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Morphy

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Morphy Encore / Morphy Edition master chess

Morphy Encore Morphy Edition master chess Modul

Hersteller Applied Concepts / (Sandy Electronic Vertrieb Deutschland / France double R in Frankreich)
Markteinführung 1981
CElo ca. 1500
Programmierer Aker, John
Prozessor 6502
Prozessortyp 8 Bit
Takt 2 MHz
RAM 2 KB
ROM 8 KB
Bibliothek 50+ Opening Lines
Einführungspreis 598 DM (Morphy Encore)
898 DM (Modul mit GGM)
Rechentiefe
BT-2450
BT-2630
Colditz
Verwandt
Zugeingabe Tastatur
Zugausgabe Alphanumerisches Display
Display 8 stellige alphanumerische Anzeige
Stromversorgung 10V / 830mA
Spielstufen 9
Maße
Sonstiges
Programm-Modul nicht austauschbar / 4 MHz Tuning möglich / Identisch mit dem austauschbaren Morphy Edition Master Chess Modul
Level Info
Bedenkzeit Level
30 Sek. / Zug Stufe 3
30 Min. / Partie Keine Stufe für gesamte Partie!
60 Sek. / Zug -
60 Min. / Partie Keine Stufe für gesamte Partie!
Turnier Stufe 8 (40 Züge in 2 Stunden)
Analyse Stufe 6

Morphy Edition master chess war ein 1981 erschienenes Schachprogramm der Firma Applied Concepts für das Modular Game System (MGS) und die Great Game Machine (GGM).

Das identische Programm wurde zusätzlich als eigenständiges Gerät unter der Bezeichnung Morphy Encore vertrieben.

Markteinführung

Morphy wurde zwischen Januar und Februar 1981 auf dem US-amerikanischen Markt eingeführt. Bereits im Mai 1981 war das Programm auch im deutschsprachigen Raum erhältlich.

Es war der direkte Nachfolger des Sargon 2.5-Moduls.

Historische Herkunft

Morphy war die kommerzielle Version eines Prototyps namens „Boris Experimental“ beziehungsweise „Boris X“, der bei Mikrocomputer-Turnieren in London und San Jose im September 1980 eingesetzt wurde.

Programmierer war Aker, John aus Shawnee (Kansas), der als freier Mitarbeiter für Applied Concepts tätig war.

Morphy stellte keine vollständige Neuentwicklung dar, sondern eine optimierte und überarbeitete Version von Sargon 2.5. John Aker gab selbst an, dass „Boris X“ im Prinzip die gleichen Züge wie Sargon 2.5 erzeugte, jedoch deutlich effizienter arbeitete.

Eine geplante Teilnahme von „Boris X“ an der 11. Nordamerikanischen Computerschachmeisterschaft 1980 wurde nach Diskussionen über die Nähe zum Sargon-Quellcode zurückgezogen.

Technische Verbesserungen

Gegenüber Chafitz Boris / Chafitz Sargon 2.5 wurden Verbesserungen in allen Phasen der Partie vorgenommen.

In der Eröffnung waren die Unterschiede jedoch gering. In der Spanischen Partie wiederholte Morphy beispielsweise die aus Sargon 2.5 bekannte fehlerhafte Fortsetzung 5. Sxe5? nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 dxc6.

Die deutlichste Leistungssteigerung zeigte sich im Endspiel. In Vergleichstests gegen Sargon 2.5 gewann Morphy die Mehrzahl der Partien, wobei die Vorteile überwiegend erst im Endspiel realisiert wurden.

Eine wesentliche programmtechnische Neuerung bestand darin, dass der Endspiel-Algorithmus nicht mehr automatisch nach dem 30. Zug aktiviert wurde, sondern abhängig von Anzahl und Zusammensetzung des verbleibenden Figurenmaterials. Dadurch konnte das Programm flexibler auf reale Endspielstrukturen reagieren.

Dank effizienterer Spielbaumsuche erreichte Morphy:

  • im Mittelspiel typischerweise etwa 5 Halbzüge Rechentiefe
  • im Endspiel bis zu 10 Halbzüge (in Ausnahmefällen)

Die Zuglistensortierung wurde verbessert, indem Schlagzüge entsprechend dem Materialgewinn priorisiert wurden. Diese Optimierung erhöhte die Effizienz der Alpha-Beta-Suche und führte zu einer spürbar stärkeren Spielweise bei identischer Hardware.

Weitere Neuheiten:

  • Mittels Audio-Taste ist ein Abstellen des Tons möglich.
  • Zwei Spielstufen (7 und 8) wurden ergänzt. Leider liegen sie in ihrer durchschnittlichen Rechenzeit nicht, wie zu vermuten wäre, über der alten Stufe 6, sondern in etwa bei der Turnierstufe 4.
  • Die Eröffnungsbibliothek wurde aufgestockt.
  • Durch Straffung des Programms werden wesentlich schnellere Lösungszeiten bei Schachproblemen möglich.
  • Die Läuferbewertung scheint gegenüber dem Springer nun höher zu liegen, so dass das Programm nicht so oft wie bei Boris/Sargon 2.5 den Tausch Läufer gegen Springer vornimmt!
  • Die Kommentare wurden bis auf die Mattansagen gestrichen.

Spielstufen

Die Spielstufen reichten von einem Anfängerlevel (Level 0) bis zu Turnierstufen mit 40 Zügen in zwei Stunden (Level 8).

Level 6 entsprach einer sehr langen Analysephase mit extrem hoher Bedenkzeit pro Zug.

In höheren Stufen konnte Morphy Mattaufgaben bis zu vier Zügen berechnen.

The levels and their meanings are as follows:

  • Level 0 - A special beginner's level or used for speed chess. Morphy Encore finds any mate in one at this level.
  • Level 1 - At power-on Morphy Encore is set to Level 1. A fast paced game. Playing strength is about USCF 1000.
  • Level 2 - The whole game should last about 1 hour. Playing strength is about USCF 1200.
  • Level 3 - Morphy Encore can solve any mate in two problem at this level. Playing strenght is about 1400.
  • Level 4 - Morphy Encore should have no trouble making 40 moves in 90 minutes at this level.
  • Level 5 - Morphy Encore can solve any mate in three problem at Level 5. For the patient player, Morphy Encore provides solid chess approaching the 1800 level.
  • Level 6 - At level 6 playing Morphy Encore is more like postal chess. A single game could last up to a month. At this level Morphy Encore can find some mate in four problems.
  • Level 7 - Tournament Level designed to play 30 moves per hour.
  • Level 8 - Tournament level designed to play 40 moves every two hours.

Spielstärke

Der Hersteller gab für Morphy eine Spielstärke von Elo 1700 (USCF) an.

Im Frühjahr 1981 galt Morphy als das stärkste kommerziell erhältliche Mikrocomputer-Schachprogramm auf dem Markt.

Modularer Systemgedanke

Parallel zur Einführung von Morphy kündigte Applied Concepts zwei Zusatzmodule an:

Das Konzept sah vor, vor Partiebeginn das Eröffnungsmodul einzusetzen. Nach Verlassen der Eröffnungsbibliothek wurde das Modul manuell gegen Morphy ausgetauscht.

Erkannte Morphy den Übergang ins Endspiel, konnte wiederum das Capablanca-Modul eingesetzt werden. Der Partiestand blieb über die MEM-Schalterstellung erhalten.

Dieses Verfahren stellte einen frühen Versuch dar, die begrenzte ROM-Kapazität der Geräte durch modulare Spezialisierung funktional zu erweitern.

Verhältnis zu Sargon 3

Zum Zeitpunkt der Markteinführung von Morphy war das angekündigte „Sargon 3“ noch nicht kommerziell erschienen.

Nach zeitgenössischen Berichten war die Weiterentwicklung von Sargon 3 durch vertragliche und vertriebliche Umstellungen zwischen Chafitz, Applied Concepts und Fidelity Electronics beeinflusst worden.

Die Programmierer Dan und Kathe Spracklen wechselten in dieser Phase zu Fidelity. Das auf Sargon 3 basierende Fidelity-Programm gewann 1980 die erste Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft in London sowie ein weiteres Turnier in San Jose.

Morphy stellte somit nicht die direkte Weiterführung der Sargon-3-Linie dar, sondern eine optimierte Fortsetzung der Sargon-2.5-Architektur innerhalb des Applied-Concepts-Systems.

Einordnung im Wettbewerb

Im Frühjahr 1981 konkurrierte Morphy unter anderem mit:

Zum Zeitpunkt seiner Markteinführung wurde Morphy als das stärkste verfügbare Mikrocomputerprogramm eingeschätzt. Diese Position war jedoch angesichts der raschen technologischen Entwicklung im Computerschach nur von begrenzter Dauer.

Morphy Encore

Der Morphy Encore war ein eigenständiges tragbares Gerät mit fest integriertem Morphy-Programm.

Er verfügte über:

  • integriertes Schachbrett mit Koordinaten
  • Tastatureingabe
  • Zugrücknahme (bis zu drei Zugpaare)
  • Hint-Funktion
  • Audio Ein/Aus
  • automatische Zeitmessung
  • Speicherfunktion zur Partiefortsetzung
  • Seitenwechsel während der Partie
  • Anzeige der internen Brettstellung
  • automatisches Weiterdenken während der Bedenkzeit des Gegners

Technisch war das Programm vollständig identisch mit dem steckbaren Morphy Edition master chess Modul.

4-MHz-Variante

1982 kündigte Applied Concepts mit der Destiny Mega-4 Great Game Machine ein schnelleres Grundgerät mit 4 MHz an.

Offiziell wurde diese Version nur vom Steinitz Edition-4 master chess unterstützt.

Bei den vorhandenen „Morphy Edition-4 master chess“ Modulen mit 4 MHz handelt es sich um private Umbauten.

Bedeutung

Morphy stellte einen wichtigen Zwischenschritt in der Entwicklungslinie von Boris/Sargon zu den späteren Steinitz-Versionen dar.

Durch effizientere Suchstrategie, verbessertes Zeitmanagement und materialabhängige Endspielaktivierung erreichte es eine spürbare Leistungssteigerung bei identischer Hardware.

Im modularen System von Applied Concepts bildete Morphy das zentrale Mittelspielprogramm des später sogenannten Master Chess Trio.

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