Chess-Master Diamond: Unterschied zwischen den Versionen
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Der '''Chess-Master Diamond''' (Modellnummer G-5004.500) war ein Schachcomputer, der vom '''VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ Erfurt''' entwickelt und produziert wurde. Er wurde im '''September 1987''' als Nachfolger des [[Chess-Master]] auf der Leipziger Herbstmesse vorgestellt. Das Gerät stellte den technischen Endpunkt der DDR-Schachcomputer-Entwicklung dar und war sowohl für den heimischen Markt als auch für den Devisen-Export in das westliche Ausland (NSW) bestimmt. | |||
== Entwicklung und Programmierung == | |||
Im Juli 1983 stieß '''[[Pähtz, Wolfgang|Wolfgang Pähtz]]''' zur Erfurter Entwicklungsgruppe um '''Dr. Heiko Kieser''' sowie die Ingenieure '''Rüdiger Worbs''' und '''Dieter Schultze'''. Für den '''Chess-Master Diamond''', das Nachfolgemodell des [[Chess-Master]], übernahm Pähtz vor allem Aufgaben an den Ein-/Ausgaberoutinen und die redaktionelle Pflege der Eröffnungsbücher. '''Holger Faltermeier''' unterstützte das Projekt insbesondere auf der Messe- und Vertriebsseite. Darüber hinaus portierte Pähtz das Chess-Master-Programm auf den Heimcomputer '''HC900''' (die Bezeichnung wurde nur bei den ersten Geräten verwendet und kurz darauf in '''KC85/2''' geändert). Damit gilt er als Entwickler des ersten Heimcomputer-Schachprogramms der DDR. Zusätzlich war '''Rainer Knaak''', in den 1980er Jahren einer der stärksten Großmeister der DDR, an der Entwicklung eines speziellen Endspielmoduls beteiligt und unterstützte die Erprobung des Geräts.<ref name="Quelle1">Ingo Althöfer (2020). ''Computer Chess and Chess Computers in East Germany''. ICGA Journal, Vol. 42, Nos. 2–3</ref> | |||
Die Entwicklung von Schachcomputern in der DDR war eng mit dem Ziel der Devisenbeschaffung durch Export verbunden. Nach [[SC 1]], [[SC 2]] und dem ab 1984 angebotenen Chess-Master wurde mit dem '''Chess-Master Diamond''' ein ausdrücklich „aufgewertetes“ Modell für den westlichen Markt angestrebt. Ein spezialisierter Designer mit Erfahrung auf westlichen Märkten entwarf die Verpackung und die Bedienungsanleitung. | |||
== Technik und Ausstattung == | |||
=== Technische Spezifikationen === | |||
Der Computer basierte auf der in der DDR verbreiteten 8-Bit-Architektur: | |||
* '''Prozessor:''' UA880 (Z80-Klon) mit einer Taktfrequenz von 4 MHz (8000 kHz Quarz) - Vorgänger "Chess-Master" 2,5 MHz. | |||
* '''Speicherausbau:''' Das Grundgerät verfügte über 16 KB ROM (Programmspeicher - 2x U2364D45) und 3 KB RAM (6x U224D35). Durch Erweiterungsmodule konnte der Gesamtspeicher auf bis zu 32 KB ausgebaut werden. | |||
=== Sensorschachbrett und Anzeige === | |||
Wie der Vorgänger arbeitete der Chess-Master Diamond mit einem Sensorschachbrett. Die Züge wurden über ein Magnetsensorbrett mit Hall-Sensoren erfasst, was eine flüssige Bedienung ohne mechanischen Druck ermöglichte. Die Zugausgabe erfolgte über '''64 Feld-LEDs''' (je Feld eine LED). Als sichtbare Neuerung kam ein '''vierstelliges alphanumerisches 16-Segment-Display''' hinzu, das u. a. Uhr- und Statusinformationen sowie etliche Bedienhinweise anzeigen konnte. | |||
Das Gerät wurde per externem Netzteil betrieben (AC-Adapter G-5502.500). Sowohl Gehäuse als auch Brett waren aus Holz gefertigt und wiesen eine hochwertige Verarbeitung auf. Da der Chess-Master Diamond als prestigeträchtiges Exportobjekt geplant war, wurde auf eine hochwertige Materialwahl und marktgerechte Gestaltung geachtet. Der Holzkorpus wurde in Handarbeit von der PGH „Bau- und Möbeltischler“ Erfurt gefertigt. | |||
=== Spiel- und Analysefunktionen === | |||
Zu den Funktionen gehörten unter anderem eine Schachuhr mit Turnierzeiten, die Anzeige der Stellungsbewertung, Rechentiefe, die Anzeige aller Zugmöglichkeiten, die Partiewiederholung, das Speichern und Laden von Partien, eine Zufallsfunktion zur Varianz, Problem- und Analysemodi sowie eine umfangreiche ‚Zugrücknahme bis ca. 200 Halbzüge (praktisch die gesamte Partie) und vieles mehr. | |||
Eine von Wolfgang Pähtz zugeschriebene Besonderheit war die Möglichkeit, die laufenden Züge in '''mehreren Notationsformen''' anzeigen zu lassen. Neben „normalen“ Darstellungen (z. B. Koordinaten-/Ursprung-Ziel-Felder sowie algebraische Kurznotation) bot das Gerät auch Fernschach-/Ziffernnotation und darüber hinaus eine telegraphische Kodierung, die als '''Uedemann-Code''' bezeichnet wird. Der Uedemann-Code, eine 1882 von Louis Udemann eingeführte Notation, ist historisch als Verfahren zur Übermittlung von Zügen per Telegraphie/Funk beschrieben (zwei Buchstaben pro Feld, insgesamt vier Buchstaben pro Zug).<ref name="Quelle1">Ingo Althöfer (2020). ''Computer Chess and Chess Computers in East Germany''. ICGA Journal, Vol. 42, Nos. 2–3</ref> | |||
== Modultechnik (PM10 / PM11) == | |||
Ein Kernmerkmal des Chess-Master Diamond war die '''Erweiterbarkeit über Zusatzmodule'''. Folgende Module gehörten zum Lieferumfang: | |||
* '''PM10 (Opening - G-5010.500 - 8KB 1x U2364D30)''' – Eröffnungsmodul (mit einer Bibliothek von rund '''800 Positionen'''), | |||
* '''PM11 (Ending - G-5011.500 - 16KB 2x U2364D45)''' – Endspiel-/Strategiemodul. Entwickelt unter Mitwirkung von Rainer Knaak. Es verbesserte die Endspielfähigkeiten und wurde vom Hersteller auch als allgemeines Spielmodul für die Phase nach der Eröffnung empfohlen. Das PM11-Modul enthielt einige elementare Endspiele, u.a. KLL-K, KLS-K war nicht implementiert und Endspiele König / Bauer gegen König sowie Könige mit einem blockierten Bauernpaar... Vergleichbar mit dem [[Saitek Endgame ROM]], allerdings nicht als Datenbankhinterlegung. Eine gewisse Suchtiefe/höhere Spielstufe war erforderlich, um das hinterlegte Wissen zur Entfaltung zu bringen. | |||
Die Module wurden seitlich über einen Modulschacht angeschlossen. | |||
== Spielstärke und Programm == | |||
Der genaue Ursprung des verwendeten Schachprogramms ist unbekannt. Es ist unklar, ob es sich um eine Eigenentwicklung oder um eine Weiterentwicklung des adaptierten Sargon 2.5 Programms handelte, das im Vorgänger „Chess-Master“ zum Einsatz kam. | |||
Der Chess-Master Diamond war funktional reich ausgestattet, seine Spielstärke jedoch im unteren Bereich angesiedelt. Die Verbesserung gegenüber dem Vorgänger war moderat und lag bei etwa '''1250-1300 Elo''' (Vorgänger "Chess-Master" lag bei ca. 1200 Elo), was im Vergleich zum deutlich höheren westlichen Niveau der späten 1980er Jahre immer noch deutlich zurückblieb. | |||
== Wirtschaftliche Aspekte und Vertrieb == | |||
Der Vertrieb folgte der DDR-Staatsdoktrin der Devisenbeschaffung: | |||
'''Inland:''' In der DDR kostete das Gerät 1.810 Mark, was es zu einem exklusiven Luxusgut machte. Das durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommen in der DDR lag im Jahr 1987 bei 1.159 Mark der DDR. In der Industrie lag der Durchschnittsverdienst mit etwa 1.322 Mark etwas höher. | |||
'''Export:''' Im Westen erfolgte der Vertrieb über die Radiophon GmbH (ohne direkten Hinweis auf die DDR-Herkunft/RFT) zu einem Preis von 589 DM. | |||
'''Rentabilität:''' Die Produktion war hochgradig unwirtschaftlich. Einem Herstellungspreis von über 1.100 Mark (DDR) standen geringe Devisenerlöse gegenüber, was zum Abbruch der Serie bereits Anfang 1986 (noch vor dem offiziellen Verkaufsstart) führte, da das Management das Projekt als Verlustgeschäft einstufte.<ref name="Quelle1">Ingo Althöfer (2020). ''Computer Chess and Chess Computers in East Germany''. ICGA Journal, Vol. 42, Nos. 2–3</ref> | |||
== Rezeption == | |||
In einem Testbericht des Computer-Schach-Magazins '''[[Modul|MODUL]]''' (nachfolgend) bezeichnete '''Thomas Mally''' das Gerät 1989 als einen „High-Tech-Dinosaurier“. Er lobte zwar die Ausstattung und das edle Design, kritisierte jedoch die Spielstärke scharf: Das Programm sei bereits bei Markteinführung „von vorgestern“ gewesen, da die internationale Konkurrenz längst auf leistungsfähigere 16-Bit-Systeme setzte. | |||
=References= | |||
<references /> | |||
== Weblinks == | |||
* [https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.3233/ICG-200163 Ingo Althöfer - Computer Chess and Chess Computers in East Germany, ICGA Journal, Vol. 42, Nos. 2-3] | |||
* [https://althofer.de/east-german-computer-chess.html Fotos zum ICGA-J-Artikel von Ingo Althöfer] | |||
* [https://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/click.php?zz=88&id=178 10-1987 H-1501 VEB Mikroelektronik Erfurt - Chess-Master Diamond] aus der [http://www.schaakcomputers.nl/hein_veldhuis/database/ Datenbank von Hein Veldhuis] | |||
*[https://www.chessprogramming.org/Chess-Master Chess-Master] from [https://chessprogramming.org/ Chess Programming Wiki] | |||
* [https://www.schachcomputer-online-museum.de/index-1/rft-veb-mikroelektronik-erfurt/chess-master-diamond-1987/ Chess Master Diamond] - [https://www.schachcomputer-online-museum.de/ Schachcomputer-Online-Museum] | |||
* [http://www.robotrontechnik.de/index.htm?/html/computer/schach.htm Schachcomputer auf robotrontechnik.de] | |||
* [https://paehtz.eu/Sammlung/Schachcomputer Schachcomputer (DDR)] auf [https://paehtz.eu/Home paehtz.eu von Wolfgang Pähtz] | |||
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Schachcomputer_in_der_DDR Schachcomputer in der DDR] aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia - Die freie Enzyklopädie] | |||
* [http://chess-computer.blogspot.com/2015/11/ossi-mit-komfort-charme.html Ossi mit Komfort und Charme] aus dem [http://chess-computer.blogspot.com CHESS COMPUTER Blog] | |||
== Bilder == | |||
<gallery style="text-align:left" widths="200" heights="150" mode="packed"> | |||
Bild:Chess_Master_Diamond_7.jpg|Eröffnungs- und Endspiel-Modul | |||
Bild:Chess_Master_Diamond_4.jpg|Zuganzeige | |||
Bild:CMD_5.jpg|Tastenfeld | |||
Bild:CMD_6.jpg|Figuren | |||
Bild:CMD-Display.jpg|Display | |||
Bild:CMD-Platine.jpg|Hauptplatine | |||
File:Video_Chess-Master.png|Video Chess-Master | |||
File:Chess-Master_Diamond_OVP.jpeg|Verpackung | |||
</gallery> | |||
== DINOSAURUS HI-TECH == | == DINOSAURUS HI-TECH == | ||
=== CHESS MASTER "DIAMOND": NICHT GANZ LUPENREIN === | === CHESS MASTER "DIAMOND": NICHT GANZ LUPENREIN === | ||
''(Quelle: "Das österreichische Schachcomputer-Magazin MODUL" - von Thomas Mally, 1.1989)'' | ''(Quelle: "Das österreichische Schachcomputer-Magazin [[Modul (Zeitschrift)|MODUL]]" - von Thomas Mally, 1.1989)'' | ||
Kommt Ihnen das bekannt vor: Man wählt in einem Optionen-Menü eine Funktion aus, ändert die Parameter mit den Cursortasten und bestätigt die Eingabe mit ENTER? | Kommt Ihnen das bekannt vor: Man wählt in einem Optionen-Menü eine Funktion aus, ändert die Parameter mit den Cursortasten und bestätigt die Eingabe mit ENTER? | ||
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Was soll man insgesamt von diesem doch nicht ganz lupenreinen Diamanten halten? Wer einfach einen spielstarken Trainingspartner sucht, sollte von diesem Gerät wohl besser die Finger lassen; ein echter Computer-Freak aber, der nichts lieber tut, als an verschiedenen Parameter-Einstellungen herumzutüfteln, könnte sich schon überlegen, diesen Hi-Tech-Dinosaurier mit den Features von heute im Gewand von gestern und mit dem Programm von vorgestern seiner Sammlung als Kuriosität hinzuzufügen. | Was soll man insgesamt von diesem doch nicht ganz lupenreinen Diamanten halten? Wer einfach einen spielstarken Trainingspartner sucht, sollte von diesem Gerät wohl besser die Finger lassen; ein echter Computer-Freak aber, der nichts lieber tut, als an verschiedenen Parameter-Einstellungen herumzutüfteln, könnte sich schon überlegen, diesen Hi-Tech-Dinosaurier mit den Features von heute im Gewand von gestern und mit dem Programm von vorgestern seiner Sammlung als Kuriosität hinzuzufügen. | ||
<br style="clear:both;" /> | |||
== YouTube Video by [https://www.youtube.com/@vincegum6962 Vince Gum] == | == YouTube Video by [https://www.youtube.com/@vincegum6962 Vince Gum] == | ||
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Aktuelle Version vom 16. Februar 2026, 16:44 Uhr
| Chess-Master Diamond | ||
|---|---|---|
| Hersteller | VEB Mikroelektronik Erfurt / RFT | |
| Markteinführung | 1987 | |
| CElo | ca. 1250-1300 | |
| Programmierer | Worbs, Rüdiger & Pähtz, Wolfgang | |
| Prozessor | UA 880 | |
| Prozessortyp | 8 Bit | |
| Takt | 4 MHz (8000 kHz Quarz) | |
| RAM | 3 KB | |
| ROM | 16 KB | |
| Bibliothek | 800 Positionen im Modul PM10 | |
| Einführungspreis | 1810 Mark der DDR / 589 DM | |
| Rechentiefe | 21 Halbzüge | |
| BT-2450 | - | |
| BT-2630 | - | |
| Colditz | - | |
| Verwandt | Chess-Master (nicht gesichert) | |
| Zugeingabe | Magnetsensoren (Hall Sensoren) | |
| Zugausgabe | LED-Display und 64 Feld-LEDs | |
| Display | 4-stellige 16-Segment Anzeige | |
| Stromversorgung | ~10,7V / 1,5A | |
| Spielstufen | 9 x Durchschnittszeit, 5min .. 2h30min pro Partie, Analysestufe | |
| Maße | 43.1 x 34.7 x 7.2 cm | |
| Sonstiges | ||
| Anzeige von Bewertung, Rechentiefe, Stellungen und HV, 2 Zusatzmodule, Der Holzkorpus wird von der PGH "Bau- u. Möbeltischler" Erfurt gefertigt | ||
| Level Info | ||
| Bedenkzeit | Level | |
| 30 Sek. / Zug | LEV 4 | |
| 30 Min. / Partie | MATCH 30' | |
| 60 Sek. / Zug | LEV 5/6 | |
| 60 Min. / Partie | MATCH 1H | |
| Turnier | MATCH 2H | |
| Analyse | LEV 9 | |
Der Chess-Master Diamond (Modellnummer G-5004.500) war ein Schachcomputer, der vom VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ Erfurt entwickelt und produziert wurde. Er wurde im September 1987 als Nachfolger des Chess-Master auf der Leipziger Herbstmesse vorgestellt. Das Gerät stellte den technischen Endpunkt der DDR-Schachcomputer-Entwicklung dar und war sowohl für den heimischen Markt als auch für den Devisen-Export in das westliche Ausland (NSW) bestimmt.
Entwicklung und Programmierung
Im Juli 1983 stieß Wolfgang Pähtz zur Erfurter Entwicklungsgruppe um Dr. Heiko Kieser sowie die Ingenieure Rüdiger Worbs und Dieter Schultze. Für den Chess-Master Diamond, das Nachfolgemodell des Chess-Master, übernahm Pähtz vor allem Aufgaben an den Ein-/Ausgaberoutinen und die redaktionelle Pflege der Eröffnungsbücher. Holger Faltermeier unterstützte das Projekt insbesondere auf der Messe- und Vertriebsseite. Darüber hinaus portierte Pähtz das Chess-Master-Programm auf den Heimcomputer HC900 (die Bezeichnung wurde nur bei den ersten Geräten verwendet und kurz darauf in KC85/2 geändert). Damit gilt er als Entwickler des ersten Heimcomputer-Schachprogramms der DDR. Zusätzlich war Rainer Knaak, in den 1980er Jahren einer der stärksten Großmeister der DDR, an der Entwicklung eines speziellen Endspielmoduls beteiligt und unterstützte die Erprobung des Geräts.[1]
Die Entwicklung von Schachcomputern in der DDR war eng mit dem Ziel der Devisenbeschaffung durch Export verbunden. Nach SC 1, SC 2 und dem ab 1984 angebotenen Chess-Master wurde mit dem Chess-Master Diamond ein ausdrücklich „aufgewertetes“ Modell für den westlichen Markt angestrebt. Ein spezialisierter Designer mit Erfahrung auf westlichen Märkten entwarf die Verpackung und die Bedienungsanleitung.
Technik und Ausstattung
Technische Spezifikationen
Der Computer basierte auf der in der DDR verbreiteten 8-Bit-Architektur:
- Prozessor: UA880 (Z80-Klon) mit einer Taktfrequenz von 4 MHz (8000 kHz Quarz) - Vorgänger "Chess-Master" 2,5 MHz.
- Speicherausbau: Das Grundgerät verfügte über 16 KB ROM (Programmspeicher - 2x U2364D45) und 3 KB RAM (6x U224D35). Durch Erweiterungsmodule konnte der Gesamtspeicher auf bis zu 32 KB ausgebaut werden.
Sensorschachbrett und Anzeige
Wie der Vorgänger arbeitete der Chess-Master Diamond mit einem Sensorschachbrett. Die Züge wurden über ein Magnetsensorbrett mit Hall-Sensoren erfasst, was eine flüssige Bedienung ohne mechanischen Druck ermöglichte. Die Zugausgabe erfolgte über 64 Feld-LEDs (je Feld eine LED). Als sichtbare Neuerung kam ein vierstelliges alphanumerisches 16-Segment-Display hinzu, das u. a. Uhr- und Statusinformationen sowie etliche Bedienhinweise anzeigen konnte.
Das Gerät wurde per externem Netzteil betrieben (AC-Adapter G-5502.500). Sowohl Gehäuse als auch Brett waren aus Holz gefertigt und wiesen eine hochwertige Verarbeitung auf. Da der Chess-Master Diamond als prestigeträchtiges Exportobjekt geplant war, wurde auf eine hochwertige Materialwahl und marktgerechte Gestaltung geachtet. Der Holzkorpus wurde in Handarbeit von der PGH „Bau- und Möbeltischler“ Erfurt gefertigt.
Spiel- und Analysefunktionen
Zu den Funktionen gehörten unter anderem eine Schachuhr mit Turnierzeiten, die Anzeige der Stellungsbewertung, Rechentiefe, die Anzeige aller Zugmöglichkeiten, die Partiewiederholung, das Speichern und Laden von Partien, eine Zufallsfunktion zur Varianz, Problem- und Analysemodi sowie eine umfangreiche ‚Zugrücknahme bis ca. 200 Halbzüge (praktisch die gesamte Partie) und vieles mehr.
Eine von Wolfgang Pähtz zugeschriebene Besonderheit war die Möglichkeit, die laufenden Züge in mehreren Notationsformen anzeigen zu lassen. Neben „normalen“ Darstellungen (z. B. Koordinaten-/Ursprung-Ziel-Felder sowie algebraische Kurznotation) bot das Gerät auch Fernschach-/Ziffernnotation und darüber hinaus eine telegraphische Kodierung, die als Uedemann-Code bezeichnet wird. Der Uedemann-Code, eine 1882 von Louis Udemann eingeführte Notation, ist historisch als Verfahren zur Übermittlung von Zügen per Telegraphie/Funk beschrieben (zwei Buchstaben pro Feld, insgesamt vier Buchstaben pro Zug).[1]
Modultechnik (PM10 / PM11)
Ein Kernmerkmal des Chess-Master Diamond war die Erweiterbarkeit über Zusatzmodule. Folgende Module gehörten zum Lieferumfang:
- PM10 (Opening - G-5010.500 - 8KB 1x U2364D30) – Eröffnungsmodul (mit einer Bibliothek von rund 800 Positionen),
- PM11 (Ending - G-5011.500 - 16KB 2x U2364D45) – Endspiel-/Strategiemodul. Entwickelt unter Mitwirkung von Rainer Knaak. Es verbesserte die Endspielfähigkeiten und wurde vom Hersteller auch als allgemeines Spielmodul für die Phase nach der Eröffnung empfohlen. Das PM11-Modul enthielt einige elementare Endspiele, u.a. KLL-K, KLS-K war nicht implementiert und Endspiele König / Bauer gegen König sowie Könige mit einem blockierten Bauernpaar... Vergleichbar mit dem Saitek Endgame ROM, allerdings nicht als Datenbankhinterlegung. Eine gewisse Suchtiefe/höhere Spielstufe war erforderlich, um das hinterlegte Wissen zur Entfaltung zu bringen.
Die Module wurden seitlich über einen Modulschacht angeschlossen.
Spielstärke und Programm
Der genaue Ursprung des verwendeten Schachprogramms ist unbekannt. Es ist unklar, ob es sich um eine Eigenentwicklung oder um eine Weiterentwicklung des adaptierten Sargon 2.5 Programms handelte, das im Vorgänger „Chess-Master“ zum Einsatz kam.
Der Chess-Master Diamond war funktional reich ausgestattet, seine Spielstärke jedoch im unteren Bereich angesiedelt. Die Verbesserung gegenüber dem Vorgänger war moderat und lag bei etwa 1250-1300 Elo (Vorgänger "Chess-Master" lag bei ca. 1200 Elo), was im Vergleich zum deutlich höheren westlichen Niveau der späten 1980er Jahre immer noch deutlich zurückblieb.
Wirtschaftliche Aspekte und Vertrieb
Der Vertrieb folgte der DDR-Staatsdoktrin der Devisenbeschaffung:
Inland: In der DDR kostete das Gerät 1.810 Mark, was es zu einem exklusiven Luxusgut machte. Das durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommen in der DDR lag im Jahr 1987 bei 1.159 Mark der DDR. In der Industrie lag der Durchschnittsverdienst mit etwa 1.322 Mark etwas höher.
Export: Im Westen erfolgte der Vertrieb über die Radiophon GmbH (ohne direkten Hinweis auf die DDR-Herkunft/RFT) zu einem Preis von 589 DM.
Rentabilität: Die Produktion war hochgradig unwirtschaftlich. Einem Herstellungspreis von über 1.100 Mark (DDR) standen geringe Devisenerlöse gegenüber, was zum Abbruch der Serie bereits Anfang 1986 (noch vor dem offiziellen Verkaufsstart) führte, da das Management das Projekt als Verlustgeschäft einstufte.[1]
Rezeption
In einem Testbericht des Computer-Schach-Magazins MODUL (nachfolgend) bezeichnete Thomas Mally das Gerät 1989 als einen „High-Tech-Dinosaurier“. Er lobte zwar die Ausstattung und das edle Design, kritisierte jedoch die Spielstärke scharf: Das Programm sei bereits bei Markteinführung „von vorgestern“ gewesen, da die internationale Konkurrenz längst auf leistungsfähigere 16-Bit-Systeme setzte.
References
Weblinks
- Ingo Althöfer - Computer Chess and Chess Computers in East Germany, ICGA Journal, Vol. 42, Nos. 2-3
- Fotos zum ICGA-J-Artikel von Ingo Althöfer
- 10-1987 H-1501 VEB Mikroelektronik Erfurt - Chess-Master Diamond aus der Datenbank von Hein Veldhuis
- Chess-Master from Chess Programming Wiki
- Chess Master Diamond - Schachcomputer-Online-Museum
- Schachcomputer auf robotrontechnik.de
- Schachcomputer (DDR) auf paehtz.eu von Wolfgang Pähtz
- Schachcomputer in der DDR aus der Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
- Ossi mit Komfort und Charme aus dem CHESS COMPUTER Blog
Bilder
-
Eröffnungs- und Endspiel-Modul
-
Zuganzeige
-
Tastenfeld
-
Figuren
-
Display
-
Hauptplatine
-
Video Chess-Master
-
Verpackung
DINOSAURUS HI-TECH
CHESS MASTER "DIAMOND": NICHT GANZ LUPENREIN
(Quelle: "Das österreichische Schachcomputer-Magazin MODUL" - von Thomas Mally, 1.1989)
Kommt Ihnen das bekannt vor: Man wählt in einem Optionen-Menü eine Funktion aus, ändert die Parameter mit den Cursortasten und bestätigt die Eingabe mit ENTER? Ein alter Hut, werden Sie jetzt sagen - das ist einfach das (revolutionäre?) Bedienungssystem des Mephisto Almeria! Weit gefehlt: das Gerät, von dem hier die Rede ist, stammt nicht aus der Münchener Computerschmiede, sondern aus dem VEB Mikroelektronik "Karl Marx" in Erfurt! Es handelt sich um den Nachfolger des ebenfalls in der DDR produzierten "Chess Master" (s. unseren Bericht über das Turnier in Gera in MODUL 4/88), der den offenbar für den Export total durchgestylten Namen "Chess Master Diamond" trägt. Dieser ostdeutsche Rohdiamant wird in österreichischen Kaufhäusern zum Preis von rund 3000 S angeboten, inklusive Adapter sowie Eröffnungs- und Endspielmodul. In Anbetracht der Holzausführung mit Magnetsensorbrett und 64 Feld-LEDs ein außerordentlich günstiger Preis also - Grund genug, den DDR-Schachcomputer einmal gründlich unter die MODUL-Lupe zu nehmen.
Schnell das hölzerne Schwergewicht auf den Tisch gehievt, den Adapter angeschlossen - es piepst, und aus dem Display blitzt mir in giftgrünen Segmentbuchstaben die bange Frage "OK?" entgegen, die ich so aus dem Handgelenk naturgemäß nicht beantworten kann. Ein Blick in die Bedienungsanleitung - sie hat in etwa die Opazität eines MS-DOS-Handbuchs und überfällt den Benützer mit einer Fülle von wahrhaft erschöpfenden Informationen: "über das Zugrecht (Pos.D.2 s.Pkt. 2.5) wird angezeigt, welche der beiden Parteien, Sie (Y) oder der Computer (C), den jeweiligen Zug für die sich als am Zug befindlich ausgewiesene Seite (t) oder (I) (Pos.D1) berechnen muss."
Bereits hier zeigt sich der Diamond als zur Bedienungsfreundlichkeit wild entschlossen: der Benutzer erfährt nicht nur, ob er oder der Computer am Zug ist, sondern wird noch zusätzlich mit einem kleinen Pfeil darauf hingewiesen, ob der nächste Zug von oben oder von unten zu erwarten ist. Welches andere Gerät sorgt so liebevoll selbst für den begriffsstutzigsten Anwender? Eine eingehendere Lektüre der Anleitung fördert die Erkenntnis zutage, dass das menügesteuerte Bedienungssystem des Chess Master in der Tat viel mit den ähnlich gearteten Systemen des Almeria bzw. des Academy gemeinsam hat. Es gibt mehrere Druckknöpfe, mit denen man Untermenüs aufruft, die man dann mit Hilfe der Vor- und Rückwärts-Tasten durchlaufen kann. Mit ENTER wählt man eine der offerierten Funktionen an und kann schließlich mit Hilfe der Cursortasten noch Parameter (z.B. die Level-Einstellung) ändern.
Und was es da an Funktionen gibt, ist nicht von schlechten Eltern! In vielen Fällen sind sie mit den heute schon selbstverständlichen Standard-Optionen identisch, auch wenn sie betont eigenständige, von der Norm abweichende Bezeichnungen haben: der Monitor-Modus heißt z.B. REFE (für "referee"), der Auto-Play7 Modus SELF, die Möglichkeit der Tonsignal-Abschaltung nicht etwa SOUND, sondern BELL, das Brett drehen SIDE usw. Darüber hinaus gibt es aber noch ein paar Optionen, die meines Wissens bei keinem anderen Computer vorhanden sind, und die den eigentlichen Reiz des Diamond ausmachen.
Nicht alltäglich ist z.B. die Möglichkeit, sich eine komplette Liste aller möglichen Züge im Display ausgeben zu lassen, und dazu noch jeden beliebigen dieser Züge durch Markieren mit der ENTER-Taste von der Suche auszuschließen. Anderswo kann man das höchstens mit der Next-Best-Funktion erreichen, wobei man aber auf die Reihenfolge angewiesen ist, in der der Computer die Züge ordnet. Hier kann man beliebig viele Züge von vornherein von der Suche ausnehmen - eine Möglichkeit, die z.B. für Dr. Althöfer und sein Dreihirn-Konzept (MODUL 4/88) interessant sein dürfte. Den Spielstil kann man darüber hinaus noch mit der Umschaltung von Brute Force auf selektiv sowie mit der eher überflüssigen STR-Funktion beeinflussen, welche die Wahl zwischen "klärender" und "elastischer" Strategie offeriert (z.B. Bauerntausch im Zentrum oder Aufrechterhalten der Spannung).
Für Problemisten interessant ist die Möglichkeit, beim Aufbau einer Stellung jede der vier möglichen Rochaden entweder zuzulassen oder auszuschließen. Leider ist der Diamond davon abgesehen nicht gerade ideal zum Lösen von Schachproblemen geeignet: er hat nur eine Problemstufe, d.h. er kann nicht gezielt nach einem Matt in n Zügen suchen, und die Anzahl der Züge bis zum Matt muss man selbst aus der Anzeige der Suchtiefe ableiten, die übrigens - auch darin ist der Diamond eigenwillig - nicht in Halb-, sondern in Vollzügen ausgegeben wird. Nebenlösungen kann man suchen lassen, indem man die erste gefundene Lösung in der oben beschriebenen Weise von der Suche ausschließt und noch-einmal von vorne beginnt - nicht gerade komfortabel. Und der Schnellste ist der Chess Master auch nicht: Die Nr.12 aus der Problemspalte von MODUL 1/88, ein Dreizüger, der von den neueren Geräten in ein paar Sekunden abgehandelt wird, löst er in etwa eineinhalb Minuten; der Fünfzüger Nr.14 (2/88), an dem MM II und Genossen 1 bis 2 Minuten knabbern, beschäftigt ihn immerhin schon über 10 Minuten.
Ein absoluter Hammer ist die Option NOT, die es ermöglicht, die Notation zu wählen, in der der Master die laufende (oder beim Nachspielen die zuletzt gespielte) Partie anzeigt. Neben der üblichen Anzeige von Ausgangs- und Zielfeld kann man auch die algebraische Kurznotation, die internationale Fernschachnotation (gut zur Überprüfung der Züge vor dem Abschicken!) sowie für ganz Eilige die telegrafische Notation (den sogenannten Uedemann-Code) anwählen. In letzterem Fall ergeben sich besonders malerische Partieverläufe - ein königsindischer Aufbau sieht z.B. so aus: 1.FEFO WATI 2.DEDO WEWI 3.CADI RERI 4.GEGO TAWE 5.HAGE SAWA 6.DAWO NARE 7.FAFE SESO usw. bis 27.MATE, wobei letzteres aber keinen Zug, sondern lediglich das Matt anzeigt.
Das Display besteht aus einer vierstelligen grünen Leucht-dioden-Anzeige im altertümlichen Segment-Look. Im VIEW-Modus kann man über die Druckknöpfe und Cursor-Tasten die üblichen Informationen über den Denkprozess des Computers, die verbrauchte Zeit etc. abrufen. Beim Aufbau oder der Kontrolle von Stellungen erscheinen die Figurensymbole als ulkige Strichmännchen, was wie vieles andere an diesem Gerät - einen charmant antiquierten Eindruck macht. Eine weitere Besonderheit, die auch schon bei dem (displaylosen) Vorgänger Chess Master (pur) vorhanden war, ist die Art der Stellungseingabe. Statt den Typ der Figur durch Tastendruck anzugeben, stellt man sie zuerst auf ein sogenanntes "Identifikationsfeld" - d.h. im Normalfall auf das Feld, auf dem sie in der Ausgangsstellung stehen würde - und dann erst auf das eigentliche Zielfeld. Will man z.B. eine schwarze Dame auf das Feld b4 stellen, so berührt man zuerst mit der Figur das Feld d8, worauf im Display das Symbol' für eine schwarze Dame erscheint, und stellt sie dann auf das Feld b4. Diese Art der Eingabe ist natürlich gewöhnungsbedürftig - bei Einzelfiguren scheint sie recht logisch, beim Aufstellen von einer größeren Anzahl Bauern ist das ewige Hin- und Herfahren eher enervierend.
Während für normales Spiel zehn Levels zur Verfügung stehen, über deren Zeitaufteilung sich die Bedienungsanleitung allerdings ausschweigt (man erfährt nur, dass Level 9 die Analysestufe ist), gibt es für den ernsthaft zum Kampf Entschlossenen eine Option, die wiederum stark an den Academy erinnert: die MATCH-Einstellung. Hier muss man die ganze Partie in einer bestimmten Zeit abwickeln (die von 5 Minuten bis zu 2 1/2 Stunden reicht), und es gelten strenge Turnierbedingungen: keine Rücknahme von Zügen, kein Abrufen des Computers durch ENTER, kein Einblick in den Denkprozess etc. Die Bedienungsanleitung fordert sogar zur gewissenhaften Beachtung der Regel "Berührt - geführt" auf. Die Bräuche sind im MATCH-Modus so streng, dass sogar die Funktion "Modulwechsel" gesperrt ist, obwohl in der Anleitung ausdrücklich empfohlen wird, das Eröffnungsmodul nach dem Verlassen der Theorie schleunigst gegen das Endspielmodul auszutauschen.
Partien
In der Grundversion spielt der Diamond ohne Eröffnungsbibliothek. Nach Einstecken des "Opening-Moduls" stehen ihm dann immerhin etwa 800 Varianten von gängigen Eröffnungen zur Verfügung. Das "Ending-Modul" hingegen wird als generelle "Verbesserung des Grundprogamms" bezeichnet und soll darüber hinaus einige spezielle Endspielstrategien beinhalten. In der Tat zeigt der Diamond bei Verwendung dieses Moduls in einfachen Bauernendspielen gewisse Grundkenntnisse, z.B. über die Opposition, für die er auch Material zu opfern bereit ist; sobald die Stellungen komplexer werden, hilft aber auch das Modul nicht mehr weiter.
So weit, so interessant - wie steht es nun aber mit der Spielstärke des präsumtiven Meisters? Zunächst probierte ich es auf dem normalen Level 3 mit Endspiel-Modul, aber ohne Bibliothek:
Keine ausgesprochen hochkarätige Darbietung des Masters also! Ich beschloss daher, ihm einerseits das Eröffnungsmodul zu bewilligen und andererseits den MATCH-Modus mit der Schnellschachstufe 1 (15 min.) zu wählen:
Na schön, vielleicht bin ich einfach zu stark für den armen Schachdiamanten (obwohl meine letzten Turnierresultate das nicht vermuten lassen) - geben wir ihm die Chance, gegen Seinesgleichen anzutreten, und dazu noch mit Weiß! Um ihn nicht zu überfordern, ließ ich ihn (in derselben Konstellation wie oben) gegen den munteren, aber nicht übertrieben spielstarken Advanced Star Chess in den Ring steigen:
Nur nicht aufgeben! Probieren wir es einmal mit ein wenig mehr Bedenkzeit: 30 Minuten "active chess", ohne Eröffnungs-, aber mit Endspielmodul. Dazu stellen wir den ASC noch auf "sehr aggressiv" ein - vielleicht stürzt er sich ins eigene Schwert?
Was soll man insgesamt von diesem doch nicht ganz lupenreinen Diamanten halten? Wer einfach einen spielstarken Trainingspartner sucht, sollte von diesem Gerät wohl besser die Finger lassen; ein echter Computer-Freak aber, der nichts lieber tut, als an verschiedenen Parameter-Einstellungen herumzutüfteln, könnte sich schon überlegen, diesen Hi-Tech-Dinosaurier mit den Features von heute im Gewand von gestern und mit dem Programm von vorgestern seiner Sammlung als Kuriosität hinzuzufügen.
YouTube Video by Vince Gum
