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Milton Bradley: Unterschied zwischen den Versionen

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===== Existenz: [[1983]] - [[1984]] =====
| Firma = Milton Bradley Company
 
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| Gründung = [[1983]]
| Auflösung = [[1984]]
| Sitz = USA
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Die '''Milton Bradley Company''' (im deutschsprachigen Raum bekannter unter dem Namen '''MB Spiele''') ist ein traditionsreiches US-amerikanisches Unternehmen für Spiele und Spielzeug, das 1860 von Milton Bradley in Springfield, Massachusetts gegründet wurde. Es zählt zu den ältesten Spieleherstellern der Vereinigten Staaten und etablierte sich im Laufe der Zeit als bedeutender Produzent von Brettspielen, Puzzles und später auch elektronischen Spielen und Spielkonsolen.
Die '''Milton Bradley Company''' (im deutschsprachigen Raum bekannter unter dem Namen '''MB Spiele''') ist ein traditionsreiches US-amerikanisches Unternehmen für Spiele und Spielzeug, das 1860 von Milton Bradley in Springfield, Massachusetts gegründet wurde. Es zählt zu den ältesten Spieleherstellern der Vereinigten Staaten und etablierte sich im Laufe der Zeit als bedeutender Produzent von Brettspielen, Puzzles und später auch elektronischen Spielen und Spielkonsolen.


=== Geschichte ===
== Geschichte ==


Milton Bradley (1836–1911) eröffnete 1860 eine farblithographische Werkstatt, die bald Spiele wie The Checkered Game of Life („Das bunte Spiel des Lebens“) produzierte. Diese Spiele wurden schnell populär und führten zur Fokussierung auf Spielepublikationen, wodurch MB zu einem der führenden Anbieter von Brettspielen in den USA wurde. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte das Unternehmen sein Portfolio, übernahm andere Verlage (z. B. McLoughlin Brothers) und entwickelte Klassiker wie Yahtzee, Simon und Twister.
Milton Bradley (1836–1911) eröffnete 1860 eine farblithographische Werkstatt, die bald Spiele wie The Checkered Game of Life („Das bunte Spiel des Lebens“) produzierte. Diese Spiele wurden schnell populär und führten zur Fokussierung auf Spielepublikationen, wodurch MB zu einem der führenden Anbieter von Brettspielen in den USA wurde. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte das Unternehmen sein Portfolio, übernahm andere Verlage (z. B. McLoughlin Brothers) und entwickelte Klassiker wie Yahtzee, Simon und Twister.
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Charakteristisch für die MB-Fernsehwerbung der späten 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre war ein wiederkehrender Vorspann: Ein Junge schlug einen großen Gong mit dem MB-Logo, während aus dem Off die Ankündigung „MB präsentiert“ erklang. Anfang 2005 griff Hasbro dieses Konzept erneut auf und bewarb unter diesem Motto ein „Spiel des Monats“. Ende 2008 wurde letztmals ein Spiel in dieser Form „präsentiert“. Heute verwendet Hasbro gelegentlich einen ähnlichen Vorspann unter dem Titel „Hasbro präsentiert“, bei dem das frühere MB-Branding vollständig durch Hasbro ersetzt wurde.
Charakteristisch für die MB-Fernsehwerbung der späten 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre war ein wiederkehrender Vorspann: Ein Junge schlug einen großen Gong mit dem MB-Logo, während aus dem Off die Ankündigung „MB präsentiert“ erklang. Anfang 2005 griff Hasbro dieses Konzept erneut auf und bewarb unter diesem Motto ein „Spiel des Monats“. Ende 2008 wurde letztmals ein Spiel in dieser Form „präsentiert“. Heute verwendet Hasbro gelegentlich einen ähnlichen Vorspann unter dem Titel „Hasbro präsentiert“, bei dem das frühere MB-Branding vollständig durch Hasbro ersetzt wurde.


=== Produkte und Innovationen ===
== Produkte und Innovationen ==


Traditionell bekannt für Brettspiele wie Battleship, Connect Four, Candy Land oder Stratego, wagte MB auch den Schritt in die Welt der Elektronik und frühen Computer-Spieltechnik. Dazu zählen:
Traditionell bekannt für Brettspiele wie Battleship, Connect Four, Candy Land oder Stratego, wagte MB auch den Schritt in die Welt der Elektronik und frühen Computer-Spieltechnik. Dazu zählen:
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* Heimkonsolen und Vectrex-Ableger Mitte der 1980er Jahre
* Heimkonsolen und Vectrex-Ableger Mitte der 1980er Jahre


=== Milton Bradley-Schachcomputer (Grandmaster / Milton / Phantom) ===
== Milton Bradley-Schachcomputer (Grandmaster / Milton / Phantom) ==


Die Milton Bradley-Schachcomputer-Reihe war ein technisch einzigartiges Produkt des US-Spieleherstellers Milton Bradley Company, das im Winter 1982/Frühjahr 1983 auf den Markt kam. Neben klassischen, elektronischen Schachcomputern verfolgte dieses Gerät einen innovativen Ansatz: Es war einer der ersten kommerziellen Schachcomputer mit physischer Figurenbewegung, die durch einen Mechanoelektrischen Roboter-Mechanismus realisiert wurde.
Die Milton Bradley-Schachcomputer-Reihe war ein technisch einzigartiges Produkt des US-Spieleherstellers Milton Bradley Company, das im Winter 1982/Frühjahr 1983 auf den Markt kam. Neben klassischen, elektronischen Schachcomputern verfolgte dieses Gerät einen innovativen Ansatz: Es war einer der ersten kommerziellen Schachcomputer mit physischer Figurenbewegung, die durch einen Mechanoelektrischen Roboter-Mechanismus realisiert wurde.
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Abgesehen von unterschiedlichen Bedienfeld-Beschriftungen, Gehäuseaufdrucken, Netzteilen und Bedienungsanleitungen war die Hardware mechanisch und funktional identisch in allen Varianten.
Abgesehen von unterschiedlichen Bedienfeld-Beschriftungen, Gehäuseaufdrucken, Netzteilen und Bedienungsanleitungen war die Hardware mechanisch und funktional identisch in allen Varianten.


=== Entwicklungsgeschichte ===
== Entwicklungsgeschichte ==


Die Idee eines selbstziehenden Schachroboters entstand 1981, als Milton Bradley den britischen Schach-Programmierer [[Levy, David|David Levy]] (Intelligent Software) kontaktierte und ihm einen Prototypen vorführte, bei dem sich eine Figur „wie von Zauberhand“ auf dem Brett bewegte. Levy und sein Team erhielten den Auftrag, innerhalb von fünf Monaten eine marktreife Schachsoftware und eine Steuerung für die elektromechanische Bewegungsmechanik zu entwickeln. Trotz fehlender Erfahrung mit mechatronischen Systemen gelang Intelligent Software die Fertigstellung des Projekts innerhalb des engen Zeitrahmens und die Geräte gingen Ende 1982 in die Produktion und Anfang 1983 in den Handel.
Die Idee eines selbstziehenden Schachroboters entstand 1981, als Milton Bradley den britischen Schach-Programmierer [[Levy, David|David Levy]] (Intelligent Software) kontaktierte und ihm einen Prototypen vorführte, bei dem sich eine Figur „wie von Zauberhand“ auf dem Brett bewegte. Levy und sein Team erhielten den Auftrag, innerhalb von fünf Monaten eine marktreife Schachsoftware und eine Steuerung für die elektromechanische Bewegungsmechanik zu entwickeln. Trotz fehlender Erfahrung mit mechatronischen Systemen gelang Intelligent Software die Fertigstellung des Projekts innerhalb des engen Zeitrahmens und die Geräte gingen Ende 1982 in die Produktion und Anfang 1983 in den Handel.


=== Technische Merkmale ===
== Technische Merkmale ==


Zentrale Elektronik:
Zentrale Elektronik:
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Die Schach-Engine wurde von Intelligent Software entwickelt und sollte leistungsfähiger sein als Sargon 2 auf einem Apple-Computer; zeitgenössische Tests gaben dem Programm eine Spielstärke um 1550 USCF während eines Vergleichs mit Sensory 9 und Sargon 2.5.
Die Schach-Engine wurde von Intelligent Software entwickelt und sollte leistungsfähiger sein als Sargon 2 auf einem Apple-Computer; zeitgenössische Tests gaben dem Programm eine Spielstärke um 1550 USCF während eines Vergleichs mit Sensory 9 und Sargon 2.5.


==== Mechanik zur Figurenbewegung: ====
=== Mechanik zur Figurenbewegung: ===


Das herausragende Merkmal war ein unter dem Brett montierter XY-Plotter-Mechanismus:
Das herausragende Merkmal war ein unter dem Brett montierter XY-Plotter-Mechanismus:
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* Geschlagene Figuren wurden automatisch auf vordefinierte Ablagefelder am Brett­rand bewegt.
* Geschlagene Figuren wurden automatisch auf vordefinierte Ablagefelder am Brett­rand bewegt.


==== Eingabe und Anzeige: ====
=== Eingabe und Anzeige: ===


* Das Schachbrett war drucksensitiv: Züge des menschlichen Spielers wurden allein durch Drücken der Figuren auf Start- und Zielfeld registriert.
* Das Schachbrett war drucksensitiv: Züge des menschlichen Spielers wurden allein durch Drücken der Figuren auf Start- und Zielfeld registriert.
* Die Anzeige erfolgte über einfache LEDs und Membrantasten auf dem Bedienfeld.
* Die Anzeige erfolgte über einfache LEDs und Membrantasten auf dem Bedienfeld.


==== Funktionen und Spielmodi ====
=== Funktionen und Spielmodi ===


Der Schachcomputer bot für seine Zeit ein umfangreiches Set an Funktionen:
Der Schachcomputer bot für seine Zeit ein umfangreiches Set an Funktionen:
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* Problem-Modus: Aufbau und Lösung spezieller Stellungen.
* Problem-Modus: Aufbau und Lösung spezieller Stellungen.


=== Markt, Rezeption und Seltenheit ===
== Markt, Rezeption und Seltenheit ==


Obwohl das Gerät technisch beeindruckend war, blieb es kein kommerzieller Massenbestseller. In den USA und in Deutschland kamen Grandmaster bzw. Milton in relativ größeren Stückzahlen auf den Markt, während der britische Phantom aufgrund geringer Verkaufszahlen und der limitierten Verbreitung heute als seltenes Sammlerstück gilt.
Obwohl das Gerät technisch beeindruckend war, blieb es kein kommerzieller Massenbestseller. In den USA und in Deutschland kamen Grandmaster bzw. Milton in relativ größeren Stückzahlen auf den Markt, während der britische Phantom aufgrund geringer Verkaufszahlen und der limitierten Verbreitung heute als seltenes Sammlerstück gilt.


=== Nachwirkung ===
== Nachwirkung ==


Nach dem Rückzug von Milton Bradley aus dem Schachcomputer-Markt infolge der Übernahme durch Hasbro 1984 (wodurch die Produktion eingestellt wurde), gingen die Rechte an der mechanischen Technologie an [[Fidelity|Fidelity Electronics]]. Diese setzten das mechanische Prinzip in eigenen Phantom-Varianten fort und statteten spätere Modelle mit stärkeren Schach-Engines aus.
Nach dem Rückzug von Milton Bradley aus dem Schachcomputer-Markt infolge der Übernahme durch Hasbro 1984 (wodurch die Produktion eingestellt wurde), gingen die Rechte an der mechanischen Technologie an [[Fidelity|Fidelity Electronics]]. Diese setzten das mechanische Prinzip in eigenen Phantom-Varianten fort und statteten spätere Modelle mit stärkeren Schach-Engines aus.
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