Mephisto Berlin 68000

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Im April 1992 erschien als damaliges Spitzengerät der schwarzen Gerätelinie von Mephisto der Berlin 68000. Das Gehäuse des Computers unterscheidet sich nur in der Beschriftung und in der Tatsache, dass Feld- anstatt Rand-Dioden verwendet werden, von dem des Mephisto Milano. Ebenfalls mitgeliefert werden auch zum Berlin ein dritter Figurensatz, Figurenplättchen, ein „Laptop-Deckel" und Partie-Formulare. Im Innern des Gerätes werkelt ein 68000-Prozessor mit 12 MHz, der ein leicht modifiziertes Vancouver-Programm abarbeitet.

Mephisto Berlin 68000
Mephisto Berlin 68000.jpg

© Picture by Michael Watters - chesscomputeruk.com

Hersteller Hegener & Glaser
Markteinführung 1992
Preis 998 DM (500 €)
Prozessor 68000
Prozessortyp 16 Bit
Takt 12 MHz
RAM 512 KB
ROM 128 KB
Bibliothek 100.000 Halbzüge
Programmierer Lang, Richard
Elo 2190
Rechentiefe 34 Halbzüge
BT-2450
BT-2630 2075
Colditz
Verwandt Mephisto Vancouver 68000
Zugeingabe Drucksensoren
Zugausgabe 64 Feld-LEDs
Display 2 x 16-stellige Punktmatrix Anzeige
Stromversorgung Netzteil HGN 5004A
Spielstufen (fast) alle denkbaren
Maße 34 x 26 x 3,5 cm (Spielfeld 19,5 x 19,5 cm - Königshöhe 5,1 cm)
Sonstiges
Der Berlin soll aus dem Spielstil "Risiko" des Vancouver Programms entstanden sein.
Level Info
Bedenkzeit Level
30 Sek. / Zug NORML 04
30 Min. / Partie BLITZ 07
60 Sek. / Zug NORML 05
60 Min. / Partie BLITZ 09
Turnier TOURN 00 to TOURN 09
Analyse INFIN


Leider lassen sich jedoch, im Gegensatz zum Milano etwa, aufgrund des höheren Stromverbrauches des Prozessors keine Batterien verwenden, was den Einsatzbereich des Computers doch einschränkt. Um den Kampfpreis von nicht einmal 1000,- DM erreichen zu können, wurden unter anderem der Speicherplatz des Programmes auf 128 KByte beschränkt (Das Vancouver 16-Bit-Modul Set hat 256 KByte). Der Hash Table-Speicher beläuft sich jedoch nach wie vor auf 512 KByte. Wurden der Memory-Modus, die Spielstufeneinteilung, der Info-Modus und der Partienspeicher unverändert beibehalten, mußten aufgrund des kleineren Speichers jedoch einige Einschränkungen gegenüber dem Vancouver-Modulset gemacht werden: Die wichtigste ist wohl die, dass die Eröffnungsbibliothek nicht mehr erweitert werden kann.

Des weiteren beträgt der Umfang des Repertoires „nur" noch angegebene 100.000 Halbzüge und es lassen sich nur noch vier Eröffnungs-Spielstile wählen. Der Berlin kann nur noch normal, klassisch, modern oder im Blitz-Modus spielen, während der Vancouver zusätzlich noch die Einstellungen Gambit und Mensch kennt. Die weiteren Einschränkungen betreffen aber alle Optionen aus dem "Funktionen"-Menü, deren Sinn sowieso sehr zweifelhaft ist - dienen sie doch nur dazu, in jeder beliebigen Stellung eine optimale Lösungszeit zu erzeugen, wenn man nur lange genug im Menü herumprobiert!

So lassen sich Spielstil und Selektivität nicht mehr einstellen, sowie die Aufgabe, die Hash Tables, die Bauernstrukturen und die Figurenbewertungen nicht mehr abschalten. Bedingt durch das Drucksensorbrett wird natürlich auch nicht mehr eine neue Partie begonnen, wenn man die Figuren in die Grundstellung zurück versetzt. Die schachlichen Fähigkeiten des Berlin entsprechen ansonsten denen des Vancouver 16 Bit.

Die beiden Programm-Eproms sind unter einer Klappe leicht zugänglich, so dass die London-Version problemlos vom Benutzer selbst installierbar sind.

Fazit: Der Berlin besitzt eine hervorragende Ausstattung und gute Spielstärke. Einzig eine erweiterbare Eröffnungsbibliothek vermißt man im Vergleich mit dem Vancouver 16 Bit-Modul Set gelegentlich.

Berlin ist eine Reise wert?

Ein 16-Bit-Mephisto mit verbessertem Vancouver-Programm

von Thorsten Czub (aus Computer Schach & Spiele / Heft 3 / Juni-Juli 1992)


Neben den Schachcomputern der modularen Reihe gibt es bei Mephisto seit kurzem ein eigenständiges Gerät, das den leistungsfähigen 68000-Prozessor und das WM-Programm des Vorjahres enthält. Und das alles zu einem äußerst zivilen Preis. Thorsten Czub schildert erste Eindrücke vom Mephisto Berlin.

Im hübschen schwarzen Kästchen aus München, das schwer in der Hand liegt und (einer Büchse der Pandora gleich) fest verriegelt ist, steckt kein Milano. Auf der Oberseite neben dem klassisch roten „Mephisto"-Schriftzug steht in Gold geschrieben ein kleines Anhängsel: „Berlin". Das ist der Computer, auf den alle so lange gewartet haben: der Berlin 68000 — ein 998-Mark-Gerät mit Vancouver-Innenleben. Bis auf die andere Tastaturbeschriftung (die jetzt statt weiß auch golden ist) und den erwähnten Berlin-Schriftzug auf dem Batteriedeckel (sowie ein protziges weiteres „68000" unter dem Display) könnte es ohne weiteres auch ein Milano (vgl. CSS 6/91) sein.

Kein Batteriebetrieb

Batteriedeckel? Ich schiebe diesen, wie vom mobilen Milano gewöhnt, nach rechts. Darunter sind aber keine Batterien, stattdessen Eproms, zweimal 64 Kilobyte. Daraus folgt zum einen: Der Berlin ist nur mit Netzstrom zu betreiben — irgendjemand sollte das mal den Verpackungs-Designern erzählen, die noch von „sechs Mignon-Batterien" reden. Zum anderen: Das Programm muss abgespeckt worden sein, denn die Vancouver-Version hat ja eine Größe von 256 KByte.

Ehrlich gesagt: Ich war enttäuscht, dass ein Batteriebetrieb nicht möglich ist. So ein leicht transportables Gerät und dann keine alternative Versorgungsmöglichkeit? Es war doch so praktisch im Zug, flugs den Milano aus dem Rucksack und ein paar Blitzpartien gespielt — mit dem Berlin ist das nicht möglich.

Wozu ein Reiseschach mit Plättchen statt Figuren, wenn man dann nicht mal schnell die Lokalität wechseln kann? Ein Schach-Laptop, der in Wirklichkeit eine Lap-Station ist. Nun, sicherlich wird der 68000 mit seinen 512 KByte RAM für Hash-Tables eine Menge Strom verbrauchen, mehr als ein Milano in CMOS-Technik. Auch die Konkurrenz hat ja mit Motorola-Prozessoren und Batterien so ihre Probleme (Fidelity Mach III, Scorpio).

Programm abgespeckt

Aber es ist ja auch am Programmumfang gespart worden. Wollen wir doch mal sehen, was man alles über Bord geworfen hat, und was vielleicht zusätzlich dazu gekommen ist. Schaut man sich die folgende Tabelle an, so erkennt man, dass viel überflüssiger Schnickschnack geopfert wurde. Nein, der Berlin hat genug Bedienungskomfort, vergleicht man das Ganze zum Beispiel mit dem RISC-Modulset.

Halb so schnell wie Vancouver

Aber spielt der Berlin 68000 denn auch wie sein Vorbild, der Vancouver? Um dies auszutesten, gab ich zuerst ein paar Stellungen ein, mit dem Ergebnis, dass der Berlin stets um den Faktor zwei langsamer war. Und damit sollte man gegen M-Chess, RISC und selbst Novags Scorpio noch mithalten können? Ein kleines Match „Einer gegen alle" sollte die Antwort bringen. Erster Gegner war das zur Zeit spielstärkste PC-Programm auf einem AT 286 mit 16 MHz. Alle Partien wurden mit 40 Züge in 120 Minuten gespielt. Als nächstes eine Partie gegen den nunmehr preisgleichen Scorpio von Novag. Jetzt muss sich die Gegenmannschaft aber zusammenreißen, will sie das Match noch gewinnen. Aber es stehen ja noch einige harte Brocken an. und als Remis abgeschätzt. Zwischenstand: 2,5:0,5 für den Berlin!

Jetzt hilft nur noch der Angstgegner des Vancouver, und damit auch des Berlin: die ChessMachine RISC.

Nach fünf Partien also ein Endstand von 3:2 für den Berlin, der damit angedeutet hat, dass er im oberen Bereich der Stärkeskala ganz gut mithalten kann. Berücksichtigt man noch den Preis von unter DM 1000, sollte das Gerät für jeden Spielstärkefanatiker interessant sein.

Gegenüber den älteren Vorgängern, wie dem Mephisto Lyon, sind neben den rein spielerischen Eigenschaften auch echte Bugs verbessert worden. Die Tatsache, dass die unmotivierten Damenzüge und die zu stark negative Bewertung von Doppelbauern nicht mehr auftreten, wirkt sehr positiv auch auf die Spielweise des Berlin. Und wo der Lyon noch in jedes verlorene Bauernendspiel abtauschte, weiß es der Neuling besser. Überhaupt ist der Berlin, wie jeder Vancouver auch, zäher und taktisch nicht ungeschickt. Er laviert sehr viel und hat auch langwierige Manöver in seinem Repertoire.

Fazit: Empfehlenswert

So ist der Berlin am Ende eine gute Mischung aus 100-prozentig solidem Schachcomputer und einem Lang-Programm vom Feinsten, bei akzeptablem Preis und angenehmer Bedienung. Lediglich das zu kontrastarme „Punktmatrix-LCD" muss bemängelt werden - wenn man bedenkt, dass das riesige, vierstellige 7-Segment-LCD des Mephisto II aus mehreren Metern zu erkennen war...

Verbleibt also als Wunschzettel an den Hersteller:

  • Batterietauglichkeit von mindestens vier Stunden, mit nachladbarem Akku.
  • endlich ein besser lesbares LCD.
  • Plastikfiguren, die auf dem Brett haften: die jetzigen Magnete sind zu schwach.
  • Magnetplättchen, die auch magnetisch sind.
  • die Möglichkeit (wie bei Academy/Polgar/ Milano), die in Frage kommenden Züge vom Benutzer einstellen zu lassen.

Dann wäre der Berlin unsterblich. Wie wäre es mit einem Berlin II, der die oben genannten Features aufweist?

Partiebeispiel

Das der zumeist positionell agierende Mephisto Berlin 68000 durchaus zu scharfen Angriffspartien fähig ist, zeigt die nachfolgende Partie gegen den Fidelity Elite Avant Garde Version 6.


Inside the Chess Computer

Mainboard
Mainboard with component identification
CPU: Motorola 68000-12MHz
Original EPROMs


Bilder - © Theodor Heinze

Weblinks