Master Chess Trio
Master Chess Trio bezeichnete das modulare Schachcomputersystem der US-amerikanischen Firma Applied Concepts, das zwischen 1981 und 1982 für die Plattformen Great Game Machine (GGM), Modular Game System (MGS) und Multi Game System III entwickelt wurde.
Das System bestand aus drei funktional getrennten ROM-Modulen:
- dem Eröffnungsmodul Gruenfeld Edition master chess openings (bzw. Gruenfeld S Edition master chess openings)
- dem Mittelspielprogramm Morphy Edition master chess (bzw. Sandy Edition master chess oder Steinitz Edition-4 master chess)
- dem Endspielmodul Capablanca Edition master chess endgame (bzw. Capablanca S Edition master chess endgame)
Konzept
Das Master Chess Trio beruhte auf einem für die frühe 1980er Jahre innovativen Architekturprinzip: Eröffnungswissen, Suchalgorithmus und Endspielwissen wurden physisch getrennt auf eigenen ROM-Modulen gespeichert.
Während das Eröffnungsmodul vorbereitete Theorielinien ausführte und das Endspielmodul spezialisierte Endspielberechnungen übernahm, war das Mittelspielmodul für die eigentliche Suchroutine und Bewertungsfunktion verantwortlich.
Der Modulwechsel erfolgte manuell über die MEM-Stellung des Geräteschalters. Der vollständige Partiestand blieb dabei erhalten.
Dieses Konzept entsprach strukturell bereits der später üblichen Architektur moderner Schachprogramme mit Eröffnungsbuch, Suchkern und Endspieldatenbanken.
Einsatz im Turnierschach
Eine Kombination aus Gruenfeld-, Morphy- und Capablanca-Modul wurde 1981 bei der 2. Weltmeisterschaft im Computerschach (WMCCC) eingesetzt. Obwohl das System aufgrund technischer Probleme vorzeitig ausschied, dokumentierte der Turniereinsatz den Anspruch von Applied Concepts, ein professionell strukturiertes Wissenssystem zu entwickeln.
s.h. auch
U1500 Deep Depp Advanced
Das U1500 Deep Depp Advanced war ein Schachcomputer-Turnier im Rahmen der Community-Veranstaltungen auf Schachcomputer.info], das sich an Systeme mit einer Elo-bewerteten Spielstärke unter 1500 richtete.
Beim U1500 Deep Depp Advanced nahm das modulare System Master Chess Trio von Applied Concepts teil, bestehend aus den Modulen Gruenfeld Edition master chess openings, Morphy Edition master chess und Capablanca Edition master chess endgame.
Trotz seines historischen Alters konnte das Trio in diesem Turnier gegen andere klassische Schachcomputer respektable Ergebnisse erzielen und zeigte, dass das modulare Architekturprinzip auch Jahrzehnte nach seiner Entwicklung noch konkurrenzfähige Leistungen brachte.
- Link zum Turnier: https://www.schachcomputer.info/showthread.php?t=5094
11. Oldie Turnier 2014 – Gruppe B
Das 11. Oldie Turnier 2014 war ein internationales Computerschach-Turnier, das klassische Schachcomputer-Modelle aus verschiedenen Epochen gegeneinander antreten ließ. In der Gruppe B der Veranstaltung nahm ebenfalls das modulare Master Chess Trio von Applied Concepts teil.
Das System mit den Modulen Gruenfeld Edition master chess openings, Morphy Edition master chess und Capablanca Edition master chess endgame belegte im Teilnehmerfeld der Gruppe B einen respektablen Platz. Die Veranstaltung zeigte sowohl die historische Bedeutung als auch die praktische Spielstärke klassischer Module im Vergleich zu anderen Geräten aus der Sammlerszene.
Vergleich der Master-Chess-Module (1981–1982)
Das Mittelspielmodul „Morphy Edition master chess“ wurde im deutschsprachigen Raum von der Münchner Firma Sandy Electronic unter der Bezeichnung „Sandy Edition master chess“ vertrieben, technisch handelte es sich um identische Programme
| Modul | Erscheinung | Funktion | Speicher | Rechentiefe / Umfang | Besonderheiten | Einführungspreis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gruenfeld Edition master chess openings | 06/1981 | Eröffnungsmodul | 8 KB ROM | ca. 6000 Halbzüge 490 Varianten |
Erstes spezialisiertes Eröffnungsmodul | 298 DM |
| Gruenfeld S Edition master chess openings | 07/1982 | Eröffnungsmodul | 12 KB ROM | ca. 12.500 Halbzüge 600 Varianten |
Erweiterte Variantenbreite und -tiefe | 349 DM |
| Morphy Edition master chess (Sandy Edition master chess) |
1981 | Mittelspielprogramm | 8 KB ROM | Zentrale Suchroutine | Identisches Modul, unterschiedliche Marktbezeichnung |
k. A. |
| Steinitz Edition-4 master chess | 1982 | Mittelspielprogramm | 8 KB ROM | Verbesserte Such- und Bewertungsfunktion | Leistungssteigerung gegenüber Morphy/Sandy | k. A. |
| Capablanca Edition master chess endgame | 05/1981 | Endspielmodul | k. A. | Matt in 6 | Erstes dediziertes Endspielmodul | 398 DM |
| Capablanca S Edition master chess endgame | 03/1982 | Endspielmodul | k. A. | Matt in 13 25 Halbzüge |
Anzeige von Hauptvariante Fernschachstufe 9 |
449 DM |
Bedeutung
Das Master Chess Trio stellte einen frühen Versuch dar, wissensbasierte Komponenten gezielt vom Suchalgorithmus zu trennen. Während viele zeitgenössische Schachcomputer lediglich kleine interne Eröffnungsbibliotheken besaßen, bot Applied Concepts erstmals austauschbare Spezialmodule mit eigenem ROM-Speicher.
Die Erweiterung von 8 KB auf 12 KB im Eröffnungsbereich sowie die gesteigerte Endspiel-Rechentiefe der S-Versionen dokumentierten eine rasche technische Weiterentwicklung innerhalb nur eines Jahres.
Das modulare System nahm konzeptionell spätere Entwicklungen wie getrennte Eröffnungsbücher, Endspieldatenbanken und spezialisierte Analysefunktionen moderner Schachengines vorweg.
Literatur und Quellen
- Hein Veldhuis: Schachcomputer-Datenbank, Einträge 1981–1982 aus der Datenbank von Hein Veldhuis
- Herstellerangaben Applied Concepts (1981–1982)
- Turnierberichte WMCCC 1981
- Master Chess Trio - Gruenfeld/Morphy/Capablanca - CHESS COMPUTER Blog