Gruenfeld S Edition master chess openings
Gruenfeld S Edition master chess openings war ein erweitertes Eröffnungsmodul der US-amerikanischen Firma Applied Concepts, das 1982 erschien. Es stellte die überarbeitete und deutlich vergrößerte Version des Gruenfeld Edition-Moduls von 1981 dar. Der Einführungspreis betrug 349 DM.
Das Modul wurde nach dem österreichischen Großmeister Ernst Grünfeld benannt.
Markteinführung
Die Gruenfeld S Edition erschien 1982. Sie gehörte zur modularen „Master Chess“-Reihe von Applied Concepts und war als erweitertes Eröffnungsmodul für das Master Chess Trio konzipiert.
Beschreibung
Das Gruenfeld-S-Modul wurde für die Systeme Great Game Machine (GGM), Modular Game System (MGS) sowie Multi Game System III (MGS III) entwickelt. Gegenüber dem Vorgängermodul wurde der Eröffnungsumfang erheblich erweitert und die durchschnittliche Variantentiefe gesteigert.
Äußerlich waren beide Modulversionen nicht voneinander zu unterscheiden.
Wie bereits das Vorgängermodul konnte die Gruenfeld S Edition zusammen mit dem Mittelspielmodul Morphy Edition master chess (bzw. Sandy Edition master chess) und dem Endspielmodul Capablanca Edition master chess endgame als Bestandteil des sogenannten „Master Chess Trio“ eingesetzt werden. Dieses modulare System trennte Eröffnungswissen, Suchalgorithmus und Endspielwissen funktional voneinander.
Das Eröffnungsbuch führte den Rechner möglichst lange innerhalb vorbereiteter theoretischer Linien, bevor die eigentliche Suchroutine des Mittelspielprogramms die Partie übernahm. War der Buchbereich verlassen, arbeitete das jeweilige Spielprogramm autonom weiter.
Technische Daten
- Speicherkapazität: 12 KB ROM
- Eröffnungssysteme: 40
- Varianten: ca. 600
- Umfang: ca. 12.500 Buchzüge (Halbzüge)
- Minimale Variantentiefe: 8 Halbzüge (gespeicherte Varianten)
- Maximale Variantentiefe: 48 Halbzüge
- Durchschnittliche Variantentiefe: ca. 22 Halbzüge
Die längsten gespeicherten Varianten reichten bis zu etwa 20 Zügen. Die effektive Größe des Repertoires lag aufgrund der Variantenverzweigungen über der reinen Zahl der physisch gespeicherten Halbzüge.
Inhalt und Konzeption
Das Modul stellte eine konsequente Weiterentwicklung des ursprünglichen Gruenfeld-Moduls dar. Ziel war ein ausgewogener Kompromiss zwischen Variantenbreite und Variantentiefe. Besonderes Gewicht wurde auf in der Turnierpraxis häufig gespielte Eröffnungssysteme gelegt.
Die Eröffnungsdaten wurden vom US-amerikanischen FIDE-Meister John Jacobs zusammengestellt, der als Schachberater für Applied Concepts tätig war. Die Auswahl orientierte sich an der damaligen Theorie und Turnierpraxis.
Das Repertoire umfasste effektiv etwa 12.500 Halbzüge in rund 600 Varianten aus 40 Eröffnungen. Stichproben ergaben Variantentiefen von etwa 5 bis 16 Zügen, bei einer gegenüber dem Vorgängermodul gesteigerten mittleren Variantentiefe; die längsten Varianten lagen bei rund 20 Zügen.
Damit bot die Gruenfeld S Edition einen deutlich breiteren und tieferen Querschnitt durch die Eröffnungstheorie als die kleineren integrierten Eröffnungsbibliotheken der Hauptmodule. Das Modul stellte jedoch weiterhin einen Einstieg in die Eröffnungstheorie dar und ersetzte kein systematisches Studium der Schachliteratur.
Im Unterschied zu direkt anwählbaren Eröffnungsbibliotheken späterer Systeme wurde auf eine separate Kodierung einzelner Eröffnungsnamen verzichtet. Stattdessen erfolgte die Variantenauswahl über wiederholte Eingabe des Anfangszuges in Verbindung mit der RESTORE-Funktion. Dieses Verfahren sparte Speicherplatz und erlaubte die Speicherung einer größeren Zahl konkreter Zugfolgen.
Funktionsweise
Nach dem Einsetzen des Moduls wurden die gespeicherten Eröffnungszüge ohne Berechnung sofort ausgeführt (Bedenkzeit: 0 Sekunden). Die eingestellte Spielstufe hatte während der Buchphase keine Bedeutung; sie wurde erst nach Verlassen des Eröffnungsbuches vom jeweils eingesetzten Mittelspielmodul übernommen.
Die Anzeige „END OF BOOK“ signalisierte, dass die vorbereitete Theorie verlassen worden war oder ein nicht gespeicherter Zug gespielt wurde. Wurde anschließend weitergespielt, zeigte das Gerät blinkend „MID GAME“ an. In diesem Zustand war der Wechsel zum Mittelspielmodul erforderlich.
Der Wechsel erfolgte über die MEM-Position des Geräteschalters, wobei der vollständige Partiestand einschließlich Spielstufe, Zugzähler und verbrauchter Bedenkzeit erhalten blieb. Dieses Verfahren konnte beim späteren Übergang in ein Endspielmodul erneut angewendet werden.
Wie bereits beim Vorgängermodul konnten Varianten mit der Taste B/W abgefragt werden. Mit der Funktion RESTORE war es außerdem möglich, innerhalb der Eröffnungsvariante mehrere Züge zurückzugehen.
Praktische Einordnung
Das Modul verbesserte die Eröffnungsbehandlung kompatibler Schachcomputer deutlich und bot einen kompakten Überblick über viele gängige Eröffnungssysteme. Die Erweiterung des Eröffnungsbuchs erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass eine Partie über mehrere Züge innerhalb vorbereiteter Theorie geführt werden konnte.
Gleichzeitig blieben die Grenzen eines ROM-Eröffnungsbuchs bestehen: Viele Varianten endeten vergleichsweise früh, und nach Verlassen des Buches hing die Qualität des Spiels vollständig von der Mittelspielsuche des eingesetzten Hauptmoduls ab.
Für praktische Tests gegen Computer mit umfangreichem Eröffnungsbuch erwies sich eine positionell bindende Variante mit einer absichtlich leicht schwächeren, aber soliden Abweichung („zweitbester Zug“) als möglicher Ansatz, um das Programm frühzeitig in weniger vertraute Strukturen zu führen.
Kompatibilität
Das Modul war kompatibel mit:
- Sargon 2.5
- Boris 2.5
- Morphy Edition master chess
- Sandy Edition master chess
- Steinitz Edition-4 master chess
- Capablanca Edition master chess endgame
- Capablanca S Edition master chess endgame
- Modular Game System (MGS)
- Multi Game System III (MGS III)
- Great Game Machine (GGM)
Nicht kompatibel war es mit Morphy Encore und Sandy Encore.
Die Gruenfeld S Edition war damit Bestandteil eines frühen, wissensbasierten Gesamtsystems, das versuchte, menschliche Vorbereitungsmethoden, insbesondere die strukturierte Eröffnungsanalyse, auf elektronische Spielsysteme zu übertragen.
Bedeutung
Die Gruenfeld S Edition dokumentierte einen weiteren Schritt in Richtung wissensbasierter Spielsysteme im frühen Computerschach. Durch die Erweiterung auf 12 KB ROM und rund 12.500 Buchhalbzüge erreichte das Modul für seine Zeit eine bemerkenswerte Variantenbreite und -tiefe.
Das modulare Konzept von Applied Concepts – getrennte ROM-Module für Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel – nahm strukturell bereits die später übliche Architektur moderner Schachprogramme mit Eröffnungsbuch, Suchkern und Endspieldatenbanken vorweg.
Quellen
- Hein Veldhuis: Schachcomputer-Datenbank, Eintrag 07-1982 [0955]
- Herstellerangaben Applied Concepts (1982)
- Original-Bedienungsanleitung Gruenfeld-S Modul
Bilder
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Gruenfeld S Eröffnungsmodul
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Gruenfeld S Anleitung
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Gruenfeld S Anleitung II