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Schaetzle + Bsteh

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Heinz Schaetzle - Computer Schach & Spiele Heft 3/1988
Herbert Bsteh - Computer Schach & Spiele Heft 3/1988

Schätzle + Bsteh war ein deutsches Ingenieurbüro aus Filderstadt, das 1980 gegründet wurde. Als Gesellschafter wurden Dipl. rer. pol Norbert Schätzle (Geschäftsleitung) und Herbert Bsteh aufgeführt. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Entwicklung von besonders schnellen Prozessorsystemen, zunächst für Musikelektronik und PCs. In den 1980er-Jahren machte sich Schätzle + Bsteh vor allem mit Hardware-Tuning für dedizierte Schachcomputer einen Namen, insbesondere durch sogenannte TurboKits, welche die Rechengeschwindigkeit der 8-Bit-Schachcomputer deutlich erhöhten. Die Firma war in den 1980ern bis in die frühen 1990er-Jahre aktiv; ihre Produkte gelten heute als Pionierleistungen im Bereich des Schachcomputer-Tunings.

Gründung und erste Jahre (1980–1983)

Heinz Schätzle und Herbert Bsteh gründeten Schätzle + Bsteh im Jahr 1980 in Filderstadt. Von Anfang an verfolgte die Firma das Ziel, die Leistung von Mikroprozessoren deutlich zu steigern. Ihr Spezialgebiet lag zunächst in schnellen Prozessorsystemen für andere Elektronikanwendungen (etwa Musikinstrumente und Computersysteme). Die in diesen frühen Jahren entwickelten Technologien bildeten die Grundlage für spätere Anwendungen im Bereich der Schachcomputer.

Technologischer Durchbruch (1984)

1984 erzielte Schätzle + Bsteh einen technologischen Durchbruch. In diesem Jahr meldeten die Gründer ein Patent für ein Hochgeschwindigkeitssystem an, das die Taktfrequenz herkömmlicher Mikroprozessoren erheblich erhöhen sollte. Gleichzeitig brachten sie 1984 die Beschleunigerkarte “DC65” für Apple-II-Computer heraus – eine Steckkarte mit einem voll kompatiblen 6502-Prozessor, der mit 12,5 MHz getaktet war (zum Vergleich: der Apple II lief ursprünglich mit ca. 1 MHz). Parallel dazu stieg Schätzle + Bsteh mit einem eigenen 15-MHz-Prozessor in den Schachcomputermarkt ein, womit erstmals dedizierte Schachcomputer dieser Leistungsklasse verfügbar wurden. Diese Entwicklungen legten den Grundstein für die TurboKit-Produktreihe, die in den Folgejahren die Szene der Schachcomputer erheblich beeinflussen sollte.

Blütezeit (1985–1989)

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre brachte Schätzle + Bsteh mehrere TurboKit-Module auf den Markt, darunter das TK20 TurboKit (ab ca. 1987) und als vielseitige Variante das MTK20 Multi TurboKit. Der TurboKit wurde über ein Flachbandkabel anstelle des Originalprozessors in den Schachcomputer eingebunden und übernahm dessen Aufgabe mit erhöhtem Takt. Auf diese Weise konnte die Taktfrequenz der 8-Bit-CPU schrittweise auf bis zu 16–18 MHz gesteigert werden (einige selektierte Versionen erreichten sogar fast 20 MHz). Die MTK20-Version war flexibel ausgelegt und konnte wahlweise an verschiedene Schachcomputer-Modelle angeschlossen werden.

Besonders im Jahr 1987 sorgte ein mit TurboKit beschleunigtes Gerät für Aufsehen: Der Mephisto MM IV Turbo, ein Mephisto MM IV-Modul ausgestattet mit dem TK20, erzielte in der schwedischen SSDF-Rangliste zeitweise einen Spitzenplatz. Dieser Erfolg galt in der Fachwelt als Sensation, da er die Leistungsfähigkeit der TurboKit-Aufrüstung eindrucksvoll belegte. In dieser Blütezeit waren die TurboKits und ihre Leistungen regelmäßig Gegenstand von Berichten in der einschlägigen Fachpresse (etwa in der Zeitschrift Computer Schach & Spiele) und Schätzle + Bsteh etablierte sich als feste Größe in der Computerschach-Szene jener Jahre.

Rückzug und Ende (frühe 1990er)

Anfang der 1990er Jahre kamen jedoch leistungsstärkere 16-Bit- und 32-Bit-Prozessoren auf, und das Computerschach verlagerte sich zunehmend auf den PC. Damit verlor das Hardware-Tuning für die alten 8-Bit-Systeme (insbesondere mit 6502-Prozessor) rasch an Bedeutung. Schätzle + Bsteh stellte seine Aktivitäten auf diesem Gebiet in den frühen 1990er Jahren ein; ein genaues Datum der Firmenauflösung ist in öffentlichen Quellen nicht bekannt. In Sammlerkreisen gelten die TurboKits des Unternehmens heute als gesuchte Raritäten.

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