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Enroth, Johan: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Johan Enroth''' war ein schwedischer Pionier der Computerschach-Szene, Unternehmer und Funktionär. Er war maßgeblich an der Entwicklung und Vermarktung der [[Conchess]]-Schachcomputer beteiligt, fungierte als Vizepräsident der schwedische Sektion der International Computer Chess Association (ICCA), einem Vorläufer der [[SSDF]] und war Mitorganisator der drei Stockholmer Mikrocomputer-Schachturniere (1979, 1980, 1981) .
'''Johan Hjalmar Emil Gustaf Enroth''' (* 13. Februar 1916, Helsinki - † 24. August 1998, Stockholm) war ein schwedischer Unternehmer, Optiker und einer der wichtigsten Pioniere des frühen Computerschachs. Er war maßgeblich an der Entwicklung und Vermarktung der [[Conchess]]-Schachcomputer beteiligt, fungierte als Vizepräsident der schwedische Sektion der International Computer Chess Association (ICCA), einem Vorläufer der [[SSDF]] und war Mitorganisator der drei Stockholmer Mikrocomputer-Schachturniere (1979, 1980, 1981).


=== Leben und Wirken ===
=== Leben und Wirken ===
==== Unternehmerische Laufbahn in der Optikbranche ====


Enroth trat Ende der 1970er Jahre in der damals noch jungen Welt des Computerschachs in Erscheinung. 1979 gründete er das schwedische Fachmagazin PLY, das sich bis deren Einstellung 1998 zu einer wichtigen Publikation für Berichte über Schachturniere zwischen Computerprogrammen und technische Entwicklungen entwickelte.
Johan Enroth wurde am 13. Februar 1916 in Helsinki, Finnland, geboren. Um 1940 zog er nach Schweden, wo er eine Ausbildung zum Optiker absolvierte. Diese berufliche Grundlage prägte seine spätere unternehmerische Laufbahn maßgeblich. Seine unternehmerische Tätigkeit begann lange vor seinem Engagement im Computerschach und bildete das wirtschaftliche Fundament für seine späteren Aktivitäten. Nach seiner Ausbildung zum Optiker etablierte er sich rasch als selbstständiger Unternehmer in Schweden.
 
'''1954''' gründete er das Unternehmen '''"Optiker Enroth"''' anlässlich der Eröffnung des Vällingby Centrum bei Stockholm, einem der ersten modernen Einkaufszentren des Landes. Das Geschäft entwickelte sich erfolgreich und verschaffte Enroth einen Ruf als innovativer und qualitätsorientierter Optiker.
 
'''1968''' gehörte Enroth zu den '''Mitbegründern''' der '''Optikerkette Synsam'''. Gemeinsam mit '''Henry Sandh''' aus Södertälje, einem Pionier des Kontaktlinsenverkaufs in Schweden, sowie '''Klas Östlund''', Hofoptiker in Falun, verfolgte er das Ziel, durch Kooperation und gemeinsame Großeinkäufe bessere Konditionen bei Lieferanten zu erzielen. Dieses genossenschaftlich geprägte Modell erwies sich als äußerst erfolgreich und zog bald weitere Optiker an.
 
Synsam entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zur größten Optikerkette Schwedens mit landesweiter Präsenz. Enroths Rolle in dieser Entwicklung unterstreicht seine Fähigkeiten als Organisator, Netzwerker und strategisch denkender Unternehmer, Eigenschaften, die sich später auch in seinem Wirken im Computerschach widerspiegelten.
 
Johan Enroth wurde in Schweden bekannt als früher Förderer und Organisator des aufkommenden Computerschachs. In einer Phase, in der Mikrocomputer zunehmend verfügbar wurden, engagierte er sich für die institutionelle Vernetzung von Entwicklern, Programmierern und Schachspielern.
 
Im Jahr 1979 gründete Enroth die schwedische Sektion der ICCA (International Computer Chess Association). Diese Organisation war auf die Förderung, Organisation und Bewertung von Computer-Schachprogrammen ausgerichtet und gilt als ein Vorläufer der späteren Swedish Chess Computer Association ([[SSDF]]), die bis heute für ihre Ranglisten von Schachprogrammen bekannt ist.
 
Enroth fungierte als erster Vorsitzender der schwedischen ICCA-Sektion und trug maßgeblich zur organisatorischen Konsolidierung der Szene bei.


=== Conchess und unternehmerische Tätigkeit ===
=== Conchess und unternehmerische Tätigkeit ===
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Zusammen mit dem Programmierer [[Rathsman, Ulf|Ulf Rathsman]] entwickelte Enroth Anfang der 1980er Jahre die Marke Conchess. Während Rathsman für die Software zuständig war, übernahm Enroth wesentliche Teile des Designs und des Marketings. Die Conchess-Computer basierten auf einer modularen 6502-Architektur und waren für ihre hochwertige Verarbeitung (u.a. Holzgehäuse) bekannt.
Zusammen mit dem Programmierer [[Rathsman, Ulf|Ulf Rathsman]] entwickelte Enroth Anfang der 1980er Jahre die Marke Conchess. Während Rathsman für die Software zuständig war, übernahm Enroth wesentliche Teile des Designs und des Marketings. Die Conchess-Computer basierten auf einer modularen 6502-Architektur und waren für ihre hochwertige Verarbeitung (u.a. Holzgehäuse) bekannt.


Nach der Insolvenz des deutschen Herstellers Consumenta im Jahr 1983 übernahm Johan Enroth mit seinem Unternehmen Systemhuset aka System Integrierung company die Weiterführung der Marke Conchess. Enroth arbeitete dabei eng mit schwedischen Schachprogrammierern zusammen, insbesondere mit Ulf Rathsman, dessen Programm Princhess bereits 1981 in die dedizierten Conchess-Schachcomputer integriert worden war.
Nach der Insolvenz des deutschen Herstellers Consumenta im Jahr 1983 unterstützte Johan Enroth die Weiterführung der Marke Conchess. Enroth arbeitete dabei eng mit schwedischen Schachprogrammierern zusammen, insbesondere mit Ulf Rathsman, dessen Programm Princhess bereits 1981 in die dedizierten Conchess-Schachcomputer integriert worden war.


Unter Enroths Leitung konnte Conchess noch einmal an frühere Erfolge anknüpfen. Bei den Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaften ([[WMCCC]]) erzielten die Geräte beachtliche Ergebnisse, gekrönt durch einen Weltmeistertitel in der kommerziellen Gruppe bei der [[4. WMCCC Glasgow 1984|WMCCC 1984]] in Glasgow. Dieser Erfolg unterstrich die spielerische Stärke der Conchess-Programme, die vor allem für ihre taktischen Fähigkeiten bekannt waren.
Unter Enroths Leitung konnte Conchess noch einmal an frühere Erfolge anknüpfen. Bei den Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaften ([[WMCCC]]) erzielten die Geräte beachtliche Ergebnisse, gekrönt durch einen Weltmeistertitel in der kommerziellen Gruppe bei der [[4. WMCCC Glasgow 1984|WMCCC 1984]] in Glasgow. Dieser Erfolg unterstrich die spielerische Stärke der Conchess-Programme, die vor allem für ihre taktischen Fähigkeiten bekannt waren.
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Zu Enroths bekanntesten Aktivitäten zählt die Organisation der Stockholm Microcomputer Chess Tournaments, die in den Jahren 1979, 1980 und 1981 stattfanden. Diese Turniere gehörten zu den frühen internationalen Wettbewerben für Mikrocomputer-Schachprogramme und trugen zur Professionalisierung des Wettbewerbsformats bei.
Zu Enroths bekanntesten Aktivitäten zählt die Organisation der Stockholm Microcomputer Chess Tournaments, die in den Jahren 1979, 1980 und 1981 stattfanden. Diese Turniere gehörten zu den frühen internationalen Wettbewerben für Mikrocomputer-Schachprogramme und trugen zur Professionalisierung des Wettbewerbsformats bei.
=== Privatleben ===
Johan Enroth war mehrfach verheiratet. Seine Ehepartnerinnen waren Mirjam Helander, Fanny Clausen, Vera Waltonen sowie zuletzt die Stenografin Birgit Linnea Andersson (1927–2013).
=== Tod ===
Johan Enroth verstarb am 24. August 1998. Er ist auf dem Lidingö kyrkogård in Stockholm in einem Familiengrab beigesetzt.


=== Bedeutung ===
=== Bedeutung ===


Johan Enroth gilt als eine der zentralen Figuren, die das Computerschach in Nordeuropa popularisierten. Durch die Gründung von PLY und die Professionalisierung des Vertriebs von Schachcomputern trug er wesentlich dazu bei, dass Schachprogramme von rein akademischen Projekten zu massentauglichen Konsumgütern wurden.
Johan Enroth gilt als eine der zentralen Figuren, die das Computerschach in Nordeuropa popularisierten. Durch die Gründung von [[PLY (Zeitschrift)|PLY]] und die Professionalisierung des Vertriebs von Schachcomputern trug er wesentlich dazu bei, dass Schachprogramme von rein akademischen Projekten zu massentauglichen Konsumgütern wurden.


=== Publikationen ===
=== Publikationen ===


* PLY (Magazine), Gründer und Herausgeber (1979–1998)
* [[PLY (Zeitschrift)|PLY (Magazine)]], Gründer und Herausgeber (1979–1998)
 
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* '''''Informationen wurden von Lars Hjorth zur Verfügung gestellt'''''


== Weblinks ==
== Weblinks ==
* [https://www.chessprogramming.org/Johan_Enroth Johan Enroth] from [https://chessprogramming.org/ Chess Programming Wiki]
* [https://www.chessprogramming.org/Johan_Enroth Johan Enroth] from [https://chessprogramming.org/ Chess Programming Wiki]
* [https://www.chessprogramming.org/PLY_(Magazine) PLY (Magazine)] from [https://www.chessprogramming.org Chess Programming Wiki]
* [https://web.archive.org/web/20200219213546/http://privat.bahnhof.se/wb432434/historik.htm PLY/SSDF - the story] from [https://web.archive.org/web/20200219213546/http://privat.bahnhof.se/wb432434/welcome.htm Tony's Chess Site]
* [https://www.chessprogramming.org/SSDF SSDF] from [https://chessprogramming.org Chess Programming Wiki]
* [https://www.schach-computer.info/wiki/index.php/SSDF SSDF] from [https://www.schach-computer.info/wiki/index.php Schack-Computer Wiki]
* [http://ssdf.bosjo.net/list.htm SSDF Rating List] from [https://ssdf.bosjo.net SSDF Svenska SchackDatorFöreningen (Swedish Computer Chess Association)]
* [https://web.archive.org/web/20200219213546/http://privat.bahnhof.se/wb432434/welcome.htm SSDF (Swedish Computer Chess Association)] from [https://web.archive.org/web/20200219213546/http://privat.bahnhof.se/wb432434/welcome.htm Tony's Chess Site]
* [https://www.chessusa.com/SSDF-FAQ.html SSDF Chess Rating FAQ] from [https://www.chessusa.com ChessUSA]


[[Kategorie:Personen]]
[[Kategorie:Personen]]

Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 22:54 Uhr

Die Entwickler des „in Schweden hergestellten” Schachcomputers Conchess, Ulf Rathsman und Johan Enroth.
Aus "Tidskrift för Schack - 1982 "
(restauriert und koloriert)

Johan Hjalmar Emil Gustaf Enroth (* 13. Februar 1916, Helsinki - † 24. August 1998, Stockholm) war ein schwedischer Unternehmer, Optiker und einer der wichtigsten Pioniere des frühen Computerschachs. Er war maßgeblich an der Entwicklung und Vermarktung der Conchess-Schachcomputer beteiligt, fungierte als Vizepräsident der schwedische Sektion der International Computer Chess Association (ICCA), einem Vorläufer der SSDF und war Mitorganisator der drei Stockholmer Mikrocomputer-Schachturniere (1979, 1980, 1981).

Leben und Wirken

Unternehmerische Laufbahn in der Optikbranche

Johan Enroth wurde am 13. Februar 1916 in Helsinki, Finnland, geboren. Um 1940 zog er nach Schweden, wo er eine Ausbildung zum Optiker absolvierte. Diese berufliche Grundlage prägte seine spätere unternehmerische Laufbahn maßgeblich. Seine unternehmerische Tätigkeit begann lange vor seinem Engagement im Computerschach und bildete das wirtschaftliche Fundament für seine späteren Aktivitäten. Nach seiner Ausbildung zum Optiker etablierte er sich rasch als selbstständiger Unternehmer in Schweden.

1954 gründete er das Unternehmen "Optiker Enroth" anlässlich der Eröffnung des Vällingby Centrum bei Stockholm, einem der ersten modernen Einkaufszentren des Landes. Das Geschäft entwickelte sich erfolgreich und verschaffte Enroth einen Ruf als innovativer und qualitätsorientierter Optiker.

1968 gehörte Enroth zu den Mitbegründern der Optikerkette Synsam. Gemeinsam mit Henry Sandh aus Södertälje, einem Pionier des Kontaktlinsenverkaufs in Schweden, sowie Klas Östlund, Hofoptiker in Falun, verfolgte er das Ziel, durch Kooperation und gemeinsame Großeinkäufe bessere Konditionen bei Lieferanten zu erzielen. Dieses genossenschaftlich geprägte Modell erwies sich als äußerst erfolgreich und zog bald weitere Optiker an.

Synsam entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zur größten Optikerkette Schwedens mit landesweiter Präsenz. Enroths Rolle in dieser Entwicklung unterstreicht seine Fähigkeiten als Organisator, Netzwerker und strategisch denkender Unternehmer, Eigenschaften, die sich später auch in seinem Wirken im Computerschach widerspiegelten.

Johan Enroth wurde in Schweden bekannt als früher Förderer und Organisator des aufkommenden Computerschachs. In einer Phase, in der Mikrocomputer zunehmend verfügbar wurden, engagierte er sich für die institutionelle Vernetzung von Entwicklern, Programmierern und Schachspielern.

Im Jahr 1979 gründete Enroth die schwedische Sektion der ICCA (International Computer Chess Association). Diese Organisation war auf die Förderung, Organisation und Bewertung von Computer-Schachprogrammen ausgerichtet und gilt als ein Vorläufer der späteren Swedish Chess Computer Association (SSDF), die bis heute für ihre Ranglisten von Schachprogrammen bekannt ist.

Enroth fungierte als erster Vorsitzender der schwedischen ICCA-Sektion und trug maßgeblich zur organisatorischen Konsolidierung der Szene bei.

Conchess und unternehmerische Tätigkeit

Zusammen mit dem Programmierer Ulf Rathsman entwickelte Enroth Anfang der 1980er Jahre die Marke Conchess. Während Rathsman für die Software zuständig war, übernahm Enroth wesentliche Teile des Designs und des Marketings. Die Conchess-Computer basierten auf einer modularen 6502-Architektur und waren für ihre hochwertige Verarbeitung (u.a. Holzgehäuse) bekannt.

Nach der Insolvenz des deutschen Herstellers Consumenta im Jahr 1983 unterstützte Johan Enroth die Weiterführung der Marke Conchess. Enroth arbeitete dabei eng mit schwedischen Schachprogrammierern zusammen, insbesondere mit Ulf Rathsman, dessen Programm Princhess bereits 1981 in die dedizierten Conchess-Schachcomputer integriert worden war.

Unter Enroths Leitung konnte Conchess noch einmal an frühere Erfolge anknüpfen. Bei den Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaften (WMCCC) erzielten die Geräte beachtliche Ergebnisse, gekrönt durch einen Weltmeistertitel in der kommerziellen Gruppe bei der WMCCC 1984 in Glasgow. Dieser Erfolg unterstrich die spielerische Stärke der Conchess-Programme, die vor allem für ihre taktischen Fähigkeiten bekannt waren.

Der anschließende Verlauf markierte jedoch das Ende dieser Entwicklung. Bei der WMCCC 1985 blieben sowohl Princhess als auch drei Varianten des neuen Plymate-Programms, das gemeinsam mit Lars Hjorth entwickelt worden war, deutlich hinter den dominierenden Mephisto-Programmen von Richard Lang zurück. Dieses Abschneiden leitete faktisch das Ende der Conchess-Schachcomputerproduktion ein und beendete zugleich Johan Enroths Engagement in diesem Bereich.

Engagement als Funktionär

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit war Enroth ein engagierter Förderer der Computerschach-Community. Von 1983 bis 1986 war er Vizepräsident der ICCA (heute ICGA) und unterstützte in dieser Funktion den Präsidenten Monroe Newborn bei der Organisation internationaler Meisterschaften.

Turnierorganisation

Zu Enroths bekanntesten Aktivitäten zählt die Organisation der Stockholm Microcomputer Chess Tournaments, die in den Jahren 1979, 1980 und 1981 stattfanden. Diese Turniere gehörten zu den frühen internationalen Wettbewerben für Mikrocomputer-Schachprogramme und trugen zur Professionalisierung des Wettbewerbsformats bei.

Privatleben

Johan Enroth war mehrfach verheiratet. Seine Ehepartnerinnen waren Mirjam Helander, Fanny Clausen, Vera Waltonen sowie zuletzt die Stenografin Birgit Linnea Andersson (1927–2013).

Tod

Johan Enroth verstarb am 24. August 1998. Er ist auf dem Lidingö kyrkogård in Stockholm in einem Familiengrab beigesetzt.

Bedeutung

Johan Enroth gilt als eine der zentralen Figuren, die das Computerschach in Nordeuropa popularisierten. Durch die Gründung von PLY und die Professionalisierung des Vertriebs von Schachcomputern trug er wesentlich dazu bei, dass Schachprogramme von rein akademischen Projekten zu massentauglichen Konsumgütern wurden.

Publikationen


  • Informationen wurden von Lars Hjorth zur Verfügung gestellt

Weblinks

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