Mephisto London 68000

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Mephisto London 68000
Hersteller Mephisto Jahr: 1996
Elo 2150 Preis 299 DM (150 €) - Eprom Update
Programmierer Richard Lang BT-2450 -
Prozessor 68000 BT-2630 -
Prozessortyp 16 Bit Colditz -
Takt 12 MHz Rechentiefe
RAM 512 KB Display 2 x 16-stellige Punktmatrix Anzeige
ROM 256 KB Zugeingabe Magnetsensoren
Bibliothek 180.000 Halbzüge Zugausgabe 64 Feld LEDs
Spielstufen (fast) alle denkbaren
Maße Modulset
Stromversorgung   Netz = HGN 5004A
Verwandt Mephisto London
Sonstiges Eprom-Update für Schachcomputer der Marke Mephisto (s.h. Mephisto London)


Infos

Das Programmmodul London von Richard Lang war nie offiziell erhältlich. Es handelt sich bei diesem Programm um ein nachträgliches Update für die Mephisto Geräte Almeria, Lyon, Portorose, Vancouver, Genius 68030, Berlin 68000, Berlin Pro, welches 1996 auf das Programm London umgerüstet werden konnten. Das London-Programm ist vergleichbar mit dem PC-Programm Genius 3, welches 1994 den damaligen Weltmeister Garry Kasparov beim Intel World Chess Grand Prix in zwei 25 Minuten Partien mit 1,5 : 0,5 schlug!



London Schriftzug

s.h. auch


Genius 3 im Brett

Das London-Upgrade für die Mephisto-Module

(Günter Rehburg aus Computer Schach & Spiele / Heft 1 / Februar-März 1997)

Schon anlässlich der Vorstellung des Mephisto-Moduls „MM VI" wie auch des „Milano Pro" hatten wir konstatiert, dass sich die Hersteller hinsichtlich der Neu- und Weiterentwicklung von Brettgeräten offensichtlich Zurückhaltung auferlegt haben. Noch erheblich deutlicher zeichnet sich dieser Trend im Bereich der Spitzentechnologie dieses Sektors ab. Hier ist nicht nur Stagnation festzustellen, vielmehr werden auslaufende Geräte und Modulserien des Topbereiches nicht mehr neu aufgelegt. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfacher Natur. Eine der Hauptursachen dürfte darin zu suchen sein, dass die zwischenzeitlich bei den Personalcomputern erreichte Leistungsfähigkeit bei den Brettcomputern nicht mehr zu realisieren ist. Schon der Versuch, den Abstand zu verringern, würde riesige Investitionen erfordern. Der Preisverfall bei den Brettgeräten des Spitzenbereiches wird die Motivation der Hersteller, sich auf diesem Gebiet zu engagieren, ebenfalls nicht gerade angehoben haben. Zudem ist nicht zu leugnen, dass die Absatzmöglichkeiten im Bereich der Topgeräte gewaltig zurückgegangen sind.

Wurde mit der Anschaffung des Personalcomputers erst einmal der Grundstock gelegt, ist es für die PC-Anwender ein Leichtes, sich für relativ geringe Beträge sämtliche Spitzenprogramme zu beschaffen. Entsprechende Versuche, mehrere Programme ohne PC-Zuschaltung auf ein Brett zu bringen, sind bereits vor Jahren in den Kinderschuhen steckenge-blieben. Fazit: Hohe Investitionen bei zu erwarten-den geringen Absatzzahlen können einfach kein Anreiz für die Hersteller sein. Mögen wir es auch noch so bedauern, das Rad der Geschichte ist nicht zurückzudrehen. Da müssen von der Hegener & Glaser AG ausgehende Signale, mit dem „Atlanta" einen um Elo 2300 liegenden Bereich ansteuern zu wollen, bereits als mehr als erfreuliche Nachricht angesehen werden. Allein der Erscheinungszeitpunkt verschiebt sich leider immer wieder aufs Neue.

So war es für viele Besitzer eines Mephisto-Computers der modularen Reihe eine große Freude, als im Frühsommer 1996 ein neuer Programm-Chip auf den Markt kam. Mit ihm können die Module Mephisto Almeria, Portorose 32 Bit, Lyon und Vancouver 16/32 Bit wie auch die Geräte Berlin 68000, Berlin Professional 68020 und der Mephisto Genius 68030 auf „Genius 3-Level" angehoben werden. Zur Umrüstung ist das Programm-Modul bzw. das komplette Gerät an den Händler einzusenden. Es stellt sich nun die Frage, inwieweit dadurch die Spielstärke der genannten Geräte gesteigert werden kann.

„London" gegen die PC-Elite

Den bis vor kurzem noch zur „Creme de la Creme" zählenden PC-Programmen konnte ich leider nur einen 486/DX2 bieten. Auf der Brettcomputerseite musste ich mich ebenfalls etwas bescheiden, da mir lediglich ein Berlin Professional mit dem London Upgrade zur Verfügung stand. Meine Bewertungen beziehen sich daher ausschließlich auf einen mit 24 MHz getakteten Motorola-Prozessor 68020. Die Werte der Geräte und Module mit 68030-Prozessoren können lediglich hochgerechnet werden.

Um festzustellen, inwieweit das auf dieser Hardware eingesetzte „London"-Programm überhaupt in der Lage ist, zumindest noch mit der 486er PC-Technik mitzuhalten, habe ich die Testpartien auf „zwei Ebenen" durchgeführt. Zunächst wurde der 33 MHz-Takt angeschlagen, dann wurde mit der 66 MHz-Stufe für etwas schärfere Musik gesorgt. Zudem wurden die niedrig „getakteten" Partien mit abgesenkten Hash Tables gespielt, während die „66 MHz"-Games mit allem, was 8 MB-RAM an Hash Tables zu bieten haben, ausgetragen wurden. Für die Vergleichspartien habe ich jeweils die gleiche Eröffnung vorgegeben.

Gleich der Einstieg dürfte die Herzen der Anhänger des Brettcomputerschachs höher schlagen lassen. Zwei Aktivschachpartien (30 Minuten) unter den genannten Bedingungen gegen den Weltmeister von 1995 sollten den Auftakt bilden: In seinem Wert vielleicht noch höher einzuschätzen ist das Ergebnis der folgenden Partie, darf MChess Pro 5.0 doch dieses Mal die ganze Kraft des 486/DX2 in Anspruch nehmen. Der Sieg in der ersten Partie muß als faustdicke Überraschung gesehen werden. Die zweite Partie lässt schon fast den Versuch einer ersten Einschätzung aufkommen. Zugegeben: Aktivschach ist nicht gerade die Stärke des MChess-Programms. Aber ein erstes Hinschielen zur SSDF-Liste muss dennoch erlaubt sein. Nein, Sie haben sich nicht verguckt MChess Pro 5.0 ist dort mit dieser Hardware tatsächlich bei Elo 2344 eingereiht.

Der nächste Versuch eines Anschlags über die Aktivschachdistanz gilt Mark Uniackes Hiarcs 4: Ein erneuter kurzer Blick in die SSDF-Liste sei uns gegönnt. Schade, Hiarcs 4.0 ist nicht mit der 486er-Hardware verzeichnet. Aber schon der Vorläufer konnte auf dem 486/DX2 über Elo 2300 für sich in Anspruch nehmen - und Mark Uniackes Nachfolgeprogramm war erheblich stärker einzuschätzen. Das lässt doch hoffen - oder? Die „66 MHz 7168 KByte"-Aktivschachpartie ging dann allerdings klar verloren. Man kann eben nicht alles haben. Jetzt sollte unser Testkandidat mit den auf der 486er Hardware laufenden PC-Programmen seines eigenen Testautoren, eben Richard Lang, konfrontiert werden. Dazu habe ich mir zunächst einmal zwei Einstundenpartien gegen Genius 2 gegönnt. In der ersten Partie standen dem Genius 2 auf dem 486/33 lediglich 256 KByte Hash Tables zur Verfügung. Sie endete nach dreifacher Stellungswiederholung im 50. Zug mit einem Remis. Gleiches Programm, jetzt aber auf dem 486/66 MHz bei vollen 7 MByte Hash Tables - und eine klare Niederlage für das „London"-Upgrade nach 58 Zügen.

Es ist das zweite Mal, dass die angehobene Hardware den Ausschlag gegeben hat. Doch diese Niederlage soll uns in unserem Sturm Richtung Gipfel nicht aufhalten. Der Berlin-Professional London bittet jetzt Richard Langs Genius 4 zum Tanz: Auch als um Sachlichkeit bemühter Testautor kann ich nicht immer alle meine Taten rational begrün-den. Auf jeden Fall ließ ich das Genius 4-Programm bereits in der ersten Partie mit voller Hardware-Unterstützung aufspielen. Und dann ein Remis. Unfassbar, liegt dieses Programm doch in der SSDF-Liste bei Elo 2389. Nun gut, es war „nur" eine Aktivschachpartie (30 Minuten) - aber das ist eine Distanz, die das Lang-Genius 4-Programm nicht zu scheuen braucht. Wohl schon mehr „aus Sorge" um Richard Langs 95er-Weltmeisterschaftsprogramm ließ ich es bei diesem Remis bewenden und ersparte mir und den Lang-Programmen die „33-MHz-Party".

Es darf wieder getestet werden...

Schon allein aufgrund der Rechenkraft, die nun einmal gegenüber den Personalcomputern erheblich geringer ausfällt, waren im bekanntlich lösungszeitabhängigen Bednorz-Tönissen-Test leicht schwächere Ergebnisse der Brettgeräte zu erwarten.

Programm Berlin Pro London Genius 3 Berlin Pro (ohne "L") Genius 68030 (ohne "L") Hiarcs 4
BT-Elo 2245 2362 2226 2227 2244
Hardware 68020 486/50 68020 68030 486/50
Hash 1024 KB 16 MB 1024 KB 512 KB 7424 KB



Dennoch braucht sich das auf dem Motorola 68020 angetretene „London"-Upgrade nicht gegenüber den auf doch erheblich stärkerer Hardware laufenden PC-Programmen zu verstecken. Sicherlich, der Abstand zum Genius 3 ist erheblich, aber der Vergleich mit Mark Uniackes „Hiarcs 4" fällt demgegenüber sogar ganz leicht zugunsten des „London" aus. Der rund 20 Elo-Punkte betragende Abstand zum Berlin-Professional ohne „London"-Upgrade wie auch zum Genius 68030 ohne „London"-Zusatz darf als erster Hinweis einer abschließenden Einstufung betrachtet werden — auch wenn Test nur Test ist und sich eine darauf basierende Programmeinschätzung eigentlich verbietet.

Abschlussbewertung

Die doch relativ geringe Anzahl der Partien, die unser Testkandidat zudem fast ausschließlich mit den weißen Farben bestreiten durfte, wie auch die Ergebnisse des Bednorz-Tönissen-Tests lassen eine endgültige Einschätzung schwierig erscheinen. Selbst bei aller Vorsicht komme ich aber nicht um-hin, dem Mephisto Berlin 68000 und auch unserem Testkandidaten Mephisto Berlin Professional mit dem London-Upgrade eine Spielstärkesteigerung um rund 30 Elopunkte zuzugestehen. Zumindest die gleiche Aufwertung dürfte das Modul Genius 68030 erfahren. Damit liegt der Mephisto Berlin 68000 mit London-Upgrade bei Elo 2150, der Mephisto Berlin Professional 68020 bei 2250 und das Genius 68030-Modul in der Tat schon bei über Elo 2330.

Sicher, der Abstand zur absoluten Spitze der PC-Programme beträgt dann immer noch rund 150 Punkte — aber mitmischen können die Brettgeräte mit diesem Programm allemal. Die Aufwertung der älteren Mephisto-Module Almeria, Portorose, Lyon und Vancouver durch das London-Upgrade ist natürlich erheblich höher einzuschätzen.

Die mit dem London-Programm aufgerüsteten Komplettgeräte sind im Fachhandel weitgehend vergriffen. Mit einer Neuauflage ist nicht zu rechnen, da die Produktion der genannten Brettgeräte und Module zwischenzeitlich eingestellt wurde. Hier und da ist vielleicht noch ein Mephisto Professional 68020 mit „London-Upgrade" zum unter DM 1000,- liegenden Schnäppchen-Preis zu ergattern. Der Aufrüstungspreis für die genannten Module und Brettgeräte liegt einheitlich bei DM 299,-. Das ist gerade für die älteren Module fast geschenkt, wie mir überhaupt der Preis ausgesprochen moderat ausgefallen zu sein scheint. Ganz sicher hat sich für Richard Lang die Mühe, seinen Genius 3 auf die Motorola-Prozessoren um-zusetzen, gelohnt. Für die Freunde der Brettcomputer dürfte es sich bei dem genannten Preis und der dargestellten Spielstärkeeinschätzung dennoch fast um ein Geschenk handeln.

Ausblick

Es gibt lediglich ein Brettgerät, das in der SSDF-Liste oberhalb der für das Genius 68030-Modul vorgenommenen Einschätzung von Elo 2330 rangiert: Der TASC R30 in der Version 2.5 beansprucht für sich Elo 2356. Im nächsten Heft werden wir prüfen, inwieweit dieser Abstand wirklich gerechtfertigt erscheint. Dann kommt es zum Wettkampf der Brettgiganten R30 V2.5 gegen Genius 68030 „London".