Grand Master Series Sargon 2.5
| Grand Master Series Sargon 2.5 Typ ARB (ARB Sargon 2.5) | ||
|---|---|---|
| Hersteller | Applied Concepts / AVE Micro Systems Chafitz (Vertrieb), Sandy Electronic Vertrieb Deutschland / France double R in Frankreich) | |
| Markteinführung | 1980 | |
| CElo | 1371 | |
| Programmierer | Spracklen, Dan & Spracklen, Kathe | |
| Prozessor | 6502 | |
| Prozessortyp | 8 Bit | |
| Takt | 2 MHz | |
| RAM | 2 KB | |
| ROM | 8 KB | |
| Bibliothek | ca. 800 Halbzüge | |
| Einführungspreis | rund 1500 € | |
| Rechentiefe | ||
| BT-2450 | ||
| BT-2630 | ||
| Colditz | ||
| Verwandt | Sargon 2.5, Chess-Master | |
| Zugeingabe | Magnetsensoren | |
| Zugausgabe | 64 Feld LEDs | |
| Display | -- | |
| Stromversorgung | Netz = 9 V~ / 900 mA | |
| Spielstufen | 7 | |
| Maße | 54 x 54 x 9 cm, Spielfeld = 41 x 41 cm | |
| Sonstiges | ||
| Permanent Brain , Hall of Fame: Das erste Sensorbrett | ||
| Level Info | ||
| Bedenkzeit | Level | |
| 30 Sek. / Zug | 2 | |
| 30 Min. / Partie | -- | |
| 60 Sek. / Zug | 3 | |
| 60 Min. / Partie | -- | |
| Turnier | 4 | |
| Analyse | ~6 | |
Der ARB Sargon 2.5 mit dem Grand Master Series Sargon 2.5-Modul erschien im Frühjahr 1980 und war der erste kommerziell erhältliche Schachcomputer mit voll integriertem Sensorbrett („Auto Response Board“).
Das Gerät enthielt das Schachprogramm Sargon 2.5 von Dan und Kathe Spracklen und gilt als Meilenstein in der Entwicklung dedizierter Schachcomputer.
Historische Einordnung
Das Sargon-Programm hatte bereits 1978 bei der 9. Nordamerikanischen Computer-Schachmeisterschaft (Washington) mit einem MGS-System einen vielbeachteten dritten Platz erreicht.
1979 gewann Sargon 2.5 das 2. PCW Microcomputer Chess Championship in London[1] ungeschlagen.
Mit dem ARB wurde dieses Programm erstmals in ein hochwertiges Sensorbrett-System integriert.
Bei der 1. Weltmeisterschaft für Mikrocomputer (WMCCC) 1980 in London belegte der Chafitz ARB Sargon 2.5 mit 2,5 Punkten aus 5 Partien den 8. Platz unter 14 Teilnehmern.
Das Auto Response Board (ARB)
Das ARB wurde technisch von AVE Micro Systems gefertigt und von Chafitz in Kooperation mit Applied Concepts vermarktet.
Es handelte sich um ein massives Holzbrett mit integrierten Reedkontakten unter jedem der 64 Felder.
Die Figuren enthielten Magnete, wodurch das System automatisch erkannte:
- welches Feld betreten oder verlassen wurde
- welche Figur bewegt wurde
- ob eine Aufstellung korrekt war
Damit entfiel die manuelle Eingabe über Koordinatentastaturen.
Anzeige- und Bedienkonzept
Im Gegensatz zum Modular Game System besaß das ARB kein alphanumerisches LED-Display.
Die Anzeige erfolgte über:
- Zwei rote Feld-LEDs zur Anzeige des Computerzuges (Start- und Zielfeld)
- Status-LEDs am rechten Brettrand
- Leuchtdioden zur Anzeige von Figurenart und -farbe bei Anheben einer Figur
Das Gerät verfügte über 10 Kurzhubtasten für:
- Spielstufenauswahl
- Seitenwechsel
- Hint
- Halt
- Self Play
- Monitor
- Neuaufstellung
Spielstufen
Das ARB bot sieben Spielstufen (0–6).
| Stufe | Antwortzeit |
|---|---|
| 0 | ca. 0,5 s |
| 1 | ca. 10 s |
| 2 | ca. 25 s |
| 3 | ca. 45 s |
| 4 | ca. 2,5 min |
| 5 | ca. 20 min |
| 6 | ca. 45 min |
Die Stufe 0 wurde nachträglich ergänzt, da selbst Stufe 1 für Anfänger als zu stark empfunden wurde.
Eröffnungsbibliothek
Die Bibliothek umfasste etwa 800 Halbzüge in rund 50 Eröffnungssystemen.
Einige Varianten reichten bis zum 13. Zug.
Beispiele:
- Königsgambit
- Spanische Partie
- Petroff-Verteidigung
- Französische Verteidigung
- Caro-Kann
- Sizilianische Verteidigung
- Damengambit (angenommen und abgelehnt)
- Nimzoindisch
- Grünfeld
- Réti
- Englische Partie
- Bird-Eröffnung
Programmspezifische Eigenschaften
- Denken in der gegnerischen Zeit
- Berechnung bis zu etwa zehn Halbzüge (in Einzelfällen)
- Anzeige der aktuell berechneten Hauptvariante
- Zugvorschläge („Hint“)
- Unterbrechung der Denkzeit („Halt“)
- Selbstspiel-Modus
- Monitor-Funktion zur Partieüberwachung
- Pattsituationserkennung
- Rücknahmefunktion
Spielcharakteristik
Der Sargon ARB galt 1980 als eines der stärksten kommerziellen Systeme.
Stärken:
- Sehr gute Kurz-Taktik
- Solides Endspielspiel
- Aktive Spielweise
- Hohe Blitzstärke
Schwächen:
- Begrenzte Positionsbewertung
- Teilweise zweifelhafte Eröffnungsbehandlungen außerhalb der Bibliothek
- Remisvermeidung durch gelegentlich riskante Züge
Marktstellung
Aufgrund:
- des Sensorbretts
- der hochwertigen Holzverarbeitung
- der starken Spielleistung
- des hohen Bedienkomforts
wurde der Sargon ARB häufig als „Rolls Royce“ der frühen Schachcomputer bezeichnet.
Er war jedoch mit rund 2000 USD deutlich teurer als MGS- oder Fidelity Challenger-Geräte.
Nachfolger
Innerhalb der Grand Master Series Module folgten:
Daneben existierte ein Dame-Modul für das ARB-System.
Bilder
- Chafitz ARB
-
ARB Brett von 1980 mit Schriftzug rechts unten
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Tasten des 1980er ARB
-
ARB Brett von 1981, Tasten wie beim späteren Fidelity Elite A/S Challenger
-
Beschriftung des 1981er ARB Bretts
-
Tastenfeld des 1981er ARB
-
Modul Sargon 2.5
-
Modul Sargon 2.5
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Modul 3
-
Modul 4.0
-
Originalfiguren
-
Originalfiguren
-
Mainboard
Die Wegbereiter
Antiquitäten aus guter alter Zeit
(Auszug aus Computerschach und Spiele / Heft 4 / 1987 von Bernd Schneider)
Sargon 2.5 war das erste Mikrocomputerprogramm, dass eine achtbare Spielstärke aufwies. Tatsächlich habe ich einige Durchschnittsspieler gesehen, die von diesem Gerät glatt überrollt wurden - auch wenn seine Elo-Einschätzung günstigstenfalls bei 1500 liegen dürfte. Aber damit war dieses Gerät doch bereits den allermeisten Nicht-Clubspielern zumindest ebenbürtig.
Erstes Luxusgerät
Das Programm stammte von den Spracklens, die später die Gehirne der Fidelity-Maschinen schufen. Das MGS wurde von der Firma Applied Concepts produziert, die wiederum mit einer Gesellschaft namens „Chafitz" kollaborierte. Neben der Ausführung als Drucktastengerät existiert auch noch das sehr schöne Holzgerät von Chafitz, das als „ARB" (für „Automatic Response Board") verdienterweise in die Schachcomputer-Annalen als erstes Luxusgerät einging.
Als Nachfahre des ehrwürdigen Ur-Boris verfügte natürlich auch Sargon 2.5 über jene drolligen Kommentare, mit denen der menschliche Gegner bei Laune gehalten wurde. Während einer Partie gegen einen Computer des Jahres 1986 beschimpfte er denselben als „Materialist", wunderte sich „Are you still there?" und fand alles „too bad", womit er recht hatte, wurde er doch vom Gegner ganz schön auseinandergenommen. Es lohnt sich dennoch, die Partie (siehe Kasten) nachzuspielen, weil sie einerseits ein Gefühl dafür gibt, welche positionelle Fortschritte seit anno dunnemals (1981) in der Programmierkunst gemacht worden sind, und weil man andererseits auch die Leistung von Sargon würdigen sollte, denn er spielt so schlecht durchaus nicht - wäre die unselige lange Rochade nicht gewesen, hätte er sicher länger überlebt.
Sinnvolle Kommentare?
Im Gegensatz zu Boris und MK I pflegte Sargon 2.5 seine Spielzeit nach Gutdünken einzuteilen und nicht starr nach der Zeitvorgabe „n Sekunden pro Zug" zu rechnen. Die stärkste Spielstufe wurde mit „über 1800 Elo-Punkten" angegeben, was in der Tat „angegeben" war. Sämtliche Spezialzüge waren ihm bekannt, er besaß eine kleine Eröffnungsbibliothek (ca. 50 Varianten) und einen Zufallsgenerator - einen solchen hatten auch die späteren Varianten des MK 1. Bis zu sechs Halbzüge konnte man zurücknehmen, wurde jedoch, wenn man später die Partie gewann, mit der hämischen Bemerkung dafür gestraft: „Sie haben gewonnen, aber Sie mussten Züge zurücknehmen". Ein Computer vergisst nie. Es wurde oft behauptet, im Gegensatz zu Boris gebe Sargon 2.5 seine Kommentare irgendwie „sinnvoll", d.h. auf die Spielsituation bezogen. Doch daran muss massiv gezweifelt werden.
Sargon 2.5 konnte mit Schwarz oder Weiß spielen (wie auch schon Boris - hier irrte ich in CSS 4/86), er machte Zugvorschläge und man konnte selbst während seiner Denkphase die Stellung im Display in Symbolen abrufen. Diese zischten nicht, wie bei Boris, wildumher auf der Suche nach dem besten Zug. Der jeweils für den besten gehaltene erschien dafür alphanumerisch blinkend im Display.
Das MGS hatte einen Spielstandspeicher und als besonderen Luxus gab es eine integrierte Vier-Zeiten-Schachuhr. Auch die Kunst des Permanent Brain beherrschte Sargon, meines Wissens als erstes Mikrocomputerprogramm überhaupt. Und noch eines: Dieser Apparat war verteufelt hübsch, viel eleganter als das 1986er Gerät, gegen das er verlor.
Wunderkind gegen Schachcomputer

1981 spielte der vierzehnjährige Nigel Short, heute Supergroßmeister und Weltmeisterschaftskandidat, zwei Blindpartien gegen Sargon 2.5 - derweilen zwei junge Damen versuchten, ihm den Flohwalzer auf dem Klavier beizubringen. Zwischen viel Gelächter und musikalischen Dissonanzen wurden die Züge per Zuruf ausgetauscht. Hier die historischen Partien:
Bemerkenswert in der ersten Partie das Manöver nach dem 12. Zug. Ohne sich einen Augenblick lang vom Klavierspiel ablenken zu lassen, mobilisiert Nigel seinen Springer b1 und bringt ihn für den Schlussangriff in vier Zügen nach h7. Bemerkenswert auch, dass er inzwischen wohl die Partien, nicht aber die Klavierstücke vergessen hat.
In der nachfolgenden Gewinnpartie aus der besagten WM übersieht Sargons Gegner ein Matt in einem Zug!
References
Weblinks
- ARB Sargon 2.5 by Spacious-Mind.com
- Chafitz Auto Response Board Sargon 2.5 auf Schachcomputer-Online-Museum
- Chafitz ARB Sargon 2.5 from Chess Programming Wiki
YouTube Video by Vince Gum


