16-Bit-Ära des dedizierten Computerschachs
| 16-Bit-Ära des dedizierten Computerschachs | ||
|---|---|---|
| Zeitraum | 1985–1992 | |
| Architektur | 16-Bit Mikroprozessoren (68000, 68020 u.a.) | |
| Hauptakteure | Fidelity, Applied Concepts, Novag, Hegener + Glaser, Saitek | |
Die 16-Bit-Ära des dedizierten Computerschachs bezeichnet die Phase von etwa 1985 bis Anfang der 1990er Jahre, in der leistungsfähige 16-Bit-Prozessoren die bis dahin dominierenden 8-Bit-Systeme ablösten.
Diese Epoche war geprägt von einem deutlichen Anstieg der Rechentiefe, komplexeren Bewertungsfunktionen und einer Annäherung an Meisterspielstärke im Heimsegment.
Technologischer Hintergrund
Typische Prozessoren:
- Motorola 68000
- Motorola 68020
- spätere Varianten mit 68030
Typische Hardwareparameter:
- 8–32 MHz Taktfrequenz
- 32–256 KB RAM (und mehr)
- 64–256 KB ROM
- häufig Sensorbretter in Holzgehäusen
- teilweise externe Modul- oder Speichererweiterungen
Im Vergleich zur 8-Bit-Ära bedeutete dies:
- deutlich größere Hash-Tabellen
- tiefere stabile Suche
- komplexere Positionsbewertung
Phase 1: Der Leistungssprung (1985–1987)
Mit der Einführung 16-Bit-basierter Geräte, insbesondere durch Hegener + Glaser (Mephisto), verschob sich das Leistungsniveau deutlich.
Merkmale:
- Rechentiefe 8–12 Halbzüge stabil
- verbesserte Endspielbehandlung
- selektive Suche mit Erweiterungen
- ausgeprägte Zeitverwaltung
Turniergeräte dieser Phase erreichten bereits Spielstärken im Bereich starker Vereinsspieler.
Phase 2: Meisterklasse im Heimgerät (1988–1990)
In dieser Phase näherten sich dedizierte Geräte nationaler Meisterstärke.
Entwicklungen:
- aggressive Sucherweiterungen
- ausgefeilte Bauernstrukturbewertung
- bessere Königssicherheitsevaluierung
- differenzierte Figurenkoordination
Erstmals konnten Heimgeräte internationale Meister gefährden.
Marktveränderung
Gleichzeitig veränderte sich das Umfeld grundlegend:
- leistungsfähige Personal Computer (IBM-kompatibel, Atari ST, Amiga)
- Schachprogramme für Universalrechner
- Preisverfall bei PC-Hardware
Dedizierte Geräte mussten sich nun gegen universelle Systeme behaupten.
Technische Entwicklung in Zahlen
| Jahr | Typische CPU | RAM | Rechentiefe |
|---|---|---|---|
| 1985 | 68000 (8 MHz) | 32 KB | 8–10 Halbzüge |
| 1987 | 68000 (12–16 MHz) | 64 KB | 10–14 Halbzüge |
| 1989 | 68020 | 128 KB+ | 12–18 Halbzüge |
| 1990–92 | 68020/68030 | 256 KB+ | 15–20+ Halbzüge |
Ende der dedizierten Dominanz
Anfang der 1990er Jahre verloren dedizierte Geräte zunehmend Marktanteile an PC-Programme.
Mit dem Aufkommen schneller Desktop-Rechner war die Ära der spezialisierten Schachcomputer als dominierende Plattform beendet.
Historische Bedeutung
Die 16-Bit-Ära markiert:
- den Höhepunkt dedizierter Turniersysteme
- die Professionalisierung der Bewertungsalgorithmen
- den Übergang vom Hobbygerät zum ernsthaften Trainingsinstrument
Sie bildet die Brücke zwischen der Pionierzeit der Mikroprozessoren und der modernen PC-Schachära.