erste Programmiererfahrungen; die Systeme genießen bis heute Kultstatus in der Retro-Computing-Szene. Die Schachcomputer von Commodore – insbesondere der Chessmate – dokumentieren eine frühe Phase digitaler Spielintelligenz und sind heute vor allem von technikhistorischem und sammlerischem Interesse.

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