Videomaster Chess Champion
| Videomaster Chess Champion | ||
|---|---|---|
| Hersteller | Videomaster | |
| Markteinführung | 1978 | |
| CElo | ca. | |
| Programmierer | Goodrich, David B. & Associates | |
| Prozessor | F8 (Fairchild 3850) | |
| Prozessortyp | 8 Bit | |
| Takt | 3 MHz (spätere „Quick Response“-Version) | |
| RAM | 320 Bytes RAM (64 Byte intern im F8 plus 256 Byte in externen RAM-ICs) | |
| ROM | 2 KB | |
| Bibliothek | --- | |
| Einführungspreis | £89.50 | |
| Rechentiefe | ||
| BT-2450 | ||
| BT-2630 | ||
| Colditz | ||
| Verwandt | CompuChess, Novag MK I | |
| Zugeingabe | Tastatur (Tastenfeld mit 16 multifunktionalen Tasten) | |
| Zugausgabe | Display | |
| Display | 4-stellige 7-Segment LED Anzeige | |
| Stromversorgung | Netzteil 9V / 300mA | |
| Spielstufen | 6 | |
| Maße | 22 x 12 x 4 cm | |
| Sonstiges | ||
| The Chess Champion MK I was Novag's first dedicated chess computer. The program was a pirate copy of the ROM in the CompuChess. | ||
Der Videomaster Chess Champion war ein elektronischer Schachcomputer des britischen Herstellers Videomaster, der 1979 erschien. Technisch basierte das Gerät auf der Plattform des Novag Chess Champion MK I, stellte jedoch eine überarbeitete Variante dar, die unter anderem durch eine höhere Taktfrequenz und schnellere Reaktionszeiten auffiel.
Historischer Hintergrund
Ende der 1970er Jahre verbreiteten sich dedizierte Schachcomputer rasch im europäischen Markt. Während Novag seine Geräte unter eigenem Namen vertrieb, wurden baugleiche oder leicht modifizierte Versionen auch unter Lizenzmarken angeboten. Der Videomaster Chess Champion gehörte zu diesen Lizenz- bzw. OEM-Versionen.
Die spätere Ausführung des Videomaster-Modells – häufig als „Quick Response“-Version bezeichnet – unterschied sich durch eine deutlich höhere Antwortgeschwindigkeit von der ursprünglichen MK-I-Version.
Technik
Der Videomaster Chess Champion nutzte wie das Vorbild einen MOSTEK MK3870 (F8) Mikrocontroller mit integriertem ROM. Während frühe Novag-MK-I-Geräte typischerweise mit etwa 2 MHz betrieben wurden, lief die Quick-Response-Version des Videomaster mit rund 3 MHz.
Diese Erhöhung um etwa 50 % führte in der Praxis zu nahezu halbierten Antwortzeiten bei identischen Stellungen.
Technische Eckdaten:
- CPU: MOSTEK MK3870 (F8-Architektur)
- Taktfrequenz: ca. 3 MHz (Quick Response)
- Programmspeicher: 4 KB
- RAM: 64 Byte
- Magnetsensorbrett
- LED-Zuganzeige mit Koordinatenfenstern
Unterschiede zum Novag Chess Champion MK I
Obwohl die Programmbasis weitgehend identisch war, zeigten sich folgende Unterschiede:
| Merkmal | Novag MK I (Standard) | Videomaster (Quick Response) |
|---|---|---|
| Taktfrequenz | ca. 2 MHz | ca. 3 MHz |
| Antwortgeschwindigkeit | Referenz | nahezu doppelt so schnell |
| Branding | Novag | Videomaster |
| Gehäusedesign | frühes Kunststoffdesign | leicht modifiziertes Layout |
Die Spielstärke selbst veränderte sich durch die Takterhöhung nur moderat, da die Suchalgorithmen unverändert blieben. Allerdings erreichte das Gerät bei festen Zeitstufen effektiv eine größere Suchtiefe.
Technische Analyse: Suchtiefendifferenz bei 2 MHz vs. 3 MHz
Die spätere „Quick Response“-Version des Videomaster Chess Champion arbeitete mit einer Taktfrequenz von etwa 3 MHz anstelle der ca. 2 MHz der ursprünglichen Novag-MK-I-Ausführung. Dies entsprach einer nominellen Leistungssteigerung von rund 50 %.
Theoretische Betrachtung
Bei identischer Programmlogik verhielt sich die Rechengeschwindigkeit annähernd proportional zur Taktfrequenz.
Wenn man die Knotenanzahl pro Sekunde mit N bezeichnete, ergab sich:
- bei 2 MHz → N
- bei 3 MHz → ca. 1,5 N
Da die effektive Suchtiefe in Schachprogrammen exponentiell mit dem Verzweigungsfaktor zusammenhing (typisch ca. 30–35 legale Züge pro Stellung), führte eine 50 %ige Geschwindigkeitssteigerung nicht zu einer linearen Erhöhung der Suchtiefe.
Die zusätzliche Suchtiefe Δd ließ sich näherungsweise durch
Δd ≈ log(1,5) / log(30)
abschätzen.
Dies ergab einen Wert von deutlich unter einem halben Halbzug. Praktisch bedeutete dies:
- Keine vollständige zusätzliche Halbzugtiefe
- Aber signifikant häufigere Erreichung der nächsthöheren Iteration bei festen Zeitstufen
- Spürbar verkürzte Antwortzeiten bei festen Tiefenstufen
Praktische Auswirkungen
In der Praxis zeigte sich der Effekt weniger in dramatisch stärkerem Spiel, sondern vor allem in:
- kürzeren Wartezeiten bei niedrigen Stufen
- stabilerer taktischer Berechnung bei Kombinationen mittlerer Tiefe
- etwas geringerer „Hänger“-Neigung in forcierten Varianten
Bei festen Zeitkontrollen (z. B. 5 Sekunden pro Zug) erreichte die 3-MHz-Version häufiger stabile 3–4 Halbzüge Tiefe, während die 2-MHz-Version gelegentlich an der Schwelle zur nächsten Iteration abbrechen musste.
Bewertung der Leistungssteigerung
Die reine Takterhöhung verbesserte die effektive Spielstärke nur moderat. Realistisch lag der Zugewinn im Bereich von 30–60 Elo-Punkten.
Der wesentliche Vorteil lag somit nicht in einer fundamentalen Qualitätssteigerung des Programms, sondern in einer spürbar reaktiveren Bedienung und einer geringeren Wartezeit – ein im Heimgebrauch durchaus relevanter Faktor.
Spielstärke und Charakteristik
Das Programm gehörte zur frühen Generation mikroprozessorgesteuerter Schachprogramme. Es arbeitete materialorientiert und mit begrenzter Selektivität. Typisch waren:
- solide Grundregeln
- eingeschränkte Endspieltechnik
- taktische Anfälligkeit bei tieferen Kombinationen
- relativ konstante Rechentiefe
Die reale Spielstärke entsprach etwa einem durchschnittlichen Klubspieler der unteren Klassen.
Bedeutung
Der Videomaster Chess Champion stellte eine interessante Zwischenstufe dar: Er demonstrierte, wie durch reine Takterhöhung eine messbare Leistungssteigerung erzielt werden konnte, ohne das Programm selbst zu verändern.
Damit war das Gerät ein frühes Beispiel für hardwareseitiges „Performance-Tuning“ innerhalb identischer Programmgenerationen.
Quellen
- Videomaster Chess Champion (MK I) (1978) by Retro Ordenadores Orty - Blog
- Videomaster Chess Champion – Bedienungsanleitung (US-Version)
- Review in Electronic Board Games 2 by Chess Computer UK
