Saitek Sparc

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Saitek Sparc
Sparc Modul.jpg

© Picture by Michael Watters

Hersteller Saitek
Markteinführung 1993
Preis 1000 DM (500 €)
Prozessor SPARC
Prozessortyp 32 Bit
Takt 20 MHz
RAM 1024 KB (bei steckbarem Speicher bis max. 4 MB erweiterbar)
ROM 256 KB
Bibliothek 300.000 Positionen
Programmierer Spracklen, Dan & Kathe
Elo 2225
Rechentiefe 40 Halbzüge
BT-2450 2170
BT-2630 2187
Colditz
Verwandt
Zugeingabe Magnetsensoren
Zugausgabe LCD-Schachbrett + 81 Feld LEDs (Renaissance) / 16 Feld-LEDs (Galileo)
Display LCD-Schachbrett (Renaissance)
Stromversorgung 10V= / 1,5A (Plus innen) Saitek 5140
Spielstufen 32
Maße Modul
Sonstiges
Beim Galileo bzw. älteren Renaissance Brettern, muss die Stromversorgungsplatine geändert werden.
Level Info
Bedenkzeit Level
30 Sek. / Zug e4
30 Min. / Partie g5
60 Sek. / Zug e5
60 Min. / Partie g6
Turnier f3
Analyse f8


Das amerikanische Ehepaar Dan & Kate Spracklen entwickelte lange Jahre Schachcomputer für die Firma Fidelity. Ihre Programme erfreuten sich großer Beliebtheit, denn neben der hohen Spielstärke gefiel der besonders aggressive Spielstil. Nach der Übernahme von Fidelity durch die Firma Hegener+Glaser wechselten beide zu der Firma Saitek. Nach einer Entwicklungsphase von über drei Jahren präsentierte Saitek das neue Programm, das Sparc Modul. Das Modul enthält einen sehr schnellen 32 Bit RISC-Prozessor, der mit 20 MHz getaktet ist und bietet so optimale Hardwarevoraussetzungen für die Software.

Zwei Holzbretter stehen für das Modul zur Verfügung, der Galileo und das Renaissancebrett. Leider verfügt das Modul nicht über ein eigenes Display und kann deshalb nur vernünftig im Renaissance betrieben werden, der im Unterschied zum Galileo ein LCD-Brett und Display bietet. Das Display bietet eine Vielfalt von Informationen, z. B. Stellungsbewertung, Hauptvariante, usw.

Dem Programm stehen 1MB RAM für Hashtables zur Verfügung, wobei der Arbeitsspeicher bei einigen Geräten (steckbare Speicherbausteine) bis max. 4MB erweiterbar ist. Das Programm bietet dem Anwender zwei Eröffnungsbibliotheken an. In allen Turnierstufen (Level f1 - f8) wird automatisch eine speziell auf die Spielweise des Computers zugeschnittene Bibliothek zugeschaltet. In den anderen, reichlich vorhandenen Spielstufen, wird auf eine große Bibliothek zugegriffen, die zwar auch unsolide und riskante Eröffnungen ausspielt, dafür aber deutlich mehr Abwechslung bietet. Zugumstellungen werden sicher erkannt, insgesamt kennt der Sparc ca. 300.000 Positionen.

Leider kann der Spieler im Unterschied zu den früheren Saitek Geräten keine eigene Bibliothek erstellen! Zwar ist die Eingabe von zusätzlichen Eröffnungszüge möglich, diese werden aber nur vom entsprechenden Grundprogramm im Galileo bzw. Renaissance ausgespielt. Das Sparc Modul greift nicht auf diese Züge zu.

Das Mittelspiel unterscheidet sich deutlich von der Spielweise anderer Fidelity Geräten. Die Spracklens haben in das Programm sehr viel positionelles Wissen eingefügt, ohne das der taktische Bereich Schaden genommen hat. Der Sparc baut seine Stellung sehr solide auf und versteht sich auch auf das Lavieren. Die taktischen Fähigkeiten des Computers gehören zum Besten, was in diesem Bereich geboten wird, allerdings ist vom früheren aggressiven Stil der Spracklen Programme nicht mehr viel übrig geblieben. Das Endspiel kann nicht in allen Bereich als gelungen bezeichnet werden, denn nicht immer nutzt der Sparc seine errungenen Vorteile konsequent aus. Beeindruckend sind die Leistungen in reinen Bauern- und Turmendspielen, hier kommt die Rechenpower bzw. das Endspielwissen der Maschine voll zur Geltung.

Quelle: Eurochess 1995

Saiteks Einstieg in die Weltklasse

Das neue SPARC-Modul im Test

(Günter Rehburg aus Computer Schach & Spiele / Heft 5 / Oktober-November 1993)

Seit Jahren geistert es in den Seiten von CSS herum, das sagenumwobene SPARC-Programm, das die Herzen aller Saitek-Fans höher schlagen lässt. Jetzt liegt endlich, nach dreijähriger Entwicklungszeit, das erste serienreife Modul vor. Günter Rehburg berichtet, ob und inwieweit es Saitek mit diesem Produkt gelungen ist, die Tür zum Weltklassebereich der Schachcomputer aufzustoßen.

Im Februar 1990 brachte CSS die Sensationsmeldung ans Tageslicht: Dan und Kathe Spracklen verließen Fidelity und wechselten zur Firma Saitek über. Für sie richtete Firmenchef Eric Winkler ein mit modernster Technik ausgestattetes "Advanced Chess Research Laboratory" ein und ließ dem erfolgreichen Programmierer-Ehepaar fast unbegrenzt Zeit, ein Spitzenprogramm für seine schönen Holzbretter zu entwickeln.

Auch bei der Wahl der Mittel hatten die Spracklens freie Hand. Sie entschieden sich für den SPARC, einen RISC-Prozessor, der in verschiedenen Versionen erhältlich und theoretisch zu Leistungen im Bereich von 100 Mips (Millionen Instruktionen pro Sekunde) fähig ist. Im November vergangenen Jahres wurde eine erste Version des Programms vorgestellt, und zwar gleich bei der Computerschachweltmeisterschaft in Madrid. Um ein Haar hätte das neue Saitek-Modul - auf superschneller 50-MHzHardware laufend - den Titel errungen (vgl. CSS 1/93 S.18). Wäre das ein Einstand gewesen!

Es folgten weitere aufsehenerregende Erfolge. Das Ergebnis beim Schnellturnier in Münster, die Teilnahme am AEGON-Turnier in Den Haag mit der serienmäßigen 20 MHz-Version sowie das hervorragende Abschneiden beim Blitzmarathon in Kuppenheim (mit einem 50 MHz-SPARC) ließen weiter aufhorchen. Beim Dutch Open in Dieren belegte das SPARC-Programm mit 6,5 Punkten aus neun Runden einen beachtlichen neunten Platz und errang ein Turnierrating von ELO 2261. Im gleichen Turnier konnten allerdings der Tasc R30 und Mephisto Gideon jeweils einen halben Zähler mehr auf ihrer Habenseite verbuchen.

Das Programm war fertig - warum also die Verzögerung der serienmäßigen Auslieferung des Moduls? Warum mussten die Saitek-Anwender so lange auf das heißersehnte Upgrade ihrer Sensorbretter warten? Der Grund lag in der Hardware. Auch bei einer Taktfrequenz von 20 MHz entwickelt der SPARC-Prozessor erhebliche Wärme. Auf der Unterfläche des Computerbrettes herrschen Temperaturen, die zum Braten von Spiegeleiern ausreichen, und der für die Kühlung zunächst verwendete Ventilator verursachte nicht zumutbare Phonstärken. Doch gemach, liebe Leser, heute begleitet Sie bei Ihrer Arbeit mit dem SPARC ein durchaus erträgliches leises Surren.

Des Weiteren traten Schwierigkeiten bei der Stromversorgung auf. Das neue Modul zieht so viel Strom, dass das Netzteil verstärkt werden musste. Dies bringt mich zu einem wichtigen Hinweis: Zum Lieferumfang des SPARC-Moduls gehört eine kleine Platine, die mit einer Reihe von Drosselspulen besetzt ist. Bedingt durch die höhere Leistungsaufnahme des SPARC-Moduls muss diese Platine, die der Funkentstörung dient, in das Grundgerät eingebaut werden. Das muss der Kunde aber nicht selber tun, sondern er kann seinen Renaissance oder Galileo zur Umrüstung an seinen Händler schicken. Der Saitek-Kundendienst wird dann den Umbau kostenlos und fachgerecht durchführen.

Adieu Leonardo

Das SPARC-Modul arbeitet leider nur in den Galileo- und Renaissance-Brettern. Leonardo-Besitzer, eigentlich wohl die treuesten Anhänger der Saitek Gemeinde, müssen sich von ihrem langjährigen elektronischen Freund verabschieden. Eine Umrüstung ist aufgrund der veränderten Anzahl erforderlicher Adressleitungen - Leonardo hat nur sieben zu bieten, SPARC benötigt aber deren acht - nicht mehr möglich. Der Abschied wird indes von der Firma Saitek versüßt: das Altedelholz wird bei Bestellung eines Renaissance mit SPARC-Modul mit rund DM 600,- in Zahlung genommen. Schade, dass Saitek hier auf Hegener+Glasers Spuren wandeln Muss - die Vergütungsaktion zeigt aber faires Geschäftsgebaren.

Welches Saitek-Gerät ist für das SPARC-Programm am besten geeignet? Das Galileo-Brett bietet keine Displayinformationen - für heutige Verhältnisse halte ich die über Randdioden gebotenen Infos für absolut unzureichend. Andererseits ist der Galileo hervorragend für das Blitzspiel geeignet, und gerade dabei kommt es kaum auf Informationsvielfalt an. Das Renaissance-Brett hat ein herausziehbares Display, auf dem sich ein LCD-Schachbrett mit einer darunterliegenden Informationsleiste befindet. Auf dem LCD-Brett kann man die Hauptvariante, ähnlich der entsprechenden Einrichtung beim PC-Programm Fritz, bei munter hüpfenden Figuren verfolgen. Die Informationsleiste bietet u.a. Zeitanzeige. Hauptvariante, Bewertung, Rechentiefe und die Anzahl berechneter Stellungen. Während bisher die Saitek-Module bestenfalls acht Halbzüge der Hauptvariante anzeigten, konnte ich beim SPARC bis zu 17 Halbzüge betrachten. Eine mehr als erfreuliche Erweiterung, bei der ich das Ende der Fahnenstange mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht beobachten konnte.

Grundsätzliche Charakterzüge

SPARC RISC-Prozessor, 32 Bit, 20 MHz Taktfrequenz, 256 KByte ROM, 1 MByte RAM - das sind die nüchternen Grunddaten, wobei die 256 KByte ROM dem Programm inklusive einer Eröffnungsbibliothek (mit Zugumstellungen eingerechnet rund 300.000 Stellungen) zugutekommen. Die 1 MByte RAM sind für die Hashtables reserviert und lassen die Abspeicherung von 100.000 Stellungen zu. Spätere Erweiterungen des Programms auf einen Umfang von 1 MByte sowie der Hashtables auf 4 MByte sind möglich. Die Saitek-Geschichte mahnt hier aber zu Vorsicht, wurden derartige Erweiterungsmöglichkeiten doch bisher nur sehr selten genutzt. Dennoch spricht der recht euphorisch gehaltene Einleitungstext davon, dass mit dem vorliegenden Programm gerade erst damit begonnen wurde "die Kraft des vielseitigen Prozessors anzuzapfen". Die mit ihren 300.000 Schachstellungen eben gerühmte Eröffnungsbibliothek wird in einem kleinen Beiblatt, welches einige Benutzerhinweise für das SPARC-Modul enthält, als "Freizeitbibliothek" bezeichnet (ein Bravo dem Ausdrucksreichtum der Verfasser!). Sie bietet den Benutzern, so ist weiter zu lesen, Vielseitigkeit und interessante Varianten. Doch nennen wir das Kind beim Namen: Eröffnungsbibliothek und Programm sind wieder einmal nicht aufeinander abgestimmt. Das hat den zum "Advisory Board" der Firma Saitek gehörenden Günter Niggemann nicht ruhen lassen. Er setzte IM Markus Schäfer und seinen Mitarbeiter Christoph Kamp an die Arbeit, und diese stampften eine 45.000 Halbzüge umfassende Turnierbibliothek aus dem Boden. Sie steht den Nutzern des SPARC-Moduls auf den Turnierstufen f1 bis f7 zur Verfügung.

Ziel des gemeinschaftlichen Werkes der Herren Schäfer und Kamp war es, ein auf die spezifischen Stärken und Schwächen des SPARC-Moduls abgestimmtes, möglichst aktuelles Eröffnungsbuch zu schreiben. Stellungen mit verschachtelten Bauernketten - immer noch tödlich für ein Spracklen-Produkt - oder langfristige Angriffsgefahren am Königsflügel sollten vermieden werden. Die Variabilität wurde dabei aber bewahrt, häufig gespielte Eröffnungen lassen die Wahl zwischen zwei eigenständigen Hauptsystemen zu. In kritischen Varianten findet man oft bis zu 20 oder mehr Züge, die aktiv erreichbaren Eröffnungsäste enthalten in großer Zahl seltene Nebenpfade, um ein frühzeitiges Herauswerfen aus der Bibliothek zu vermeiden. Nach Christoph Kamp führt das spezialisierte Eröffnungswissen auf den Turnierstufen zu einer Spielstärkeverbesserung "von einer ganzen Klasse".

Das Editieren der Eröffnungsbibliothek nach eigenem Gusto, wie man es von den bisherigen Modulen gewohnt war, ist allerdings beim SPARC nicht möglich. Jedes "Bitchen" wurde eben für die Programmverbesserung genutzt. Automatische Endstellungsanalysen bleiben dem Nutzer des SPARC aus dem gleichen Grunde versagt. Der Fernschachspieler wird es mit Bedauern sehen.

Spitzenklasse

Der mir von Hubert Bednorz über den Schachversand Niggemann zugeleitete BT2630-Test zeigte folgendes Ergebnis:

BT 1 Sxg7 BT 2 Lxb6 900
BT 3 Te6 BT 4 Df7 894
BT 5 Ka6 BT 6 ...e3 23
BT 7 ...Td6 BT 8 Txc6+ 24
BT 9 ...g5 BT 10 Txg7+ 18
BT 11 ...Dxh2 BT 12 ...De4 36
BT 13 ...Le6 BT 14 Txh7 96
BT 15 e5 BT 16 ...Sxg2 900
BT 17 Dxf4 BT 18 d6 71
BT 19 ...f3 BT 20 Ta2 85
BT 21 Te1 BT 22 a3 8
BT 23 g4 BT 24 g6 900
BT 25 ...Sd3 BT 26 f5 900
BT 27 e6 BT 28 e5 900
BT 29 0-0-0 BT 30 f4 900
Summe 13295 BT-Elo 2187

Damit liegt das Programm in unmittelbarer Nachbarschaft des Lyon 68030 und muntere 76 Punkte Über dem Vancouver 68020.

Nächste Testhürde sollte der Strategietest meines Testkollegen Uwe Immel sein. Gewählt wurde der Test des Heftes 6/91 (S.41ff), da für die zwischenzeitlich erfolgte Testmodifizierung (Heft 4/93) noch keine Vergleichsergebnisse vorlagen. Hier die Einzelergebnisse:

1: 10 Pkt 4: 2 Pkt 7: 4 Pkt 10: 9 Pkt 13: 3 Pkt
2: 1 Pkt 5: 6 Pkt 8: 4 Pkt 11: 4 Pkt 14: 6 Pkt
3: 8 Pkt 6: 6 Pkt 9: 6 Pkt 12: 1 Pkt 15: 3 Pkt

Die insgesamt erreichten 73 Punkte liegen zwei Punkte über dem Testsieger des Heftes 1/92 und nur ein Pünktchen unter dem für M-Chess Pro festgestellten Testergebnis. Bei allem Vorbehalt gegenüber Tests muss bei den ermittelten Werten bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass das Spracklen-Programm wahre Spitzenklasse bietet.

Auf in den Kampf

Die ersten Partien mit dem SPARC spielte ich gegen den Uralt-Achtbitter MM V, der überraschenderweise das Brute-Force-Modul aus dem gleichen Haus in Bedrängnis gebracht hatte. Der SPARC gewann souverän mit 2:0 in zwei Partien über die Aktivschachdistanz von 30 Minuten. Danach war der Mephisto Berlin, mit ELO 2135 auf dem 18. Platz der SSDF-Liste, an der Reihe.

Die zweite Partie (beide Partien wurden ebenfalls auf der 30 Minuten Aktivschachstufe ausgetragen) sah den Berlin wiederum als klaren Verlierer. So konnten Testgegner dieser Güteklasse ebenfalls als abgehakt betrachtet werden.

Kampf gegen die PCs

Nun sollte der Kampf gegen die PC-Riesen aufgenommen werden. Ein zweifelhaftes Unternehmen, denn die Rechenkraft der Personalcomputer steigt ins Uferlose - da wird es für die Brettkollegen immer schwieriger. Irgendwann wird eine Trennung in den Bewertungen zwischen den Brettcomputern und den PC-Programmen erfolgen müssen. Die Fronten scheinen mir ohnehin abgeklärt. Es gibt eine Fangruppe der Brettcomputer, und es gibt die PC-Freaks (natürlich wird es auch Schachfreunde geben, die beide Geräte für ihren jeweiligen Zweck einsetzen). Insoweit stellt sich die Frage, ob der Vergleich PC-Programm/Brettcomputer überhaupt noch dem Zeitgeist entspricht. Einstweilen ist keine Trennung vollzogen - also werden die PC-Riesen aufgefahren.

Bleiben wir zunächst bei Richard dem Großen:

Diese Partie beweist, dass beim SPARC eine "Freizeit"-Eröffnung und das Mittelspiel nicht aufeinander abgestimmt waren. Taktische Chancen wurden dennoch wahrgenommen und führten in dieser Aktivschach-Partie zum Remis. Die Revanche ging für den SPARC allerdings klar verloren.

Marty Hirschs Profiprogramm sollte der nächste Gegner sein:

Auch die Revanchepartie, ebenfalls in 30-Minuten Aktivschach ausgetragen, ging verloren - nur eine Folge der Freizeit-Bibliothek? Der Reigen der PC¬Gegner wurde durch Fritz2 abgeschlossen.

Meine Zweifel am Nutzen eines Vergleichs mit derart unterschiedlicher Hardware verstärken sich ob der für den SPARC vernichtenden Negativbilanz gegen die PC-Programme. Dennoch, die Endspielabwicklung in dieser Partie war einfach grausam, und das bei den von den Spracklens bekannten Programmierstärken gerade in diesem Bereich. Im Übrigen - auch die Revanchepartie gegen den kleinen Blaublüter ging klar verloren. Beide Partien wurden ebenfalls in 30 Minuten-Aktivschach ausgetragen.

Die Frage aller Fragen

Gegen den Lyon 68020 und seinen Programmnachfolger Vancouver 68020 wurden eine Reihe von Partien ausgetragen. Hier stellte sich die interessanteste Frage der gesamten Abtestung: Ist es Saitek mit dem SPARC-Modul gelungen, zu den Mephisto-Geräten gleichen Kalibers aufzuschließen, oder ist gar ein Vorteil für den Modulneuling zu verbuchen? Zwei Aktivschach-Partien konnte der Lyon 68020 für sich entscheiden. Hier eine davon, die auf der Stufe "f1" (30 Züge in 30 Minuten, also einer Turnierstufe) ausgetragen wurde. Mit der langen Rochade hat der Lyon geradezu zum Gewinn eingeladen, allein der Erfolg blieb aus. Hier ist eine Schwäche des SPARC-Programms zu konstatieren. Der konsequent fortgesetzte Königsangriff zählt erstaunlicherweise offenbar nicht zu seinen Stärken.

Ich spielte zwei weitere Turnierpartien mit 60 Zügen in 60 Minuten gegen den Lyon. Ergebnis: 1:1. Diese Partien brachten kaum Aufschluss über die Spielstärkeverteilung, da der Lyon 68020 in der ersten Partie unverständlicherweise mehrere Gewinnmöglichkeiten im Endspiel ausließ und der SPARC sich in der Revanche mit einem riskanten Turmmanöver praktisch selbst umbrachte.

Endgültig Aufschluss sollten die Partien gegen den Vancouver 68020 bringen. Hier die erste davon:

In dieser Partie konnte das Saitek-Programm einen Stellungsvorteil im Mittelspiel zunächst nicht verwerten. Zu überzeugen wusste es in dieser wie auch in den weiteren Partien gegen das Vancouver-Programm dagegen im Endspielbereich. Ein nur geringer Vorteil wurde fast profihaft umgesetzt. Drei weitere Partien, ebenfalls über die Turnierdistanz von 30 Zügen in 30 Minuten bei zugeschalteter Turnierbibliothek, führten zu einem Gesamtscore von 3:1 für das Spracklen-Programm. Dabei konnte der SPARC in allen Partiephasen überzeugen. Gelang es hier, ein schwieriges Turmendspiel remis zu halten, konnte dort aus der Eröffnung heraus der Gegner geradezu niedergemetzelt werden.

Bleibt noch über ein doppelrundiges Turnier zu berichten, das von meinen Testkollegen Bednorz und Tönissen unter Beteiligung folgender Programme durchgeführt wurde: TASC R30, ChessMachine The King 2.0 32 MHz aggressiv, Saitek SPARC 20 MHz und RISC 2500. Sämtliche Partien wurden mit einer Minute Bedenkzeit je Zug gespielt.

Die folgende Partie soll einen Einblick in das Turniergeschehen dieses Wettkampfes geben:

Das Turnier gewann der TASC R30 schließlich mit 4,5 Punkten vor dem King-Programm mit 3,5 Punkten und Saiteks SPARC, das es auf 2.5 Zähler brachte. Dabei gewann das Spracklen-Programm beide Partien gegen den Stallgefährten RISC 2500, remisierte in einer Partie gegen den King und verlor beide Partien gegen das TASC-Programm. Kein glorreicher Turniererfolg, aber eine Bestätigung der Spitzenprogramm-Einschätzung - besaß die Konkurrenz doch zum Teil überlegene Hardware.

Fazit

Ein klares Wort im Vorwege: Testprogramme - und wenn sie noch so ausgefeilt erscheinen - lassen keine endgültigen Rückschlüsse auf die Spielstärke eines Programms zu. Die Anzahl der gespielten Partien, zudem zum größten Teil lediglich über Aktivschachdistanzen, reicht bei weitem nicht für eine endgültige Programmbewertung. Die nachfolgenden Wertungsfaktoren können daher lediglich den Status des Vorläufigen besitzen.

Die normale Eröffnungsbibliothek mag amüsant sein, ist aber in keiner Weise auf die Fähigkeiten bzw. Mängel des Programms abgestimmt. Das ist bei der von Markus Schäfer und Christoph Kamp entwickelten Turnierbibliothek, die leider nur auf den Turnierstufen zum Einsatz kommt, erheblich besser gelungen (wenngleich eine Spielstärkeverbesserung um eine ganze Klasse aufgrund dieser Bibliothek leise angezweifelt werden darf).

Das Mittelspiel ist taktisch stark und bietet positionelle Ansätze. Die Spracklens haben aufgrund der Zusammenarbeit mit Programmierern, die erhebliches Schachwissen besitzen, dazugelernt. Ihr Dschungelschach hat sich gewandelt, wenn auch das Programm in seinem Charakter echtes Computer-schach bietet. Nach wie vor lassen verschachtelte Stellungen das Programm nicht zur vollen Entfaltung kommen. Königsangriffe werden, insbesondere bei entgegengesetzter Rochade, unbeherzt und damit häufig erfolglos durchgeführt. Der "Springer am Rand" bereitet den Spracklens offensichtlich keine Sorgen. Das sollte er aber, führt sorglose Hinnahme dieser Springerpositionen doch zu der einen oder anderen Verlustpartie. Erkämpfte Vorteile können des Öfteren nicht in einen Gewinn umgesetzt werden, eine Eigenschaft, die merkwürdigerweise Saitek-eigen zu sein scheint, gleichgültig von welchem Programmierer das Programm erstellt wurde. Natürlich nur eine Zufälligkeit.

Unklar bleibt der Endspielbereich. Kenntnisse sind sicherlich vorhanden, und die Hashtables richten das übrige. Aber einige Abwicklungen waren dermaßen schwach, dass Zweifel bestehen bleiben. Starke und schwache Leistungen standen im ständigen Wechsel. Richtig ist, dass die Bewertungsfunktionen eigentlich hinreichende Hinweise auf tiefgreifende Kenntnisse des Endspiels geben. Dennoch - das Bild dieses Bereichs bleibt recht verschwommen.

Die Preisgestaltung lässt einen Vergleich mit den entsprechenden Mephisto-Programmen ohne weiteres zu. Tausend Mark für das Modul und die gleiche Summe für den Renaissance sowie DM 99,- für den Adapter, das sind rund DM 140,- weniger als das, was man für den Vancouver 68020 mit München-Brett berappen muss. Nach meiner vorläufigen Einschätzung ist die Spielstärke etwa gleich, also wird wohl die Art des Programms für die Wahl des Käufers ausschlaggebend sein. Bietet das Spracklen-Programm die interessante Spielweise computerschachbetonter Partien, besitzen die Lang'schen Programme mehr "menschliche Züge".

Festzuhalten bleibt, dass das Saitek-Programm im Brettcomputerbereich einwandfrei zur Weltspitze gehört. Ich schätze die Spielstärke auf etwa 2130 bis 2160 Elo. Die langjährige, in aller Ruhe durchgeführte Entwicklungsarbeit von Saitek hat sich ausgezahlt, und die Spracklens haben allen Grund, ihr tatsächlich gelungenes Comeback zu feiern.

Bilder + Prospekt

Sparc Modul im Renaissance Brett
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