KSO

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KSO (Kasparov Selected Openings)

  • Eröffnungsmodul (Eprom, 8 KB) für SciSys Schachcomputer; erweitert das Eröffnungsrepertoir von 8000 auf ca. 36.000 Halbzüge (einschl. Zugumstellungen)


KSO Eröffnungs Modul (ROM)


Ein Turbo auf der Überholspur

Dirk Frickenschmidt stellt das neue Kasparow-Modul vor (aus Computer Schach & Spiele / Heft 5 / Oktober-November 1985)


Für alle Besitzer eines Superstar oder Turbostar hat die Firma SciSys einen echten Leckerbissen herausgebracht. Das 8 Kilobyte große Erweiterungs-Modul enthält eine umfangreiche und dazu brandaktuelle Eröffnungs-Bibliothek mit vielen von Garry Kasparow gespielten oder empfohlenen Zugfolgen.

Das sogenannte KSO-Modul (KSO steht für „Kasparov Selected Openings") wird in den Superstar einfach eingesteckt. Etwas komplizierter ist es beim Turbostar. Hier muss man die entsprechende Erweiterung in einem SciSys Service Center (Electronics International, Augustinusstr.7-11, 5020 Frechen 4) durchführen lassen. Der Preis soll sich nach Auskunft der Firma um ca. 100 DM für das Modul (ohne Einbau) und ca. 120 DM für die Einbauversion bewegen, so dass man seinen Schach-Mikro ohne allzu kostspielige Investitionen erheblich aufwerten kann.

Umfangreiche Gesamt-Bibliothek

Das Modul verdoppelt den Umfang der bereits in den Geräten enthaltenen Eröffnungen um weitere ca. 8000 Halbzüge auf insgesamt ca. 15.000. Damit erreicht die Bibliothek eine Größenordnung, wie man sie sonst nur vom Super Constellation oder von mit dem CB16-Modul erweiterten Fidelity-Geräten kennt. Alle gängigen Eröffnungen kann man mit Weiß und Schwarz gegen das Gerät spielen, ohne unfreiwillig in seltenen Nebenvarianten zu landen oder nach frühem Verlassen der Bibliothek ganz andere (z.T. fragwürdige) Fortsetzungen als gegen menschliche Spieler zu erleben. Das Repertoire des KSO unterscheidet sich von anderen Bibliotheken noch dadurch positiv, daß „geschlossene" Spielweisen (nach 1.d4, 1.c4 oder zum Teil auch 1.Sf3) hier genauso zahlreich und aktuell vertreten sind wie (halb-)offene (nach 1.e4). Auch seltene Gambitvarianten sind jetzt gründlicher berücksichtigt. Der Turbostar ohne Modul musste zum Beispiel nach 1.e4 e5 244 exd4 3.c3 (Mittelgambit oder Nordisches Gambit) mit Schwarz passen und kam durch Annahme des Opfers den weißen Absichten entgegen. Jetzt dagegen geht es auch in so einem relativ selten gespielten System mit bewährten Theoriezügen munter weiter: 3...d5 (der Gegenschlag im Zentrum leitet über zu Positionen des Göring-Gambits, statt den Bauern zu halten) 4.exd5 Dxd5 5.Sf3 Sc6 6.cxd4 Lg4 7.Le2 Lb4 + 8.Sc3 Lxf3 9.Lxf3 Dc4, und nun „kennt" das KSO-Modul die Fortsetzungen 10.Lxc6 bis zum 13.Zug, 10.Le3 bis zum 18.Zug und 10.Db3 bis zum 19.Zug (Remis nach 3-maliger Stellungswiederholung wie in Marshall—Capablanca, Lake Hopatcong 1926). Dieses kleine Beispiel macht bereits deutlich, mit wie viel Sorgfalt die Leute von SciSys das Modul entwickelt haben und wie umfangreich das Repertoire jetzt geworden ist.

KSO erkennt Zugumstellungen

Mephisto-Schachcomputer gleichen den Nachteil des gegenüber anderen Spitzengeräten kleineren Eröffnungs-Repertoires ja bekanntlich sowohl in der IIIer-Serie als auch in der B&P-Version zum Teil durch den Vorteil der Stellungs-Wiedererkennung aus. So können diese Geräte erneut auf die bereits verlassene Bibliothek zurückgreifen, sobald sich eine dem Gerät bekannte Stellung nach einer vertauschten Zugfolge ergibt. Die Effektivität auch eines etwas kleineren Repertoires wird durch das Erkennen von Zugumstellungen natürlich erheblich gesteigert, weil eine solche Bibliothek ja effektiv viel mehr Zugfolgen einschließt, als die bereits vorgegebenen.


Doch nun kommt der Knüller: Julio Kaplan, der Autor der SciSys-Programme, war offensichtlich in der Lage, beides zu verbinden. Er entwickelte eine Wiedererkennung von Zugumstellungen, wie von den Mephistos bekannt, schaffte das aber für den wesentlich größeren Bibliotheks-Umfang, wie man ihn von den oben genannten Fidelity- und Novag-Geräten kennt. Trotzdem zögert der Turbostar in einer beliebigen Eröffnungs-Stellung nur etwa eine Sekunde länger als ohne KSO-Modul, um eventuelle Zugumstellungen innerhalb der um-fangreichen Bibliothek auszumachen. Mit Modul wird er also zu demjenigen unter den Spitzengeräten, das die zur Zeit mit Abstand größte Eröffnungs-Bibliothek mit Wiedererkennung von Zugumstellungen enthält (ca. 36 000 Halbzüge effektiv).

Aktuelle Eröffnungen

In einer ersten Probierpartie mit dem neuen KSO-Modul entstand nach 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 eine Grundstellung des sizilianischen Scheveninger Systems, das eine der Lieblingswaffen Kasparows gegen 1.e4 ist. Also erlaubte ich mir den Spaß, wie Karpow in der ersten WM-Partie 1984 mit dem scharfen Keres-Angriff 6.g4!? fortzusetzen. Der Turbostar antwortete bis zum 15. Zug wie aus der Pistole geschossen: 6...h6 7.h4!? Sc6 8.Tg1 h5 9.gxh5 Sxh5 10.Lg5 Sf6!? (Kasparows Neuerung) 11.Dd2 Db6 12.Sb3 Ld7 13.0-0-0 a6 14.f4. Erst in dieser zum eigenen Weiterspielen wirklich spannenden Stellung muss der Turbostar seinen ersten Zug berechnen. Es macht natürlich viel mehr Spaß, mit aktuellen Zügen aus der letzen Schach-WM konfrontiert zu werden, als mit langweiligen Computer-Selbst-schutzvarianten, wie man sie auf dem einen oder anderen Schach-Mikro schon gesehen haben soll. Das Kasparow-Modul ist in dieser Hinsicht vor-bildlich. Neben der geschilderten Eröffnung ist noch wesentlich mehr Material aus der WM 84/85 enthalten. Aber die Aktualität des Moduls ist durchaus nicht auf WM-Material beschränkt. Die folgenden Züge stammen aus einer Partie Geller—Kasparow, Mos-kau 1982: 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Le2 Le7 7.0-0 0-0 8.f4 Sc6 9.Le3 e5 10.fxe5 dxe5 11.Sf5 Lxf5 12.Txf5 Da5 13.Kh1 Tad8 14.Df1. Hätte Julio Kaplans Team es sich leicht gemacht und diese Partie einfach übernommen, so müsste jetzt wie bei Kasparow damals 14...Db4 folgen. Kasparow fand aber später das stärkere 14...Sd4, und diese Neuerung spielt auch das KSO.

Folgende Eröffnungen wurden im neuen Modul besonders berücksichtigt: Sizilianisch, Russisch, offenes Spanisch und Caro Cann, Benoni und Sla-wisch mit Schwarz; Damengambit, Damenindisch (Petrosjan-System) und Katalanisch mit Weiß. Die Tartakower-Variante des abgelehnten Damengambits zum Beispiel lässt sich mit Hilfe des Turbostar nun wahrscheinlich besser studieren und trainieren als mit vielen Eröffnungsbüchern.

Schneller und stärker

Neben dem großen Umfang und der Erkennung von Zugumstellungen bietet das KSO-Modul noch einen weiteren Vorteil. Julio Kaplan hat den Turbostar mit Hilfe einiger Programmänderungen auch ein wenig schneller gemacht, so dass zum Unterhaltungs-und Lernwert des Moduls eine deutlich erkennbare Spielstärke-Steigerung hinzu-kommt. Der Kasparow-Turbostar spielt nicht nur vielfarbiger, sondern auch schlagfertiger als das Grundgerät. Vom Superconny ist man ja tolle Königsangriffe gewohnt. Aber plötzlich zu sehen, wie der Turbostar im offenen Spanisch mit Schwarz die superscharfe Dilworth-Variante spielt (Schwarz gibt Läufer und Springer gegen Turm und Bauer mit Königsangriff), das ist schon eine Überraschung.

Erfolg beim US Open

Wie vorher bereits andere Firmen, so erprobt auch SciSys seine Geräte zunehmend in offiziellen Turnieren. Beim diesjährigen US-Open spielten zwei Geräte mit: Ein auf 6 MHz laufender Turbostar ohne KSO und ein ganz normales Seriengerät mit KSO. Runde 1 am 4. August, Brett 30: Das Seriengerät stößt gleich zu Beginn des Turniers auf Jerry Hanken, einen amerikanischen Spieler (und Schachfunktionär) mit 2253 Elo. Insgesamt hat der Serien-Turbostar mit KSO beim US-Open 6,5 von 12 möglichen Punkten erreicht. Die Elo-Auswertung ergab 2151 Punkte, zehn mehr als der von Mephisto B + P erreichte Höchststand beim Computer-Open in Mobile (vgl. CSS 4/85 S.19). Mit dieser Leistung hat das SciSys-Gerät die Konkurrenz im internationalen Elo-Rennen überholt und sich vorerst an die Spitze gesetzt.