4. WCCC New York 1983

aus Schachcomputer.info Wiki, der freien Schachcomputer-Wissensdatenbank
Wechseln zu: Navigation, Suche
  • New York USA, 1983.10.22 - 1983.10.25
  • World Computer Chess Champion: Cray Blitz
  • Programmierer: Robert Hyatt


Player Score SOP 1 2 3 4 5
1: Cray Blitz 4.5 / 5 14.0 16w+ 10b+ 7w+ 4b= 6b+
2: Bebe 4.0 / 5 13.0 11b- 18w+ 8w+ 10b+ 4w+
3: Awit 4.0 / 5 11.5 14w+ 7w- 12b+ 17w+ 13b+
4: Nuchess 3.5 / 5 15.5 18w+ 11b+ 6w+ 1w= 2b-
5: Chaos 3.5 / 5 12.0 8b= 21w+ 17b+ 6w- 7w+
6: Belle 3.0 / 5 17.0 13b+ 9w+ 4b- 5b+ 1w-
7: Advance 3.0 3.0 / 5 15.0 22w+ 3b+ 1b- 9w+ 5b-
8: Schach 2.7 3.0 / 5 15.0 5w= 12w+ 2b- 11b+ 10w=
9: Mephisto X 3.0 / 5 11.5 19w+ 6b- 15w+ 7b- 14w+
10: Fidelity X 2.5 / 5 15.0 15b+ 1w- 19b+ 2w- 8b=
11: Merlin 2.5 / 5 14.5 2w+ 4w- 13b= 8w- 17b+
12: Novag X 2.5 / 5 12.0 20w= 8b- 3w- 21b+ 16b+
13: Phoenix 2.5 / 5 11.0 6w- 22b+ 11w= 20b+ 3w-
14: Ostrich 2.0 / 5 12.0 3b- 15w- 18b+ 19w+ 9b-
15: Pion 2.0 / 5 11.0 10w- 14b+ 9b- 16w- 20w+
16: Bcp 2.0 / 5 10.5 1b- 19w- 22b+ 15b+ 12w-
17: Patsoc 2.0 1.5 / 5 13.0 21b= 20w+ 5w- 3b- 11w-
18: Philidor X 1.5 / 5 11.0 4b- 2b- 14w- 22w+ 19b=
19: Conchess 1.5 / 5 11.0 9b- 16b+ 10w- 14b- 18w=
20: Bobby 1.5 / 5 10.0 12b= 17b- 21w+ 13w- 15b-
21: Shy 1.5 / 5 9.0 17w= 5b- 20b- 12w- 22b+
22: Sfinks X 0.0 / 5 10.5 7b- 13w- 16w- 18b- 21w-

55 games: +24 =7 -24


Die vierte Weltmeisterschaft (World Computer Chess Championship) fand vom 22. bis zum 25. Oktober, 1983, im Royal Ballroom A im Sheraton Central Hotel in New York (USA) unter der Schirmherrschaft der ACM statt und war gleichzeitig die 14th ACM North American Computer Chess Championship (nordamerikanische Computerschachmeisterschaft). Es siegte etwas überraschend Cray Blitz. Das Programm lief auf dem damals schnellsten Rechner der Welt "Cray-1 X-MP".

Alle Partien der 4. WCCC

Weltmeisterschaft in New York

(Turnierbericht von Frederic Friedel aus Computerschach International CSI / Heft 4 / 1983)

Seit seiner Entstehung im Sommer 1980 hatte der amtierende Weltmeister BELLE keine einzige Partie gegen einen elektronischen Konkurrenten verloren, in keinem einzigen Computerturnier einen schlechteren als den ersten Platz belegt. Noch während der diesjährigen Computerschach-Weltmeisterschaft in New York wurde ihm von der US-Schachföderation wegen seines hervorragenden Ab-schneidens beim US-Open der Titel eines Nationalen Meisters verliehen. Just bei dieser Weltmeisterschaft verlor aber BELLE gleich zwei Partien und wurde jäh entthront. Unter 22 Teilnehmern belegte er am Ende nur den sechsten Platz.

Beide Niederlagen des klaren Favoriten, der in der Herstellung etwa $20.000 gekostet hat, gehen auf das Konto einer Maschine, die etwa 1000-mal (!) teurer ist: Der Cray 1 gilt als der größte und schnellste Rechner der Welt. Dieser Supercomputer kann in einer einzigen Sekunde nicht weniger als 80 Millionen Operationen (Additionen, Subtraktionen, Multiplikationen, etc.) ausführen, so viele wie ein geschulter Buchhalter mit Papier und Bleistift in einem Menschenleben!

Normalerweise befasst sich ein solcher Hochleistungsrechner mit den Wünschen von mehreren tausend Benutzern gleichzeitig. Während des Turniers stand er jedoch mit seiner ganzen Kraft einem einzigen Benutzer zur Verfügung, dem Autor des Schachprogramms. Er spielte Schach und war für den Rest der Welt nicht ansprechbar.

In der dritten Runde spielte das Programm NUCHESS (Autoren: David Slate und William Blanchard) auf einem in Los Alamos stationierten Cray 1 gegen den bis dahin punktgleichen BELLE, der im Turniersaal anwesend war. BELLE leistete sich einige Ungenauigkeiten und verlor in einem knappen Bauernendspiel die Partie. Damit lag NUCHESS zusammen mit dem Programm CRAY BLITZ, das ebenfalls auf einem Cray läuft, in Führung.

In der vierten Runde trafen diese beiden Giganten aufeinander. CRAY BLITZ, der schon immer zu den engsten Titelanwärtern gehörte, lief nicht nur auf der erwähnten Supermaschine: Die Autoren Bob Hyatt, Al Gower und Harry Nelson setzten in diesem Turnier einen brandneuen "Cray 1 X-MP" ein. Das X bezeichnet eine noch schnellere Forschungsversion des Rechners, MP steht für "Multi-Processing", womit zum Ausdruck gebracht wird, dass gleich zwei Rechner dieser Sorte gemein-sam ihre Arbeit verrichten. Soviel Rechengewalt (210 Millionen Operationen pro Sekunde!!) ist noch nie für das Schachspiel aufgewendet worden.

Die Partie gegen NUCHESS endete remis, so dass die Titelaspirationen beider Cray-Programme unverändert blieben. Der letzte Tag musste den Weltmeister bestimmen. In dieser Runde hatte NUCHESS gegen eine weitere Spezialmaschine, BEBE von Tony Scherzer, anzutreten, während CRAY BLITZ die weitaus schwierigere Aufgabe hatte und gegen BELLE spielen musste. Trotz des gewaltigen Größenunterschieds schafft es nämlich BELLE, eine weitaus größere Anzahl von Stellungen zu überprüfen als sein Konkurrent im Cray Research Center, Minneapolis.

In einer dramatischen Partie, bei der Altweltmeister Michail Botwinnik am Tisch saß und des Öfteren den Kopf schüttelte, gelang es CRAY BLITZ zum ersten Mal, seinen Erzrivalen zu besiegen. Da am Brett nebenan NUCHESS gegen BEBE auf verlorenem Posten stand, war damit der neue Weltmeister gekürt.

Hier die Entscheidungspartie: Es waren die Spitzenprogramme aus acht verschiedenen Nationen, die vom 22. - 25. Oktober unweit vom Times Square und Broadway im New Yorker Sheraton Center gegeneinander antraten. Aus Deutschland war neben Matthias Engelbach mit seinem bekannten SCHACH 2.7 und einer MEPHISTO Mannschaft auch ein Neuer dabei, das Programm BOBBY aus Braunschweig. Die Holländer hatten PION, die Engländer BCP und PHILIDOR X geschickt. Zwei Nationen waren erstmalig vertreten: Finnland mit SHY und Österreich mit MERLIN. Besonders interessant war das Erscheinen des ehemaligen Fernschachweltmeisters Prof. Hans Berliner mit einem eigenen Programm namens PATSOC 2.0. Lediglich als Ehrengast - nicht als Teilnehmer - kam dagegen Prof. Botwinnik, dessen lange angekündigtes Lebenswerk PIONIER noch nicht fertig ist.

Fünf Marken-Schachcomputer waren insgesamt am Start: CONCHESS X mit einem neuen Programm, das Ulf Rathsman wohl auf eigene Faust entwickelt; FIDELITY EXPERIMENTAL von Dan und Kathe Spracklen, dasselbe Gerät, das in Budapest Fünfter wurde; MEPHISTO X, ein 68000-Gerät mit der neuesten Version des Mephisto-III-Programms; NOVAG EXPERIMENTAL von Dave Kittinger; und PHILIDOR X, ein Programm von David Levy & Co., auf einem IBM-PC laufend.

Thomas Nitsche von MEPHISTO kam buchstäblich im letzten Augenblick - mit dem Hubschrauber vom Kennedy-Flughafen. Der Einsatz hat sich gelohnt, denn er belegte mit 3 Punkten einen beachtlichen 9. Platz und schlug dabei zwei Großrechner-Programme (OSTRICH und PION). FIDELITY belegte mit einem halben Zähler weniger den 10. Rang, gefolgt vom punktgleichen NOVAG X auf Platz 12. PHILIDOR spielte ganz glücklos und landete mit einem einzigen Punkt auf Platz 21.

Bilder von Tom Fürstenberg und Frederic Friedel

Weblinks

siehe auch