3. WMCCC Budapest 1983

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P Player Score SOP 1 2 3 4 5 6 7
1: ELITE A/S 6.0 / 7 26.5 10w+ 15b+ 2w+ 3w= 8b+ 4w= 13b+
2: MEPHISTO X 5.0 / 7 29.0 11b+ 7w+ 1b- 8w= 5b= 12w+ 3b+
3: NOVAG X 5.0 / 7 27.0 16w+ 9b= 5w+ 1b= 10b+ 13w+ 2w-
4: SUPER CONSTELLATION 5.0 / 7 26.0 12w= 5b- 15w+ 9b+ 7w+ 1b= 10b+
5: PRESTIGE 4.5 / 7 28.5 8b+ 4w+ 3b- 11b+ 2w= 10w+ 7b-
6: GEDEON X 4.0 / 5 12.5 .... .... 18b+ 7w- 16b+ 8b+ 11w+
7: CHESS 2001 4.0 / 7 26.0 14w+ 2b- 10w- 6b+ 4b- 15w+ 5w+
8: CHESS 2001 X 3.5 / 7 27.0 5w- 16b+ 9w+ 2b= 1w- 6w- 15b+
9: MEPHISTO Y 3.5 / 7 24.0 13b+ 3w= 8b- 4w- 14b+ 11w- 16b+
10: MEPHISTO EXCALIBUR 3.0 / 7 29.5 1b- 17w+ 7b+ 12b+ 3w- 5b- 4w-
11: CONSTELLATION 3.0 / 7 24.0 2w- 12b= 17b+ 5w- 15w= 9b+ 6b-
12: SENSORY 9 3.0 / 7 23.5 4b= 11w= 14b+ 10w- 13b- 2b- 17w+
13: SUPERSTAR X 3.0 / 7 22.0 9w- 14b- 16w+ 18b+ 12w+ 3b- 1w-
14: MICROMURKS 2.5 / 7 17.5 7b- 13w+ 12w- 15b= 9w- 17b- 18w+
15: LOGICHESS 2, 2 2.0 / 7 26.0 17b+ 1w- 4b- 14w= 11b= 7b- 8w-
16: CHESSMASTER 2.0 / 7 21.0 3b- 8w- 13b- 17w+ 6w- 18b+ 9w-
17: 65 CYRUS X 2.0 / 7 15.5 15w- 10b- 11w- 16b- 18w+ 14w+ 12b-
18: LABIRINT 64 0.0 / 5 13.5 .... .... 6w- 13w- 17b- 16w- 14b-

61 games: +25 =9 -27

FIDELITY siegte in Budapest

(Turnierbericht von Frederic Friedel & Dieter Steinwender aus Computerschach International / Heft 4 / 1983)

Die Mikrocomputer-Schach-WM in Budapest ist zu Ende, viele CSI-Mitglieder haben unseren Ungarn-Service in Anspruch genommen und das Ergebnis bereits erfahren. Auch den übrigen Lesern, die es nicht so eilig hatten, wollen wir in dieser Ausgabe einen ersten Eindruck von den Wettkämpfen vermitteln. Natürlich werden wir in den nächsten Heften viel ausführlicher darauf eingehen, über den Turnierverlauf und die Hintergründe be-richten. Heute wollen wir Sie in erster Linie über das Ergebnis des Turniers in-formieren.

Die Teilnehmer

Fidelity Elite AS-Novag X, Kate Spracklen

Firma: Fidelity Electronics
Autoren: Dan und Kathe Spracklen, Ronald Nelson, Boris Baczynskyj

PRESTIGE: Das bekannte Holzgerät der höheren Preisklasse, ausgestattet mit mit dynamischer Bewertung der Endknoten. Das Programm umfasst 20K in EPROM und benötigt 14K RAM. Prozessor: 6502C auf 4 MHz getaktet. Das Gerät schafft ca. 1000 Stellungen pro Sekunde. Die in Ungarn verwendete spezielle Turnier-Eröffnungsbibliothek hat ca. 16.000 Stellungen, das normalerweise eingebaute CB-16-Modul wurde außer Betrieb gesetzt.

ELITE A/S: Dieses in Deutschland angefertigte Holz-Sensorgerät hat dasselbe Programm wie der Prestige. Allerdings war die Taktgeschwindigkeit des Prozessor etwas geringer (3 MHz, daher auch nur 750 Stellungen pro Sekunde) und es standen nur 3K RAM zur Verfügung. Die normalerweise im 24K umfassenden Programmspeicher (EPROM) enthaltene Eröffnungsbibliothek wurde für das Turnier durch dieselbe ersetzt, die auch im Prestige verwendet wurde.

CHESS CHALLENGER SENSORY 9: Die neueste Version des bekannten Sensory 9. Das Programm wurde verbessert und eine ganze Reihe neuer Strategien eingebaut. Das Programm, das bereits in ROM ist, umfasst 16K und benötigt 2K RAM. Der 6502A Prozessor läuft mit 2 MHz (gegenüber 1,5 MHz des normalen CC9). Die Eröffnungsbibliothek hat ca. 3.000 Stellungen.

Firma: Hegener + Glaser
Autoren: Thomas Nitsche, Elmar Henne

MEPHISTO EXCALIBUR: Ein Mephisto-Grundgerät im ESB Holz-Sensorbrett, mit einer 68000-Karte ausgerüstet, die das neueste Mephisto-III-Programm ausführt. Der 68000 ist ein echter 16-Bit-Prozessor und seine Verarbeitungsgeschwindigkeit von 8 MHz würde beim normalen MephistoGrundgerät etwa 21 MHz entsprechen. Das Programm ist 43 KByte groß und in EPROMs untergebracht. In der Turnierversion stand ein RAM-Speicher von 128K zur Verfügung, in den beim Start das gesamte Programm zwecks Geschwindigkeitssteigerung übertragen wurde. Das Münchener Programm arbeitet extrem selektiv und schafft durchschnittlich 5 Stellungsüberprüfungen pro Sekunde, die Eröffnungsbibliothek hat ca. 1500 Stellungen. Das System wird bereits für 5000 DM angeboten.

MEPHISTO X: Im Wesentlichen identisch mit dem EXCALIBUR, allerdings mit einer etwas kleineren Eröffnungsbibliothek (1000 Stellungen).

MEPHISTO Y: Auch mit den anderen beiden nahezu identisch. Zunächst lief dieses Gerät ohne Eröffnungsbibliothek, später wurde die des Mephisto X verwendet.

Firma: Novag Industries
Autoren: David Kittinger, Scott McDonald

CONSTELLATION: Der normale Constellation von 2 MHz auf 3 MHz getrimmt (Prozessor 6502B), aber ansonsten unverändert. Programm: 16K in ROM, 2K RAM, Geschwindigkeit: rund 800 Stellungen pro Sekunde. Auch die Eröffnungsbibliothek (ca. 2500 Stellungen) wurde nicht modifiziert.

SUPER CONSTELLATION: Dieses für 1984 vorgesehene Programm spielte im Constellation-Gehäuse. Der 6502C-Prozessor lief anfangs mit 4 MHz, wurde aber nach zwei Partien wegen technischer Schwierigkeiten auf 3,6 MHz heruntergesetzt. Das Programm war beim Turnier in 32K EPROM Speicherchips (mit 4K RAM) untergebracht. Suchgeschwindigkeit: 1000 Knoten pro Sekunde.

NOVAG X: Ein weiteres Programm von Dave Kittinger, das noch etwas größer ist (34K EPROM und 4K RAM) und von einem 6502C mit 3,6 MHz ausgeführt wird. Im Turnier war es im Schachbrett des Robots untergebracht, das mit zusätzlichen Anzeige-LEDs ausgestattet wurde und natürlich ohne Arm spielte.

Firma: Intelligent Software
Autoren: Richard Lang, Mark Taylor

CHESS 2001: Dieses neue Gerät, in England entwickelt und in Hongkong hergestellt, wurde erstmals bei der EM in London vorgestellt. Prozessor: Z8OC, 8 MHz (gegenüber 4 MHz bei dem im Handel erhältlichen Modell). Das Programm liegt bereits in der ROM-Version vor (16K mit 2K RAM) und hat 2500 Stellungen in der Eröffnungsbibliothek. Die Suchstrategie ist eher selektiv, es werden aber immerhin ca. 500 Knoten in der Sekunde untersucht.

CHESS 2001 X: Identisch mit dem vorigen Gerät, allerdings mit roten Feldern auf dem Schachbrett. Zu experimentellen Zwecken hatte Firmenchef David Levy während eines Großteils des Turniers die Eröffnungsbibliothek ausgeschaltet.

Mephisto X-Chess2001 X, David Levy

65 CYRUS X: Ein weiteres, noch voll in der Entwicklung stehendes Programm von Richard Lang und Mark Taylor. Verwendet wurde ein Apple II mit einer Accellerator Card (6502C-CPU) von Saturn Systems, die den Computer auf 3,6 MHz beschleunigt. Der Schachteil ist nur 5K groß und benötigt zusätzlich 8K RAM. Das Programm kennt 180 Eröffnungszüge. Die selektive Baumsuche ermöglicht eine Vorausrechnung von 4 bis 9 Halbzügen.

Firma: SciSys
Autor: Julio Kaplan

SUPERSTAR X: Dieses Gerät kam in letzter Minute über Holland nach Budapest. Es arbeitet mit einem 6502A (2 MHz) und hat ein 24K großes Programm (+ 4K RAM). Die Bibliothek enthält 2500 Eröffnungszüge und das Programm untersucht ca. 400 Stellungen pro Sekunde.

Firma: Mikroelektronik Erfurt
Autoren: Rüdiger Worbs, Dieter Schultze

CHESS-MASTER: Das DDR-Programm ist in einem Holzgehäuse untergebracht, hat Magnetsensoren und LEDs in jedem Feld. Der Prozessor (U 880 D, 2,5 MHz) ist eine eigene Entwicklung der Firma und entspricht in etwa dem Z80 von Zilog. Das Programm ist 12 KByte groß, enthält 180 Eröffnungsvarianten und untersucht nur 12-15 Stellungen pro Sekunde. Das Gerät, das auf der Leipziger Messe vorgestellt wurde und im Herstellerland bereits zu kaufen ist, hat im übrigen eine äußerst originelle Eingabemethode für Problemstellungen.

Universität Hamburg
Autoren: Manfred Allers, Dirk Hauschildt, Alexander Reinefeld, Jan Ropers, Dieter Steinwender

MICROMURKS: Dieses Programm läuft auf einer AP-20 von IBS, einer speziellen 68000-Karte für den Apple, die effektiv mit ca. 3,5 MHz gefahren wird. Das Programm wird von Diskette geladen und benötigt 32K Speicher. Es hat eine stark spezialisierte Eröffungsbibliothek von 824 Stellungen.

Universität Kopenhagen
Autoren: Kaare Danielsen, Hartvig Ekner

LOGICHESS 2.2: Dieses Produkt der jüngsten Teilnehmer im Feld - 21 und 19 Jahre alt - läuft auf einem LYNX-Computer (Z8OA, 4 MHz) und benötigt 18K für den Code und 6K für veränderliche Daten. Es arbeitet selektiv und untersucht 50 Knoten pro Sekunde (Suchtiefe: ca. 4 bis 5 Halbzüge). Die Eröffungsbibliothek hat 400 Stellungen. Das Programm wird von Cassette geladen. Private Teilnehmer

LABIRINT 64: Dieses Gerät aus Rumänien wurde von Darie Viorel, Cean Valantin und Ciobanu Traian programmiert und läuft auf einem importierten 8085 mit 1 oder 2 MHz (Betreuer Viorel wußte es nicht genau). Das Programm hat eine Größe von 32K, wovon allein 26K für schachliche Bewertungen verwendet werden. In diesem Turnier spielte das Gerät mit einer festen Einstellung von selektiv sieben Zügen und einer Tiefe von drei Halbzügen. Dabei untersuchte es nur eine Stellung pro Sekunde.

GEDEON X: Der altbekannte Chess Challenger Champion, von Bela Gedeon aus Ungarn leicht geändert, wurde ins Turnier aufgenommen, um eine gerade Zahl von Teilnehmern zu erreichen. Daten: 6502B, 3 MHz, 32K ROM, 16K RAM.

Das Turnierergebnis

Den genauen Verlauf des Turniers können Sie der oben stehenden Tabelle entnehmen. Aus dieser Tabelle gehen die wichtigsten Daten über den Verlauf des Turniers hervor. Die sieben Runden sind in senkrechten Spalten getrennt aufgeführt (1 bis 7) und geben Auskunft über den Gegner und die Farbe, das Ergebnis dieser Begegnung und die Fortschritte der Programme im Turnier. Beispielsweise hat Elite A/S in der ersten Runde gegen Mephisto Excalibur (Nummer 10) mit Weiß (kein Punkt hinter der 10) gespielt und die Partie gewonnen (1); in der zweiten Runde war der Gegner Logichess 2.2 (15), Elite hatte Schwarz (b) und gewann (+). Wegen des verspäteten Eintreffens des rumänischen Programms wurden für Labirint und Gedeon in den ersten beiden Runden keine Punkte notiert.

Sieger des Turniers und Weltmeister der Mikrocomputer wurde mit einem vollen Punkt Vorsprung der Elite A/S, gefolgt von den punktgleichen Mephisto X (zweiter Preis), Novag X (dritter preis) und Super Constellation. Sensory 9, der auf Platz 12 landete, erhielt den Preis für den besten kommerziell erhältlichen Schachcomputer (nur er und Chess-Master hatten sich um diesen Preis beworben). Den Preis für das beste Amateurprogramm erhielt Micromurks.

Turnierverlauf


siehe auch