Mephisto TM London

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Mephisto Turniermaschine London
Hersteller Mephisto Jahr: 1996
Elo 2302 Preis 15.000 DM (7.669 €)in der Verkaufsversion, 25.000 DM (12.782 €) in der WM-Version
Programmierer Richard Lang BT-2450 -
Prozessor 68030 BT-2630 -
Prozessortyp 32 Bit Colditz -
Takt 36 MHz in der Verkaufsversion, 50 - 66 MHz in der WM-Version Rechentiefe
RAM 2 MB in der Verkaufsversion, 8 MB in der WM-Version Display 2 x 16-stellige Punktmatrix Anzeige
ROM 256 KB Zugeingabe Magnetsensoren
Bibliothek 180.000 Halbzüge Zugausgabe 64 Feld LEDs
Spielstufen (fast) alle denkbaren
Maße 50 x 50 x 9,5 cm / Brettgröße 40 cm / Feldgröße 5 cm / Königshöhe 92 cm
Stromversorgung   Netz = HGN 5015
Verwandt Mephisto London
Sonstiges

Mephisto TM London.jpg
Van66-02.jpg

Infos
Das Programmmodul London von Richard Lang war nie offiziell erhältlich. Es handelt sich bei diesem Programm um ein nachträgliches Update für die Mephisto Geräte Almeria, Lyon, Portorose, Vancouver, Genius 68030, Berlin 68000, Berlin Pro, welches 1996 auf das Programm London umgerüstet werden konnten. Das London-Programm ist vergleichbar mit dem PC-Programm Genius 3, welches 1994 den damaligen Weltmeister Garry Kasparov beim Intel World Chess Grand Prix in zwei 25 Minuten Partien mit 1,5 : 0,5 schlug!

s.h.

Mephisto London 68000

Mephisto London 68020

Mephisto London 68030

Die Mephisto-Turniermaschinen (nachfolgend als TM bezeichnet) waren Spezialanfertigungen und wurden anlässlich der Schachmicro-WM´s der WMCCC zwischen 1989 und 1992 vorwiegend von der Hobby Computer Centrale München verkauft. Das Holzgehäuse basierte auf dem bewährten ESB-Brett. Diese Spezialgeräte unterschieden sich merklich von den 32-Bit "Serienmodulen" (Motorola 68020 mit 12 Mhz und 1 MB RAM), welche gegenüber den TM deutlich langsamer rechneten. Schätzungsweise wurden von den TM in der "Verkaufsversion" (Portorose - Vancouver 68030 mit 36 Mhz) von 1989 bis 1992 zwischen 25 und 50 Geräte an zahlungskräftige Kunden verkauft. Für die entsprechende Kühlung sorgten zwei im Gerät eingebaute Ventilatoren.

Bei den Weltmeisterschaften 1989 bis 1992 traten wiederum speziell getunte WM-Geräte an. Die TM in der "WM-Version" unterschieden sich von den TM in der "Verkaufsversion" durch handverlesene 68030 CPU´s, einem Schnellwechsler für die EPROMS und die fehlende Abdeckung/Blende auf der Tastatur und dem Display. Offiziell gab es die 68030 CPU bis maximal 50 Mhz. Die Hardware wurde dann von den Mephisto-Ingenieuren in einem Auswahlprozess aufeinander abgestimmt und angepasst. Ab 1991 wurden zusätzlich die CPU´s übertaktet. Bei jedem Gerät handelte es sich somit um ein "Unikat". Für die entsprechende Kühlung sorgten drei eingebäute Ventilatoren. Um die Hash-Tables bei Turnierbedingungen optimal auszunutzen -insbesondere in langwierigen Endspielen- war der Arbeitsspeicher bei den "WM-Versionen" mit 8 MB RAM viermal (!) so groß und deutlich schneller als bei den TM in der "Verkaufsversion". Frühere Recherchen bei der Hobby Computer Centrale ergaben, dass von der TM in der "WM-Version" vermutlich insgesamt nur 6 bis 7 Stück in Handarbeit hergestellt wurden, und zwar

  • wahrscheinlich 2-3 Geräte mit 50 Mhz Taktfrequenz -> spielten mit dieser Hardware bei den WM in Portoroz 1989 und Lyon 1990
  • wahrscheinlich 2 Geräte mit 60 bis 62 Mhz Taktfreqzenz -> spielten mit dieser Hardware bei der WM in Vancouver 1991
  • wahrscheinlich 2 Geräte mit 66 Mhz Taktfrequenz -> spielten mit dieser Hardware bei der "offenen WM" in Madrid 1992


Fazit: Die TM stellten Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre die "Krönung" im konventionellen Schachcomputerbau dar. Seinerzeit wurde das maximal technisch machbare mit diesen "Monstern" realisiert, angefangen von den eingebauten Lüftern, welche ein unnachahmliches "Säuseln" und einen eigenständigen Geruch im Raum verbreiteten bis zur imposanten Aussenerscheinung. Gleichzeitig markierten diese Boliden das Ende der Brettcomputer-Ära. Die TM üben insofern auch heute noch auf viele Schachcomputerliebhaber einen besonderen und unnachahmlichen Reiz aus und sind insofern begehrte Sammlerstücke.


Genius 3 im Brett

Das London-Upgrade für die Mephisto-Module

(Günter Rehburg aus Computer Schach & Spiele / Heft 1 / Februar-März 1997)

Schon anlässlich der Vorstellung des Mephisto-Moduls „MM VI" wie auch des „Milano Pro" hatten wir konstatiert, dass sich die Hersteller hinsichtlich der Neu- und Weiterentwicklung von Brettgeräten offensichtlich Zurückhaltung auferlegt haben. Noch erheblich deutlicher zeichnet sich dieser Trend im Bereich der Spitzentechnologie dieses Sektors ab. Hier ist nicht nur Stagnation festzustellen, vielmehr werden auslaufende Geräte und Modulserien des Topbereiches nicht mehr neu aufgelegt. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfacher Natur. Eine der Hauptursachen dürfte darin zu suchen sein, dass die zwischenzeitlich bei den Personalcomputern erreichte Leistungsfähigkeit bei den Brettcomputern nicht mehr zu realisieren ist. Schon der Versuch, den Abstand zu verringern, würde riesige Investitionen erfordern. Der Preisverfall bei den Brettgeräten des Spitzenbereiches wird die Motivation der Hersteller, sich auf diesem Gebiet zu engagieren, ebenfalls nicht gerade angehoben haben. Zudem ist nicht zu leugnen, dass die Absatzmöglichkeiten im Bereich der Topgeräte gewaltig zurückgegangen sind.

Wurde mit der Anschaffung des Personalcomputers erst einmal der Grundstock gelegt, ist es für die PC-Anwender ein Leichtes, sich für relativ geringe Beträge sämtliche Spitzenprogramme zu beschaffen. Entsprechende Versuche, mehrere Programme ohne PC-Zuschaltung auf ein Brett zu bringen, sind bereits vor Jahren in den Kinderschuhen steckenge-blieben. Fazit: Hohe Investitionen bei zu erwarten-den geringen Absatzzahlen können einfach kein Anreiz für die Hersteller sein. Mögen wir es auch noch so bedauern, das Rad der Geschichte ist nicht zurückzudrehen. Da müssen von der Hegener & Glaser AG ausgehende Signale, mit dem „Atlanta" einen um Elo 2300 liegenden Bereich ansteuern zu wollen, bereits als mehr als erfreuliche Nachricht angesehen werden. Allein der Erscheinungszeitpunkt verschiebt sich leider immer wieder aufs Neue.

So war es für viele Besitzer eines Mephisto-Computers der modularen Reihe eine große Freude, als im Frühsommer 1996 ein neuer Programm-Chip auf den Markt kam. Mit ihm können die Module Mephisto Almeria, Portorose 32 Bit, Lyon und Vancouver 16/32 Bit wie auch die Geräte Berlin 68000, Berlin Professional 68020 und der Mephisto Genius 68030 auf „Genius 3-Level" angehoben werden. Zur Umrüstung ist das Programm-Modul bzw. das komplette Gerät an den Händler einzusenden. Es stellt sich nun die Frage, inwieweit dadurch die Spielstärke der genannten Geräte gesteigert werden kann.

„London" gegen die PC-Elite

Den bis vor kurzem noch zur „Creme de la Creme" zählenden PC-Programmen konnte ich leider nur einen 486/DX2 bieten. Auf der Brettcomputerseite musste ich mich ebenfalls etwas bescheiden, da mir lediglich ein Berlin Professional mit dem London Upgrade zur Verfügung stand. Meine Bewertungen beziehen sich daher ausschließlich auf einen mit 24 MHz getakteten Motorola-Prozessor 68020. Die Werte der Geräte und Module mit 68030-Prozessoren können lediglich hochgerechnet werden.

Um festzustellen, inwieweit das auf dieser Hardware eingesetzte „London"-Programm überhaupt in der Lage ist, zumindest noch mit der 486er PC-Technik mitzuhalten, habe ich die Testpartien auf „zwei Ebenen" durchgeführt. Zunächst wurde der 33 MHz-Takt angeschlagen, dann wurde mit der 66 MHz-Stufe für etwas schärfere Musik gesorgt. Zudem wurden die niedrig „getakteten" Partien mit abgesenkten Hash Tables gespielt, während die „66 MHz"-Games mit allem, was 8 MB-RAM an Hash Tables zu bieten haben, ausgetragen wurden. Für die Vergleichspartien habe ich jeweils die gleiche Eröffnung vorgegeben.

Gleich der Einstieg dürfte die Herzen der Anhänger des Brettcomputerschachs höher schlagen lassen. Zwei Aktivschachpartien (30 Minuten) unter den genannten Bedingungen gegen den Weltmeister von 1995 sollten den Auftakt bilden: In seinem Wert vielleicht noch höher einzuschätzen ist das Ergebnis der folgenden Partie, darf MChess Pro 5.0 doch dieses Mal die ganze Kraft des 486/DX2 in Anspruch nehmen. Der Sieg in der ersten Partie muß als faustdicke Überraschung gesehen werden. Die zweite Partie lässt schon fast den Versuch einer ersten Einschätzung aufkommen. Zugegeben: Aktivschach ist nicht gerade die Stärke des MChess-Programms. Aber ein erstes Hinschielen zur SSDF-Liste muss dennoch erlaubt sein. Nein, Sie haben sich nicht verguckt MChess Pro 5.0 ist dort mit dieser Hardware tatsächlich bei Elo 2344 eingereiht.

Der nächste Versuch eines Anschlags über die Aktivschachdistanz gilt Mark Uniackes Hiarcs 4: Ein erneuter kurzer Blick in die SSDF-Liste sei uns gegönnt. Schade, Hiarcs 4.0 ist nicht mit der 486er-Hardware verzeichnet. Aber schon der Vorläufer konnte auf dem 486/DX2 über Elo 2300 für sich in Anspruch nehmen - und Mark Uniackes Nachfolgeprogramm war erheblich stärker einzuschätzen. Das lässt doch hoffen - oder? Die „66 MHz 7168 KByte"-Aktivschachpartie ging dann allerdings klar verloren. Man kann eben nicht alles haben. Jetzt sollte unser Testkandidat mit den auf der 486er Hardware laufenden PC-Programmen seines eigenen Testautoren, eben Richard Lang, konfrontiert werden. Dazu habe ich mir zunächst einmal zwei Einstundenpartien gegen Genius 2 gegönnt. In der ersten Partie standen dem Genius 2 auf dem 486/33 lediglich 256 KByte Hash Tables zur Verfügung. Sie endete nach dreifacher Stellungswiederholung im 50. Zug mit einem Remis. Gleiches Programm, jetzt aber auf dem 486/66 MHz bei vollen 7 MByte Hash Tables - und eine klare Niederlage für das „London"-Upgrade nach 58 Zügen.

Es ist das zweite Mal, dass die angehobene Hardware den Ausschlag gegeben hat. Doch diese Niederlage soll uns in unserem Sturm Richtung Gipfel nicht aufhalten. Der Berlin-Professional London bittet jetzt Richard Langs Genius 4 zum Tanz: Auch als um Sachlichkeit bemühter Testautor kann ich nicht immer alle meine Taten rational begrün-den. Auf jeden Fall ließ ich das Genius 4-Programm bereits in der ersten Partie mit voller Hardware-Unterstützung aufspielen. Und dann ein Remis. Unfassbar, liegt dieses Programm doch in der SSDF-Liste bei Elo 2389. Nun gut, es war „nur" eine Aktivschachpartie (30 Minuten) - aber das ist eine Distanz, die das Lang-Genius 4-Programm nicht zu scheuen braucht. Wohl schon mehr „aus Sorge" um Richard Langs 95er-Weltmeisterschaftsprogramm ließ ich es bei diesem Remis bewenden und ersparte mir und den Lang-Programmen die „33-MHz-Party".

Es darf wieder getestet werden...

Schon allein aufgrund der Rechenkraft, die nun einmal gegenüber den Personalcomputern erheblich geringer ausfällt, waren im bekanntlich lösungszeitabhängigen Bednorz-Tönissen-Test leicht schwächere Ergebnisse der Brettgeräte zu erwarten.

Programm Berlin Pro London Genius 3 Berlin Pro (ohne "L") Genius 68030 (ohne "L") Hiarcs 4
BT-Elo 2245 2362 2226 2227 2244
Hardware 68020 486/50 68020 68030 486/50
Hash 1024 KB 16 MB 1024 KB 512 KB 7424 KB



Dennoch braucht sich das auf dem Motorola 68020 angetretene „London"-Upgrade nicht gegenüber den auf doch erheblich stärkerer Hardware laufenden PC-Programmen zu verstecken. Sicherlich, der Abstand zum Genius 3 ist erheblich, aber der Vergleich mit Mark Uniackes „Hiarcs 4" fällt demgegenüber sogar ganz leicht zugunsten des „London" aus. Der rund 20 Elo-Punkte betragende Abstand zum Berlin-Professional ohne „London"-Upgrade wie auch zum Genius 68030 ohne „London"-Zusatz darf als erster Hinweis einer abschließenden Einstufung betrachtet werden — auch wenn Test nur Test ist und sich eine darauf basierende Programmeinschätzung eigentlich verbietet.

Abschlussbewertung

Die doch relativ geringe Anzahl der Partien, die unser Testkandidat zudem fast ausschließlich mit den weißen Farben bestreiten durfte, wie auch die Ergebnisse des Bednorz-Tönissen-Tests lassen eine endgültige Einschätzung schwierig erscheinen. Selbst bei aller Vorsicht komme ich aber nicht um-hin, dem Mephisto Berlin 68000 und auch unserem Testkandidaten Mephisto Berlin Professional mit dem London-Upgrade eine Spielstärkesteigerung um rund 30 Elopunkte zuzugestehen. Zumindest die gleiche Aufwertung dürfte das Modul Genius 68030 erfahren. Damit liegt der Mephisto Berlin 68000 mit London-Upgrade bei Elo 2150, der Mephisto Berlin Professional 68020 bei 2250 und das Genius 68030-Modul in der Tat schon bei über Elo 2330.

Sicher, der Abstand zur absoluten Spitze der PC-Programme beträgt dann immer noch rund 150 Punkte — aber mitmischen können die Brettgeräte mit diesem Programm allemal. Die Aufwertung der älteren Mephisto-Module Almeria, Portorose, Lyon und Vancouver durch das London-Upgrade ist natürlich erheblich höher einzuschätzen.

Die mit dem London-Programm aufgerüsteten Komplettgeräte sind im Fachhandel weitgehend vergriffen. Mit einer Neuauflage ist nicht zu rechnen, da die Produktion der genannten Brettgeräte und Module zwischenzeitlich eingestellt wurde. Hier und da ist vielleicht noch ein Mephisto Professional 68020 mit „London-Upgrade" zum unter DM 1000,- liegenden Schnäppchen-Preis zu ergattern. Der Aufrüstungspreis für die genannten Module und Brettgeräte liegt einheitlich bei DM 299,-. Das ist gerade für die älteren Module fast geschenkt, wie mir überhaupt der Preis ausgesprochen moderat ausgefallen zu sein scheint. Ganz sicher hat sich für Richard Lang die Mühe, seinen Genius 3 auf die Motorola-Prozessoren um-zusetzen, gelohnt. Für die Freunde der Brettcomputer dürfte es sich bei dem genannten Preis und der dargestellten Spielstärkeeinschätzung dennoch fast um ein Geschenk handeln.

Ausblick

Es gibt lediglich ein Brettgerät, das in der SSDF-Liste oberhalb der für das Genius 68030-Modul vorgenommenen Einschätzung von Elo 2330 rangiert: Der TASC R30 in der Version 2.5 beansprucht für sich Elo 2356. Im nächsten Heft werden wir prüfen, inwieweit dieser Abstand wirklich gerechtfertigt erscheint. Dann kommt es zum Wettkampf der Brettgiganten R30 V2.5 gegen Genius 68030 „London".


Der König und sein Nebenbuhler

Tasc R30 V.2.5 gegen Mephisto Genius 68030 London

(Günter Rehburg aus Computer Schach & Spiele / Heft 2 / April-Mai 1997)

Zwischenzeitlich haben beide Geräte eine nicht unwesentliche Aufwertung erfahren: Im Tasc R30 steckt seit gut eineinhalb Jahren die Version 2.5 des King-Programms von Johan de Koning, während der Zusatz »London« beim 68030 darauf hinweist, dass das Programm von Richard Lang auf Genius 3-Level angehoben wurde.

Die gute und die schlechte Nachricht

Welche darf es zuerst sein? Also gut, ich beginne mit der schlechten — das erhält die Vorfreude auf den positiven Teil: Das Mephisto-Modul 68030 ist nicht mehr lieferbar. Logische Folgerung: Auch ein Modul 68030 »London« ist im normalen Handel nicht mehr zu erhalten. Was bleibt, ist die Möglichkeit, sich durch Umrüstung eines vorhandenen Almeria-, Portorose-, Lyon- oder Vancouver-Moduls bzw. eines Berlin-Professional für 299,- DM mit der in der CSS 1/97 besprochenen 68020-Version zu begnügen; oder den Versuch zu unternehmen, doch noch ein hier oder dort lagerndes Reststück beziehungsweise ein Gebrauchtexemplar zu ergattern.

Zur guten Nachricht: Zeitweise aufgetretene Lieferschwierigkeiten des Tasc R30 gehören der Vergangenheit an. Das Gerät ist uneingeschränkt zum Listenpreis von DM 2.237,50 (inklusive Adapter) im Fachhandel zu erwerben. Bei vergleichender Nachfrage können sicherlich noch ein paar Mark gespart werden.

Kurze Produktbeschreibung

Für alle, die sich bislang noch nicht mit dem Tasc R30 beziehungsweise dem Genius 68030-Modul beschäftigt haben, hier eine — den Langzeitabonnenten sei es versprochen — ganz kurze Produktbeschreibung:

Beim R30 ist die Bedienungseinheit vom Schachbrett getrennt. Dadurch wurde eine Bretthöhe von lediglich 2,4 cm ermöglicht. Das von Tasc als »Operatormodul« bezeichnete Bedienteil ist mit einem für Brettcomputerverhältnisse fast riesigen 13 x 3,7 cm-Display ausgerüstet. Die dreigeteilte Anzeigefläche zeigt eine Vielfalt von gleichzeitigen Informationen, die selbst die überwiegende Zahl der PC-Programme in den Schatten stellen dürfte. Das Menü des in edlem Holz gehaltenen Operatormoduls steuert man in erster Linie mit vier Cursortasten an, die, wie auch beim 68030-Modul, weitgehend der PC-Technik nachempfunden sind.

Das Edelholzbrett misst 42 x 42 cm und ist mit 64 Felddioden ausgestattet, das heißt: jedes der 4,5 x 4,5 cm großen Felder ist mit einem kleinen roten »Lämpchen« versehen. Der Clou sind die Figuren (Königshöhe 85 mm). Brett und Figuren sind mit einer Elektronik ausgerüstet, die ein Erkennen des Figurentyps auf jedem Feld ermöglicht. Da gerät der Stellungsaufbau zum Vergnügen. Ich garantiere, Sie bauen mit dem Tasc R30 jede x-beliebige Stellung schneller auf als mit einem noch so hochgezüchteten Personalcomputer. Eine Tastenbedienung — Figuren aufstellen — eine Abschlussbedienung, und die Stellung ist gespeichert.

Zur Technik des Tasc R30:
  • 32 Bit-RISC-Prozessor, der mit 30 MHz getaktet ist und 24 MIPS (no wait states) leistet,
  • Programmspeicher: 256 KByte ROM,
  • Rechenspeicher: Insgesamt 640 KByte RAM, 512 KByte RAM (20 ns) und 128 KByte dauerhaftes RAM (batteriegepuffert).

Das Programmodul Genius 68030 (mit und auch ohne »London«) war Bestandteil der modularen Serie der zwischenzeitlich von Saitek übernommenen Firma Hegener & Glaser. Die dreiteilige Moduleinheit findet Platz in einer aus dem Exclusive-Brett herausziehbaren Schublade. Das 40 x 40 cm lange und 4,8 cm hohe Edelholzbrett ist mit 61 Felddioden ausgerüstet. Die Königshöhe der ebenfalls aus edlem Holz gefertigten Figuren liegt bei 70 mm. Das Bedienfeld ähnelt in seinen Funktionen weitgehend der beim Tasc R30 abgegebenen Beschreibung. Die 32stellige Punktmatrixanzeige mit ihren Ausmaßen von lediglich 6 x 2 cm bietet vielfältige und umfangreiche Informationen, die allerdings nacheinander aufgeschaltet werden müssen. Ein Vergleich mit dem Tasc-Operatormodul verbietet sich hier, liegen doch Welten zwischen beiden Anzeigemöglichkeiten.

Die Technik des Mephisto 68030-Moduls:
  • Motorola-Mikroprozessor 68030 mit 33,333 MHz Taktfrequenz
  • Programmspeicher: 256 KByte ROM, Rechenspeicher : 768 KByte RAM.

Wettkampf statt Vergleichstest

Die Anregung zu diesem Beitrag habe ich dem schwedischen Schachcomputermagazin PLY entnommen. In der Ausgabe 3/1996 findet sich dort unter der Überschrift »The greatest Computer -Computer game?! London Pro — Tasc R30«, eine von Eric Hallsworth ausgetragene 60-Minuten Partie, die über fast fünf DIN-A5-Seiten, reichlich kommentiert und mit zahlreichen Diagrammen ausgestattet, wiedergegeben wird. Aus — fertig. Keine weitere Auswertung, keine Teststellungen, keine Beurteilung — einfach nur so zum Spaß. Herrlich -und dieses von unseren sonst so testfreudigen schwedischen Computerschachfreunden!

Wir sollten heute einmal ähnliches versuchen. Schließlich hat nicht jeder einen Tasc R30 und ein Genius 68030-London-Modul im Haus. Wer eines von beiden besitzt, darf gespannt bleiben. Aber auch andere Computerschachfreunde werden an den folgenden Partien ihre Freude haben. Selten habe ich in einem Wettkampf derartig spannungsgeladene Partieabläufe gesehen. Taktik-Freaks werden allemal auf ihre Kosten kommen. Natürlich finden Sie, wie gewohnt, alle Partien auf der Service-Diskette.

Die Distanz habe ich mit 40 Zügen in zwei Stunden gegenüber der »PLY-Partie« etwas reichlicher gewählt, dafür fallen die Kommentare etwas knapper aus. Der Tasc R30 Version 2.5 wurde wie folgt eingestellt: Selektive Suche, normaler Spielstil, Theorie: Normal, Theorie-Stil: Zufall. Ganz bewusst habe ich auf die im Heft 4/95 von Karsten Bauer-meister vorgeschlagene Einstellung hinsichtlich des Spielstils verzichtet; nicht aus blanker Opposition, sondern vielmehr, weil ich andernfalls mit dem London-Programm gerechterweise hätte ähnliche Versuche anstellen müssen. Bei den vielfältigen Möglichkeiten, die das Lang-Modul bietet, wäre es mehr als schwierig gewesen, dann noch zu einem einwandfreien Ergebnis zu kommen.

Die folgenden fünf habe ich aus dem über zehn Partien reichenden Wettkampf für Sie ausgewählt: Eine vorn Genius 68030-London stark vorgetragene Angriffspartie, in der das Programm seine taktische Schlagkraft unter Beweis stellte. Tasc spielte mit zu großem Risiko und wurde dafür hart bestraft.

Das in der Anfangsphase verfehlte Spiel des Genius 68030 London wurde vom Tasc R30 im weiteren Partieverlauf konsequent genutzt.

Die unterschiedlichen Auffassungen der beiden Programmautoren treten in der folgenden Partie besonders krass zutage. Das doch überwiegend von der Taktik geprägte Spiel des de Koning-Programms prallt auf die Verteidigungskünste der verhaltener anmutenden Spielanlage des Richard Lang. Eine abgerundete Leistung des Mephisto Genius 68030 London-Programms, das in dieser Partie die taktischen Fähigkeiten des Tasc R30 V 2.5 nie zur Entfaltung kommen ließ.

Ein gerechtes Remis. Schließlich vermochte das Genius London-Programm seinen Vorteil nach der völlig verfehlten Eröffnungsbehandlung des Tasc R30 V2.5 nicht zu realisieren.

Endspurt

Noch eine letzte Partie, und schon ist der Parcours bewältigt. Wie im Fluge - oder sind Sie bereits ermüdet? Nun, dann will ich versuchen, Sie wieder munter zu machen. Die folgende Partie habe ich mit besonders vielen Diagrammen angereichert. Sie dürfen einmal erraten, wer den Sieg davongetragen hat. Ein bekannter, aber immer wieder schöner Abschluss wird es allemal, das sei versprochen.

So schwierig wird die Aufgabe für Sie nicht gewesen sein. Schließlich gaben die Kommentare bereits einige deutliche Hinweise. Aber auch ohne sie war das Ergebnis aus dem Partieverlauf unschwer abzulesen, wurde doch die Partie vom Tasc R30 in seiner Version 2.5 wie aus einem Guß gespielt.

Haben wir richtig mitgezählt, stand der Wettkampf zu diesem Zeitpunkt unentschieden. Jede Seite konnte 2,5 Punkte für sich verbuchen. Die Anhänger der Lang-Programme werden sich lächelnd zurücklehnen. Mit dem bisherigen Ergebnis können sie mehr als zufrieden sein. Schließlich liegt der Tasc R30 V2.5 in der SSDF-Liste bei Elo 2365. Selbst wenn wir dem Mephisto Genius 68030 London die 30 zusätzlichen Elo-Punkte, die ich ihm gegenüber dem 68030 ohne London-Upgrade im Heft 1/97 zugerechnet habe, im vollen Umfang zubilligen, bleibt der Zähler nach der neuesten Liste bei SSDF-Elo 2329 stehen.

Und doch muß ich die Lang-Fans enttäuschen. In den restlichen fünf Partien brachte es das Modul gerade noch auf einen halben Punkt, so daß der Wettkampf insgesamt mit 3:7 Punkten verloren ging. Dennoch kein Grund zur Trübsal. Nach mei-nen Eindrücken verstand es das London-Programm in einigen Partien nicht nur, mitzuhalten, sondern das Tasc R30-Programm geradezu zu beherrschen.

Zehn Partien können und sollen nicht zum Gradmesser werden. Wer wollte vorhersagen, welches Ergebnis die nächsten zehn Partien zeigen würden? Und — wollten wir uns nicht lediglich an ein paar schönen Computerschachpartien erfreuen?

Dienst für Statistiker

Für diejenigen unter den Lesern, denen Fakten und Zahlen alles bedeuten, hier, entgegen dem eigentlichen Vorsatz, noch einige Details und auch eine kurze Abschlussbewertung: Zunächst habe ich noch einen über vier Partien laufenden Wettkampf im Aktivschach (30 Minuten je Partie) zwischen den beiden Kontrahenten ausgetragen. Den Spielstil hatte ich jetzt auf »aktiv« eingestellt, um das Programm auch einmal unter dieser Einstellung spielen zu sehen. Ergebnis:

Tasc R30 V 2.5: 2,5 Punkte
Genius 68030 London: 1,5 Punkte

Nun blieb noch Zeit für vier Blitzschachpartien (sieben Minuten je Partie). Nicht eine dieser Partien konnte der Tasc R30 V 2.5 für sich entscheiden, lediglich ein Remis durfte das de Koning-Programm für sich verbuchen. Das besitzt natürlich keinerlei Relevanz. Dennoch, vielleicht ein Hinweis auf die hohen Brute-Force-Anteile bei der Zugberechnung auch bei selektiv eingestelltem Spielstil, die dem Programm in Blitzpartien nicht genügend Zeit lassen, weit genug in die Tiefe zu gehen.

Stellungstests

Noch ein Wort für die Anhänger von Testprogram-men: Im Heft 4/95 hat Karsten Bauermeister sich die Mühe gemacht, für alle drei Spielstile des Tasc R30 V 2.5 den BT-Test durchzuführen. Wohl doch einigermaßen überraschend, ergaben sich stark voneinander abweichende Ergebnisse, die ich hier nochmals wiedergebe:

R30 V2.5 offensiv: BT-Elo 2324
R30 V2.5 normal: BT-Elo 2276
R30 V2.5 aktiv: BT-Elo 2341

Erfahrungsgemäß ergeben sich im BT-Test zwischen den Motorola-Prozessoren 68020 und 68030 kaum Unterschiede. Zum Beweis dieser These verweise ich hier auf die von mir ermittelten Zahlen für beide Prozessorversionen des Genius-Programms ohne London-Upgrade:

Berlin Prof 68020: BT-Elo 2226
Genius-Modul 68030: BT-Elo 2227

Aufgrund dieses fast bis auf ein Haar übereinstimmenden BT-Testergebnisses erlaube ich mir, hier lediglich auf das für den Berlin Profi 68020 mit London Upgrade ermittelte Ergebnis von BT-Elo 2245 zu verweisen. Summa summarum ergeben sich je nach Spielstil zum Tasc R30 V 2.5 Unterschiede zuungunsten des Lang-Programms, die zwischen 50 und 100 BT-Elo liegen.

Vielleicht ist das de Koning Programm im Tasc R30 etwas stärker einzuschätzen. Auch wenn der Tasc strategisch gegenüber der Vorgängerversion leicht zugelegt hat, dürfte hier das Lang-Programm immer noch seine besonderen Stärken besitzen. Im Endspiel sind kaum gravierende Unterschiede auszumachen, wenngleich in einigen Partien gerade das Tasc-Programm auf diesem Sektor überzeugen konnte.

Sei es, wie es sei — angesichts der Wettkampf- und der BT-Testergebnisse wie auch der Einstufung in der SSDF-Liste scheint mir die Entscheidung für eines der beiden Geräte weitgehend eine Geschmacksfrage zu sein. Dazu liegen die Konkurrenten einfach zu dicht beieinander. Der König besitzt dank Richard Lang einen starken Nebenbuhler.

Innenleben


Auf den Bildern ist eine Turniermaschine mit 60 MHz (!) zu erkennen. Bei den WM-Versionen der Mephisto TM wurde seitens der Mephisto-Ingenieure beim Quarz teilweise bewusst die MHz-Anzahl unkenntlich gemacht, um sich von der Konkurrenz nicht in die Karten schauen zu lassen.