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'''Toytronic''' war ein Hersteller elektronischer Spielwaren mit Sitz in Kowloon, Hongkong, der in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren kurzzeitig auch elektronische Schachcomputer produzierte. Das Unternehmen ist vor allem für den handlichen Schachcomputer '''"Toytronic Chess Mate"''' bekannt, dessen Software auf einem Programm von Fidelity Electronics, dem [[Fidelity Chess Challenger 10]](A) beruhte. Trotz nur kurzer Aktivität hinterließ Toytronic Spuren in der Geschichte der Schachcomputerentwicklung und gilt als Vorgänger der späteren Marke [[CXG]]. | |||
== Unternehmensgeschichte == | |||
'''Toytronic Ltd.''' wurde '''1979 in Kowloon, Hongkong''', gegründet. Die Firma spezialisierte sich zunächst auf elektronische Spielzeuge und Handheld-Spiele mit integrierten Schaltkreisen. Dazu zählten Sportspiele wie Basketball oder Pinball, Intelligenz- und Musikspiele sowie futuristische Zielspiele wie Filmprojektionspistolen und Lichtgewehre mit Soundeffekten. Am 7. November 1979 meldete das Unternehmen die Marke '''"TOYTRONIC"''' offiziell beim '''US-Patentamt''' an (Seriennummer 238,269), mit erster Nutzung am 9. März 1979. Die internationale Ausrichtung war von Anfang an Teil der Strategie. Vertrieben wurden die Produkte unter anderem in Europa über lokale Partner. | |||
Etwa ab 1979/1980 nahm Toytronic einen tragbaren Schachcomputer in das Sortiment auf. Die Entwicklung basierte auf einem bereits existierenden Design aus Hongkong, das unter verschiedenen Namen vermarktet wurde. Toytronic selbst vertrieb das Gerät als "Toytronic Chess Mate" (u. a. in Frankreich) bzw. "Toytronic Chess Electronics" (in Deutschland). | |||
Rechtsstreitigkeiten über die nicht lizenzierte Nutzung fremder Software sowie die starke Konkurrenz etablierter Marken führten dazu, dass Toytronic sich bereits 1981 aus dem Schachcomputermarkt zurückzog. Die Gründer [[White, Eric|Eric White]] und '''Ken Cohen''' setzten ihre Aktivitäten unter dem neuen Firmennamen '''White & Allcock''' fort, aus dem später '''CXG (Newcrest Technology)''' hervorging. | |||
== Produktspektrum == | |||
Toytronic war ursprünglich kein reiner Schachcomputerhersteller. Das Unternehmen produzierte eine Vielzahl elektronischer Spielzeuge, darunter: | |||
* Handheld-Spiele für Sportarten wie Fußball, Basketball oder Autorennen | |||
* Elektronische Pinball-Geräte | |||
* Intelligenz- und Musikspiele | |||
* Elektronische Zielspiele (z. B. Filmprojektionspistole, Jetpack, Solar Rifle) | |||
Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der US-Markenanmeldung wider. Das Produktsortiment zielte auf ein junges, technikaffines Publikum und kombinierte Spielspaß mit futuristischer Anmutung. | |||
== Toytronic Chess Mate == | |||
Das einzige bekannte Schachcomputer-Modell von Toytronic wurde unter verschiedenen Namen vertrieben, darunter auch als "Cassia Chess Mate" und später (teilweise modifiziert) von Marken wie CXG, Hanimex oder Tandy. Das Gerät zeichnete sich durch ein klappbares Schachbrett, kompakte Bauweise und ein einfaches Tastenfeld aus. | |||
=== Technische Daten === | |||
* '''Prozessor:''' Z80-kompatibler Mostek-Chip mit ca. 4 MHz | |||
* '''RAM:''' 0,5 KB (2 x 256 Byte) | |||
* '''ROM:''' 4 KB | |||
* '''Anzeige:''' 4-stelliges LCD-Display (Koordinatenanzeige) | |||
* '''Eingabe:''' 16-Tasten-Feld (A–H, 1–8, Funktionstasten wie CE, CM, PLAY, TONE) | |||
* '''Stromversorgung:''' Netzteil oder 4 x 1,2 V NiCd-Akkus | |||
* '''Besonderheiten:''' Zwei LEDs für Schach und Matt, klappbares Spielbrett | |||
Das Gerät bot acht Spielstufen mit Zugzeiten zwischen ca. 8 Sekunden und 17 Minuten sowie zwei Sondermodi für Problemschach und Fernschach (Zugdauer bis zu 37 Stunden). | |||
=== Softwarebasis === | |||
Die im Toytronic Chess Mate verwendete Schachsoftware stammt aus der Serie "Fidelity Chess Challenger 10(A)" und wurde ursprünglich von [[Nelson, Ron|Ron Nelson]] programmiert. Toytronic nutzte diese Software offenbar ohne Lizenz, was zu Beschwerden seitens [[Fidelity|Fidelity Electronics]] führte. Laut [[Nelson, Ron|Ron Nelson]] erhielt er nie Lizenzgebühren für diese Programme. Es handelt sich damit um einen nicht autorisierten Softwareklon. Das Programm entsprach technisch dem Stand später 1970er Jahre (geschätzte Spielstärke um 900 Elo). Es beherrschte Grundregeln wie Rochade und en passant, jedoch keine erweiterten Komfortfunktionen. | |||
== Marktverbreitung und Bedeutung == | |||
Das Toytronic-Gerät wurde hauptsächlich in Europa vertrieben. In Nordamerika war keine offizielle Markteinführung vorgesehen, wohl aufgrund der urheberrechtlichen Problematik. Trotz begrenzter Verbreitung diente der "Chess Mate" als technologische Grundlage für weitere Modelle, die in den 1980er-Jahren unter der CXG-Marke auf den Markt kamen. Toytronic selbst blieb ein kurzlebiger Akteur, dessen Bedeutung vor allem in der Initialzündung für spätere Entwicklungen liegt. | |||
== Nachfolge durch CXG == | |||
Nach dem Ausscheiden von Toytronic aus dem Markt gründeten die Verantwortlichen [[1981]] die Firma White & Allcock. Diese wurde später unter dem Markennamen CXG bekannt und entwickelte zahlreiche neue Schachcomputer. CXG arbeitete u. a. mit Fidelity/[[Excalibur]] zusammen und zählte in den 1980er-Jahren zu den führenden Herstellern elektronischer Schachgeräte im Einstiegssegment. | |||
== Einordnung == | |||
Toytronic steht exemplarisch für die frühe Phase des Schachcomputer-Booms um 1980. Als Unternehmen mit Wurzeln in der Spielzeugindustrie versuchte es, ein einfaches, mobiles Schachprodukt für Hobbyspieler zu platzieren. Die Wiederverwendung fremder Software war in dieser Phase nicht ungewöhnlich, wenngleich rechtlich bedenklich. Trotz kurzer Marktpräsenz hinterließ Toytronic durch den "Chess Mate" einen technologischen Fingerabdruck, der in späteren CXG-Modellen weiterlebte. | |||
== Weblinks == | |||
* [https://www.spacious-mind.com/html/toytronic.html Toytronic] by [http://spacious-mind.com The Spacious-Mind] | |||
* [https://www.chessprogramming.org/Cassia_Chess_Mate Cassia Chess Mate] by [https://www.chessprogramming.org Chess Programming Wiki] | |||
* [https://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/click.php?zz=88&id=705 10-1979 A-5970 Toytronic - Chess Electronics] aus der [http://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/ Datenbank von Hein Veldhuis] | |||
* [https://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/click.php?zz=88&id=1618 09-1981 E-1751 Toytronic - Computer Chess] aus der [http://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/ Datenbank von Hein Veldhuis] | |||
* [https://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/click.php?zz=88&id=595 11-1981 B-0196 Toytronic - Sensor Chess Computer] aus der [http://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/ Datenbank von Hein Veldhuis] | |||
== Schachcomputer == | |||
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[[Kategorie:Hersteller]] | [[Kategorie:Hersteller]] | ||
Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 21:05 Uhr
| Toytronic Ltd. | ||
|---|---|---|
| Gründung | 1979 | |
| Auflösung | 1981 | |
| Sitz | Kowloon, Hongkong, Vereinigtes Königreich (bis 1997) | |
Toytronic war ein Hersteller elektronischer Spielwaren mit Sitz in Kowloon, Hongkong, der in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren kurzzeitig auch elektronische Schachcomputer produzierte. Das Unternehmen ist vor allem für den handlichen Schachcomputer "Toytronic Chess Mate" bekannt, dessen Software auf einem Programm von Fidelity Electronics, dem Fidelity Chess Challenger 10(A) beruhte. Trotz nur kurzer Aktivität hinterließ Toytronic Spuren in der Geschichte der Schachcomputerentwicklung und gilt als Vorgänger der späteren Marke CXG.
Unternehmensgeschichte
Toytronic Ltd. wurde 1979 in Kowloon, Hongkong, gegründet. Die Firma spezialisierte sich zunächst auf elektronische Spielzeuge und Handheld-Spiele mit integrierten Schaltkreisen. Dazu zählten Sportspiele wie Basketball oder Pinball, Intelligenz- und Musikspiele sowie futuristische Zielspiele wie Filmprojektionspistolen und Lichtgewehre mit Soundeffekten. Am 7. November 1979 meldete das Unternehmen die Marke "TOYTRONIC" offiziell beim US-Patentamt an (Seriennummer 238,269), mit erster Nutzung am 9. März 1979. Die internationale Ausrichtung war von Anfang an Teil der Strategie. Vertrieben wurden die Produkte unter anderem in Europa über lokale Partner.
Etwa ab 1979/1980 nahm Toytronic einen tragbaren Schachcomputer in das Sortiment auf. Die Entwicklung basierte auf einem bereits existierenden Design aus Hongkong, das unter verschiedenen Namen vermarktet wurde. Toytronic selbst vertrieb das Gerät als "Toytronic Chess Mate" (u. a. in Frankreich) bzw. "Toytronic Chess Electronics" (in Deutschland).
Rechtsstreitigkeiten über die nicht lizenzierte Nutzung fremder Software sowie die starke Konkurrenz etablierter Marken führten dazu, dass Toytronic sich bereits 1981 aus dem Schachcomputermarkt zurückzog. Die Gründer Eric White und Ken Cohen setzten ihre Aktivitäten unter dem neuen Firmennamen White & Allcock fort, aus dem später CXG (Newcrest Technology) hervorging.
Produktspektrum
Toytronic war ursprünglich kein reiner Schachcomputerhersteller. Das Unternehmen produzierte eine Vielzahl elektronischer Spielzeuge, darunter:
- Handheld-Spiele für Sportarten wie Fußball, Basketball oder Autorennen
- Elektronische Pinball-Geräte
- Intelligenz- und Musikspiele
- Elektronische Zielspiele (z. B. Filmprojektionspistole, Jetpack, Solar Rifle)
Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der US-Markenanmeldung wider. Das Produktsortiment zielte auf ein junges, technikaffines Publikum und kombinierte Spielspaß mit futuristischer Anmutung.
Toytronic Chess Mate
Das einzige bekannte Schachcomputer-Modell von Toytronic wurde unter verschiedenen Namen vertrieben, darunter auch als "Cassia Chess Mate" und später (teilweise modifiziert) von Marken wie CXG, Hanimex oder Tandy. Das Gerät zeichnete sich durch ein klappbares Schachbrett, kompakte Bauweise und ein einfaches Tastenfeld aus.
Technische Daten
- Prozessor: Z80-kompatibler Mostek-Chip mit ca. 4 MHz
- RAM: 0,5 KB (2 x 256 Byte)
- ROM: 4 KB
- Anzeige: 4-stelliges LCD-Display (Koordinatenanzeige)
- Eingabe: 16-Tasten-Feld (A–H, 1–8, Funktionstasten wie CE, CM, PLAY, TONE)
- Stromversorgung: Netzteil oder 4 x 1,2 V NiCd-Akkus
- Besonderheiten: Zwei LEDs für Schach und Matt, klappbares Spielbrett
Das Gerät bot acht Spielstufen mit Zugzeiten zwischen ca. 8 Sekunden und 17 Minuten sowie zwei Sondermodi für Problemschach und Fernschach (Zugdauer bis zu 37 Stunden).
Softwarebasis
Die im Toytronic Chess Mate verwendete Schachsoftware stammt aus der Serie "Fidelity Chess Challenger 10(A)" und wurde ursprünglich von Ron Nelson programmiert. Toytronic nutzte diese Software offenbar ohne Lizenz, was zu Beschwerden seitens Fidelity Electronics führte. Laut Ron Nelson erhielt er nie Lizenzgebühren für diese Programme. Es handelt sich damit um einen nicht autorisierten Softwareklon. Das Programm entsprach technisch dem Stand später 1970er Jahre (geschätzte Spielstärke um 900 Elo). Es beherrschte Grundregeln wie Rochade und en passant, jedoch keine erweiterten Komfortfunktionen.
Marktverbreitung und Bedeutung
Das Toytronic-Gerät wurde hauptsächlich in Europa vertrieben. In Nordamerika war keine offizielle Markteinführung vorgesehen, wohl aufgrund der urheberrechtlichen Problematik. Trotz begrenzter Verbreitung diente der "Chess Mate" als technologische Grundlage für weitere Modelle, die in den 1980er-Jahren unter der CXG-Marke auf den Markt kamen. Toytronic selbst blieb ein kurzlebiger Akteur, dessen Bedeutung vor allem in der Initialzündung für spätere Entwicklungen liegt.
Nachfolge durch CXG
Nach dem Ausscheiden von Toytronic aus dem Markt gründeten die Verantwortlichen 1981 die Firma White & Allcock. Diese wurde später unter dem Markennamen CXG bekannt und entwickelte zahlreiche neue Schachcomputer. CXG arbeitete u. a. mit Fidelity/Excalibur zusammen und zählte in den 1980er-Jahren zu den führenden Herstellern elektronischer Schachgeräte im Einstiegssegment.
Einordnung
Toytronic steht exemplarisch für die frühe Phase des Schachcomputer-Booms um 1980. Als Unternehmen mit Wurzeln in der Spielzeugindustrie versuchte es, ein einfaches, mobiles Schachprodukt für Hobbyspieler zu platzieren. Die Wiederverwendung fremder Software war in dieser Phase nicht ungewöhnlich, wenngleich rechtlich bedenklich. Trotz kurzer Marktpräsenz hinterließ Toytronic durch den "Chess Mate" einen technologischen Fingerabdruck, der in späteren CXG-Modellen weiterlebte.
Weblinks
- Toytronic by The Spacious-Mind
- Cassia Chess Mate by Chess Programming Wiki
- 10-1979 A-5970 Toytronic - Chess Electronics aus der Datenbank von Hein Veldhuis
- 09-1981 E-1751 Toytronic - Computer Chess aus der Datenbank von Hein Veldhuis
- 11-1981 B-0196 Toytronic - Sensor Chess Computer aus der Datenbank von Hein Veldhuis
