Capablanca S Edition master chess endgame
Capablanca S Edition master chess endgame war ein erweitertes Endspielmodul der US-amerikanischen Firma Applied Concepts, das 1982 erschien. Der Einführungspreis betrug 449 DM.
Es stellte die verbesserte Version des 1981 erschienenen Capablanca Edition master chess endgame-Moduls dar und gehörte zur modularen „Master Chess“-Reihe für Great Game Machine (GGM), Modular Game System (MGS) und Multi Game System III (MGS III).
Das Modul wurde nach dem kubanischen Schachweltmeister José Raúl Capablanca benannt.
Markteinführung
Die Capablanca S Edition erschien 1982. In den Quellen wurde sie als Neuheit des Frühjahrs 1982 beschrieben; in der Schachcomputer-Dokumentation wurde sie außerdem mit März 1982 datiert.
Sie löste das erste Capablanca-Endspielmodul als komfortablere und etwas leistungsfähigere Nachfolgeversion ab.
Beschreibung
Die Capablanca S Edition wurde als spezialisiertes Endspielmodul für die Mittelspielprogramme Morphy Edition master chess, Sandy Edition master chess und später auch Steinitz Edition-4 master chess konzipiert. Zusammen mit dem Eröffnungsmodul Gruenfeld S Edition master chess openings konnte sie als Bestandteil des sogenannten „Master Chess Trio“ eingesetzt werden.
Wie beim Vorgängermodul wurde der empfohlene Wechsel in das Endspielmodul durch einen Punkt rechts unten im Display signalisiert. Das Mittelspielmodul erkannte anhand der Materialbilanz den Übergang in ein Endspiel und markierte damit den Zeitpunkt für den Modulwechsel.
Äußerlich war die S-Version vom Vorgängermodul nicht zu unterscheiden.
Technische Eigenschaften
Die Capablanca S Edition bot gegenüber dem Vorgängermodul mehrere Erweiterungen und Komfortfunktionen:
- Rechentiefe bis 25 Halbzüge (entspricht Matt in 13)
- Anzeige der aktuellen Rechentiefe
- Anzeige der Stellungsbewertung in Bauerneinheiten
- Anzeige der berechneten Hauptvariante
- zusätzliche Analysestufe 9 (rechnete bis zur manuellen Unterbrechung)
- erweiterte Zugrücknahme (bis zu 16 Züge bzw. 32 Halbzüge)
- Fähigkeit, Nebenlösungen zu finden
- automatische Bauernumwandlung (Standardumwandlung zur Dame)
Die maximale Rechentiefe betrug 25 Halbzüge. In praktischen Turniereinstellungen lag die effektive Rechentiefe bei voller Brettbesetzung jedoch meist nur bei etwa 3 bis 5 Halbzügen und war damit den Mittelspielmodulen vergleichbar. In Endspielen mit stark reduziertem Material konnte sich die effektive Rechentiefe deutlich erhöhen und Werte von etwa 8 bis 12 Halbzügen erreichen.
Die Vorsortierung erfolgversprechender Zugfolgen war gegenüber dem Vorgängermodul verbessert, was sich insbesondere beim Problemlösen in günstigeren Rechenzeiten niederschlug.
Mattsuche und Analyse
Die Capablanca S Edition verfügte wie das Vorgängermodul über spezielle Mattsuchfunktionen, bot jedoch zusätzliche Anzeige- und Analysemöglichkeiten.
Die Analysestufe 9 rechnete ohne feste Zeitbegrenzung weiter, bis die Suche manuell unterbrochen wurde. Dadurch eignete sich das Modul besonders für die Analyse von Endspielstellungen und Mattaufgaben.
Bei Mattproblemen wurden die höchsten Rechentiefen häufig eher erreicht als bei Stellungen mit reinem Materialgewinn. Die Lösungszeiten für längere Mattaufgaben fielen im Vergleich zu älteren Modulen deutlich kürzer aus. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Spielstufen waren bei der Capablanca S Edition dabei vergleichsweise gering; je nach Stellung wurden jedoch in einzelnen Stufen unterschiedliche Lösungszeiten beobachtet.
Eine Einschränkung bestand darin, dass die Capablanca-Module keine Unterverwandlung beherrschten. Dieser Punkt spielte in der Praxis nur selten eine Rolle, war bei speziellen Studien und Mattaufgaben jedoch relevant.
Endspielkompetenz
Die Capablanca S Edition war in erster Linie als Endspielmodul konzipiert. Die elementaren Mattführungen wurden in Turniereinstellung nahezu optimal behandelt und wirkten auch bei kurzen Rechenzeiten insgesamt überzeugend.
Im Vergleich zur ersten Capablanca Edition spielte die S-Version in vielen technischen Endspielen zügiger und exakter, auch wenn in Einzelstellungen weiterhin Unterschiede in beide Richtungen auftraten.
Elementare Endspiele
- Die elementaren Mattführungen wurden zuverlässig beherrscht.
- Die Mattführung mit Läufer und Springer blieb problematisch; zur Verteidigung gegen das Modul war jedoch eine präzise Verteidigung erforderlich.
- Im Endspiel Dame gegen Turm war die schwächere Seite gegen den Computer nur schwer zu halten.
- Komplizierte Gewinnstellungen mit Turm gegen Läufer oder Turm gegen Springer wurden dagegen häufig frühzeitig remis behandelt.
Turmendspiele
Bei Turmendspielen zeigte sich ein differenziertes Bild:
- Die Philidor-Stellung und verwandte Remisstellungen konnten gegen beide Capablanca-Module (Capablanca / Capablanca S) nicht gewonnen werden.
- Gegen SARGON 2.5 und Morphy waren solche Stellungen dagegen gewinnbar.
- Die Lucena-Stellung konnte gegen beide Capablanca-Module remis gehalten werden.
Bauernendspiele
Umfangreiche Tests zeigten, dass die Capablanca S Edition Bauernendspiele in vielen Fällen besser behandelte als andere Schachcomputer ihrer Zeit. Gleichzeitig bestanden auch in relativ einfachen Stellungen weiterhin erkennbare Schwächen.
Typisch war, dass das Modul viele Bauernendspiele bei ausreichender Rechentiefe korrekt behandelte. Aufgrund der in einfachen Stellungen häufig erreichbaren größeren Rechentiefe genügte dafür oft bereits die Turniereinstellung (Stufe 8).
Die Kenntnis des Bergerschen Quadrats war nur teilweise vorhanden. In Stellungen, in denen Fernopposition oder zugeordnete Felder eine Rolle spielten, zeigten die Capablanca-Module mitunter Schwierigkeiten. Allgemein wurden knappe Remisstellungen häufig besser verteidigt als knappe Gewinnstellungen technisch verwertet.
Endspieltests und Beispiele
Die folgenden Teststellungen wurden im Zusammenhang mit den Endspieleigenschaften des Moduls untersucht. Sie zeigen sowohl die Fortschritte als auch die Grenzen der Capablanca S Edition.[1]
König und Bauer gegen König
Die Stellung zur Fernopposition wurde von der Capablanca S Edition als erstes Programm der Vergleichsreihe korrekt behandelt (Stufe 8). Ein weiterer früher Kandidat war der Fidelity Chess Challenger Sensory 9.
Stellung: Weiß: König e1 / Schwarz: König e8, Bauer e7
1. … Ke8-d7 2. Ke1-d2 Kd7-d6 3. Kd2-d3 Kd6-d5 4. Kd3-e3 Kd5-e5
Damit wurde eine bekannte Gewinnstellung erreicht, die von der Capablanca S Edition sicher gewonnen wurde.
Bei vertauschten Farben bzw. geänderter Verteidigung ergaben sich jedoch auch Unterschiede. In der Stellung mit Computer als Weiß spielte das Modul nach 1. Ke1-e2 Ke8-d7 2. Ke2-d2? Kd7-d6 eine schwächere Fortsetzung und überließ Schwarz die Fernopposition. Das ältere Capablanca-Modul behandelte ausgerechnet diese Stellung günstiger und hielt mit 3. Ke2-d3! die Fernopposition.
König und zwei Bauern gegen König und Bauer (Beispiel 1)
Stellung: Weiß: Kg2, Bauern e2 und d3 / Schwarz: Ke3, Bauer b7
1. … b7-b5 2. Kg2-f1 Ke3-d2
Schwarz gewann durch Umwandlung des Bauern. In den unteren Stufen 1 bis 3 erfolgte dagegen häufig 1. … Ke3xe2?, was zum Remis führte.
König und zwei Bauern gegen König und Bauer (Beispiel 2)
Stellung: Weiß: Kd1, Bauern f3 und g4 / Schwarz: Kf4, Bauer e7
1. … e7-e5 2. Kd1-e2 e5-e4
Schwarz hielt die Stellung remis.
In niedrigeren Stufen spielte das Modul dagegen häufig 1. … Kf4xf3? 2. g4-g5, worauf Weiß gewann. In Stufe 7 verlor die Capablanca S Edition die Stellung gelegentlich auf kompliziertere Weise, etwa nach: 1. … e7-e6? 2. Kd1-e2 e6-e5 3. Ke2-f2 Kf4-g5 4. Kf2-e3 Kg5-f6 5. Ke3-e4, wonach Weiß gewann.
König und zwei Bauern gegen König und Bauer (Beispiel 3)
Diese Stellung wurde in Stufe 8 nicht korrekt bewältigt. Die Gewinnführung lautete:
1. Kd5-e6 Kc7-c8 2. c6-c7! Kc8xc7 3. Ke6-e7!
Weiß gewann nach dem Bauernopfer durch Erlangung der horizontalen Nahopposition weiter, etwa mit: 3. … Kc7-c8 4. Ke7-d6 Kc8-b7 5. Kd6-d7 Kb7-b8 6. Kd7-c6 Kb8-a7 7. Kc6-c7 und Weiß gewann.
Vom Beginn der Stellung bis zur Umwandlung ergaben sich hier rund 25 Halbzüge. Solche Stellungen ließen sich mit reiner Baumsuche nur schwer vollständig erfassen.
Einsatzpraxis im modularen System
Die Capablanca S Edition konnte unmittelbar nach dem Eröffnungsmodul Gruenfeld S Edition master chess openings eingesetzt werden. In offenen, taktisch geprägten Stellungen war ein sehr früher Wechsel jedoch nicht immer günstig, da das Modul primär auf Endspiele ausgerichtet war.
Bei geschlossenerem Partieverlauf war ein früherer Einsatz eher möglich. In jedem Fall sollte die Eröffnung weitgehend abgeschlossen sein, bevor in das Endspielmodul gewechselt wurde.
Ein typisches Problem zeigte sich in Eröffnungen mit frühem Abbruch des Eröffnungsbuchs. In der Französischen Abtauschvariante konnte sich das Gruenfeld-Modul bereits nach 3. exd5 abmelden, wodurch die Capablanca S Edition die weitere Eröffnungsbehandlung übernehmen musste. Solche Stellungen behandelte das Endspielmodul positionell nicht zuverlässig.
Das zurückhaltende Verhalten in Initiativtests bestätigte, dass die Capablanca S Edition nicht für die Eröffnungsphase konzipiert worden war.
Kompatibilität
Das Modul war kompatibel mit:
- Sargon 2.5
- Boris 2.5
- Morphy Edition master chess
- Sandy Edition master chess
- Steinitz Edition-4 master chess
- Gruenfeld Edition master chess openings
- Gruenfeld S Edition master chess openings
- Great Game Machine (GGM)
- Modular Game System (MGS)
- Multi Game System III (MGS III)
Nicht kompatibel war es mit Morphy Encore und Sandy Encore.
Upgrade-Version
Unter der Bezeichnung Capablanca Edition master chess endings wurde 1982 eine Umprogrammierung als Upgrade angeboten. Die Umrüstung eines bestehenden Moduls kostete 120 DM.
Bedeutung
Die Capablanca S Edition gehörte zu den technisch und konzeptionell interessantesten Spezialmodulen der frühen 1980er Jahre. Durch erhöhte Rechentiefe, Anzeige von Hauptvariante und Bewertungswerten sowie die Analysestufe 9 näherte sich das Modul funktional stärker spezialisierten Analyseprogrammen an.
Innerhalb des Applied-Concepts-Systems bildete es den Endspielbaustein des modularen „Master Chess“-Konzepts. Die Trennung von Eröffnungsbuch, Mittelspielsuche und Endspielwissen nahm strukturell spätere Architekturen moderner Schachprogramme vorweg.
References
- ↑ Schach dem Computer - Spielen und lernen mit dem Schach-Computer - Ketterling / Schwenker / Weiner (1983) ISBN-13: 978-3442108619 ISBN-10: 3442108616 Wilhelm Goldmann Verlag
Quellen
- Hein Veldhuis: Schachcomputer-Datenbank, Einträge 03-1982 [0948] und [1466]
- Schach dem Computer - Spielen und lernen mit dem Schach-Computer - Ketterling / Schwenker / Weiner (1983) ISBN-13: 978-3442108619 ISBN-10: 3442108616 Wilhelm Goldmann Verlag
- Herstellerangaben Applied Concepts (1982)
- Original-Prospektmaterial
Prospekte
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Capablanca S Anleitung
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Capablanca S Anleitung II
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Modulwechsel
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Prospekt