Zum Inhalt springen

Saitek

aus Schachcomputer.info Wiki, der freien Schachcomputer-Wissensdatenbank
Saitek Ltd.
Gründung 1987
Auflösung 2007
Sitz Hongkong,
Vereinigtes Königreich (bis 1997) / China

Saitek (ehemals SciSys) war ein Unternehmen, das weltweit bekannt wurde als einer der führenden Hersteller von PC-Peripheriegeräten und Unterhaltungselektronik. In der Geschichte des Unternehmens nimmt die Entwicklung und Produktion von Schachcomputern eine zentrale Rolle ein. Zwischen den frühen 1980er und den späten 1990er Jahren war Saitek der weltweit größte Produzent dedizierter Schachcomputer.

Geschichte

Gründung und Ära SciSys (1979–1987)

Das Unternehmen wurde 1979 von dem Schweizer Unternehmer Eric Winkler gegründet. Ursprünglich war Winkler Mitgesellschafter bei Novag, trennte sich jedoch nach Unstimmigkeiten von seinem Partner [Auge, Peter|Peter Auge]]. Er gründete daraufhin in Hongkong die Firma SciSys (kurz für Scientific Systems).

In den ersten Jahren arbeiteten SciSys und Novag noch eng zusammen und verkauften teilweise identische Geräte unter verschiedenen Namen (z. B. Novag Chess Champion MK I (1978), Novag Chess Champion MK II sowie das Chess Champion Super System MK III). SciSys etablierte sich schnell durch innovative Gehäusedesigns und eine aggressive Preispolitik.

Umbenennung in Saitek und Weltmarktführerschaft (1987–1994)

Im Jahr 1987 wurde die Firma in Saitek umbenannt. Dieser Schritt erfolgte primär, um Verwechslungen mit dem US-Unternehmen SCI Systems zu vermeiden und die Marke international leichter aussprechbar zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war Saitek bereits der volumenmäßig größte Hersteller von Schachcomputern weltweit und verkaufte allein im Jahr 1986 über 100.000 Einheiten.

Ein entscheidender strategischer Erfolg war die 1983 begonnene Zusammenarbeit mit dem späteren Schachweltmeister Garry Kasparov. Ab 1985 trugen fast alle Schachcomputer des Unternehmens den Namenszusatz „Kasparov“, was massiv zur Markenbekanntheit beitrug.

Übernahme von Mephisto und spätere Jahre

1994 übernahm Saitek den deutschen Konkurrenten Hegener + Glaser (Marke Mephisto), der zu dieser Zeit in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Damit vereinte Saitek die Marktführerschaft im Massensegment mit dem Prestige der Weltmeister-Marke Mephisto.

In den folgenden Jahren verschob sich der Fokus von Saitek zunehmend auf PC-Gaming-Hardware (Joysticks, Lenkräder, Mäuse). Die Sparte der dedizierten Schachcomputer verlor mit dem Aufkommen starker PC-Schachsoftware an Bedeutung.

  • 2007: Übernahme von Saitek durch das US-Unternehmen Mad Catz.
  • 2016: Verkauf der Marke Saitek an Logitech für 13 Millionen US-Dollar. Logitech führt heute unter dem Namen Saitek primär Simulations-Hardware (z. B. für den Flight Simulator). Die Produktion von Schachcomputern wurde eingestellt.

Schachcomputerentwicklung

Saitek zeichnete sich in der Schachcomputer-Entwicklung durch eine Zweiteilung aus: kostengünstige Massengeräte für Einsteiger und technologisch hochgerüstete Spitzenmodelle für Vereinsspieler.

Kooperation mit Programmierern

Während die Hardware in Hongkong und später in Europa entwickelt wurde, stammte die Software meist von externen Spitzen-Programmierern:

  • Julio Kaplan: Der ehemalige Juniorenweltmeister war über viele Jahre der Chefprogrammierer für Saitek. Seine Programme (z. B. im Turbo King oder D+ / D++-Versionen) galten als besonders aktiv und taktisch versiert.
  • Frans Morsch: Der niederländische Programmierer (später bekannt für Fritz) lieferte Programme für viele erfolgreiche Mittelklasse-Modelle wie den GK 2100.
  • Dan & Kathe Spracklen: Das US-amerikanische Ehepaar, berühmt für ihre ikonischen Programme und deren Spielweise, im Saitek Sparc

Technologische Meilensteine

Saitek brachte mehrere Innovationen auf den Markt, die das Segment prägten:

  • 1. Sensorbretter: Saitek war führend in der Perfektionierung von Drucksensor-Brettern, die eine intuitive Zugeingabe ermöglichten. Als Beispiel sei das Blitzbrett genannt. Dabei handelte es sich um besonders schnell ansprechende Magnetsensorbretter, die ein echtes Blitzspiel zuließen.
  • 2. Einführung des "Quad Lamp System" mit dem Saitek Renaissance im Jahr 1989, das erste seiner Art in der Welt; Gütesiegel vom Schachbund Nordrhein-Westfalen.
  • 3. Modulare Systeme: Mit den Systemen Leonardo / Galileo / Renaissance versuchte Saitek Ende der 80er Jahre, die Idee eines modularen Ökosystems, welches durch Hegener + Glaser (Mephisto) bereits ab 1983 durch ihre modulare Serie konzipiert und damit in der Bundesrepublik erfolgreich war, zu verfeinern. Ein System, bei dem das edle Holzbrett durch Austausch von Modulen aktualisiert werden, aber, im Gegensatz zu den Mephisto-Brettern, auch als Schnittstelle zur aufkommenden PC-Welle dienen konnte.
  • 4. LCD-Innovationen: Modelle wie der Saitek Simultano experimentierten mit LCD-Schachbrettern, bei denen die Figuren als digitale Symbole angezeigt wurden.
  • 5. RISC-Technologie: Mit dem Saitek Risc 2500 brachte das Unternehmen 1992 ein Gerät heraus, das einen ARM-RISC-Prozessor nutzte und zeitweise zu den stärksten kommerziell verfügbaren Schachcomputern der Welt zählte.

Nach der Übernahme im Jahr 2007 durch das US-Unternehmen Mad Catz, wobei das ursprüngliche Produktionsgeschäft als Ryder Industries weitergeführt wurde, verlagerte sich der Hauptfokus von Saitek endgültig weg von Schachcomputern hin zu Gaming-Peripheriegeräten und spezialisierten Controllern, insbesondere für Flugsimulationen und andere Spiele. Die Produktion von Schachcomputern wurde eingestellt. 2016 erwarb Logitech die Marke Saitek und gliederte sie in sein Portfolio mit Fokus auf Gaming- und Simulations-Controller ein.


aus Saitek Prospekt von 1990

Schachcomputer

aus Saitek Prospekt von 1990


Werbeprospekte

  • Klick auf das entsprechende Prospekt bzw. Link
Saitek Prospekt 1989 Saitek Prospekt 1992 Saitek Prospekt 1993
Saitek Prospekt 1996 Saitek Prospekt 1998


Weblinks

Other languages

Other languages:deutsch  |  english
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung des Schachcomputer.info Wiki. Durch die Nutzung des Schachcomputer.info Wiki erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.