Tasc
Existenz: 1989 - 1997
The Advanced Software Company
Tasc B.V. (Akronym für The Advanced Software Company) war ein niederländisches Unternehmen mit Sitz in Rotterdam, das zwischen 1989 und der Jahrtausendwende eine führende Rolle in der Entwicklung von High-End-Schachcomputern und Schachsoftware einnahm. Gegründet von Wil Sparreboom, zeichnete sich das Unternehmen durch den Einsatz modernster RISC-Prozessoren und der Entwicklung von sensorischen Schachbrettern mit Figurenerkennung aus. Tasc gilt als Wegbereiter für die professionelle Verbindung von dedizierter Schachhardware und Personal Computern.
Unternehmensgeschichte
Anfänge und die "Final Chesscard" (1989–1990)
Tasc betrat den Markt Ende der 1980er Jahre, als der Markt für Schachcomputer von deutschen und amerikanischen Firmen wie Hegener & Glaser (Mephisto) und Fidelity Electronics dominiert wurde. Das erste nennenswerte Produkt war The Final ChessCard (1989), eine Erweiterungskarte für den Commodore 64 und 128, sowie für frühe IBM-kompatible Personal Computer. Diese Karte enthielt eine eigene CPU (65C02), wodurch der Schachalgorithmus unabhängig von der schwachen Rechenleistung des Heimcomputers laufen konnte. Ein Konzept, das Tasc später perfektionierte.
Die Ära der ChessMachine (1991–1994)
Der internationale Durchbruch gelang mit der ChessMachine. Zu einer Zeit, als Standard-PCs (386er/486er) noch vergleichsweise langsam für komplexe Schachberechnungen waren, bot Tasc eine ISA-Steckkarte für den PC an, die mit einem eigenen ARM2-RISC-Prozessor ausgestattet war. Die ChessMachine stellte den größten kommerziellen Erfolg von TASC dar.
Die Karte wurde mit zwei verschiedenen Schachprogrammen ausgeliefert:
- Gideon von Ed Schröder
- The King von Johan de Koning
Erfolge: 1991 gewann das Programm Gideon (entwickelt von Ed Schröder) auf der ChessMachine die 11. Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft in Vancouver und beendete dadurch die Siegesserie von Richard Lang, der zuvor 6x in Folge den WMCCC-Titel erringen konnte. 1992 steigerte die ChessMachine, erneut mit einer Software (Gideon 3.1) von Ed Schröder befeuert, diesen Erfolg, mit dem Weltmeistertitel bei der 7. Weltmeisterschaft für Groß- bzw. Spezialrechner (WCCC) in Madrid.
Bedeutung: Die ChessMachine ermöglichte es Heimanwendern, eine Spielstärke zu erreichen, die zuvor nur Großmeistern oder extrem teuren dedizierten Geräten vorbehalten war.
Das Tasc Chess System und der R30/R40 (1993–1995)
Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs präsentierte Tasc das Tasc Chess System. Kernstück war das SmartBoard, ein edles Holzschachbrett mit einer damals revolutionären Technologie: der automatischen Figurenerkennung. Diese konnten sowohl mit R30-Systemen als auch mit PC-Software bzw. PC-Programmen verwendet werden und ermöglichten eine besonders intuitive Mensch-Maschine-Interaktion. Im Gegensatz zu Drucksensor-Brettern erkannte das SmartBoard über in die Figuren eingebauten Induktionsspulen genau, welche Figur (z. B. weißer Springer oder schwarze Dame) auf welchem Feld stand.
Das dazugehörige Steuergerät, der Tasc R30, wurde zum Statussymbol für Schachcomputer-Sammler. Ausgestattet mit einem ARM6-Prozessor und dem Programm The King von Johan de Koning, bot das Gerät eine für die damalige Zeit enorme Spielstärke und ein grafisches Display zur Darstellung von analogen oder digitale Uhren, Varianten und Statistiken.
Software
Neben Hardware bot TASC auch eigenständige Softwareprodukte an, darunter:
- Tasc Chess CD
- Tasc Chess Tutor und Chessica für Windows zusammen auf einer einzigen CD-ROM.
- Chess Tutor (1994)
- Schach-Tutorial in fünf Schritten vom Anfänger zum Clubspieler.
- TascBase (1993)
- Erweiterte Schachdatenbank mit integriertem Schachprogramm The King.
- Tasc PerfectBase edition '96
- Eine Sammlung von 310 000 hochwertigen Spielen auf CD-ROM.
- FideChess Encyclopaedia edition '96
- Die offizielle Fide-Enzyklopädie der Schacheröffnungen auf CD-ROM.
- Ken Thompsons Endspieldatenbanken (1991)
- (3 x CD-ROM)
- Steuer- und Interface-Software für SmartBoards
Technologische Innovationen
Tasc unterschied sich von der Konkurrenz durch drei wesentliche Säulen:
RISC-Architektur: Während andere Hersteller lange an 8-Bit oder 16-Bit Prozessoren (wie dem 6502 oder 68000) festhielten, setzte Tasc früh auf die leistungsstarke ARM-RISC-Technologie.
Hardware-Software-Symbiose: Tasc-Produkte waren oft Hybride. Das SmartBoard konnte sowohl mit dem dedizierten R30-Modul als auch direkt mit einem PC verbunden werden, um professionelle Datenbanksoftware (TascBase) zu steuern oder mit verschiedenen PC-Programmen zu kommunizieren.
Figurenerkennung: Die Fähigkeit des Systems, die Brettstellung ohne manuelle Eingabe sofort zu erfassen, war ein Quantensprung in der Benutzerfreundlichkeit und ermöglichte erstmals das unkomplizierte Aufzeichnen von Partien in Echtzeit.
Der Patentstreit und das Ende des Unternehmens
Trotz der technischen Überlegenheit geriet Tasc Mitte der 1990er Jahre in juristische Turbulenzen. Die US-Firma Brehn Corporation verklagte Tasc und deren US-Distributor ICD Corporation wegen Verletzung des Patents US5129654 ("Electronic game apparatus"). Dieses Patent des Erfinders Bruce F. Bogner beschrieb die technologische Basis der Figurenerkennung.
Ein US-Bundesgericht in New Jersey stellte fest, dass Tasc die Technologie ohne Lizenzierung genutzt hatte, obwohl zuvor Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnet worden waren. Im September 1997 wurde Tasc zur Zahlung von 581.000 US-Dollar verurteilt.
Dieser finanzielle Schlag traf das Unternehmen in einer Phase, in der reine PC-Schachprogramme (wie Fritz) begannen, den Markt für teure Hardware-Schachcomputer zu zerstören. Tasc konnte sich von den Kosten des Rechtsstreits und dem Imageverlust in den USA nicht mehr erholen. Die Produktion der Hardware wurde eingestellt und das Unternehmen wurde Anfang der 2000er Jahre liquidiert.
Erbe und heutige Bedeutung
Obwohl das Unternehmen nicht mehr existiert, leben seine Entwicklungen weiter:
The King: Die Engine von Johan de Koning wurde später die Basis für die weltweit millionenfach verkaufte Chessmaster-Serie von Ubisoft und erlebte 2018 im Schachcomputer Millennium The King Element eine Wiedergeburt.
Sammlerwert: Der Tasc R30 gilt heute noch immer als begehrtes Objekt für Schachcomputer-Sammler und erzielt auf Auktionen Preise, die teilweise weit über dem ursprünglichen Verkaufspreis liegen.
Einfluss: Die Idee des "SmartBoards" wurde Jahre später von Firmen wie DGT (Digital Game Technology) und Millennium 2000 aufgegriffen und perfektioniert, die heute den Weltmarkt für elektronische Bretter bei Turnieren anführen.
Schachcomputer
Weblinks
- TASC from Chess Programming WIKI
- Tasc Electronic Chess Computers by Spacious-Mind.com
- Tasc ChessSystem Home (archived version)] by ChessComputers.org