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Milton Bradley: Unterschied zwischen den Versionen

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Milton Bradley, im deutschsprachigen Raum bekannter unter dem Namen MB Spiele, ist eine nach ihrem Gründer Milton Bradley (1836-1911) benannte Firma, die Spiele und Puzzles erfindet und herstellt.
Die '''Milton Bradley Company''' (im deutschsprachigen Raum bekannter unter dem Namen '''MB Spiele''') ist ein traditionsreiches US-amerikanisches Unternehmen für Spiele und Spielzeug, das 1860 von Milton Bradley in Springfield, Massachusetts gegründet wurde. Es zählt zu den ältesten Spieleherstellern der Vereinigten Staaten und etablierte sich im Laufe der Zeit als bedeutender Produzent von Brettspielen, Puzzles und später auch elektronischen Spielen und Spielkonsolen.


== Frühe Geschichte ==
=== Geschichte ===


Gegründet wurde die Firma von dem 1836 in Vienna, Maine, USA geborenen Lithographen Milton Bradley, der heute als Mitbegründer der Spieleindustrie in den Vereinigten Staaten gilt. Im Jahr 1860 brachte Bradley dort das Spiel The Checkered Game of Life (etwa Das bunte Spiel des Lebens) auf den Markt. Im Jahr 1880 begann Bradley, Puzzles auf den Markt zu bringen. Die Firma wuchs auch nach dem Tod ihres Gründers im Jahre 1911 stetig weiter. So übernahm Milton Bradley 1920 den Kinderbuch- und Spieleverlag McLoughlin Brothers.
Milton Bradley (1836–1911) eröffnete 1860 eine farblithographische Werkstatt, die bald Spiele wie The Checkered Game of Life („Das bunte Spiel des Lebens“) produzierte. Diese Spiele wurden schnell populär und führten zur Fokussierung auf Spielepublikationen, wodurch MB zu einem der führenden Anbieter von Brettspielen in den USA wurde. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte das Unternehmen sein Portfolio, übernahm andere Verlage (z. B. McLoughlin Brothers) und entwickelte Klassiker wie Yahtzee, Simon und Twister.


1968 übernahm Milton Bradley den Spielzeughersteller Playskool.
In den 1970er und frühen 1980er Jahren reagierte Milton Bradley auf den Trend zu elektronischen Spielen und Heimvideospielen, entwickelte u. a. die tragbare Spielkonsole Microvision (1979) und erwarb 1982 die Firma General Consumer Electronics, Hersteller der Vectrex-Konsole. 1984 wurde die Milton Bradley Company von Hasbro, Inc. übernommen und firmiert seitdem als Markenname innerhalb der Hasbro-Produktlinie. Der Mutterkonzern nahm danach kurzzeitig den Namen "Hasbro Bradley" an, verkürzte diesen jedoch schon bald wieder auf "Hasbro".


1973 übernahm MB den Spielehersteller E.S. Lowe, der mit Yahtzee bekannt wurde.
In Deutschland griff Hasbro ab 1985 auf die etablierten Vertriebsstrukturen der dortigen Milton-Bradley-Tochter zurück, um unter anderem die ein Jahr zuvor in den USA eingeführte Spielzeugreihe Transformers auch in Europa zu vermarkten. Obwohl die Verpackungen ab 1986 bereits den Namen Hasbro trugen, erfolgte der Vertrieb in Deutschland zunächst weiterhin über die Milton Bradley GmbH. Erst 1991 wurde die deutsche MB-Tochter im Zuge der internationalen Vereinheitlichung des Markenauftritts offiziell in Hasbro Deutschland GmbH umbenannt.


== MB in der Gegenwart ==
Sowohl in Deutschland als auch in den USA wurde die Marke Milton Bradley (MB) aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrades noch über Jahre hinweg als Hasbro-Tochtermarke mit Schwerpunkt auf Gesellschaftsspielen fortgeführt. Inzwischen wird die Marke jedoch nicht mehr aktiv genutzt.


1984 wurde MB von Hasbro übernommen. Der Mutterkonzern nahm danach kurzzeitig den Namen "Hasbro Bradley" an, verkürzte diesen jedoch schon bald wieder auf "Hasbro".
Charakteristisch für die MB-Fernsehwerbung der späten 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre war ein wiederkehrender Vorspann: Ein Junge schlug einen großen Gong mit dem MB-Logo, während aus dem Off die Ankündigung „MB präsentiert“ erklang. Anfang 2005 griff Hasbro dieses Konzept erneut auf und bewarb unter diesem Motto ein „Spiel des Monats“. Ende 2008 wurde letztmals ein Spiel in dieser Form „präsentiert“. Heute verwendet Hasbro gelegentlich einen ähnlichen Vorspann unter dem Titel „Hasbro präsentiert“, bei dem das frühere MB-Branding vollständig durch Hasbro ersetzt wurde.


In Deutschland nutzte Hasbro ab 1985 die etablierten Strukturen der hiesigen MB-Tochter, um unter anderem die ein Jahr zuvor in den USA gestartete Spielzeugserie Transformers auch in Europa zu vertreiben. Zwar trugen die Spielzeugverpackungen ab 1986 den Namen Hasbros, der Vertrieb lief jedoch in Deutschland zunächst weiter über die Milton Bradley GmbH. Erst 1991 wurde die deutsche MB-Tochter infolge einer internationalen Durchsetzung des Namens "Hasbro" offiziell in die Hasbro Deutschland GmbH umbenannt.
=== Produkte und Innovationen ===


Sowohl in Deutschland als auch in den USA wurde MB lange Zeit aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades als Tochtermarke Hasbros mit Schwerpunkt auf Gesellschaftsspiele weitergeführt. Mittlerweile wird die Marke allerdings nicht mehr verwendet.
Traditionell bekannt für Brettspiele wie Battleship, Connect Four, Candy Land oder Stratego, wagte MB auch den Schritt in die Welt der Elektronik und frühen Computer-Spieltechnik. Dazu zählen:
"MB präsentiert"
 
MBs Markenzeichen in der TV-Werbung in den späten 1970er, 1980er und 1990er Jahren war, dass sie immer mit der gleichen Szene begann: Ein Junge, der einen großen Gong mit dem Schriftzug MB schlug, während aus dem Hintergrund ein Sprecher die Ankündigung "MB präsentiert" sprach. Anfang 2005 ließ Hasbro die Werbung wieder aufleben und präsentierte ein Spiel des Monats. Bereits Ende 2008 "präsentierte" MB letztmals ein solches Spiel. Heute verwendet Hasbro gelegentlich einen Vorspann "Hasbro präsentiert", in dem MB in Wort und Schrift durch Hasbro ersetzt wurde.
* Elektronische Spiele wie Simon (1978)
* Handheld-Konsolen wie Microvision
* Heimkonsolen und Vectrex-Ableger Mitte der 1980er Jahre
 
=== Milton Bradley-Schachcomputer (Grandmaster / Milton / Phantom) ===
 
Die Milton Bradley-Schachcomputer-Reihe war ein technisch einzigartiges Produkt des US-Spieleherstellers Milton Bradley Company, das im Winter 1982/Frühjahr 1983 auf den Markt kam. Neben klassischen, elektronischen Schachcomputern verfolgte dieses Gerät einen innovativen Ansatz: Es war einer der ersten kommerziellen Schachcomputer mit physischer Figurenbewegung, die durch einen Mechanoelektrischen Roboter-Mechanismus realisiert wurde.
Modelle und regionale Bezeichnungen
 
Milton Bradley bot das gleiche Grundgerät unter drei verschiedenen Namen an, abhängig vom Zielmarkt:
 
* MB Grandmaster – Nord- und Südamerika
* Milton – Deutschland, Frankreich, Niederlande
* Phantom – Vereinigtes Königreich
 
Abgesehen von unterschiedlichen Bedienfeld-Beschriftungen, Gehäuseaufdrucken, Netzteilen und Bedienungsanleitungen war die Hardware mechanisch und funktional identisch in allen Varianten.
 
=== Entwicklungsgeschichte ===
 
Die Idee eines selbstziehenden Schachroboters entstand 1981, als Milton Bradley den britischen Schach-Programmierer [[Levy, David|David Levy]] (Intelligent Software) kontaktierte und ihm einen Prototypen vorführte, bei dem sich eine Figur „wie von Zauberhand“ auf dem Brett bewegte. Levy und sein Team erhielten den Auftrag, innerhalb von fünf Monaten eine marktreife Schachsoftware und eine Steuerung für die elektromechanische Bewegungsmechanik zu entwickeln. Trotz fehlender Erfahrung mit mechatronischen Systemen gelang Intelligent Software die Fertigstellung des Projekts innerhalb des engen Zeitrahmens und die Geräte gingen Ende 1982 in die Produktion und Anfang 1983 in den Handel.
 
=== Technische Merkmale ===
 
Zentrale Elektronik:
* Prozessor: MOS Technology 6502A
* Taktfrequenz: 2 MHz
* Programmspeicher: 16 KB ROM
* Arbeitsspeicher: 2 KB RAM
 
Die Schach-Engine wurde von Intelligent Software entwickelt und sollte leistungsfähiger sein als Sargon 2 auf einem Apple-Computer; zeitgenössische Tests gaben dem Programm eine Spielstärke um 1550 USCF während eines Vergleichs mit Sensory 9 und Sargon 2.5.
 
==== Mechanik zur Figurenbewegung: ====
 
Das herausragende Merkmal war ein unter dem Brett montierter XY-Plotter-Mechanismus:
 
* Zwei Synchronmotoren trieben Riemen an, die einen Elektromagneten (Spule) entlang zweier Metallführungen in X- und Y-Richtung bewegten.
* Dieser Elektromagnet konnte die magnetischen Schach-Figuren anheben und zu einem gewünschten Feld ziehen.
* Stehende Figuren, die im Weg waren, wurden vorübergehend beiseite geschoben und anschließend wieder korrekt eingesetzt.
* Geschlagene Figuren wurden automatisch auf vordefinierte Ablagefelder am Brett­rand bewegt.
 
==== Eingabe und Anzeige: ====
 
* Das Schachbrett war drucksensitiv: Züge des menschlichen Spielers wurden allein durch Drücken der Figuren auf Start- und Zielfeld registriert.
* Die Anzeige erfolgte über einfache LEDs und Membrantasten auf dem Bedienfeld.
 
==== Funktionen und Spielmodi ====
 
Der Schachcomputer bot für seine Zeit ein umfangreiches Set an Funktionen:
 
* 12 Denkstufen mit variierender Zeitkontrolle, von sehr schnellen bis hin zu unbegrenzt langen Analysen.
* Analyse- und Lernmodi, z. B. alle legalen Züge einer Figur anzeigen oder Hilfetipps geben.
* Autoplay-Funktion: Der Computer konnte gegen sich selbst spielen, wobei die mechanische Zugausführung der Figuren besonders zur Geltung kam.
* Problem-Modus: Aufbau und Lösung spezieller Stellungen.
 
=== Markt, Rezeption und Seltenheit ===
 
Obwohl das Gerät technisch beeindruckend war, blieb es kein kommerzieller Massenbestseller. In den USA und in Deutschland kamen Grandmaster bzw. Milton in relativ größeren Stückzahlen auf den Markt, während der britische Phantom aufgrund geringer Verkaufszahlen und der limitierten Verbreitung heute als seltenes Sammlerstück gilt.
 
=== Nachwirkung ===
 
Nach dem Rückzug von Milton Bradley aus dem Schachcomputer-Markt infolge der Übernahme durch Hasbro 1984 (wodurch die Produktion eingestellt wurde), gingen die Rechte an der mechanischen Technologie an [[Fidelity|Fidelity Electronics]]. Diese setzten das mechanische Prinzip in eigenen Phantom-Varianten fort und statteten spätere Modelle mit stärkeren Schach-Engines aus.


== Schachcomputer ==
== Schachcomputer ==
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