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2. WMCCC Travemünde 1981

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Die 2. Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft (engl. 2nd World Microcomputer Chess Championship, kurz WMCCC 1981) fand vom 21. bis 27. September 1981 im Salon Timmendorf des Maritim-Hotels in Travemünde statt. Die beiden abschließenden Stichkampf-Runden wurden am 28. und 29. September 1981 in Hamburg ausgetragen.

Das Turnier stand unter der Schirmherrschaft der ICCA (International Computer Chess Association) und der FIDE. Als offizieller Turnierleiter/Hauptschiedsrichter fungierte Horst Metzing (Deutscher Schachbund). Sponsor war die Horten AG (Düsseldorf), die zu jener Zeit auch als wichtiger Distributor im Schachcomputer-Markt auftrat und dem damaligen Zeitpunkt primären Novag-Vertreter in Deutschland..

Die Turnier-Organisatoren waren Gerhard Piel, Architekt und Sammler von Schachcomputern, Frederic Friedel (Wissenschaftsjournalist) und Dieter Steinwender (Informatiker). Die ICCA zusammen mit der FIDE sanktionierten das Turnier als eine Weltmeisterschaft, ICCA Beobachter waren Ben Mittman und Ken Thompson.

Hintergrund

Die WMCCC 1981 wurde in einer Phase ausgetragen, in der Schachcomputer bereits ein breites Massenpublikum erreichten und das Weihnachtsgeschäft als entscheidender Absatzmotor galt. Zeitgenössische Berichte betonen, dass es nicht nur um sportliches Prestige, sondern auch um erhebliche kommerzielle Interessen ging – entsprechend hart wurde um Startplätze, Regeln und Außendarstellung gerungen.

Turniermodus und Regeln

Das Turnier wurde in zwei Gruppen ausgetragen:

  1. Offene Gruppe (auch: Experimental-Gruppe) – experimentelle Programme/Prototypen.
  2. Kommerzielle Gruppe – Geräte, die zum Zeitpunkt der Veranstaltung im Handel erhältlich waren bzw. als seriennah bewertet wurden (Auswahl durch Organisationskomitee).

Paarungssystem

  • Offene Gruppe: Schweizer System
  • Kommerzielle Gruppe: Doppelrundenturnier (jeder gegen jeden, zweimal)

Bedenkzeit

Die Bedenkzeit entsprach dem damals üblichen Turnierstandard:

  • 40 Züge in 2 Stunden, danach 20 Züge je weitere Stunde

Bedienung der Systeme („Betreuer“-Regel)

Vor jeder Partie durfte der jeweilige Betreuer/Autor bestimmte zulässige Parameter (z. B. Spielstufe, Eröffnungswahl, Remis-Angebot u. ä.) einstellen, während der Partie sollte die Rolle passiv bleiben und sich auf das Eingeben der Züge beschränken.

Stichkampf um den Gesamtsieg

Zur Kür des „Weltmeisters“ wurde ein Stichkampf zwischen den jeweiligen Gruppensiegern angesetzt (Austragung in Hamburg). Der zeitgenössische Bericht nennt als Endergebnis einen klaren Sieg des Siegers der offenen Gruppe gegen den kommerziellen Champion.

Kontroversen und Zwischenfälle

Ausschluss des deutschen „Mephisto ESB II“

Ein zentraler Konfliktpunkt war die Nichtzulassung des deutschen Schachcomputers Mephisto ESB II (Hegener + Glaser), die in letzter Minute und mit als fadenscheinig empfundenen Begründungen erfolgte. Als offizieller Grund wurde im Zusammenhang mit der Pressekommunikation genannt, dass das Gerätnoch nicht regulär im Markt verfügbar gewesen sei (geplanter Marktstart erst im November 1981), weshalb eine Teilnahme in der kommerziellen Gruppe nicht möglich sei.

Ausfall/Probleme bei Systemen

Das MGS III (Applied Concepts) wurde aufgrund eines Softwarefehlers frühzeitig beeinträchtigt bzw. aus dem Rennen genommen. Zudem erfolgte ein offizieller Rückzug von Applied Concepts aus dem Turnierverlauf.

Ergebnisse

Offene Gruppe (Experimental-Programme)

P Player Score SB F P N P L C S A
1 Fidelity X 6.0 / 7 17.50 X 1 1 0 1 1 1 1
2 Princhess 2.9 5.0 / 7 12.50 0 X 0 1 1 1 1 1
3 Novag X 4.5 / 7 14.25 0 1 X 1 = 0 1 1
4 Philidor X 4.5 / 7 13.00 1 0 0 X 1 = 1 1
5 LogiChess 2.1 2.5 / 7 5.75 0 0 = 0 X = = 1
6 Conic X 2.0 / 7 8.00 0 0 1 = = X 0 0
7 SciSys X 2.0 / 7 4.00 0 0 0 0 = 1 X =
8 Applied Concepts X 1.5 / 7 3.00 0 0 0 0 0 1 = X
28 games: +15 =5 -8

Interaktive Partieanalyse

Kommerzielle Gruppe

P Player Score SB Ches Cham Sava Grün
1 Chess Champion Mark V 8.5 / 12 41.25 XXXX 0=01 =111 =111
2 Champion Sensory Challenger 6.5 / 12 37.75 1=10 XXXX 100= 011=
3 Savant 6.0 / 12 29.50 =000 011= XXXX 1011
4 Grünfeld/Morphy/Capablanca 3.0 / 12 20.00 =000 100= 0100 XXXX
24 games: +10 =5 -9

Interaktive Partieanalyse

Stichkampf (Playoff) / Gesamtentscheidung

P Player Score SB 123
1 Fidelity X 3.0 / 3 0.00 111
2 Chess Champion Mark V 0.0 / 3 0.00 000
3 games: +3 =0 -0

Interaktive Partieanalyse

Technische Daten ausgewählter Experimental-Systeme

Programm / Hersteller Programmierer Plattform (CPU / Rechner) RAM (KB) ROM (KB) Takt (MHz)
Fidelity Experimental (Electronics, USA) Dr. Kathe & Dr. Dan Spracklen 6502 16 4 4
Princhess 2.9 (privat, Schweden) Ulf Rathsman 6502 / Commodore CBM 3032 22 3 1
Novag Experimental (Novag, HK) David L. Kittinger Z80B 24 7
Philidor Exp. (Philidor Software, UK) Broughton, O’Connell, Levy Z80A / Osborne 01 32 16 4
LogiChess 2.1 (privat, Dänemark) Kaare Danielsen Z80A / NASCOM-2 18 10 4
Conic Experimental (Conic, HK) Stephen Chen Z80A 4
SciSys Experimental (SciSys, HK) David Levy u. a. Z80A 28 2
Applied Concepts Exp. (USA) Larry Atkin, John Aker 6502 32 4

Zeitgenössische Einordnung

Die WMCCC 1981 diente nicht nur als sportlicher Wettkampf, sondern auch als Gradmesser für Marktreife und als Bühne für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Neben den Partien selbst prägten insbesondere die Diskussionen um Zulassungsvoraussetzungen, technische Prüfungen und „seriennahe“ Kriterien das Bild der Veranstaltung.

Weblinks

siehe auch


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