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Conchess

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(Weitergeleitet von Conchess Plymate)

Existenz: 1982 - 1990

Conchess bezeichnet eine Reihe modular aufgebauter Schachcomputer, die ab 1982 in Europa entwickelt und produziert wurden. Der Markenname setzt sich aus dem Firmennamen Consumenta (München) und dem englischen Wort Chess zusammen. Die Geräte basierten auf Schachprogrammen des schwedischen Ingenieurs und Programmierers Ulf Rathsman und zählten in den frühen 1980er Jahren zu den stärksten kommerziell erhältlichen 8-Bit-Schachcomputern.

Conchess entstand in einer Übergangsphase des Computerschachs, in der sich leistungsfähige Mikrocomputer zunehmend von akademischen Großrechnern lösten und als eigenständige kommerzielle Produkte etablierten. Technisch zeichnete sich Conchess durch eine modulare Architektur, hochwertige Bretter mit Sensorsystemen sowie eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Spielstärke aus.

Obwohl Conchess internationale Turniererfolge feierte, darunter den Weltmeistertitel bei der Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft 1984, war die Firmengeschichte von wirtschaftlichen Schwierigkeiten überschattet. Mehrere Insolvenzen beteiligter Unternehmen und gescheiterte Vertriebspartnerschaften verhinderten eine nachhaltige Markteinführung. Heutzutage gelten Conchess-Geräte als interessante und sehr schöne Zeugnisse der frühen europäischen Schachcomputer-Ära und sind bei Sammlern durchaus begehrt.

Vorgeschichte

Princhess und Travemünde 1981

Die unmittelbare Vorgeschichte von Conchess ist eng mit dem Schachprogramm Princhess verbunden, das von Ulf Rathsman Ende der 1970er Jahre für Mikrocomputer entwickelt worden war. Das Programm zeichnete sich durch eine aggressive, taktisch geprägte Spielweise sowie eine für die damalige Hardware außergewöhnlich effiziente Nutzung der verfügbaren Ressourcen aus.

Den internationalen Durchbruch erzielte Princhess bei der World Microcomputer Chess Championship 1981 in Travemünde, wo es den zweiten Platz belegte. Besonders bemerkenswert war dieses Ergebnis, da Princhess auf einem System mit lediglich 1 MHz Taktfrequenz lief, während konkurrierende Programme teilweise mit deutlich leistungsstärkerer Hardware (Siegerprogramm von Fidelity mit 5 MHz) antraten. Das Turnier machte Rathsman schlagartig in der internationalen Computerschachszene bekannt und belegte das kommerzielle Potenzial seines Programms.

Unternehmens- und Produktionsgeschichte

Zusammenarbeit mit Consumenta (1981–1982)

Im Umfeld dieses Turniers kam es zu ersten Gesprächen zwischen Rathsman und Peter-Ingolf Gericke, dem Geschäftsführer der Münchner Firma Consumenta Computer. Gericke, der zu diesem Zeitpunkt als Generalvertreter von Fidelity in Deutschland tätig war, erkannte die Möglichkeit, auf Basis von Princhess einen eigenständigen europäischen Schachcomputer zu entwickeln. Diese Begegnungen in Travemünde bildeten den Ausgangspunkt für das spätere Conchess-Projekt.

Im Herbst 1981 schlossen Rathsman und Gericke einen Vertrag über die Entwicklung eines eigenen europäischen Schachcomputers. Ziel war es, ein technisch hochwertiges und zugleich preislich konkurrenzfähiges Produkt zu schaffen. Die Hardwareentwicklung übernahm Christian Nitschke (EES, später Loproc), während die Platinen und Programmkassetten von der Siemens-Tochter CGK (Computer Gesellschaft Konstanz) gefertigt werden sollten. Als Produktionsstandort für die Seriengeräte wurde Waltham Electronics in Dun Laoghaire, Irland, ausgewählt.

Consumenta plante von Beginn an eine groß angelegte Markteinführung und prognostizierte eine Stückzahl von bis zu 50.000 Geräten. Diese ambitionierten Erwartungen führten bereits in der frühen Phase zu einer umfangreichen Produktionsvorbereitung bei den beteiligten Unternehmen. Parallel dazu arbeitete Rathsman intensiv an der Anpassung seines Programms an die neue Hardwareplattform.

Johan Enroth spielte in der frühen Phase von Conchess eine wichtige unterstützende Rolle. Als langjähriger Förderer von Ulf Rathsman trug er wesentlich zur organisatorischen Koordination des Projekts bei und unterstützte die Entwicklung insbesondere in der Übergangsphase zwischen Softwareentwicklung und kommerziellem Produkt. Auch nach der Insolvenz von Consumenta war Enroth an der Aufrechterhaltung der Entwicklungsaktivitäten beteiligt.

Insolvenz von Consumenta und Fortführung durch Waltham

Bereits wenige Monate nach Vertragsabschluss geriet Consumenta in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Im Frühjahr 1982 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Nach späteren Angaben von Peter-Ingolf Gericke waren unter anderem interne Unregelmäßigkeiten und Veruntreuung von Firmengeldern ursächlich für den Zusammenbruch.

Obwohl Consumenta Insolvenz anmelden musste, wurde das Conchess-Projekt nicht sofort eingestellt. Waltham Electronics übernahm die Produktion und den Vertrieb der Schachcomputer. Rathsman wurde von Waltham weiterbeschäftigt, um die Softwareentwicklung fortzusetzen und die Serienreife des Produkts zu gewährleisten.

In dieser Phase gelang die Markteinführung der ersten Conchess-Geräte. Technisch konnten sie sich in Vergleichstests mit zeitgenössischen Schachcomputern behaupten und zählten zu den stärksten 8-Bit-Systemen ihrer Zeit. Dennoch blieb die wirtschaftliche Situation angespannt, da die ursprünglichen Vertriebsstrukturen von Consumenta weggefallen waren und neue Absatzkanäle erst aufgebaut werden mussten.

Milton-Bradley-Episode und wirtschaftlicher Niedergang

Anfang 1983 zeichnete sich eine mögliche wirtschaftliche Stabilisierung ab, als der US-amerikanische Spielwarenkonzern Milton Bradley Interesse bekundete, die gesamte Conchess-Produktion für den nordamerikanischen Markt zu übernehmen. Entsprechende Verpackungen mit Milton-Bradley-Kennzeichnung wurden vorbereitet und sowohl Entwickler als auch Vertriebspartner verbanden mit diesem Schritt große Erwartungen.

Der geplante Großauftrag kam jedoch nicht zustande. Milton Bradley zog sich nach internen Tests zurück und begründete die Entscheidung unter anderem mit Qualitäts- und Transportproblemen der Geräte, insbesondere im Hinblick auf thermische Probleme und die mechanische Stabilität der Bretter. Die Stornierung dieses Geschäfts entzog Waltham Electronics die wirtschaftliche Grundlage.

Im August 1983 meldete schließlich auch Waltham Electronics Insolvenz an. Die Produktion der Conchess-Schachcomputer wurde eingestellt, vorhandene Lagerbestände wurden veräußert und das Projekt zerfiel in einzelne Restaktivitäten. Für Rathsman bedeutete dies das Ende der kontinuierlichen Beschäftigung im Rahmen von Conchess, auch wenn einzelne Programmvarianten und Module noch in kleinen Stückzahlen weiterverwendet oder vertrieben wurden.

Trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen und der letztlich gescheiterten Expansion in den US-Markt erreichte Conchess eine beachtliche Produktions- und Verkaufszahl. Von den ursprünglich geplanten 50.000 Geräten wurden nach Angaben von Ulf Rathsman insgesamt rund 37.000 Conchess-Schachcomputer produziert und verkauft.

Chronologie 1981–1984

Diese Chronologie bietet einen umfassenden Überblick über die wichtigsten technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Meilensteine in der Entwicklung, Produktion und Vermarktung der Schachcomputer-Marke Conchess. Sie richtet sich an Sammler, Historiker und technisch interessierte Leser und ermöglicht eine präzise zeitliche Einordnung der Ereignisse zwischen 1981 und 1984. Die Entwicklung und Produktion von Conchess war von einer außergewöhnlich komplexen Abfolge technischer, wirtschaftlicher und organisatorischer Ereignisse geprägt.

1981

  • Januar 1981 – Ulf Rathsman gibt seine Anstellung bei L. M. Ericsson auf, um sich vollständig der Entwicklung seines Schachprogramms Princhess zu widmen.
  • 21.–25. September 1981Princhess erreicht den zweiten Platz bei der World Microcomputer Chess Championship in Travemünde. Im Umfeld des Turniers kommt es zu ersten Gesprächen zwischen Rathsman und Peter-Ingolf Gericke (Consumenta).
  • Oktober 1981 – Christian Nitschke (EES) unterzeichnet einen Vertrag mit Gericke. Erste Hardware-Entwürfe für den späteren Conchess-Schachcomputer werden erstellt.
  • November 1981 – Vertragsabschluss zwischen Rathsman und Consumenta Computer (München) über die Entwicklung eines kommerziellen Schachcomputers. Festlegung von Waltham Electronics (Irland) als Produktionsstandort sowie CGK (Konstanz) als Zulieferer für Platinen und Kassetten.
  • 23.–29. November 1981 – Präsentation eines frühen Conchess-Prototyps beim Turnier Stockholm Micro-81. Princhess B läuft erstmals auf einem Metallbrett-Prototyp.

1982

  • Februar 1982 – Präsentation eines Conchess-Prototyps auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Kurz darauf treten erste finanzielle Probleme bei Consumenta offen zutage.
  • März 1982 – Insolvenz von Consumenta Computer. Waltham Electronics übernimmt die Verantwortung für Produktion und Vertrieb der Conchess-Schachcomputer. Rathsman wird weiterbeschäftigt.
  • Mai 1982 – Fertigung der ersten Serienplatinen (Revision A0). Abschluss der finalen EPROM-Versionen des Conchess-Programms.
  • Juni 1982 – Interne Vergleichstests bestätigen die hohe Spielstärke von Conchess im Vergleich zu zeitgenössischen 8-Bit-Schachcomputern.
  • Juli 1982 – Auslieferung der ersten Demogeräte. Beginn der regulären Serienproduktion.
  • August 1982 – Markteinführung von Conchess-Geräten mit EPROM-Kassetten.
  • September 1982 – Teilnahme an der 3. Europäischen Mikrocomputer-Schachmeisterschaft in London. Conchess erreicht den 11. Platz.
  • Herbst 1982 – Umstellung auf Mask-ROM-Kassetten. Besuch von Rathsman in der Produktionsstätte von Waltham Electronics in Irland.

1983

  • Februar 1983 – Präsentation von Conchess-Geräten auf der Nürnberger Spielwarenmesse.
  • 25. Februar – 14. März 1983 – Ulf Rathsman entwickelt im Auftrag von Cherry Entertainment Schachprogramme für Arcade-Automaten (Aladdin und Pirat).
  • Frühjahr 1983 – Gespräche zwischen Waltham Electronics und dem US-Spielwarenkonzern Milton Bradley über einen großvolumigen Vertrieb der Conchess-Schachcomputer in Nordamerika.
  • Sommer 1983 – Rückzug von Milton Bradley nach internen Tests. Waltham storniert ausstehende Zahlungen.
  • Juli–August 1983 – Entwicklung experimenteller Mehrprozessor- und Hochgeschwindigkeitsvarianten (u. a. „Tactical Cartridge“).
  • August 1983 – Insolvenz von Waltham Electronics. Einstellung der regulären Produktion. Verwertung von Lagerbeständen.
  • Herbst 1983 – Abwicklung der verbliebenen Conchess-Bestände. Einzelne Entwickler erhalten Geräte oder Vergütungen als Ausgleich.

1984

  • Anfang 1984 – Fortführung der Softwareentwicklung unter veränderten organisatorischen Rahmenbedingungen mit Unterstützung von Systemhuset (Schweden).
  • Ende 1984 – Conchess ist faktisch nicht mehr als eigenständiger Hersteller aktiv, bleibt jedoch über Programme, Module und Turniererfolge weiterhin präsent.


Obwohl die Serienproduktion der Conchess-Schachcomputer bereits 1983 endete, existierte die Marke formal noch bis etwa 1990. In dieser Zeit wurden vereinzelt Restbestände, Module und Sondervarianten weiter vertrieben. Eine eigenständige industrielle Fertigung fand nach 1983 jedoch nicht mehr statt.

Einordnung

Die Chronologie verdeutlicht die außergewöhnliche Dynamik des Conchess-Projekts. Innerhalb von weniger als drei Jahren durchlief Conchess alle Phasen eines technologiegetriebenen Unternehmens. Von der Innovation über die Serienproduktion bis hin zum wirtschaftlichen Zusammenbruch und dem sportlichen Höhepunkt nach Ende der regulären Fertigung.

Produktlinie

Infos von Lars Hjorth, Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com

Conchess Escorter

Der Conchess Escorter stellte das Einstiegsmodell der Conchess-Reihe dar. Er war als kompakter und vergleichsweise preisgünstiger Schachcomputer konzipiert und richtete sich an ambitionierte Hobbyspieler sowie an Käufer, die erstmals einen modularen Schachcomputer erwerben wollten.

Das Gerät verfügte über ein integriertes Sensor-Schachbrett mit Kunststoffgehäuse und bot bereits die vollständige Modularität des Conchess-Systems. Trotz seiner Positionierung als Basismodell entsprach die Spielstärke der eingesetzten Programme dem hohen technischen Niveau der gesamten Produktlinie. Der Escorter bildete damit den funktionalen Einstieg in das Conchess-System.

Produktdetails

(2 Varianten)
Silber/Bronze Ausführung
Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com
  • Abmessungen: 300 x 300 x 32 mm
  • Preis: 598 DM
  • Hergestellt aus Kunststoff von einer Bilderrahmenfirma in Enniskillen, Nordirland.
  • Brett und Figuren wurden in zwei verschiedenen Farben hergestellt: silber/bronze und silber/schwarz.
  • Die Kunststoffteile wurden von einer irischen Spritzgussfirma hergestellt.
  • Die Kassetten wurden von der Siemens-Tochter CGK (Computer Gesellschaft Konstanz) in Konstanz hergestellt und von EES in Deutschland nach Irland verkauft.
Silber/Schwarz Ausführung
Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com

Conchess Ambassador

Der Conchess Ambassador war das am weitesten verbreitete Modell der Conchess-Reihe. Er verband die modulare Technik des Systems mit einer deutlich hochwertigeren Ausführung als der Escorter und stellte damit den Kern des kommerziellen Angebots dar.

Der Ambassador verfügte über ein größeres Schachbrett mit verbesserter Sensorik und wurde mit Holzgehäuse ausgeliefert. Dieses Modell wurde sowohl im privaten Bereich als auch für Demonstrationen und Turniere eingesetzt. Viele der bekannten Conchess-Programme, darunter Varianten von Princhess und Plymate, wurden primär auf dem Ambassador betrieben, wodurch dieses Modell eng mit den internationalen Erfolgen der Marke verbunden ist.

Produkdetails

Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com
  • Abmessungen: 380 x 380 x 35 mm
  • Preis: 798 DM
  • Hergestellt aus Mahogny von Lefebvre Marquetry in Belgien.
  • Staunton-Stücke wurden im Fernen Osten hergestellt.
  • Die Kassetten wurden von der Siemens-Tochter CGK (Computer Gesellschaft Konstanz) in Konstanz hergestellt und von EES in Deutschland nach Irland verkauft.

Conchess Monarch

Der Conchess Monarch stellte das Luxusmodell der Conchess-Serie dar. Er richtete sich an anspruchsvolle Anwender und Sammler und zeichnete sich durch ein besonders großes und hochwertig verarbeitetes Holzschachbrett aus.

Der Monarch kombinierte die modulare Technik von Conchess mit einer repräsentativen Gestaltung und wurde häufig als Premiumprodukt beworben. Aufgrund seines höheren Preises und der wirtschaftlich schwierigen Situation des Herstellers wurde dieses Modell nur in vergleichsweise geringer Stückzahl produziert und zählt heute zu den seltensten und begehrtesten Conchess-Geräten.

Produktdetails

Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com
  • Abmessungen: 520 x 520 x 35 mm
  • Preis: 998 DM
  • Hergestellt aus Rosenholz von Lefebvre Marquetry in Belgien.
  • Staunton-Stücke wurden im Fernen Osten hergestellt.
  • Die Kassetten wurden von der Siemens-Tochter CGK (Computer Gesellschaft Konstanz) in Konstanz hergestellt und von EES in Deutschland nach Irland verkauft.

Bedienungselemente


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Sonder- und Spätmodelle

Neben den Hauptmodellen Escorter, Ambassador und Monarch erschienen im Laufe der Produktionszeit weitere Sonder- und Spätvarianten der Conchess-Schachcomputer. Diese unterschieden sich teilweise in Gehäusegestaltung, Brettgröße oder Programmausstattung und entstanden häufig in kleinen Serien.

Einige dieser Modelle wurden nach dem Ende der regulären Serienproduktion aus vorhandenen Lagerbeständen gefertigt oder für spezielle Märkte angepasst. Aufgrund der geringen Stückzahlen und der fragmentierten Produktionsphase sind diese Varianten heute nur unvollständig dokumentiert.

Technische Merkmale

Hardware

Die Conchess-Schachcomputer basierten auf Prozessoren der MOS-Technology-6502-Familie. Abhängig vom eingesetzten Modul und der jeweiligen Gerätegeneration kamen unterschiedliche Taktfrequenzen zum Einsatz. Die Hardware war auf eine möglichst effiziente Nutzung begrenzter Ressourcen ausgelegt, um trotz geringer Speicherausstattung eine hohe Spielstärke zu erzielen.

Die Geräte verfügten über Arbeitsspeicher sowie Programmspeicher in Form von EPROM- oder später Mask-ROM-Kassetten. Ein wesentliches Merkmal der Conchess-Hardware war die enge Abstimmung zwischen Prozessor, Speicherorganisation und Programmcode, die eine vergleichsweise tiefe Stellungsanalyse auf 8-Bit-Systemen ermöglichte.

In der späteren Phase der Conchess-Entwicklung wurde die Hardware für den Turniereinsatz unter Mitwirkung von Lars Hjorth weiter optimiert. Das enge Zusammenspiel zwischen Softwareentwicklung und angepasster Hardware trug wesentlich zur hohen Spielstärke der späten Conchess-Varianten bei.

Modularität

Ein zentrales Merkmal der Conchess-Reihe war ihr modularer Aufbau. Prozessor- und Programmmodule konnten unabhängig voneinander ausgetauscht werden, wodurch sich sowohl die Rechenleistung als auch die spielerischen Eigenschaften des Schachcomputers verändern ließen.

Diese Modularität ermöglichte es den Anwendern, bestehende Geräte durch neue Module aufzurüsten, ohne das komplette System ersetzen zu müssen. Damit unterschied sich Conchess deutlich von vielen zeitgenössischen Schachcomputern, die als geschlossene Systeme konzipiert waren.

Software und Programmkassetten

Die Schachprogramme der Conchess-Reihe wurden von Ulf Rathsman entwickelt und basierten auf den Erfahrungen aus der Arbeit an Princhess. Charakteristisch war eine starke Betonung taktischer Spielweisen sowie eine extrem schnelle Bewertungsfunktion, die auf maximale Suchtiefe optimiert war.

Neben dem ursprünglichen A-Programm, das auf positionsbezogener Bewertung beruhte, kamen Varianten mit stark vereinfachter Bewertung zum Einsatz, die vor allem material- und mattorientiert suchten. Ergänzend erschienen spezialisierte Programmkassetten, darunter eine Bibliothekskassette mit erweiterter Eröffnungsbehandlung sowie leistungsstärkere Module mit erhöhter Taktfrequenz.

Den technischen Höhepunkt der Conchess-Software stellte eine Variante mit 8 MHz Taktfrequenz dar, die aufgrund ihrer taktischen Spielstärke und Seltenheit heute als besonders begehrt gilt.

Kassetten

  • L0/L16/A0/A1/ A2 /A3 = Namen der Vertreiber in United Kingdom
  • L /L16/M /P /P4M/P41M/C /S/S4/S5/T/T6/T8/H = Deutsche Händlernamen
  • C wurde zum ersten Mal für Conchess Glasgow 1984 verwendet.

1982

Conchess Original

  • Programmkassette Standard / erste Programmversion Hardware 2 MHz (4 MHz Quarz)

Die Original-Kassetten wurden mit keinem Buchstaben versehen. Es wurden mindestens 4 verschiedene Module der Standard Kassette verkauft! 1 frühe Platine mit 6 Eproms, und 3 spätere mit verschiedenen Platinen mit 3 ROMs. Alle hatten das gleiche 24 KByte Programm.

Platinen:

  • CPU CLC B2 : 6x2732 EPROM. (Weiße oder rote Eprom-Etiketten)
  • CLC B2 : 3xROM.
  • CLC B3: 3xROM.
  • CLC B4 : 3xROM.

1983

  • "L" cartridge (L (L0) = Libary, Feb-März 1984: 2973 Züge in 537 Varianten)
    • Preis: 248 DM

1984

  • Programmkassette M (A0)
    • Modifizierte Standardkassette, Princhess, die nur mit der Programmergänzung P läuft, P und M laufen nur gemeinsam
  • Ergänzungskassette P (A1)
    • Programmergänzung, die nur mit modifizierter Standardkassette "M" ("modified") funktioniert, P (Programmkassette) und M laufen nur gemeinsam, Programmversion Princhess

Programmversionen

Programmversion Glasgow

(Die erste Mask ROM Version)

  • Programmkassette P
    • Speed: 2 MHz
    • Preis: 348 DM
  • Programmkassette S
    • Speed: 3.2 und 4 MHz
    • Preis: 598 DM
  • Programmkassette T
    • Speed: 5.5 und 6 MHz
    • Preis: 1198 DM
  • Programmkassette H (H steht für "Herstellermuster")
    • Speed: 4 MHz
    • kam nie in den Handel, nur für Testzwecke
    • Preis: geplant für 648 DM

Die H-Kassette war nie offiziell im Handel erhältlich. Sie wurde meist zu Testzwecken verwendet in Turnieren und leihweise vergeben an Händler und Journalisten. Anfangs mit dem Princhess-Programm der WM 1984 in Glasgow bestückt, später auch mit dem Plymate-Programm der WM 1985 in Amsterdam.

1985

Programmversion Glasgow Plus

Die Umrüstung wurde von der Firma EES in München zum Preis von 148 DM angeboten.

Die neue Version "Glasgow Plus" basierte auf dem WM-Programm (Glasgow 1984), wurde aber in den Mattsuchstufen und den Spielstufen weiterentwickelt. Es gab nunmehr eine Anfängerstufe mit 2 Halbzügen Rechtiefe, vier Blitzstufen mit einer mittleren Zugzeit von 5, 10, 20 und 30 Sekunden, fünf Turnierstufen mit Zeitabstufungen von 1, 2, 3, 3:45 und 10 Minuten pro Zug, sowie eine Analyse- und Mattsuchstufe. In der letzteren konnte die Suchtiefe in 1 bis 12 Halbzügen eingestellt und die Aufgabe auf Nebenlösungen geprüft werden. Auch die eingebaute Schachuhr wurde überarbeitet, um die Zugausführungszeiten zu neutralisieren. Die Uhr des Computers wurde erst dann in Gang gesetzt, wenn der Gegner den Computerzug vollständig ausgeführt hatte.

In Deutschland waren folgende Varianten erhältlich:

  • Programmkassette P
    • Speed: 2 MHz
  • Programmkassette S
    • Speed: 4 MHz
  • Programmkassette T
    • Speed: 6 MHz

Im Vereinigten Königreich (UK) waren Varianten mit 2, 5.5 und 8 MHz erhältlich.

Programmversion Amsterdam (Plymate)

Die Umprogrammierung der T-, S- und P-Kassetten auf das WM-Programm Amsterdam betrug 148 DM. Lieferant war die Firma Loproc GmbH (früher EES) aus München (Feldafing).

  • Programmkassette S 4 (S = Speed)
    • Speed: 4 MHz
    • Preis: 598 DM
  • Programmkassette C (A2)
  • Speed: 2, 6, 8, 5.5 MHz
  • Programmkassette T 6 (T = Top Speed)
    • Speed 6 MHz
    • Preis: 998 DM
  • Programmkassette T 8 (T = Top Speed)
    • Speed: 8 MHz
    • Preis: 1198 DM
  • Eröffnungskassette L16
    • 1985-09-xx : 8850 Züge in 1740 Varianten , (L = Library)

Die L16-Eröffnungskassette funktioniert nicht mit Standard / Glasgow / Glasgow Plus. Arbeitet mit Amsterdam und späteren Modulen, z.B. Plymate Victoria.

1986

  • Conchess Plymate 5.5 MHz (Swedish and UK market mainly)
  • Conchess Cologne/Köln + "Cologne Lib" (Very limited series were sold)

1988

  • Conchess Victoria + "L1024" (Very limited series were sold)

Die Kassetten Standard, S, M und T beinhalten die CPU, Taktgeber und die Speicherbausteine für RAM und ROM. Die Sensorbretter beinhalten nur die Stromversorgung und die Schnittstelle zur Kassettenhardware.


Zu den späteren und leistungsstärkeren Modulen gehörten insbesondere Varianten der T-Kassette mit erhöhten Taktfrequenzen. Diese Module erzielten eine deutlich gesteigerte Spielstärke und waren vor allem unter fortgeschrittenen Spielern und Turnierteilnehmern beliebt. Aufgrund geringer Produktionszahlen zählen sie heute zu den begehrtesten Conchess-Komponenten.

Levels der Programmversionen

Conchess Standard

  • T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
    • T1 Pawn = 5 sec
    • T2 Knight = 45 sec
    • T3 Bishop = 2 min
    • T4 Rook = 3 min
    • T5 Queen = 3 3/4 min + 3 min
    • T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 5.
  • P = Practice Levels. LED has flashing light.
    • P1 Pawn = 1 ply
    • P2 Knight = 2 ply
    • P3 Bishop = 3 ply
    • P4 Rook = 4 ply
    • P5 Queen = 5 ply
    • P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached.


Conchess Glasgow Levels

  • T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
    • T1 Pawn = 5 sec
    • T2 Knight = 45 sec
    • T3 Bishop = 2 min
    • T4 Rook = 3 min
    • T5 Queen = 3 3/4 min + 3 min
    • T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 11.
  • P = Practice Levels. LED has flashing light.
    • P1 Pawn = 2 ply
    • P2 Knight = 3 ply
    • P3 Bishop = 4 ply
    • P4 Rook = 5 ply
    • P5 Queen = 6 ply
    • P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached.


Conchess Glasgow Plus / Amsterdam Levels

  • T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
    • T1 Pawn = 1 min
    • T2 Knight = 2 min
    • T3 Bishop = 3 min
    • T4 Rook = 3 3/4 min + 3 min
    • T5 Queen = 10 min
    • T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 12.
  • P = Practice Levels. LED has flashing light.
    • P1 Pawn = 2 ply
    • P2 Knight = 5 sec
    • P3 Bishop = 10 sec
    • P4 Rook = 20 sec
    • P5 Queen = 30 sec
    • P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached: 23.

Turniere und Erfolge

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Conchess-Schachcomputer wurde insbesondere durch ihre Teilnahme an Computer- und Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaften unter Beweis gestellt. Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation des Herstellers konnten Conchess-Geräte und darauf basierende Programme mehrfach vordere Platzierungen erzielen.

  • 1984 – World Microcomputer Chess Championship (Glasgow):

Das Programm Princhess errang den geteilten Weltmeistertitel in der kommerziellen Gruppe. Der Erfolg gilt als Höhepunkt der Conchess-Geschichte und belegte die Leistungsfähigkeit der Kombination aus effizientem Programmcode und angepasster Hardware.

  • 1985 – World Microcomputer Chess Championship (Amsterdam):

Die Programme Princhess und Plymate erreichten jeweils den zweiten Platz. Die Veranstaltung markierte zugleich einen Wendepunkt, da Richard Langs Programme für die Mephisto-Reihe erstmals eine deutliche Dominanz zeigten.

Bei internationalen Turnieren, insbesondere Mitte der 1980er Jahre, profitierte Conchess von der Kombination aus Rathsman's Software und von Lars Hjorth optimierter Hardware.

Darüber hinaus kamen Conchess-Computer auch bei weiteren internationalen Turnieren zum Einsatz, darunter Welt- und Europameisterschaften im Computerschach. Insgesamt trugen diese Auftritte wesentlich zum Ruf von Conchess als leistungsstarkem, wenn auch wirtschaftlich kurzlebigem System bei.

Bedeutung und Einordnung

Conchess nimmt innerhalb der Geschichte der Schachcomputer eine besondere Stellung ein. Die Geräte standen exemplarisch für die hohe Innovationskraft europäischer Entwickler in den frühen 1980er Jahren und demonstrierten, dass auch mit vergleichsweise begrenzten Hardware-Ressourcen eine konkurrenzfähige Spielstärke erreicht werden konnte.

Technisch war Conchess seiner Zeit in mehreren Punkten voraus, insbesondere durch den konsequent modularen Aufbau und die enge Abstimmung zwischen Hardware und Software. Die Programme von Ulf Rathsman zeigten, dass eine stark vereinfachte, aber extrem schnelle Bewertungsfunktion in Kombination mit großer Suchtiefe zu bemerkenswerten Ergebnissen führen konnte.

Zeitgenössische Rezensionen lobten insbesondere die spielerische Stärke und das modulare Konzept der Conchess-Schachcomputer. Kritisch angemerkt wurden vereinzelt Aspekte der mechanischen Ausführung, insbesondere die Empfindlichkeit der Sensorsysteme bei Transport und thermische Probleme. Diese Punkte spielten auch bei späteren Vertriebsentscheidungen eine Rolle.

Wirtschaftlich blieb Conchess jedoch hinter seinem technischen Potenzial zurück. Ambitionierte Produktionsziele, mehrere Insolvenzen beteiligter Unternehmen sowie der gescheiterte Vertrieb über den US-Markt verhinderten eine nachhaltige Etablierung der Marke. Der Niedergang von Conchess steht damit exemplarisch für die Risiken der frühen Schachcomputer-Industrie, in der technischer Erfolg nicht zwangsläufig wirtschaftliche Stabilität bedeutete.

In der Literatur und in Sammlerkreisen kursieren teils deutlich niedrigere Angaben zur Gesamtstückzahl. Nach Aussagen von Ulf Rathsman, der als Hauptentwickler direkten Einblick in die Produktions- und Abrechnungszahlen hatte, wurden jedoch insgesamt rund 37.000 Conchess-Geräte produziert und verkauft. Diese Zahl gilt heute als die verlässlichste verfügbare Angabe.

Heute gelten Conchess-Schachcomputer als wichtige historische Zeugnisse der frühen Mikrocomputer-Ära. Aufgrund ihrer spielerischen Stärke, der modularen Architektur und der vergleichsweise geringen Produktionszahlen genießen sie in der Sammler- und Retro-Computerszene einen hohen Stellenwert.


  • Informationen wurden von Ulf Rathsman und Lars Hjorth zur Verfügung gestellt


Schachcomputer

Bilder

Prototypen

Bilder von Thorsten Czub und Weiteren

Weblinks

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