Gruenfeld Edition master chess openings
Gruenfeld Edition master chess openings war ein Eröffnungsmodul der US-amerikanischen Firma Applied Concepts, das 1981 erschien. Es zählte zu den frühen spezialisierten Eröffnungsbibliotheken für Schachcomputer und wurde für die modulare Schachcomputerplattform des Herstellers entwickelt. Der Einführungspreis betrug 298 DM.
Das Modul wurde nach dem österreichischen Großmeister Ernst Grünfeld benannt.
Markteinführung
Die Gruenfeld Edition erschien 1981. Sie gehörte zur modularen „Master Chess“-Reihe von Applied Concepts und wurde als Eröffnungsmodul in Kombination mit einem Mittelspiel- und einem Endspielmodul konzipiert.
Beschreibung
Die Gruenfeld Edition wurde für die Systeme Great Game Machine (GGM), Modular Game System (MGS) sowie Multi Game System III (MGS III) angeboten. Das Modul richtete sich an ambitionierte Anwender, die die Eröffnungsbehandlung ihres Schachcomputers gezielt verbessern wollten.
Anfang der 1980er Jahre entstand erstmals ein Markt für spezialisierte Eröffnungsbibliotheken für Schachcomputer. Zeitgleich erschienen unter anderem die Module CB 9 und CB 16 von Fidelity. Die Gruenfeld Edition gehörte damit zu den frühesten kommerziell verfügbaren Eröffnungsmodulen.
Ursprünglich wurde das Modul für den Einsatz mit dem Programm Morphy Edition master chess konzipiert. Zusammen mit dem Mittelspielprogramm Morphy und dem Endspielmodul Capablanca Edition master chess endgame konnte es als Teil des sogenannten „Master Chess Trio“ verwendet werden, bei dem Eröffnungs-, Mittelspiel- und Endspielwissen modular getrennt bereitgestellt wurden.
Das Eröffnungsbuch führte den Rechner möglichst lange innerhalb vorbereiteter theoretischer Linien, bevor die eigentliche Suchroutine des Spielprogramms die Partie übernahm. War der Buchbereich verlassen, arbeitete das jeweilige Spielprogramm autonom weiter.
Das Trio aus Gruenfeld-, Morphy- und Capablanca-Modul wurde 1981 bei der 2. Weltmeisterschaft im Computerschach (WMCCC) eingesetzt, zog jedoch aufgrund technischer Probleme vorzeitig zurück.
Technische Daten
- Speicherkapazität: 8 KB ROM
- Eröffnungssysteme: 28
- Varianten: ca. 490
- Umfang: je nach Zählweise ca. 6000 bis rund 7500 Buchzüge (Halbzüge)
- Minimale Variantentiefe: 8 Halbzüge
- Maximale Variantentiefe: 42 Halbzüge
Inhalt und Konzeption
Das Modul enthielt eine für die damalige Zeit umfangreiche Sammlung an Eröffnungsvarianten. Die Variantenauswahl orientierte sich an der zeitgenössischen Turnierpraxis und umfasste offene, halboffene sowie geschlossene Eröffnungen.
Die Zusammenstellung der Eröffnungsdaten wurde dem US-amerikanischen FIDE-Meister John Jacobs zugeschrieben, der in den frühen 1980er Jahren als Schachberater für Applied Concepts tätig war. Jacobs war mehrfacher Meister der Texas Chess Association und brachte praktische Turniererfahrung in die Auswahl und Gewichtung der Varianten ein.
Das Repertoire des Moduls umfasste rund 490 Varianten aus 28 Eröffnungen und reichte in der Spitze bis etwa 20 Züge tief. Viele Varianten waren jedoch deutlich kürzer und endeten bereits nach 6 bis 8 Zügen. Trotz dieser Begrenzung war das Repertoire gegenüber den integrierten Eröffnungsbibliotheken von Morphy beziehungsweise Sandy um ein Vielfaches größer und bot einen gerafften Querschnitt durch die damalige Eröffnungstheorie.
Im Vergleich zum integrierten Eröffnungsbuch von Morphy bzw. SARGON 2.5 stellte die Gruenfeld Edition damit eine deutliche Erweiterung dar. Während die integrierten Bücher nur einen kleinen Bestand kurzer Varianten abdeckten, ermöglichte das Modul eine wesentlich längere Führung durch vorbereitete Theorie.
Bedienung und Ablauf im Eröffnungsmodus
Das Modul führte den Rechner innerhalb der gespeicherten Varianten möglichst lange im Eröffnungsmodus. War das Ende einer gespeicherten Variante erreicht, erschien die Meldung „END OF BOOK“. Wurde danach weitergespielt, zeigte das Gerät blinkend „MID GAME“ an. Damit war der Übergang in den Mittelspielbetrieb erreicht und es wurde das Mittelspielmodul (Morphy bzw. Sandy) eingesetzt.
Im Unterschied zu den integrierten Eröffnungsbibliotheken der Hauptmodule konnten beim Gruenfeld-Modul Varianten mit der Taste B/W abgefragt werden. Mit der Funktion RESTORE war es außerdem möglich, innerhalb der Eröffnungsvariante bis zu drei Züge zurückzugehen.
Der Modulwechsel erfolgte beim MGS/MGS III über die Speicherstellung (MEM), so dass die aktuelle Stellung im RAM erhalten blieb, während das ROM-Modul ausgetauscht wurde. Dieses Verfahren konnte später beim Übergang in das Endspielmodul erneut angewendet werden.
Kompatibilität
Das Modul war kompatibel mit:
- Sargon 2.5
- Boris 2.5
- Morphy Edition master chess
- Sandy Edition master chess
- Steinitz Edition-4 master chess
- Capablanca Edition master chess endgame
- Capablanca S Edition master chess endgame
- Modular Game System (MGS)
- Multi Game System III (MGS III)
- Great Game Machine (GGM)
Nicht kompatibel war es mit Morphy Encore und Sandy Encore.
Die Gruenfeld Edition war damit nicht nur ein Zubehörmodul, sondern Bestandteil eines frühen, wissensbasierten Gesamtsystems, das versuchte, menschliche Vorbereitungsmethoden, insbesondere die strukturierte Eröffnungsanalyse, auf elektronische Spielsysteme zu übertragen.
Weiterentwicklung
Eine überarbeitete Version erschien später unter der Bezeichnung Gruenfeld S Edition master chess openings. Diese bot einen auf über 12.000 Halbzüge erweiterten Eröffnungsumfang sowie eine im Durchschnitt größere Variantentiefe. Äußerlich waren beide Modulversionen nicht unterscheidbar.
Bedeutung
Die Gruenfeld Edition dokumentierte den Übergang von rein berechnungsbasierter Spielstärke hin zu wissensbasierten Konzepten im Computerschach. Durch den Einsatz vorbereiteter Eröffnungsbibliotheken konnten Schachcomputer ihre begrenzten Rechenressourcen effizienter nutzen und bereits in der Anfangsphase theoretisch fundierte Stellungen erreichen.
Das Modul stellte innerhalb des Applied-Concepts-Systems den Eröffnungsbaustein des später sogenannten „Master Chess Trio“ dar. Die funktionale Trennung von Eröffnungswissen, Mittelspielberechnung und Endspielwissen war ein früher modularer Ansatz, der spätere Spezialisierungen in Schachsoftware konzeptionell vorwegnahm.
Quellen
- Hein Veldhuis: Schachcomputer-Datenbank, Eintrag 06-1981 [6458]
- ChessProgramming Wiki (Archivversion): „Morphy“ (Abschnitt Gruenfeld), Webarchiv 12. Juli 2018
- ChessProgramming Wiki (Archivversion): „John Jacobs“, Webarchiv 13. Juli 2018
- Herstellerangaben Applied Concepts (1981)