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Gruenfeld Edition master chess openings

aus Schachcomputer.info Wiki, der freien Schachcomputer-Wissensdatenbank

Gruenfeld Edition master chess openings war ein Eröffnungsmodul der US-amerikanischen Firma Applied Concepts, das im Juni 1981 erschien. Es zählte zu den frühen spezialisierten Eröffnungsbibliotheken für Schachcomputer und wurde für die modulare Schachcomputerplattform des Herstellers entwickelt. Der Einführungspreis betrug 298 DM.

Beschreibung

Die Gruenfeld Edition wurde für die Systeme Great Game Machine (GGM), Modular Game System (MGS) sowie Multi Game System III angeboten. Das Modul richtete sich an ambitionierte Anwender, die die Eröffnungsbehandlung ihres Schachcomputers gezielt verbessern wollten.

Anfang der 1980er Jahre entstand erstmals ein Markt für spezialisierte Eröffnungsbibliotheken für Schachcomputer. Zeitgleich erschienen unter anderem die Module CB 9 und CB 16 von Fidelity. Die Gruenfeld Edition gehörte damit zu den frühesten kommerziell verfügbaren Eröffnungsmodulen.

Ursprünglich wurde das Modul für den Einsatz mit dem Programm Morphy Edition master chess konzipiert. Zusammen mit dem Mittelspielprogramm Morphy und dem Endspielmodul Capablanca Edition master chess endgame konnte es als Teil des sogenannten „Master Chess Trio“ verwendet werden, bei dem Eröffnungs-, Mittelspiel- und Endspielwissen modular getrennt bereitgestellt wurden.

Das Eröffnungsbuch deckte Varianten bis etwa zum 20. Zug (ca. 40 Halbzüge) ab und führte den Rechner möglichst lange innerhalb vorbereiteter theoretischer Linien, bevor die eigentliche Suchroutine des Programms die Partie übernahm. War der Buchbereich verlassen, arbeitete das jeweilige Spielprogramm autonom weiter.

Das Trio aus Gruenfeld-, Morphy- und Capablanca-Modul wurde 1981 bei der Weltmeisterschaft im Computerschach (WMCCC) eingesetzt, zog jedoch aufgrund technischer Probleme vorzeitig zurück.

Technische Daten

  • Speicherkapazität: 8 KB ROM
  • Eröffnungssysteme: 28
  • Varianten: ca. 490
  • Umfang: ca. 6000 Buchzüge (Halbzüge)
  • Minimale Variantentiefe: 8 Halbzüge
  • Maximale Variantentiefe: 42 Halbzüge

Inhalt und Konzeption

Das Modul enthielt eine für die damalige Zeit umfangreiche Sammlung an Eröffnungsvarianten. Die Variantenauswahl orientierte sich an der zeitgenössischen Turnierpraxis und umfasste offene, halboffene sowie geschlossene Eröffnungen.

Die Zusammenstellung der Eröffnungsdaten wurde dem US-amerikanischen FIDE-Meister John Jacobs zugeschrieben, der in den frühen 1980er Jahren als Schachberater für Applied Concepts tätig war. Jacobs war mehrfacher Meister der Texas Chess Association und brachte praktische Turniererfahrung in die Auswahl und Gewichtung der Varianten ein.

Kompatibilität

Das Modul war kompatibel mit:

Nicht kompatibel war es mit Morphy Encore und Sandy Encore.

Einordnung im Kontext der WMCCC 1981

Die Kombination aus Gruenfeld, Morphy und Capablanca wurde 1981 bei der 2. Weltmeisterschaft im Computerschach (WMCCC) eingesetzt. Applied Concepts verfolgte dabei ein für die damalige Zeit innovatives, klar modular strukturiertes Konzept: Eröffnungswissen, Mittelspielberechnung und Endspielwissen wurden funktional getrennt und auf jeweils eigenen ROM-Modulen gespeichert.

Dieses Architekturprinzip unterschied sich von vielen zeitgenössischen Systemen, bei denen Eröffnungswissen lediglich als kleine interne Bibliothek im Hauptprogramm integriert war. Durch die Auslagerung in ein dediziertes 8-KB-ROM konnte das Eröffnungsbuch deutlich umfangreicher gestaltet werden, ohne die begrenzten Speicherressourcen des Spielprogramms selbst zu belasten.

Das Eröffnungsmodul übernahm in der Turnierkonfiguration die Führung bis zum Verlassen der vorbereiteten Theorie. Erst danach griff das Morphy-Programm mit seiner eigenen Suchroutine ein. Für Endspielstellungen stand zusätzlich das Capablanca-Modul zur Verfügung, das spezielle Endspielkenntnisse bereitstellte.

Obwohl das System aufgrund technischer Probleme vorzeitig aus dem Turnier ausschied, dokumentierte sein Einsatz einen wichtigen Entwicklungsschritt im Computerschach: die bewusste Trennung von Wissen (Buch- und Endspieldaten) und Suche (Rechenalgorithmus). Dieses Prinzip entsprach konzeptionell bereits der später in Schachengines etablierten Struktur aus Eröffnungsbuch, Suchkern und Endspieldatenbanken.

Die Gruenfeld Edition war damit nicht nur ein Zubehörmodul, sondern Bestandteil eines frühen, wissensbasierten Gesamtsystems, das versuchte, menschliche Vorbereitungsmethoden, insbesondere die strukturierte Eröffnungsanalyse, auf elektronische Spielsysteme zu übertragen.

Weiterentwicklung

Eine überarbeitete Version erschien später unter der Bezeichnung Gruenfeld S Edition master chess openings. Diese bot einen auf über 12.000 Halbzüge erweiterten Eröffnungsumfang sowie eine im Durchschnitt größere Variantentiefe. Äußerlich waren beide Modulversionen nicht unterscheidbar.

Bedeutung

Die Gruenfeld Edition dokumentierte den Übergang von rein berechnungsbasierter Spielstärke hin zu wissensbasierten Konzepten im Computerschach. Durch den Einsatz vorbereiteter Eröffnungsbibliotheken konnten Schachcomputer ihre begrenzten Rechenressourcen effizienter nutzen und bereits in der Anfangsphase theoretisch fundierte Stellungen erreichen. Solche Module galten als frühe Vorläufer moderner Eröffnungsbücher heutiger Schachengines.

Quellen

  • Hein Veldhuis: Schachcomputer-Datenbank, Eintrag 06-1981 [6458]
  • ChessProgramming Wiki (Archivversion): „Morphy“ (Abschnitt Gruenfeld), Webarchiv 12. Juli 2018
  • ChessProgramming Wiki (Archivversion): „John Jacobs“, Webarchiv 13. Juli 2018
  • Herstellerangaben Applied Concepts (1981)
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