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SC 1

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SC 1
SC 1
SC 1
Stammdaten
Technik
2,5 MHz
RAM / ROM:
1 KB (8x U202) / 9 KB (9x U505)


Ausstattung
Stufen:
10
Vier 7-Segment-LED-Displays
15 Doppelfunktionstasten
Display
Netzteil
Erster DDR-Schachcomputer

Der SC 1 (SC steht für Schachcomputer) aus dem Jahr 1981 war der erste DDR-Schachcomputer aus dem Funkwerk Erfurt und diente vor allem als Demonstrationsmodell, um die Leistungsfähigkeit mikroelektronischer Bauelemente aus DDR-Produktion zu demonstrieren.

Hintergrund

Die Entwicklung des SC 1 stand im Zusammenhang mit den allgemeinen Bestrebungen der DDR, mikroelektronische Anwendungen auf Konsumgüter und Demonstrationssysteme auszuweiten. Schachcomputer galten international als anspruchsvolle Referenzanwendung für Mikroprozessoren, da sie Rechenleistung, Speicherverwaltung und Benutzerschnittstellen kombinierten.

Im Funkwerk Erfurt, einem Teilbereich des VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ Erfurt wurde daher untersucht, inwieweit sich mit in der DDR verfügbaren Bauelementen ein eigenständiges Schachcomputersystem realisieren ließ. Der SC 1 entstand vor diesem Hintergrund als technologischer Erprobungsträger.

Entwicklung

Der SC 1 wurde um 1980/81 entwickelt. Ziel war weniger ein marktfähiges Konsumprodukt als vielmehr die Demonstration mikroelektronischer Kompetenz sowie die praktische Erprobung eines komplexen Software-Hardware-Systems.

Zeitgenössischen Berichten zufolge erfolgte die Fertigung in sehr kleiner Stückzahl. Die Angaben schwanken je nach Quelle. Genannt werden Stückzahlen im niedrigen zweistelligen Bereich.

Herr Michael Jakob nahm per Mail wie folgt darauf Bezug: "Ich war damals in meiner Lehre zum Elektronikfacharbeiter (1979-1982) beim VEB Mikroelektronik Erfurt am Bau des SC 1 beteiligt. Die Produktion hat in der Betriebsberufsschule in Erfurt stattgefunden. Es waren definitiv mehr als 20 Geräte die gebaut worden sind. Ich denke mich an 100 oder 120 Stück zu erinnern. Wir haben in der Lehrlingsproduktion die Leiterplatten bestückt und die Geräte auch später montiert. Das Tastenfeld war wirklich aus einem Taschenrechner Kunststoffoberteil zurechtgefräst."

Eine industrielle Serienproduktion ist nicht dokumentiert.

Gehäuse und Aufbau

Das Gehäuse bestand aus einem Holzrahmen, in dessen Mitte ein aufgedrucktes Schachbrett aus Aluminiumblech eingelassen war, ein Indiz für den Prototyp-Charakter des Geräts. Die Verarbeitung war robust und zum Teil handwerklich ausgeführt, mit vielen Schrauben und metallisch-massiver Frontplatte.

Die Steuerungseinheit auf Basis eines U880-Mikroprozessors (DDR-Z80-Klone) war auf einer schwer bestückten Leiterplatte montiert. Ein externes Netzteil versorgte das System mit Energie.

Eingabe und Ausgabe

Das Gerät verfügte über ein Tastaturfeld mit 15 Tasten, das an Taschenrechner-Keypads erinnerte. Es diente zur Festlegung der Spielstufe, zur Farbauswahl und zur Eingabe von Zügen und/oder Positionen. Vier 7-Segment-LED-Displays zeigten den Zug in algebraischer Notation (z. B. E2-E4) an, um den Spielverlauf zu kontrollieren und den Computerzug anzuzeigen. Zusätzlich gab es zwei Kontroll-LEDs, die Schach und Matt signalisierten.

Ein sensorisches Schachbrett war nicht vorhanden, die Figuren dienten ausschließlich der Visualisierung für den Spieler.

Funktionstatsten

Bedienungselemente & Funktionen
Taste / Funktion Beschreibung
Rückstellen (R) alle Steine werden in die Ausgangsposition gebracht
Löschen (L) Löschen der Anzeige und nicht quittierter Züge
Spielstufen (K) 0...9 einstellbar
Figurenwahl (W) Computer spielt mit weißen Steinen
Quittierung (Q) Quittierung (Gültigmachen von Zug- oder Stellungseingaben)
Stellungsabfrage Je Tastendruck werden Figur und Standfeld angezeigt
Problemeingabe (P) Umschaltung zum Aufstellen und Entfernen von Figuren
Tonabschaltung (T) Kontrollton an / aus

Software

Das Schachprogramm des SC 1 war keine DDR-Eigenentwicklung. Das Programm stammte von Ron Nelson und wurde speziell angepasst. Es weist das charakteristische „OOoo“-Blinkmuster im LED-Display während der Rechenphase auf, das als Erkennungsmerkmal der Software gilt. Vermutlich basierte es auf dem Fidelity Chess Challenger 10c, wie das Programm des SC 2.

Diese Praxis entsprach der in der frühen Phase der Schachcomputerentwicklung international verbreiteten Nutzung und Adaption vorhandener Programmkonzepte. Eine detaillierte technische Analyse des Programmcodes liegt bislang nicht öffentlich vor.

Der SC 1 erkannte Rochaden, führte sie aus, erkannte und schlug en passant, wandelte Bauern automatisch in Damen um und erkennt Matt- und Pattstellungen.

Übersicht der Spielstufen: Bedenkzeit pro Zug
Stufe Bezeichnung Zeit pro Zug
1 Blitzschach 3 sec.
2 Schnellschach 8 sec.
3 Praxis 40 sec.
4 Training 1 Min.
5 Turnier 2 Min. 30 sec.
6 Trainingsanalyse 4 Min. 50 sec.
7 Turnieranalyse 10 Min.
8 Endspielanalyse 12 Min. 30 sec.
9 Spezialanalyse 16 Min.
10 Totalanalyse 60 Min.

Präsentation und Verteilung

Der SC 1 wurde bereits im Frühjahr 1980 auf der Leipziger Messe vorgestellt und Mitte 1981 an Testergruppen ausgegeben. Vorhandenen Unterlagen zu einigen Exemplaren belegen, dass zwischen dem Hersteller und den Testern Formulare für einen Erprobungszeitraum von einem Jahr (s.h. SC- 1 auf Chess Computer UK) ausgestellt wurden, in denen Spielberichte, Betriebszeiten und Umgebungsdaten dokumentiert werden sollten. Während dieser Testphase blieb das Gerät Eigentum des VEB Funkwerk Erfurt, erst im Anschluss konnten die Tester den SC 1 zu einem reduzierten Preis übernehmen.

Die geringe Stückzahl und der hohe Produktionsaufwand verhinderten eine kommerzielle Serie. Das Gerät ebnete jedoch den Weg für spätere DDR-Schachcomputer wie den SC 2 und den Chess-Master, die in größeren Stückzahlen produziert wurden und auch exportfähig gestaltet wurden.

Rezeption und Bedeutung

Der SC 1 gilt heute als einer der seltensten und historisch interessantesten Schachcomputer aus der DDR und als eines der ersten elektronischen Schachgeräte hinter dem „Eisernen Vorhang“. Aufgrund der geringen Stückzahl und der besonderen Bauweise wird er von Sammlern sehr geschätzt. Er dokumentiert die frühen Versuche der DDR-Industrie, komplexe mikroprozessorgesteuerte Konsumgeräte zu realisieren.

Weblinks

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