Lexibook 425 XLight: Unterschied zwischen den Versionen
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| Titel = Lexibook 425 XLight | | Titel = Lexibook 425 XLight | ||
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| BT-2630 = | | BT-2630 = | ||
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| Display = --- | | Display = --- | ||
| Spielstufen = 64, 4 Spielstile: normal, aggressiv, defensiv, zufällig | | Spielstufen = 64, 4 Spielstile: normal, aggressiv, defensiv, zufällig | ||
| Maße = 26 | | Zugeingabe = Drucksensoren (druckempfindliche Felder) | ||
| Sonstiges = | | Zugausgabe = 64 LEDs (Feld-/Zuganzeige) | ||
| Stromversorgung = 4× AA (LR6) oder Netzteil 9 V / 300 mA (Pluspol innen) | |||
| Maße = ca. 26,5 × 4,6 cm (Angaben je nach Quelle/Variante abweichend) | |||
| Gewicht = ca. 0,78 kg | |||
| Verwandt = [[Yeno 540 XT]] (Programm-/Gerätefamilie), diverse Klone/Varianten | |||
| Sonstiges = <br> | |||
* beleuchtete Felder bzw. Figuren | * beleuchtete Felder bzw. Figuren | ||
* Tuning bis 12 MHz durch Quarz Tausch möglich | * Tuning bis 12 MHz durch Quarz Tausch möglich | ||
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'''Lexibook 425 XLight''' ist ein elektronischer Schachcomputer aus dem späten Massenmarkt-Zeitalter der 1990er Jahre: leicht, preisgünstig, robust, und konsequent auf „Wohnzimmer-Schach“ statt Turnierambitionen ausgelegt. Markant sind die '''transparenten Figuren''' und die '''64 Leuchtdioden''' zur Zugführung, die dem Gerät seinen „Light“-Charakter geben. Als Kern arbeitet ein kompakter 4-KB-Schachkern aus der Programmlinie von [[Danielsen, Kaare|Kaare Danielsen]], der in sehr vielen Brett- und Reiseschachcomputern dieser Klasse wiederverwendet wurde. | |||
== Historische Einordnung == | |||
Der 425 XLight erschien [[1999]] in einer Phase, in der dedizierte Schachcomputer längst nicht mehr die Speerspitze der Computerschach-Entwicklung darstellten. PCs konnten zu dieser Zeit bereits sehr starke Engines ausführen; dennoch blieb ein Markt für eigenständige Bretter bestehen, als '''Geschenkartikel''', '''Lernspiel''' oder „immer-bereites“ Gerät ohne Installationsaufwand. | |||
Der Lexibook 425 XLight steht prototypisch für diese Gattung: Er bietet viele Spielstufen und Spielstile, setzt auf eine einfache Bedienlogik mit Drucksensoren und LED-Führung und bleibt dabei in Hardware und Speicher (ROM 4 KB) extrem knapp dimensioniert. Genau diese Knappheit prägt sein Spiel: eher taktisch-pragmatisch, mit typischen Vereinfachungen eines 4-KB-Programms. | |||
== Technik und Ausstattung == | |||
=== Hardware === | |||
* '''CPU''': Motorola SC 551010 P, ab Werk '''2 MHz'''. | |||
* '''ROM''': 4 KB (typisch für die Danielsen-„4K“-Klasse). | |||
* '''Eingabe''': Drucksensorbrett (Zug wird durch Druck auf Start- und Zielfeld registriert). | |||
* '''Ausgabe''': 64 LEDs, die Felder/Wege/Bestätigung anzeigen. | |||
* '''Strom''': 4× AA oder Netzteil '''9 V / 300 mA''' (Pluspol innen). | |||
Das Bedienprinzip entspricht vielen Brettern dieser Zeit: Man drückt das Ausgangsfeld (kleiner „Jingle“/Signal), dann das Zielfeld (Bestätigungston). Zu starkes Drücken wird im Handbuch ausdrücklich als potenziell schädlich für die Sensorik beschrieben. | |||
=== Eröffnungsbuch und Speicherverhalten === | |||
Das hat eine kleine '''Eröffnungsbibliothek''' mit 20 Positionen. Außerdem wird die '''Stellung beim Ausschalten im Speicher gehalten''' (praktisch: Partie am Küchentisch unterbrechen, später fortsetzen), wobei beim Start einer neuen Partie „NEW GAME“ zu drücken ist. | |||
== Spielstufen und Spielstile == | |||
Der 425 XLight bietet '''64 Spielstufen''' und mehrere '''Spielstile''' (normal/aggressiv/defensiv/zufällig). Der Sinn dieser Modi ist weniger „mehr Elo“, sondern eine Variation der Bewertungsgewichtung: Aggressiv bevorzugt häufiger Initiative und direkte Taktik, defensiv vermeidet eher Risiken, zufällig bricht Wiederholungen auf und macht das Gerät „unberechenbarer“, allerdings nicht zwingend stärker. | |||
== Spielstufen == | |||
Das Gerät verfügt über 64 Spielstufen, die sich aus 16 Zeitmodi in vier verschiedenen Spielstilen zusammensetzen. | |||
{| class="wikitable sortable" style="text-align:center;" | |||
! Niveau !! Antwortzeit pro Zug !! Normal !! Aggressiv !! Defensiv !! Aleatoire | |||
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| 1 || Debutant 1 || A1 || C1 || E1 || G1 | |||
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| 2 || Debutant 2 || A2 || C2 || E2 || G2 | |||
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| 3 || Debutant 3 || A3 || C3 || E3 || G3 | |||
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| 4 || Debutant 4 || A4 || C4 || E4 || G4 | |||
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| 5 || Debutant 5 || A5 || C5 || E5 || G5 | |||
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| 6 || 5 Sekunden || A6 || C6 || E6 || G6 | |||
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| 7 || 10 Sekunden || A7 || C7 || E7 || G7 | |||
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| 8 || 30 Sekunden || A8 || C8 || E8 || G8 | |||
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| 9 || 1 Minute || B1 || D1 || F1 || H1 | |||
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| 10 || 3 Minuten || B2 || D2 || F2 || H2 | |||
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| 11 || 10 Minuten || B3 || D3 || F3 || H3 | |||
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| 12 || 30 Minuten || B4 || D4 || F4 || H4 | |||
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| 13 || 2 Stunden || B5 || D5 || F5 || H5 | |||
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| 14 || 24 Stunden || B6 || D6 || F6 || H6 | |||
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| 15 || Matt-Suchmodus || B7 || D7 || F7 || H7 | |||
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| 0 || Multi Move || B8 || D8 || F8 || H8 | |||
|} | |||
== Spielstärke == | |||
Die Spielstärke hängt bei solchen Geräten extrem vom gewählten Level (Bedenkzeit/Selektivität), von Messmethode und Gegnerprofil ab. In Sammler- und Testlisten wird der 425 XLight oft als Gerät für '''Gelegenheitsspieler''' eingeordnet; Schätzungen bewegen sich um '''~1400 Elo''', wobei solche Angaben nicht mit Turnier-Elo gleichzusetzen sind und stark streuen können. | |||
== Spielcharakteristik == | |||
Das 4-KB-Programm des 425 XLight zeigt typische Merkmale kompakter Danielsen-Programme dieser Generation. Die Bewertungsfunktion ist stark materialorientiert und arbeitet mit vergleichsweise einfacher Positionsbeurteilung. Daraus ergeben sich charakteristische Spielmuster: | |||
* '''Frühe Figurenaktivität''': Das Programm sucht häufig rasch nach direkten Drohungen und entwickelt Figuren mit klar taktischer Zielsetzung. | |||
* '''Damenmanöver''': In offenen Stellungen kommt es nicht selten zu frühen Damenaktionen, da das Programm kurzfristige Materialgewinne höher bewertet als langfristige strukturelle Faktoren. | |||
* '''Vereinfachungsneigung''': Bei Materialvorteil strebt das Gerät konsequent Abtausch an, selbst wenn dadurch dynamische Möglichkeiten verloren gehen. | |||
* '''Endspielgrenzen''': In technisch anspruchsvollen Endspielen (z. B. Turmendspiele oder komplexe Bauernendspiele) zeigen sich die Speicher- und Rechentiefenbegrenzungen deutlich. Elementare Mattführungen werden zuverlässig beherrscht, subtilere Zugzwangkonstellationen jedoch nicht immer korrekt behandelt. | |||
* '''Taktische Empfindlichkeit''': In geschlossenen oder strategisch ruhigen Stellungen sinkt die Spielqualität spürbar, während das Gerät in offenen, taktischen Positionen vergleichsweise „lebendig“ agiert. | |||
Insgesamt eignet sich der 425 XLight vor allem für Einsteiger und Gelegenheitsspieler, die ein direkt reagierendes, unkompliziertes Spielverhalten bevorzugen. | |||
== Tuning und Sammler-Aspekte == | |||
Ein kurioser Reiz des Lexibook 425 XLight liegt in seiner Tuning-Freundlichkeit: Der Takt '''durch Quarztausch''' lässt sich deutlich erhöhen (bis etwa '''12 MHz'''). Dadurch steigt zwar die Rechengeschwindigkeit spürbar, aber nicht jede Partie wird „dramatisch besser“: 4 KB Programm bleibt 4 KB Programm, das Tuning macht vor allem aus Wartezeit schnellere Züge und erhöht die Chance, dass das Gerät in taktischen Sequenzen tiefer rechnet. | |||
== Verwandte Geräte, Varianten und Klone == | |||
Der 425 XLight gehört zu einer größeren Familie äußerlich ähnlicher LED-Brettgeräte, die unter verschiedenen Marken/Bezeichnungen vertrieben wurden. In Übersichten wird er unter anderem in einer Gruppe von Klonen/nah verwandten Geräten geführt (u. a. Lexibook/Yeno Travel-Modelle und optisch ähnliche „Glass/Light“-Bretter). | |||
Eine sehr nahe (spätere) Produktidee ist das als „ChessLight“ bezeichnete Lexibook-Brett: ebenfalls transparentes Design, LED-Felder, Drucksensorik und sehr ähnliche Bedienlogik; teilweise werden sogar identische oder eng verwandte Handbücher genannt. | |||
== Rezeption == | |||
Unter Sammlern ist der 425 XLight weniger wegen überragender Spielstärke interessant, sondern wegen: | |||
* der charakteristischen Optik (LED-Brett + transparente Figuren), | |||
* des extrem kleinen Programmspeichers als „4-KB-Zeitkapsel“, | |||
* der Tuning-Möglichkeit (Quarztausch) als Bastelprojekt, | |||
* und als Vertreter der späten Massenmarkt-Schachcomputer der 1990er Jahre. | |||
== Beispielpartie des getunten 10 MHz Gerätes == | |||
<pgn> | <pgn> | ||
[Event "Oldie Turnier"] | [Event "Oldie Turnier"] | ||
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46. Rh3 f5 47. Rh7+ Ke6 48. Rh6+ 0-1 | 46. Rh3 f5 47. Rh7+ Ke6 48. Rh6+ 0-1 | ||
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== Bilder '''C Pictures by''' Thorsten Czub == | |||
'''C Pictures by''' Thorsten Czub | <gallery style="text-align:left" widths="300" heights="200" mode="packed"> | ||
Bild:Lexibook_1.jpg|Platine | |||
Bild:Lexibook_4.jpg|Original 2 MHz Quarz | |||
< | </gallery> | ||
[[Kategorie:Schachcomputer]] | [[Kategorie:Schachcomputer]] | ||
[[Kategorie:Lexibook]] | [[Kategorie:Lexibook]] | ||
[[Kategorie:Danielsen, Kaare]] | [[Kategorie:Danielsen, Kaare]] | ||
Version vom 20. Februar 2026, 21:43 Uhr
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