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SC 2

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SC 2
Stammdaten
Einführung:
ca. 1150
Neupreis:
2180 Mark der DDR
Technik


Ausstattung
Stufen:
10 (s.h. Bild)
4-stellige 7 Segmentanzeige
15 Tasten
keine Feld- + 2 LEDs (schach + Matt)
Maße:
340 x 240x 60 mm / 2,2 kg
Netz 220 V (+-22 V) / 0,1 A
Enthält das Fidelity Chess Challenger 10 C Programm. Durch den schnelleren CPU-Takt sind alle Spielstufen etwas schneller/kürzer als beim CC10C, ohne das sich die Spielweise ändert.

Der SC 2 (SC steht für Schachcomputer) war ein in der DDR entwickelter und ab 1981 produzierter Schachcomputer aus dem Funkwerk Erfurt, einem Teilbereich des VEB Mikroelektronik Erfurt. Das Gerät stellte gegenüber dem prototypischen Vorgänger SC 1 eine auf Serienfertigung ausgelegte Ausführung dar und wurde im Frühjahr 1981 auf der Leipziger Messe präsentiert, wo es, obwohl technisch veraltet, eine Goldmedaille erhielt.

Historischer Kontext und Entwicklung

Die DDR-Schachcomputerentwicklung der frühen 1980er Jahre ist eng mit dem Versuch verbunden, Konsumgüter mit mikroelektronischen Bauelementen aus eigener Fertigung zu realisieren und zugleich Exportchancen (Devisenbeschaffung) auszuloten. In dieser Phase entstand nach dem kleinseriellen, prototechnischen SC 1 der SC 2 als schneller umsetzbare, kostengünstigere und besser produktionstaugliche Variante.

Für eine wirtschaftlichere Fertigung entschied man sich beim SC 2 für ein Kunststoffgehäuse aus Polyurethan-Hartschaum, funktional, aber klobig, was die Werkzeug- und Anlaufkosten senken sollte, allerdings gestalterische Grenzen mit sich brachte (u. a. durch größere Materialstärken). Der SC 2 trug den internen Gerätenamen G5002.500.

Technik

Der SC 2 arbeitete mit dem DDR-Mikroprozessor U880 (8-Bit) bei 2,5 MHz und war mit 1 KB RAM sowie 9 KB ROM ausgestattet. Als Anzeige diente eine 4-stellige 7-Segment-Anzeige, über die u. a. Zugausgaben und Spielzustände ausgegeben werden konnten.

Gegenüber dem SC 1 wurden beim SC 2 mehrere konstruktive Punkte verändert. Das Netzteil war ins Gehäuse integriert, die Beschriftung der Felder (Koordinaten) war direkt am Brett ausgeführt und die Funktionstasten wurden übersichtlicher angeordnet.

Schachprogramm

Ein zentraler Aspekt der Einordnung ist die Herkunft des Programms. In der DDR sah man sich zum Entwicklungszeitpunkt des SC 2 nicht in der Lage, kurzfristig ein konkurrenzfähiges eigenes Schachprogramm zu erstellen, daher kam das Programm des Fidelity Chess Challenger 10 C von Ron Nelson zum Einsatz bzw. wurde übernommen und entsprechend angepasst. Der erhöhte CPU-Takt führte dazu, dass alle Spielstufen etwas schneller waren bzw. kürzere Antwortzeiten lieferten als beim CC10C, ohne den Spielstil zu verändern.

Bedienung und Spielstufen

Der SC 2 verfügte über 10 Spielstufen, die Bedenkzeiten von „wenigen Sekunden bis etwa 60 Minuten“ abdeckten. Auf der Turnierstufe erreichte der Computer eine Rechentiefe von 2-3 Halbzügen. Obwohl die Analysestufe des Computers für das Spiel ungeeignet war, konnte er zwei- und teilweise sogar dreizügige Mattaufgaben lösen. Obwohl in der Bedienungsanleitung nicht angegeben, konnte man den Computer wie folgt veranlassen, Problemstellungen mit Weiß beginnend zu bearbeiten: R, W, Q, P, Stellung eingeben, P, schwarzen Scheinzug eingeben, SC 2 rechnet für Weiß.

Der SC 2 konnte den „Spielstand“ intern speichern, unabhängig von der physischen Figurenstellung. Veränderungen des Spielstandes wurden dabei wie eine Problemeingabe vorgenommen.

Eröffnungsbibliothek

Der SC 2 verfügte über eine kleine Eröffnungsbibliothek mit folgenden Varianten:

  • 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Lc5 4. c3 Sf6
  • 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. Sc3 b5 6. Ld3
  • 1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. d4 cd 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 Sc6 6. Sb5 Lb4
  • 1. e4 e6 2. d4 d5 3. e5 c5
  • 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Lb4 4. e5 c5 5. a3 Lxc3
  • 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Lb4 4. Ld2 dxe4 5. Dg4 Dxg4
  • 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Sbd7
  • 1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 e6 5. Lg5 dc 6. e4

Produktion, Preis und Vertrieb

Der SC 2 wurde ab 1981 (bis 1983) gefertigt und kostete zum Marktstart 2180 Mark der DDR. Exakte Verkaufszahlen sind nicht bekannt.

Verschiedene Quellen sprechen von „einigen hundert“ verkauften Exemplaren, überwiegend im Inland. Zugleich habe die Messedarstellung und Marktforschung keine guten Exportaussichten in westliche Länder ergeben, während das Gerät im Inland für viele Käufer als zu teuer galt.

In Sekundärdarstellungen wird teils eine höhere Produktionszahl kolportiert (z. B. seien „etwa 1000“ Geräte gefertigt worden). Solche Angaben werden in der Literatur und in Sammlerkreisen diskutiert und sind nicht in allen Quellen deckungsgleich belegt.

Rezeption und Einordnung

Der SC 2 gilt als Übergangsmodell zwischen experimenteller Kleinserie (SC 1) und späteren, stärker auf Export- und Prestigeziele ausgerichteten DDR-Geräten (z. B. Chess-Master). Historisch wird das Gerät häufig als Beispiel dafür angeführt, dass die frühe DDR-Schachcomputerentwicklung, ähnlich wie in anderen Mikroelektronik-Konsumgüterprojekten, auf eine Mischung aus eigener Hardwarebasis (U880) und punktueller Übernahme/Anlehnung an westliche Hard- bzw. Software setzte.

Bilder

Weblinks

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