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Conchess T-Kassette

aus Schachcomputer.info Wiki, der freien Schachcomputer-Wissensdatenbank
Conchess T-Kassette
Hersteller Conchess
Markteinführung 1984
CElo ca. 1800 - 1900
Programmierer Rathsman, Ulf
Prozessor 65C02
Prozessortyp 8 Bit
Takt 5,5 / 6 / 8 MHz
RAM 8 KB
ROM 32 KB
Bibliothek
Einführungspreis 1198 DM (6 MHz Version)
Rechentiefe
BT-2450
BT-2630
Colditz
Verwandt
Zugeingabe Magnetsensoren
Zugausgabe LEDs
Display
Stromversorgung
Spielstufen 10 + Mattsuchstufe
Maße
Sonstiges
schnellste Version der Programmkassetten

Die Conchess T-Kassette (T = Top Speed) war eine Programmkassette für das modulare Schachcomputersystem der Firma Conchess. Die T-Kassetten stellten die leistungsstärksten Module innerhalb der Conchess-Reihe dar und zeichneten sich durch höhere Rechenleistung (dementsprechend größere Suchtiefen und höhere Spielstärken) im Vergleich zu den Programmkassetten P und S aus.

Technische Merkmale

Die programm-Kassetten (S, P und T) enthielten die komplette Recheneinheit des Conchess-Schachcomputers, einschließlich CPU, Taktgeber, ROM- und RAM-Speicher. Sie wurden in mehreren Versionen mit unterschiedlichen Taktfrequenzen angeboten und waren kompatibel mit allen modularen Conchess-Geräten. Das modulare Konzept erlaubte es den Besitzern, ihre Hardware zu aktualisieren, ohne das Sensorbrett auszutauschen.

Schachprogramme

Auf den T-Kassetten liefen unterschiedliche Schachprogramme, darunter:

  • Princhess: Ein Schachprogramm von Ulf Rathsman, das 1984 bei der WMCCC erfolgreich eingesetzt wurde.
  • Plymate/Amsterdam: Spätere Versionen, die nach dem WM-Turnier in Amsterdam 1985 veröffentlicht wurden, boten erweiterte Spielstufen, Analysefunktionen und verbesserte Matt-Suche.

Die Programme arbeiteten mit Alpha-Beta-Suche, aggressiver taktischer Spielweise und umfangreichen Eröffnungsbibliotheken.

Bedeutung

Die T-Kassetten galten als High-End-Module innerhalb der Conchess-Reihe und ermöglichten es den Spielern, die maximale Spielstärke der Rathsman-Programme zu nutzen. Die modulare Bauweise und die Möglichkeit, Hardware und Software getrennt aufzurüsten, machten die T-Kassetten zu einem historisch bedeutenden Produkt der Schachcomputer-Ära der 1980er-Jahre.

Übersicht der T-Kassetten-Versionen

  • 1984
    • Glasgow
    • Speed: 5,5 und 6 MHz
    • Preis: 1198 DM
  • 1985
    • Programmversion Glasgow Plus
    • Speed: 6 MHz - Im Vereinigten Königreich (UK) waren Varianten mit 2, 5.5 und 8 MHz erhältlich.

Die Umrüstung wurde von der Firma EES in München zum Preis von 148 DM angeboten.

Die neue Version "Glasgow Plus" basierte auf dem WM-Programm (Glasgow 1984), wurde aber in den Mattsuchstufen und den Spielstufen weiterentwickelt. Es gab nunmehr eine Anfängerstufe mit 2 Halbzügen Rechtiefe, vier Blitzstufen mit einer mittleren Zugzeit von 5, 10, 20 und 30 Sekunden, fünf Turnierstufen mit Zeitabstufungen von 1, 2, 3, 3:45 und 10 Minuten pro Zug, sowie eine Analyse- und Mattsuchstufe. In der letzteren konnte die Suchtiefe in 1 bis 12 Halbzügen eingestellt und die Aufgabe auf Nebenlösungen geprüft werden. Auch die eingebaute Schachuhr wurde überarbeitet, um die Zugausführungszeiten zu neutralisieren. Die Uhr des Computers wurde erst dann in Gang gesetzt, wenn der Gegner den Computerzug vollständig ausgeführt hatte.

  • 1985
    • Programmversion Amsterdam (Plymate)
    • Programmkassette T8 (T = Top Speed)
    • Speed: 8 MHz
    • Preis: 1198 DM

Die Umprogrammierung der T-, S- und P-Kassetten auf das WM-Programm Amsterdam betrug 148 DM. Lieferant war die Firma Loproc GmbH (früher EES) aus München (Feldafing).

Spielstufen

Conchess Glasgow Levels

  • T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
    • T1 Pawn = 5 sec
    • T2 Knight = 45 sec
    • T3 Bishop = 2 min
    • T4 Rook = 3 min
    • T5 Queen = 3 3/4 min + 3 min
    • T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 11.
  • P = Practice Levels. LED has flashing light.
    • P1 Pawn = 2 ply
    • P2 Knight = 3 ply
    • P3 Bishop = 4 ply
    • P4 Rook = 5 ply
    • P5 Queen = 6 ply
    • P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached.


Conchess Glasgow Plus / Amsterdam Levels

  • T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
    • T1 Pawn = 1 min
    • T2 Knight = 2 min
    • T3 Bishop = 3 min
    • T4 Rook = 3 3/4 min + 3 min
    • T5 Queen = 10 min
    • T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 12.
  • P = Practice Levels. LED has flashing light.
    • P1 Pawn = 2 ply
    • P2 Knight = 5 sec
    • P3 Bishop = 10 sec
    • P4 Rook = 20 sec
    • P5 Queen = 30 sec
    • P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached: 23.


Prinz oder Rocker?

Ein Tag im Leben des neuen Conchess T (aus Computer Schach & Spiele / Heft 3 / Juni-Juli 1985)

Das ehrenwerte Haus Computer-Schach & Spiele, das sich in der Vergangenheit anschickte, einige der Schachcomputer auf ihr öffentliches Auftreten hin zu beobachten, bekam nun die Gelegenheit, pikante Einzelheiten aus dem Leben der Princhess & Conchess Familie einem interessierten Publikum näher zu bringen. Zu diesem Zweck verbrachte Dirk Frickenschmidt eine Woche mit dem Conchess Earl of Tee.

Wenn man sich die Namensgebung in der Schachcomputer-Branche vor Augen hält, gewinnt man schnell den Eindruck, dass der Besitz eines der angebotenen Geräte den bescheidenen Käufer ehrt und adelt. Denn es sind lauter erlauchte Größen, die man sich da ins Haus holen kann: Bei 88Hegener + Glasger|Mephisto]] kann man sich aussuchen, ob man es gern nur "exclusive" hätte, oder mit "Excalibur" doch lieber gleich in den Besitz des sagenumwobenen, siegverheißenden Schwerts des Königs Artus kommen möchte. Auch bei Fidelity geht es elitär zu, man kann sich jederzeit um "Prestige" bereichern und sich sogar demnächst mit "Exzellenzen" umgeben. Der "Botschafter" (Ambassador) von Conchess passt sicher gut in diese Gesellschaft, aber das kann doch wohl noch nicht alles sein? Adel verpflichtet, und so lässt sich die noble Runde tatsächlich um einen ausgewachsenen "Monarchen" ergänzen.

Der Conchess Earl of Tee wartete bereits nach kurzer Bekanntschaft mit dem schockierenden Geständnis auf, daß er zwar ein schwedischer Prinz sei, mit allem Komfort sozusagen, dass er aber seinen Gegnern gegenüber eine gewisse Unmißverständlichkeit bevorzuge und sich bei passender Gelegenheit, auf deutsch gesagt, gern wie ein Rocker mit Schlagring benehme.

Überschäumendes Temperament

Nachdem wir einige schnelle "Blitz"-Auseinandersetzungen des Earl miterlebt haben, müssen wir die öffentliche Selbsteinschätzung bestätigen: Der Mann kann wirklich gefährlich werden. So rächte er sich an dem auch nicht eben sanften und überdies adelslosen Neureichen mit dem pöbelhaften Spitznamen "Superconny" mit einer deftigen Revanche, nachdem dieser es gewagt hatte, ihn mit einem Matt in 40 Zügen vor allen Anwesenden bloßzustellen. Hier die Antwort:

Auch die übrigen Auseinandersetzungen gerade dieser beiden Gegner waren zum großen Teil so spannend, dass man beinahe versucht war, von sich selbst Eintrittsgeld für das Zuschauen zu nehmen. Anschließend zeigte sich der Conchess Earl of Tee trotz einiger Blessuren so gut gelaunt, dass er Sir Elite of Glasgow nach ebenfalls wechselvollen Dialogen mit der folgenden etwas ungewöhnlichen Blitz-Partie überraschte:

Diese Beispiele dürften den Eindruck vertieft haben, dass der Conchess Earl of Tee zwar manchmal einen gewissen positionellen Weitblick vermissen lässt (Beispiel 1 und auch in anderen Testpartien), dass er dafür aber auch bereits auf der Blitzstufe keinem noch so riskanten Handgemenge ausweicht und jede taktische "Halbwahrheit" mit äußerst brutalen Antworten bis hin zum Matt quittiert.

Am Schluss soll noch ein Beispiel seiner schnellen Auffassungsgabe auch außerhalb von Wettkämpfen gegeben werden. Das folgende sechszügige Matt (dessen Quelle uns leider unbekannt ist) enthält nur ein Schachgebot und ist deshalb für Computer wie für Menschen nicht leicht zu finden. Der Super Conny hatte es nach 21 Stunden 57 Minuten und 44 Sekunden geschafft!

Matt in 6

Der Conchess Earl of Tee tat jedoch die Lösung kund, noch bevor die Uhr zur zweiten Stunde schlug! Wer ist, so fragt man, noch behänder?

(Lösung: 1.Lc5 Kd8 2.Sd6 Kc7 3.La7 Kc6 4.d4 Kc7 5.d5 Kd8 6.Lb6#)

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