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AVE Micro Systems: Unterschied zwischen den Versionen

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'''AVE Micro Systems''' war ein US-amerikanisches Technologieunternehmen mit Sitz in Orange, Kalifornien sowie zeitweise in El Centro, Kalifornien. Das Unternehmen war Anfang der 1980er Jahre Hersteller des hochwertigen Sensorschachbretts '''[[Auto Response Board]] (ARB)''' und Anbieter der dazugehörigen '''[[Grand Master Series]]'''-Programmmodule.


Hersteller des Auto Response Board (ARB) und Grand Master Series Module mit Sitz in 625 W Katella Ave Rm 6, Orange, CA 92667 (Kalifornien, USA). Geschäftsführer war Dale E. Folwell.
AVE Micro Systems positionierte sich im High-End-Segment des Schachcomputermarktes und bediente vor allem ambitionierte Turnierspieler sowie Sammler.


== Unternehmensgeschichte ==


==== Schachcomputer ====
Als zentrale Person gilt der Firmenpräsident '''Dale E. Folwell'''. Er wird in zeitgenössischen Quellen als Präsident von AVE Micro Systems genannt und ist zugleich als Erfinder eines Patents für ein „Electronic Game Board“ (Priorität 1979, Veröffentlichung 1981) dokumentiert. Dieses Patent beschreibt exakt das technische Funktionsprinzip des Auto Response Boards (Reed-Kontakte unter jedem Feld, Magnetfiguren, LED-Zuganzeige).
 
In Handbüchern des ARB erscheinen zwei Adressen:
 
* 17 West Ross Road, El Centro, California 92243 
* 625 W. Katella Ave., Room 6, Orange, CA 92667 
 
Dies deutet auf einen Standortwechsel oder eine organisatorische Aufteilung zwischen Verwaltung und Produktion hin. Handelsregisterunterlagen sind bislang nicht gesichert.
 
=== Rolle nach dem Rückzug von Chafitz ===
 
Nach dem Rückzug des Distributors [[Chafitz|Chafitz Inc.]] aus dem Schachcomputermarkt 1981 übernahm AVE Micro Systems offenbar verstärkt selbst Vertrieb und Weiterentwicklung des ARB-Systems.
 
Während [[Applied Concepts]] in den späten 1970er Jahren das ursprüngliche [[Modular Game System]] und frühe ARB-Versionen vermarktete, trat AVE Micro Systems Anfang der 1980er Jahre als eigenständiger Hersteller und Markeninhaber des Auto Response Boards auf.
 
== Produkte ==
 
=== Auto Response Board ===
 
Das '''[[Auto Response Board]] (ARB)''' gilt als eines der elegantesten und technisch ausgereiftesten Sensorschachbretter seiner Zeit.
 
Merkmale:
 
* Echtholzbrett (Walnuss/Ahorn) in Turniergröße 
* 64 Reed-Kontakte unter den Feldern 
* Magnetbestückte Figuren 
* 64 Feld-LEDs zur Anzeige der Computerzüge 
* Seitlicher Modulschacht für austauschbare Rechenmodule 
 
Das ARB unterschied sich deutlich von Konkurrenzprodukten wie denen von [[Fidelity|Fidelity Electronics]] oder [[SciSys]] durch seine vollautomatische Figurenerkennung ohne Drucksensoren.
 
=== Grand Master Series ===
 
Unter der Bezeichnung '''[[Grand Master Series]]''' wurden verschiedene Programmmodule angeboten, die in das ARB eingesetzt wurden.
 
==== Sargon 2.5 (ca. 1980) ====
 
Basierend auf dem bekannten Schachprogramm von [[Spracklen, Dan & Kathe|Dan Spracklen und Kathe Spracklen]].
 
Typische Konfiguration:
 
* Prozessor: 6502
* Takt: ca. 2 MHz
* ROM: 8 KB
* RAM: 2 KB
 
==== Sargon 3.0 / 3.5 (1981–1983) ====
 
Die Version 3.0 erschien Ende 1981. Zeitgenössische Berichte sprechen von Programmfehlern und inkonsistenter Spielstärke. 
 
Version 3.5 gilt als überarbeitete und stabilisierte Fassung.
 
Als Entwickler wird in mehreren Quellen [[Aker, John|John Aker]] genannt.
 
==== Grand Master Series 4.0 / 4.0-50S (1984) ====
 
Die leistungsstärkste bekannte Ausbaustufe erschien 1984.
 
* 6502 mit ca. 2 MHz 
* 20 KB ROM 
* 2 KB RAM 
* erweitertes Eröffnungsbuch (~4500 Halbzüge) 
* zahlreiche neue Analysefunktionen 
 
Das 4.0-Modul wurde laut zeitgenössischer Werbung speziell für AVE entwickelt und war auch in Deutschland über [[Sandy Electronic]] erhältlich.
 
== Internationale Präsenz ==
 
Das Auto Response Board nahm 1980 an der ersten World Microcomputer Chess Championship in London teil. Dort trat es als eigenständiges System aus den USA an.
 
In internationalen Sammlerkreisen wird das ARB bis heute als eines der hochwertigsten Sensorschachbretter der Frühzeit betrachtet.
 
== Marktpositionierung ==
 
AVE Micro Systems bediente eine Nische im Premiumsegment. Während Hersteller wie Fidelity oder SciSys stärker auf Kunststoffgehäuse und kostengünstigere Serienproduktion setzten, bot AVE ein luxuriöses Holzbrettsystem mit modularer Aufrüstbarkeit an.
 
In Anzeigen der frühen 1980er Jahre schwankten die Preise stark je nach Modulkonfiguration. Komplettsysteme gehörten zu den teuersten am Markt verfügbaren Schachcomputern.
 
== Ende des Unternehmens ==
 
Nach 1984 verlieren sich die gesicherten Spuren von AVE Micro Systems. Neue Module oder Produktgenerationen sind nicht dokumentiert.
 
Wahrscheinliche Faktoren für das Verschwinden vom Markt:
 
* zunehmende Konkurrenz leistungsstarker europäischer Geräte
* Preisverfall im Massenmarkt
* Aufkommen starker Schachprogramme für Personal Computer
 
Ein offizielles Auflösungsdatum ist bislang nicht belegt.
 
== Chronologische Timeline ==
* '''1979''' – Sargon 2.5 entsteht im Rahmen des Modular Game System (MGS) durch die Spracklens für Applied Concepts/Chafitz.
* '''Frühjahr 1980''' – Erstes kommerzielles «Auto Response Board (ARB)» erscheint mit Sargon 2.5-Modul. Es gilt als erstes Sensorschachbrett im Turnierformat.
* '''1980''' – AVE Micro Systems fertigt und/ oder verantwortet die Vermarktung des ARB-Bretts; Chafitz tritt als Markenlieferant zurück.
* '''1981–1982''' – Versuch, Software-Updates mit Modulen «3» und «3.5» anzubieten; die 3er-Version erhält schlechte Bewertungen.
* '''1984''' – Grand Master Series «4.0» erscheint mit deutlich weiterentwickeltem Modul (größere Bibliothek, zusätzliche Funktionen).
* '''Nach 1984''' – Keine weiteren Produkte/Module sind belegt; die Marke verschwindet allmählich vom Markt. (keine mehr nachweisbaren Angebote)
 
== Bedeutung ==
 
AVE Micro Systems spielte eine wichtige Rolle in der Übergangsphase vom frühen modularen Schachcomputersystem der späten 1970er Jahre hin zu spezialisierten Sensorschachbrettern.
 
Das Auto Response Board gilt heute als technischer und ästhetischer Höhepunkt der frühen Sensortechnologie im Computerschach.
 
== Schachcomputer ==
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[[Kategorie:Hersteller]]

Aktuelle Version vom 28. Februar 2026, 12:22 Uhr

AVE Micro Systems
Gründung ca. 1980
Auflösung nach 1984 (nicht gesichert)
Sitz Orange, Kalifornien, USA
El Centro, Kalifornien, USA

AVE Micro Systems war ein US-amerikanisches Technologieunternehmen mit Sitz in Orange, Kalifornien sowie zeitweise in El Centro, Kalifornien. Das Unternehmen war Anfang der 1980er Jahre Hersteller des hochwertigen Sensorschachbretts Auto Response Board (ARB) und Anbieter der dazugehörigen Grand Master Series-Programmmodule.

AVE Micro Systems positionierte sich im High-End-Segment des Schachcomputermarktes und bediente vor allem ambitionierte Turnierspieler sowie Sammler.

Unternehmensgeschichte

Als zentrale Person gilt der Firmenpräsident Dale E. Folwell. Er wird in zeitgenössischen Quellen als Präsident von AVE Micro Systems genannt und ist zugleich als Erfinder eines Patents für ein „Electronic Game Board“ (Priorität 1979, Veröffentlichung 1981) dokumentiert. Dieses Patent beschreibt exakt das technische Funktionsprinzip des Auto Response Boards (Reed-Kontakte unter jedem Feld, Magnetfiguren, LED-Zuganzeige).

In Handbüchern des ARB erscheinen zwei Adressen:

  • 17 West Ross Road, El Centro, California 92243
  • 625 W. Katella Ave., Room 6, Orange, CA 92667

Dies deutet auf einen Standortwechsel oder eine organisatorische Aufteilung zwischen Verwaltung und Produktion hin. Handelsregisterunterlagen sind bislang nicht gesichert.

Rolle nach dem Rückzug von Chafitz

Nach dem Rückzug des Distributors Chafitz Inc. aus dem Schachcomputermarkt 1981 übernahm AVE Micro Systems offenbar verstärkt selbst Vertrieb und Weiterentwicklung des ARB-Systems.

Während Applied Concepts in den späten 1970er Jahren das ursprüngliche Modular Game System und frühe ARB-Versionen vermarktete, trat AVE Micro Systems Anfang der 1980er Jahre als eigenständiger Hersteller und Markeninhaber des Auto Response Boards auf.

Produkte

Auto Response Board

Das Auto Response Board (ARB) gilt als eines der elegantesten und technisch ausgereiftesten Sensorschachbretter seiner Zeit.

Merkmale:

  • Echtholzbrett (Walnuss/Ahorn) in Turniergröße
  • 64 Reed-Kontakte unter den Feldern
  • Magnetbestückte Figuren
  • 64 Feld-LEDs zur Anzeige der Computerzüge
  • Seitlicher Modulschacht für austauschbare Rechenmodule

Das ARB unterschied sich deutlich von Konkurrenzprodukten wie denen von Fidelity Electronics oder SciSys durch seine vollautomatische Figurenerkennung ohne Drucksensoren.

Grand Master Series

Unter der Bezeichnung Grand Master Series wurden verschiedene Programmmodule angeboten, die in das ARB eingesetzt wurden.

Sargon 2.5 (ca. 1980)

Basierend auf dem bekannten Schachprogramm von Dan Spracklen und Kathe Spracklen.

Typische Konfiguration:

  • Prozessor: 6502
  • Takt: ca. 2 MHz
  • ROM: 8 KB
  • RAM: 2 KB

Sargon 3.0 / 3.5 (1981–1983)

Die Version 3.0 erschien Ende 1981. Zeitgenössische Berichte sprechen von Programmfehlern und inkonsistenter Spielstärke.

Version 3.5 gilt als überarbeitete und stabilisierte Fassung.

Als Entwickler wird in mehreren Quellen John Aker genannt.

Grand Master Series 4.0 / 4.0-50S (1984)

Die leistungsstärkste bekannte Ausbaustufe erschien 1984.

  • 6502 mit ca. 2 MHz
  • 20 KB ROM
  • 2 KB RAM
  • erweitertes Eröffnungsbuch (~4500 Halbzüge)
  • zahlreiche neue Analysefunktionen

Das 4.0-Modul wurde laut zeitgenössischer Werbung speziell für AVE entwickelt und war auch in Deutschland über Sandy Electronic erhältlich.

Internationale Präsenz

Das Auto Response Board nahm 1980 an der ersten World Microcomputer Chess Championship in London teil. Dort trat es als eigenständiges System aus den USA an.

In internationalen Sammlerkreisen wird das ARB bis heute als eines der hochwertigsten Sensorschachbretter der Frühzeit betrachtet.

Marktpositionierung

AVE Micro Systems bediente eine Nische im Premiumsegment. Während Hersteller wie Fidelity oder SciSys stärker auf Kunststoffgehäuse und kostengünstigere Serienproduktion setzten, bot AVE ein luxuriöses Holzbrettsystem mit modularer Aufrüstbarkeit an.

In Anzeigen der frühen 1980er Jahre schwankten die Preise stark je nach Modulkonfiguration. Komplettsysteme gehörten zu den teuersten am Markt verfügbaren Schachcomputern.

Ende des Unternehmens

Nach 1984 verlieren sich die gesicherten Spuren von AVE Micro Systems. Neue Module oder Produktgenerationen sind nicht dokumentiert.

Wahrscheinliche Faktoren für das Verschwinden vom Markt:

  • zunehmende Konkurrenz leistungsstarker europäischer Geräte
  • Preisverfall im Massenmarkt
  • Aufkommen starker Schachprogramme für Personal Computer

Ein offizielles Auflösungsdatum ist bislang nicht belegt.

Chronologische Timeline

  • 1979 – Sargon 2.5 entsteht im Rahmen des Modular Game System (MGS) durch die Spracklens für Applied Concepts/Chafitz.
  • Frühjahr 1980 – Erstes kommerzielles «Auto Response Board (ARB)» erscheint mit Sargon 2.5-Modul. Es gilt als erstes Sensorschachbrett im Turnierformat.
  • 1980 – AVE Micro Systems fertigt und/ oder verantwortet die Vermarktung des ARB-Bretts; Chafitz tritt als Markenlieferant zurück.
  • 1981–1982 – Versuch, Software-Updates mit Modulen «3» und «3.5» anzubieten; die 3er-Version erhält schlechte Bewertungen.
  • 1984 – Grand Master Series «4.0» erscheint mit deutlich weiterentwickeltem Modul (größere Bibliothek, zusätzliche Funktionen).
  • Nach 1984 – Keine weiteren Produkte/Module sind belegt; die Marke verschwindet allmählich vom Markt. (keine mehr nachweisbaren Angebote)

Bedeutung

AVE Micro Systems spielte eine wichtige Rolle in der Übergangsphase vom frühen modularen Schachcomputersystem der späten 1970er Jahre hin zu spezialisierten Sensorschachbrettern.

Das Auto Response Board gilt heute als technischer und ästhetischer Höhepunkt der frühen Sensortechnologie im Computerschach.

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