Selective Search (Zeitschrift)
Selective Search war eine einflussreiche, englischsprachige Fachzeitschrift für Computerschach, die 1985 erstmals erschien und bis zum Winter 2013/14 (Nr. 166) durchgehend publiziert wurde. Herausgeber und Produzent war durchgängig Eric Hallsworth (Wilburton, Cambridgeshire). Das Heft erschien etwa alle zwei Monate (6 Ausgaben pro Jahr) und enthielt umfangreiche Berichte zu Schachcomputern und -programmen, Turnierergebnissen, Elo-Rating-Listen sowie Kaufberatungen und Interviews. Selective Search deckte die gesamte Computer-Schach-Szene ab und galt als unverzichtbare Informationsquelle für Schachcomputer-Enthusiasten. Aufgrund sinkender Abonnentenzahlen wurde die Druckausgabe nach 166 Heften 2013 eingestellt; seit 2016 sind die archivierten Ausgaben kostenlos online verfügbar.[1],[2]
- Start und Name: Die Zeitschrift begann 1985 zunächst als “Computer Chess News Sheet”, wurde im Juni 1990 offiziell in “Selective Search” umbenannt. Eric Hallsworth führte sie seit Anfang an als Herausgeber und Produzent; frühere Ausgaben tragen sein Impressum in Wilburton, Cambs.
- Ausgaben und Frequenz: Insgesamt wurden 166 Ausgaben gedruckt. Die Veröffentlichung erfolgte im Zwei-Monats-Rhythmus (etwa Anfang Feb, Apr, Jun, Aug, Okt, Ende Nov, vereinzelt auch Dec – Jan ).
- Herausgeber/Verlag: Eric Hallsworth blieb bis zuletzt Chefredakteur und Verleger. (Er war u.a. früher bei Countryside Computers/C&C tätig.) Die Druckauflage war klein, aber das Heft wurde weltweit über Abonnements vertrieben. Die Preise veränderten sich im Laufe der Jahre von ca. £2 - £4 pro Exemplar.
- Konkurrenzpublikation: In den Jahren 1993–1995 gab es zeitweise parallel ein anderes Magazin ebenfalls mit dem Titel “Selective Search”, herausgegeben von Hallsworths ehemaligem Arbeitgeber (Chess & Bridge Ltd./Countryside Computers). Dieses „Wettbewerbs“-Heft umfasste 14 Ausgaben.[3]
Inhalt, Themen und typische Rubriken
Selective Search bot eine umfassende Mischung aus Fachartikeln, News und Analysen:
- Nachrichten & Turniere: Aktuelle Ergebnisse großer Computerschach-Turniere (ICGA/WCSC, Dutch Open usw.) und offizielle Berichte (meist mit partiell ausgewerteten Partien). Beispielsweise berichteten die Hefte 31–60 ausführlich über alle wichtigen Weltmeisterschaften und anderen Turniere der 1990er Jahre.
- Maschinen- und Software-Tests: Rezensionen neuer Schachcomputer-Hardware (dedizierter Maschinen wie Mephisto, Novag, Saitek) und PC-Programme (Fritz, Junior, Shredder, usw.). Das Heft listete regelmäßig „Best Buys“ und Preis/Leistungs-Tabellen. So finden sich z.B. alle sechs Ausgaben des Jahres in Einkaufsempfehlungen (s. Inhaltsangaben von Ausg. 91 und 106).
- Rating-Listen: Periodisch aktualisierte Elo-Rankings für dedizierte Schachcomputer und für PC-Engines (z.B. kooperative Listen mit CCRL oder CEGT).
- Partien und Analysen: Illustrationen von bemerkenswerten Computerschach-Partien („Game of the Month“) und Analysen von Partieausschnitten.
- Interviews und Sonderthemen: Gespräche z.B. mit Ed Schröder (Programmierer von Rebel) und Mark Uniacke (Risc-Projekt). Titelgeschichten wie etwa das Interview mit Ed Schröder aus Madrid 1992 (Weltmeister) sind hervorgehoben.
- Software-Entwicklung: Artikel zu technischen Fortschritten (Suchalgorithmen, Schachprogramme) und kleinen Programmtipps.
In Ansprache und Tiefe war das Magazin auf sachkundiges Fachpublikum ausgerichtet: Computer-Schach-Enthusiasten, Programmierer und Besitzer von Schachcomputern. In Foren wird es als „sehr gut gemacht“ gelobt und „enthält nichts, was das Publikum vermisste“.
Zielgruppe und Community-Bezug
Selective Search richtete sich in erster Linie an engagierte Computerschach-Interessierte weltweit. Das Spektrum reichte von Hobbyspielern mit Schachcomputern über Klub-Spieler und Programmierer bis hin zu professionellen Computer-Schach-Forschern. Die Zeitschrift pflegte engen Kontakt zur Community. Viele Inhalte basierten auf Leserbeiträgen, Turnierrückmeldungen und Programmentwicklern in direktem Austausch mit der Redaktion. In Online-Foren (TalkChess, Hiarcs usw.) wurde Selective Search als wichtige Informationsquelle hervorgehoben. Die Archivierung durch Mike Watters und Eric Wainwright (seit 2016) unterstreicht den hohen Stellenwert für die Szene.
Vertrieb und Format
Selective Search erschien nur als gedrucktes Heft (englisch) in Zeitschriftenformat (ca. A4/A5). Es wurde per Postvertrieb (Abonnements, auch einzelner Back-Issues) verkauft, britische Käufer erhielten kostenlosen Versand (siehe Ausgabenkopf). Bezahlte Werbung gab es nur wenig; der Großteil der Seiten waren Redaktionstexte, Leserbriefe und Anzeigen für Schachcomputer.
Bedeutung und Niedergang
Selective Search war in der Ära vor breit verfügbaren Internet-Quellen eine der wenigen spezialisierten Informationsquellen zum Thema Schachcomputer. Sein hoher Bekanntheitsgrad rührte vom tiefen technischen Inhalt und der Kontinuität her. Im Zuge der ab 2000 allgegenwärtigen Online-Informationen sowie rückläufiger Schachcomputer-Absätze verschlechterten sich allerdings die wirtschaftlichen Bedingungen. Insgesamt war es offenbar nicht mehr rentabel, die gedruckte Zeitschrift fortzuführen. Heute gilt das Magazin rückblickend als historisch wertvolles Archiv der Computerschach-Entwicklung.
Vergleichstabelle: Ausgaben, Jahrgänge und Themen
| Ausgaben Nr. | Jahr(e) | Herausgeber (Editor) | Wichtige Schwerpunkte/Themen |
|---|---|---|---|
| 1–30 | 1985–1989 | Eric Hallsworth (UK) | Computer Chess News Sheet – erste Schachcomputer (z.B. BelWe, Novag), frühe ICCA/ICGA-Turniere, Einführungen in Hardware/Programme, Elo-Ratings |
| 31–60 | 1990–1994 | Eric Hallsworth | Umbenennung: Selective Search. Höhepunkt dedizierter Maschinen (u.a. Madrid 1992), Stellungen Programm vs. Großmeister, Interviews (z.B. Ed Schröder #45, Mark Uniacke #46). Kaufberatungen („Best Buys“), Ratings |
| 61–90 | 1995–1999 | Eric Hallsworth | Aufstieg der PC-Engines (Fritz, Junior etc.), internationale Turniere (z.B. ICCA/ICGA), Software-News, Spiele-Analysen, Jahresend-Rankings. |
| 91–120 | 2000–2005 | Eric Hallsworth | Dominanz von PCs/Multiprozessoren, Teamturniere (z.B. Dutch Open), Berichte zu Dedicated-Maschinen-Markt und aktueller Software, Erweiterte Rating-Listen (inkl. CCRL, CEGT) |
| 121–150 | 2006–2010 | Eric Hallsworth | Moderne Mehrkern-Engines (Komodo, Rybka), Web-Turniere (z.B. Internet Chess Club), technologische Trends (u.a. GPU-Engines), Rückblicke (z.B. 20 Jahre Magazin). |
| 151–166 | 2011–2013 | Eric Hallsworth | Letzte Ausgaben mit Rückschau auf 25 Jahre, Integration von Spitzenschach-Computertests (u.a. TCEC), Abschlusskommentare. |
Hinweis: In den Jahren 1993–95 existierte parallel ein „Selective Search“ der Firma Countryside Computers (14 Ausgaben, herausgegeben von Mike Healey), der aber nicht Bestandteil dieses Berichtes ist
Fazit
„Selective Search“ war mehr als nur eine Zeitschrift. Es war das Bindeglied einer globalen Gemeinschaft von Computerschach-Sammlern und Programmierern. Durch die akribische Dokumentation von Spielstärken und technologischem Fortschritt leistete Eric Hallsworth mit seinem Magazin einen wesentlichen Beitrag zur Chronik der künstlichen Intelligenz im 20. und frühen 21. Jahrhundert.
References
- ↑ Selective Search 2001 - 2005 from Chess Computer UK by Mike Watters
- ↑ Selective Search back issues from Talkchess.com
- ↑ Alternate Selective Search 1993-95 from Chess Computer UK by Mike Watters
Weblinks
- Selective Search from Chess Computer UK by Mike Watters
- Selective Search from Chess Programming Wiki