SciSys Turbo King

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Saitek Turbo King
Hersteller SciSys Jahr: 1988
Elo 1806 Preis 498 DM (250 €)
Programmierer Julio Kaplan, Barnes, Craig BT-2450
Prozessor 65C02 BT-2630
Prozessortyp 8 Bit Colditz
Takt 5 MHz Rechentiefe 20 Halbzüge
RAM 16 KB Display 2-zeilige LCD Anzeige
ROM 64...96 KB Zugeingabe Drucksensoren
Bibliothek 100.000 Halbzüge Zugausgabe 16 Rand LEDs
Spielstufen 64
Maße 37 x 24 x 3.5 cm
Stromversorgung   Batterie = 6 x Baby, Netz = z.B. HGN 5001
Verwandt SciSys Stratos, Saitek Simultano
Sonstiges Es existieren verschiedene Programmversionen. Anzeige von Zeit, Bewertung, Rechentiefe, Ast, Stellungen und 8 HZ.


Infos
 

Turbo King

(Christian Schulze aus Computer Schach & Spiele / Heft 2 / 1988)

So spielt das neue Saitek-Programm

Über Bedienungskomfort und Ausstattung der neuen Saitek-Geräte war in CSS schon die Rede. Doch wie steht es mit der Spielstärke? Christian Schulze berichtet über seine Erfahrungen mit dem Turbo King. Als Besitzer vieler Schachcomputer der verschiedensten Firmen glaube ich, mir ein ausgewogenes fachliches Urteil über das Spielverhalten des Turbo King erlauben zu können. Da das Programm dieses Gerätes auch im Leonardo Analyst und SciSys Stratos steckt, dürfte es für einen großen Teil der Schachcomputer-Freunde von Interesse sein.

Eröffnung

In der Tat hat man die Eröffnungsbibliothek des Turbo King immens groß gestaltet - zudem auch ohne ernste Ausrutscher wie z.B. beim Forte. Außerdem findet sich das Gerät in den Stellungen, in die es ins Mittelspiel entlassen wird, sehr gut zurecht. Etwas ungünstiger ist allerdings die Tatsache, dass sich jene 100.000 Halbzüge (!) doch mehr auf die Tiefe als auf die Breite beziehen. So ist es wohl lobenswert, wenn der Rechner Damengambit-Varianten bis zum 30. Halbzug kennt. Andererseits fliegt er in so manchen Eröffnungen sehr früh aus seiner Bibliothek. Hier die krassesten Beispiele:

  • 1.d4 d5 2.e4 Ende.
  • 1.e4 e5 2.f4 d5 Ende.
  • 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Le7 Ende.
  • 1.g4 Ende.

Die Liste ließe sich noch ein ganzes Stückchen fortführen und endet mit der Forderung, dass diese Abspiele wenigstens passiv bekannt sein sollten. Ein Trostpflaster: Die Eröffnungsbibliothek lässt sich manuell erweitern, so dass man nicht völlig aufgeschmissen ist.

Mittelspiel

Wie von vornherein vermutet, ist das Saitek-Programm ein toller Positionsspieler. Da stimmt einfach jeder Bauernvorstoß, und schwache Felder entgehen ihm nicht. Ebenso nutzt er offene Linien schon früh im Kampf als Einbruchspforte ins feindliche Lager - und nicht erst, wenn die Partie zum Turmendspiel ausartet.

Ziemlich düster sieht es dagegen im taktischen Bereich aus: Turbo King führt eine hervorragende Partie, die Positionsvorteile bringen irgendwann einen Plusbauern, und... und dann kündigt sein Gegenüber im großen Trubel ein Matt in vier an! Der Colditz-Test wird dementsprechend mit 1666 Punkten (=1880 Elo) abgeschlossen, was heutzutage so manches Mal zu wenig ist. Bratko-Kopec lässt 11 Punkte springen, wobei ich allerdings der Meinung bin, dass dieser Test allein schon auf Grund seines geringen Umfangs ungeeignet ist, irgendwelche Tendenzen zu bestimmen. Um das allgemeine Spielverhalten des Neuen besser kennenzulernen, habe ich ein Turnier unter fünf vergleichbaren Geräten durchgeführt (allerdings nur mit 1 min/Zug). Das Ergebnis:

Tabelle CSS 88-2-13.jpg


Auch außerhalb dieses Vergleiches tut sich der King schwer, sobald ihm der Novag Forte gegenübertritt. So steht es z.B. nach vier Turnierpartien gerade mal 3,5:0,5 für das „Blitzmonster". Die Verlustspiele waren nie länger als 30 Züge — jedes Mal wurde der Saitek-Rechner das Opfer irgendwelcher Sticheleien.

Der Par Excellence liegt ihm dagegen so gut wie kaum eine andere Maschine: Die Fidelity-Kiste bekommt kein Bein auf den Boden. So hat dieser in fünf Partien lediglich ein Remis erzielt. Hier ein Beispiel für das teilweise einfach brillante Spiel des Turbo Kings gegen ihn:

Fidelity Par Excellence - SciSys Turbo King
Weiss.gif A B C D E F G H Weiss.gif
8 Brwhite.png Brblack.png White.png Black.png White.png Black.png Bkwhite.png Black.png 8
7 Black.png White.png Black.png Bnwhite.png Bpblack.png Bpwhite.png Black.png White.png 7
6 White.png Black.png White.png Bpblack.png White.png Bnblack.png Bpwhite.png Wqblack.png 6
5 Bqblack.png White.png Bpblack.png Wpwhite.png Black.png White.png Black.png Bpwhite.png 5
4 White.png Black.png White.png Black.png Wpwhite.png Black.png White.png Wpblack.png 4
3 Wpblack.png White.png Wnblack.png White.png Black.png Wnwhite.png Black.png White.png 3
2 Wrwhite.png Wpblack.png White.png Black.png White.png Wpblack.png Wpwhite.png Black.png 2
1 Black.png White.png Black.png White.png Black.png White.png Wkblack.png Wrwhite.png 1
A B C D E F G H


Der Saitek-Rechner ist als schwarzer Spieler dran. In nur zwei Sekunden findet er einen Zug, den er in seinem gesamten Umfang und wohl kaum durchgerechnet haben kann. Dennoch spielt er ihn, und die weiße Stellung ist in allen Varianten nicht mehr zu retten: So macht Schach Spaß!

Alles in allem: Der Turbo King ist ein durchwachsenes Gerät, das fast spielend eine überlegene Stellung aus dem Hut zaubert, aber hin und wieder zu kurzsichtig betreffs Kombinationen ist. Letzteres hält sich aber in Grenzen, so dass der Rechner wohl in der Lage sein dürfte, jedem Kontrahenten unter 1000 DM das Wasser zu reichen. Jedenfalls macht er Schach fürs Herz!

Endspiel

Immer noch können in dieser Sparte menschliche Maßstäbe nicht eingesetzt werden. Obwohl der Turbo King das Endspiel allgemein ordentlich behandelt, sollte man speziell im Turmendspiel besser wegschauen. Hier scheint es nämlich fast ein Glücksfall zu sein, ob die Tarrasch-Regel "Ein Turm gehört hinter die Bauern!" angewendet wird.

Aber auch hier gilt: Das Gerät hält sich mindestens auf dem Durchschnitt, und Partien werden wohl kaum in dieser Phase noch zum Verlust gekorkst. Im Übrigen gibt es ja noch das Endspiel-ROM, welches schon einmal König-Bauer-König perfekt beherrscht.

Gesamteindruck

Das Kind ist äußerlich wie innerlich gelungen, wo¬bei das Preis/Leistungsverhältnis so ziemlich alles in den Schatten stellt, was es auf dem Markt gibt.



Bilder

© Pictures by Theodor Heinze

Turbo King
Verpackung
Figuren
Eprom-Plätze



Innenleben

Mainboard des Turbo King mit Endspiel ROM (EGR I)