Enroth, Johan

Aus "Tidskrift för Schack - 1982 "
(restauriert und koloriert)
Johan Enroth war ein schwedischer Pionier der Computerschach-Szene, Unternehmer und Funktionär. Er war maßgeblich an der Entwicklung und Vermarktung der Conchess-Schachcomputer beteiligt, fungierte als Vizepräsident der schwedische Sektion der International Computer Chess Association (ICCA), einem Vorläufer der SSDF und war Mitorganisator der drei Stockholmer Mikrocomputer-Schachturniere (1979, 1980, 1981) .
Leben und Wirken
Johan Enroth wurde in Schweden bekannt als früher Förderer und Organisator des aufkommenden Computer-Schachs. In einer Phase, in der Mikrocomputer zunehmend verfügbar wurden, engagierte er sich für die institutionelle Vernetzung von Entwicklern, Programmierern und Schachspielern.
Im Jahr 1979 gründete Enroth die schwedische Sektion der ICCA (International Computer Chess Association). Diese Organisation war auf die Förderung, Organisation und Bewertung von Computer-Schachprogrammen ausgerichtet und gilt als ein Vorläufer der späteren Swedish Chess Computer Association (SSDF), die bis heute für ihre Ranglisten von Schachprogrammen bekannt ist.
Enroth fungierte als erster Vorsitzender der schwedischen ICCA-Sektion und trug maßgeblich zur organisatorischen Konsolidierung der Szene bei.
Conchess und unternehmerische Tätigkeit
Zusammen mit dem Programmierer Ulf Rathsman entwickelte Enroth Anfang der 1980er Jahre die Marke Conchess. Während Rathsman für die Software zuständig war, übernahm Enroth wesentliche Teile des Designs und des Marketings. Die Conchess-Computer basierten auf einer modularen 6502-Architektur und waren für ihre hochwertige Verarbeitung (u.a. Holzgehäuse) bekannt.
Nach der Insolvenz des deutschen Herstellers Consumenta im Jahr 1983 übernahm Johan Enroth mit seinem Unternehmen Systemhuset aka System Integrierung company die Weiterführung der Marke Conchess. Enroth arbeitete dabei eng mit schwedischen Schachprogrammierern zusammen, insbesondere mit Ulf Rathsman, dessen Programm Princhess bereits 1981 in die dedizierten Conchess-Schachcomputer integriert worden war.
Unter Enroths Leitung konnte Conchess noch einmal an frühere Erfolge anknüpfen. Bei den Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaften (WMCCC) erzielten die Geräte beachtliche Ergebnisse, gekrönt durch einen Weltmeistertitel in der kommerziellen Gruppe bei der WMCCC 1984 in Glasgow. Dieser Erfolg unterstrich die spielerische Stärke der Conchess-Programme, die vor allem für ihre taktischen Fähigkeiten bekannt waren.
Der anschließende Verlauf markierte jedoch das Ende dieser Entwicklung. Bei der WMCCC 1985 blieben sowohl Princhess als auch drei Varianten des neuen Plymate-Programms, das gemeinsam mit Lars Hjorth entwickelt worden war, deutlich hinter den dominierenden Mephisto-Programmen von Richard Lang zurück. Dieses Abschneiden leitete faktisch das Ende der Conchess-Schachcomputerproduktion ein und beendete zugleich Johan Enroths Engagement in diesem Bereich.
Engagement als Funktionär
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit war Enroth ein engagierter Förderer der Computerschach-Community. Von 1983 bis 1986 war er Vizepräsident der ICCA (heute ICGA) und unterstützte in dieser Funktion den Präsidenten Monroe Newborn bei der Organisation internationaler Meisterschaften.
Turnierorganisation
Zu Enroths bekanntesten Aktivitäten zählt die Organisation der Stockholm Microcomputer Chess Tournaments, die in den Jahren 1979, 1980 und 1981 stattfanden. Diese Turniere gehörten zu den frühen internationalen Wettbewerben für Mikrocomputer-Schachprogramme und trugen zur Professionalisierung des Wettbewerbsformats bei.
Bedeutung
Johan Enroth gilt als eine der zentralen Figuren, die das Computerschach in Nordeuropa popularisierten. Durch die Gründung von PLY und die Professionalisierung des Vertriebs von Schachcomputern trug er wesentlich dazu bei, dass Schachprogramme von rein akademischen Projekten zu massentauglichen Konsumgütern wurden.
Publikationen
- PLY (Magazine), Gründer und Herausgeber (1979–1998)