Zum Inhalt springen

Videomaster Chess Champion

aus Schachcomputer.info Wiki, der freien Schachcomputer-Wissensdatenbank
Version vom 20. Februar 2026, 23:37 Uhr von Chessguru (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „{| valign="top" {{Infobox | Titel = Videomaster Chess Champion | Bild = center|250px | Hersteller = Videomaster | Markteinführung = {{Erscheinungsjahr|1978}} | Preis = £89.50 | Prozessor = F8 (Fairchild 3850) | Prozessortyp = 8 Bit | Takt = 3 MHz (spätere „Quick Response“-Version) | RAM = 320 Bytes RAM (64 Byte intern im F8 plus 256 Byte in externen RAM-ICs) | ROM = 2 KB | Bibliothek = --- | Prog…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Videomaster Chess Champion
Hersteller Videomaster
Markteinführung 1978
CElo ca.
Programmierer Goodrich, David B. & Associates
Prozessor F8 (Fairchild 3850)
Prozessortyp 8 Bit
Takt 3 MHz (spätere „Quick Response“-Version)
RAM 320 Bytes RAM (64 Byte intern im F8 plus 256 Byte in externen RAM-ICs)
ROM 2 KB
Bibliothek ---
Einführungspreis £89.50
Rechentiefe
BT-2450
BT-2630
Colditz
Verwandt CompuChess, Novag MK I
Zugeingabe Tastatur (Tastenfeld mit 16 multifunktionalen Tasten)
Zugausgabe Display
Display 4-stellige 7-Segment LED Anzeige
Stromversorgung Netzteil 9V / 300mA
Spielstufen 6
Maße 22 x 12 x 4 cm
Sonstiges
The Chess Champion MK I was Novag's first dedicated chess computer. The program was a pirate copy of the ROM in the CompuChess.

Der Videomaster Chess Champion war ein elektronischer Schachcomputer des britischen Herstellers Videomaster, der 1979 erschien. Technisch basierte das Gerät auf der Plattform des Novag Chess Champion MK I, stellte jedoch eine überarbeitete Variante dar, die unter anderem durch eine höhere Taktfrequenz und schnellere Reaktionszeiten auffiel.

Historischer Hintergrund

Ende der 1970er Jahre verbreiteten sich dedizierte Schachcomputer rasch im europäischen Markt. Während Novag seine Geräte unter eigenem Namen vertrieb, wurden baugleiche oder leicht modifizierte Versionen auch unter Lizenzmarken angeboten. Der Videomaster Chess Champion gehörte zu diesen Lizenz- bzw. OEM-Versionen.

Die spätere Ausführung des Videomaster-Modells – häufig als „Quick Response“-Version bezeichnet – unterschied sich durch eine deutlich höhere Antwortgeschwindigkeit von der ursprünglichen MK-I-Version.

Technik

Der Videomaster Chess Champion nutzte wie das Vorbild einen MOSTEK MK3870 (F8) Mikrocontroller mit integriertem ROM. Während frühe Novag-MK-I-Geräte typischerweise mit etwa 2 MHz betrieben wurden, lief die Quick-Response-Version des Videomaster mit rund 3 MHz.

Diese Erhöhung um etwa 50 % führte in der Praxis zu nahezu halbierten Antwortzeiten bei identischen Stellungen.

Technische Eckdaten:

  • CPU: MOSTEK MK3870 (F8-Architektur)
  • Taktfrequenz: ca. 3 MHz (Quick Response)
  • Programmspeicher: 4 KB
  • RAM: 64 Byte
  • Magnetsensorbrett
  • LED-Zuganzeige mit Koordinatenfenstern

Unterschiede zum Novag Chess Champion MK I

Obwohl die Programmbasis weitgehend identisch war, zeigten sich folgende Unterschiede:

Merkmal Novag MK I (Standard) Videomaster (Quick Response)
Taktfrequenz ca. 2 MHz ca. 3 MHz
Antwortgeschwindigkeit Referenz nahezu doppelt so schnell
Branding Novag Videomaster
Gehäusedesign frühes Kunststoffdesign leicht modifiziertes Layout

Die Spielstärke selbst veränderte sich durch die Takterhöhung nur moderat, da die Suchalgorithmen unverändert blieben. Allerdings erreichte das Gerät bei festen Zeitstufen effektiv eine größere Suchtiefe.

Technische Analyse: Suchtiefendifferenz bei 2 MHz vs. 3 MHz

Die spätere „Quick Response“-Version des Videomaster Chess Champion arbeitete mit einer Taktfrequenz von etwa 3 MHz anstelle der ca. 2 MHz der ursprünglichen Novag-MK-I-Ausführung. Dies entsprach einer nominellen Leistungssteigerung von rund 50 %.

Theoretische Betrachtung

Bei identischer Programmlogik verhielt sich die Rechengeschwindigkeit annähernd proportional zur Taktfrequenz.

Wenn man die Knotenanzahl pro Sekunde mit N bezeichnete, ergab sich:

  • bei 2 MHz → N
  • bei 3 MHz → ca. 1,5 N

Da die effektive Suchtiefe in Schachprogrammen exponentiell mit dem Verzweigungsfaktor zusammenhing (typisch ca. 30–35 legale Züge pro Stellung), führte eine 50 %ige Geschwindigkeitssteigerung nicht zu einer linearen Erhöhung der Suchtiefe.

Die zusätzliche Suchtiefe Δd ließ sich näherungsweise durch

Δd ≈ log(1,5) / log(30)

abschätzen.

Dies ergab einen Wert von deutlich unter einem halben Halbzug. Praktisch bedeutete dies:

  • Keine vollständige zusätzliche Halbzugtiefe
  • Aber signifikant häufigere Erreichung der nächsthöheren Iteration bei festen Zeitstufen
  • Spürbar verkürzte Antwortzeiten bei festen Tiefenstufen

Praktische Auswirkungen

In der Praxis zeigte sich der Effekt weniger in dramatisch stärkerem Spiel, sondern vor allem in:

  • kürzeren Wartezeiten bei niedrigen Stufen
  • stabilerer taktischer Berechnung bei Kombinationen mittlerer Tiefe
  • etwas geringerer „Hänger“-Neigung in forcierten Varianten

Bei festen Zeitkontrollen (z. B. 5 Sekunden pro Zug) erreichte die 3-MHz-Version häufiger stabile 3–4 Halbzüge Tiefe, während die 2-MHz-Version gelegentlich an der Schwelle zur nächsten Iteration abbrechen musste.

Bewertung der Leistungssteigerung

Die reine Takterhöhung verbesserte die effektive Spielstärke nur moderat. Realistisch lag der Zugewinn im Bereich von 30–60 Elo-Punkten.

Der wesentliche Vorteil lag somit nicht in einer fundamentalen Qualitätssteigerung des Programms, sondern in einer spürbar reaktiveren Bedienung und einer geringeren Wartezeit – ein im Heimgebrauch durchaus relevanter Faktor.

Spielstärke und Charakteristik

Das Programm gehörte zur frühen Generation mikroprozessorgesteuerter Schachprogramme. Es arbeitete materialorientiert und mit begrenzter Selektivität. Typisch waren:

  • solide Grundregeln
  • eingeschränkte Endspieltechnik
  • taktische Anfälligkeit bei tieferen Kombinationen
  • relativ konstante Rechentiefe

Die reale Spielstärke entsprach etwa einem durchschnittlichen Klubspieler der unteren Klassen.

Bedeutung

Der Videomaster Chess Champion stellte eine interessante Zwischenstufe dar: Er demonstrierte, wie durch reine Takterhöhung eine messbare Leistungssteigerung erzielt werden konnte, ohne das Programm selbst zu verändern.

Damit war das Gerät ein frühes Beispiel für hardwareseitiges „Performance-Tuning“ innerhalb identischer Programmgenerationen.

Quellen

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung des Schachcomputer.info Wiki. Durch die Nutzung des Schachcomputer.info Wiki erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.