Modular Game System: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 19. Februar 2026, 22:57 Uhr
Das Modular Game System (MGS) aus dem Jahr 1979 war ein modulares Spielcomputersystem des US-Herstellers Applied Concepts, das Ende 1979 von der US-Firma Chafitz Inc. erstmals auf dem Markt eingeführt wurde.
Es war baugleich mit der später unter dem Namen vermarkteten Great Game Machine (GGM) von Applied Concepts. Das System gehörte zu den frühesten kommerziell verfügbaren Spielplattformen, bei denen ein konsequentes Modulkonzept mit austauschbaren ROM-Programmen umgesetzt wurde.
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Modular Game System mit Sargon 2.5 Modul
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Great Game Machine mit Steinitz Modul
Picture by Michael Watters - chesscomputeruk.com
Entwicklung und Konzept
Entworfen wurde das System von John Aker (Elektronik) und Alan Mead. Die Herstellung erfolgte durch Applied Concepts.
Das MGS war als universelle Spielplattform konzipiert. Im Zentrum stand eine Basiseinheit mit Prozessor, Anzeige und Tastatur, während die eigentlichen Spielprogramme in Form von austauschbaren ROM-Modulen vorlagen. Dadurch konnten neue Programme ohne Neukauf des Grundgeräts genutzt werden.
Ein wesentliches Merkmal war, dass die Module nicht nur zwischen den Partien, sondern auch während einer laufenden Partie gewechselt werden konnten. Über eine Speicherstellung („Memory“) blieb die aktuelle Stellung im RAM erhalten, während das ROM-Modul ausgetauscht wurde.
Dieses Konzept war seiner Zeit voraus, blieb jedoch wegen hoher Kosten und der relativ umständlichen Bedienung ein Nischenprodukt.
Vertriebsgeschichte
Das Modular Game System wurde ab Januar 1979 eingeführt.
Die Vermarktung erfolgte über:
- Chafitz (USA)
- Sandy Electronic (Deutschland / Europa)
- France double R (zeitweise mit Exklusivrechten in Frankreich)
Chafitz Inc. besaß die alleinigen Vertriebs- und Vermarktungsrechte am Modular Game System.
Sargon 2.5 und Boris 2.5
Das erste Schachmodul für das MGS war das Programm Sargon 2.5, geschrieben von Dan und Kathe Spracklen. Dieses Modul wurde von Chafitz vertrieben und trug auch den Namen Sargon 2.5.
Dasselbe Programm wurde ab 1980 auch unter dem Namen Boris 2.5 von Applied Concepts angeboten, wobei der zugrunde liegende Programmcode weiterhin der von Spracklen war.
Rechtsstreit mit Applied Concepts (1980)
Im Frühjahr 1980 kündigte Applied Concepts an, den Vertrieb und das Marketing ihrer Produkte – einschließlich des Modular Game System – künftig nicht mehr über Chafitz abzuwickeln, sondern selbst zu kontrollieren.
Dies führte zu einem vertraglichen Konflikt zwischen Applied Concepts und Chafitz über die Rechte am Modular Game System. Chafitz beanspruchte weiterhin die alleinigen Rechte am Namen und am Vertrieb des Systems; Applied Concepts forderte seinerseits die Kontrolle über Produktion und Vermarktung.
Parallel geriet auch der Lizenzvertrag mit den Programmierern Dan und Kathe Spracklen unter Druck, weil Applied Concepts die ursprünglich vereinbarte Lizenzvergütung nicht vollständig zahlte; letztlich einigten sich die Parteien auf eine reduzierte Vergütung pro verkauftem Gerät.
Als Folge dieses Rechtsstreits zog sich Chafitz Ende 1980 aus dem Schachcomputermarkt zurück. Die Vermarktung des Modular Game System wurde von Applied Concepts später unter eigener Kontrolle fortgeführt.
Umbenennung in „Great Game Machine“
Ab 1981 erschien das System unter der Bezeichnung Great Game Machine (= MGS III). Technisch blieb es weitgehend identisch, die Umbenennung war primär marktstrategisch.
Markenrecht
GREAT GAME MACHINE war eine eingetragene Marke von Applied Concepts, Inc. (Garland, Texas).
- Anmeldung: 10. April 1981
- Registrierung: 22. Juni 1982
- Erste Nutzung im Handel: 8. Januar 1981
- Kategorie: Toys and Sporting Goods
- Status: seit 1989 gelöscht (Section 8)
Unterschiede zwischen MGS und GGM
Die Unterschiede zwischen MGS und GGM waren gering und vor allem äußerlicher Natur:
- MGS: Schachbrett mit Kunststoffoberfläche
- GGM: häufig mit lederartiger Oberfläche ausgeführt
- leicht variierende Gehäusegestaltung je nach Serie
Die interne Architektur blieb gleich.
Technische Einordnung
Das System verfügte über keine Sensortechnik, die Figurenstellungen wurden nicht automatisch erkannt. Die Eingabe erfolgte über eine Folientastatur (Membran-Keyboard) und ein LCD-Display.
Dies galt bereits Anfang der 1980er Jahre als Nachteil, da sich sensorische Bretter zunehmend durchsetzten. Das MGS/GGM wirkte dadurch trotz seines modularen Ansatzes schnell veraltet.
Master Chess Trio
Das bekannteste Konzept des Systems war das Master Chess Trio. Es beruhte auf der Idee, verschiedene Spielphasen durch spezialisierte Programme abzudecken:
- Mittelspielmodul
Sobald das Eröffnungsbuch beendet war („End of Book“), wurde der Netzschalter auf Memory gestellt. Die Stellung blieb im RAM erhalten, während das ROM-Modul gewechselt wurde. Dieser Vorgang konnte beim Übergang ins Endspiel wiederholt werden.
Die zugrunde liegende Idee war, dass:
- Eröffnungen umfangreiches Buchwissen erfordern
- Mittelspiele allgemeine Suchalgorithmen benötigen
- Endspiele oft spezielle Routinen verlangen
Das Konzept war theoretisch überzeugend, setzte sich jedoch am Markt nicht durch. Gründe waren:
- hoher Preis bei Kauf mehrerer Module
- fehlende Sensorik
- zunehmende Leistungsfähigkeit eigenständiger Schachcomputer
Weitere Spielmodule
Neben Schachprogrammen existierten Module für andere Spiele:
- Checkers (Borcheck Edition)
- Reversi/Othello (Odin Edition, u.a. von Peter W. Frey und Larry Atkin)
- Kriegspiel (Monitor Edition)
- Backgammon
- Blackjack („Las Vegas 21 Edition“)
- Lunar Lander
- WitsEnd (Mastermind-Variante)
Das Kriegspiel-Modul erlaubte die Rolle eines elektronischen Schiedsrichters, der nur regelkonforme Minimalinformationen ausgab.
Weiterentwicklung: MGS II und MGS III
Das ursprüngliche Modular Game System wurde in der Folgezeit technisch weiterentwickelt und in verschiedenen Ausbaustufen angeboten.
MGS II
Als MGS II wurde die Kombination des Basissystems mit dem Modul Sargon 2.5 bezeichnet. Diese Version stellte gegenüber den frühen Boris-Varianten eine deutlich spielstärkere Alternative dar und etablierte das System im ambitionierten Hobbybereich.
MGS III
Das seit Frühjahr 1980 angebotene Multi Game System III (MGS III) erhielt äußerlich eine deutlich gediegenere Gestaltung. Neben optischen Verbesserungen verfügte es über einen größeren Speicher (Somit konnte die Gesamtkapazität des MGS III von 8 KB auf 24 KB aufgestockt werden).
Besonders in Verbindung mit den für die Jahresmitte angekündigten Spezialmodulen
kam diese Speichererweiterung zum Tragen. Ziel war es, die Möglichkeiten des Mittelspielprogramms Morphy in der Eröffnungs- und Endspielphase substantiell zu erweitern.
Seit Mitte März war das weiterentwickelte System als Morphy Edition Masters Chess erhältlich. Es war mit dem leistungsstarken Modul Morphy Master-Programm ausgestattet und wurde zu einem Kaufpreis von 798 DM angeboten.
Das neue Modell erreichte eine um etwa 100 Elo-Punkte höhere Spielstärke als das MGS II (MGS mit Sargon 2.5).
Speicher- und Modulkonzept
Mit dem Erscheinen der Spezialmodule Grünfeld (Eröffnung) und Capablanca (Endspiel), die jeweils etwa 350 DM kosteten, konnte die Gesamtkapazität des Systems erheblich erweitert werden.
Die Speicherkapazität ließ sich von ursprünglich 8 KB auf insgesamt 24 KB ausbauen. Damit war das MGS III eines der wenigen dedizierten Schachsysteme seiner Zeit, das eine derart flexible Speicherarchitektur bot.
Bemerkenswert war die vollständige Kompatibilität der neuen Module mit den bereits vertriebenen MGS-II-Systemen. Besitzer älterer Geräte konnten somit ohne Austausch der Basiseinheit aufrüsten.
Marktposition
Mit einem Grundpreis von 798 DM für das MGS III sowie zusätzlichen 350 DM pro Spezialmodul bewegte sich das System im oberen Preissegment des damaligen Schachcomputermarktes.
Die modulare Erweiterbarkeit stellte zwar ein innovatives Konzept dar, erhöhte jedoch die Gesamtkosten erheblich, wenn das vollständige Master-Chess-Trio genutzt wurde. Dies trug mit dazu bei, dass sich das System trotz technischer Raffinesse langfristig nicht am Massenmarkt durchsetzte.
Great Game Machine – spätere Versionen
Eine spätere Variante war die Destiny MEGA-4 GGM mit 4-MHz-Prozessor (doppelte Geschwindigkeit gegenüber der ursprünglichen Version). Sie unterstützte u. a. das Steinitz-4-Modul als Weiterentwicklung der Morphy-Programme.
Trotz technischer Verbesserungen blieb der kommerzielle Erfolg begrenzt.
Bedeutung
Das MGS/GGM stellte einen frühen Versuch dar, ein plattformbasiertes Spielsystem zu etablieren – ein Ansatz, der später bei Heimcomputern und Spielkonsolen selbstverständlich wurde.
Im Bereich der Schachcomputer blieb das System jedoch eine technische und konzeptionelle Kuriosität, die vor allem für Sammler und Historiker interessant ist.
Das System kann als früher Vorläufer modularer Spielkonsolen und späterer Softwareplattformen verstanden werden, bei denen Hard- und Software strikt getrennt vermarktet wurden.
Übersicht der Schachmodule
Hauptmodule
- Boris 2.5
- Sargon 2.5
- Sandy Edition master chess
- Morphy Edition master chess
- Steinitz Edition-4 master chess
Eröffnungs- und Endspielmodule
- Gruenfeld Edition master chess openings
- Gruenfeld S Edition master chess openings
- Capablanca Edition master chess endgame
- Capablanca S Edition master chess endgame
Bilder
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Konzeptübersicht
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Spannungsversorgung
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Modul

