Saitek D++

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Testbericht von Thorsten Czub und Dirk Frickenschmidt aus dem Jahr 1990 über den D+ / D++, eine experimentelle Programmversion für das Saitek Maestro- / Analyst-Modul die leider nie im Handel erschienen ist. Dieser Artikel erschien in der Schachcomputerwelt 2/92. Ich habe vielfach Anfragen von Maestro- und Analyst-Besitzern nach dieser Programmversion bekommen und möchte dem hiermit entsprechend nachkommen. Falls Sie dazu fragen haben, wenden Sie sich ruhig an mich.

Saitek Leonardo Analyst D++
Maestro Modul (4 MHz Version)


Die Experimentalen D+ und D++

Maestro/Analyst D+:


Die Schweden hatten den vermeintlichen D+ schon in der Liste, und stritten sich mit dem Hersteller darum, ob der D+ auch wirklich ein D+ und nicht nur ein "D" mit anderer Bibliothek ist. Wir wissen schon etwas mehr für Sie.

Brute Force Modul

Ja. es ist Julio Kaplan gelungen sein D-Programm, über das schon wieder Unkenrufe verlauteten, durch einige wenige Parameteränderungen und auch (wir wollen das nicht verschweigen) eine ausgefeilte Eröffnungsbibliothek (Keine Killer-, aber Gambiteröffnungen !) um einige ELO-Punkte zu verbessern. Merkwürdigerweise erscheint dieses D+ Programm nicht als Maestro- oder Analyst-Programmversion auf dem Markt, angeblich weil es ansonsten mit dem Brute-Force-Modul (das ja nur historisch ein Brute-Force-Modul war, denn Frans Morsch schreibt natürlich kein Brute-Force-Modul. Der Name ist ein Fragment der Idee, Ulf Rathsman für Saitek arbeiten zu lassen, was jedoch nie erfolgreich gelang.) zeitlich konkurrieren würde. Jetzt hat man das "Brute-Force-Modul" aber erst mal wieder auf Eis gelegt (oder doch nicht! bei Saitek weiß man nie! - Anmerkung: das Brute Force Modul erschien nach langer Ankündigung Ende 1992) und nach der für Saitek nicht so berauschenden WM scheint die Stunde des Spracklen-Programms im Saitek-Holzkasten auch noch nicht gekommen, es müssen halt noch die richtigen Kaplanschen Bewertungsalgorithmen integriert werden (Hm!).

Reden wir deshalb in dieser Saitek-Saure-Gurken-Zeit über ein Programm, welches klammheimlich in die Turbokings (etc.) eingebaut wird und zusammen als Turboking auf den Markt kommt. Meine Kollegen in der Modul stellten schon zart gemutmaßt fest, daß dies kleine Programm sehr gut lavieren kann! SCW weiß es (mal wieder) besser: raten Sie mal welchen Namen wir diesem kleinen Progrämmchen geben: D+

Der verlorene Sohn ist heimgekehrt! Wir haben ihn wiedergefunden. Und damit er nun kein Nischendasein führt, zeigen wir Ihnen, exclusiv, was er so alles losläßt:

Mein Kollege Dirk Frickenschmidt und ich haben einige nette Tage mit dieser Software verbracht, die bei uns sehr wohl in Maestros bzw. sogar im Analyst lief, und zwar zudem mit flotten 10 Mhz.

Das ganze ist nicht mehr das neueste, schließlich haben Dirk und ich die ganze Zeit darauf gewartet, daß das Programm auf den Markt kommt. Aber nichts geschah. Damit es jetzt nicht unerkannt vor sich hin modert, hier die einzigartigen Partien (40 Züge in 120 Minuten, versteht sich!):

Sind sie auch so irritiert ob dieser Kaplanschen Explosion? Und diesen Programmierer wollten einige schon in die Wüste jagen! Aber es kommt noch schöner!

Nun meine Damen und Herren - wollen sie Ihren Turboking nicht auch mit diesem Programm füttern, oder Ihre alten Holzkästen? Fragen Sie an bei der Saitek Generalvertretung, oder Ihrem Fachhändler, oder gleich bei mir. Vielleicht ermöglicht die große Resonnanz ja, daß der D+ nun trotz schwedischer Eloliste-Fiasko (Epromvertauschung) auf den Markt kommt. Und diesmal wirklich der D+.


Dirk Frickenschmidt & Thorsten Czub im Jahr 1990

Nachtrag im Jahre 1992:

Mittlerweile testen Dirk und ich schon seit langem eine neue Version des 8-Bit Programms die wir D++ nennen, weil sie auch keine offizielle Version ist. Über diesen Entertainer vielleicht später.

P.S.: Damit Sie nicht glauben, wir übertrieben maßlos, hier eine kleine Kiebitz-Partie gegen eines der stärksten Programme und eben den (damaligen) Weltmeister ChessMachine Gideon 3.0 512K 32 MHz auf RISC:

Na, ist das Nichts!?

Und nun noch ein Schmankerl gegen den Verteidigungskünstler, das "ELO 2000 -Gerät" von Hegener + Glaser, den weihnachtlich brandneuen Mephisto Milano.

Soweit der D++, unser Entertainer. Wer mehr wissen will soll anrufen oder schriftlich nachfragen, wir sind noch in der Testphase. Es ist schade daß dieses Programm nicht auf den Markt kommt. Sie hätten doch sicherlich Spaß daran??? Oder ???

Thorsten Czub

Ergänzung aus dem Jahre 1993:

Und noch einmal Analyst D++ (von Karsten Bauermeister)

Manchem Leser, der keine persönliche Beziehung zu den Kaplan-Programmen aufbauen konnte, wird jetzt aufstöhnen, weil hier schon wieder ein Bericht über dies eine Programm erscheint, das doch nie auf dem Markt erscheint.

Es ist wirklich ein Parodoxon: Über gute und weite Verbreitung findende Computer wie zum Beispiel den Mephisto Modena findet man nirgends mehr als ein paar Zeilen, doch die Kaplan-Programme haben in Thorsten Czub nun einmal einen schreibgewaltigen Befürworter gefunden, der sie auch im Gespräch hält, wenn sie längst nicht mehr up to date sind (sorry Thorsten, du wirst vollends auf Novag umschwenken müssen!).

Aber in der MODUL 3/92 erschien eine Zusammenfassung von T. Mally unter Mitwirkung des SPECIAL GUEST STAR (!) Thorsten Czub, die eine Antwort unbedingt erforderlich macht, finden wir.

Wenn sie jetzt vielleicht fragen, warum nicht Thorsten selbst hier seine neuesten unglaublichen Testergebnisse vom Entertainer zu Papier / Diskette bringt, muß ich leider berichten, daß Thorsten seit dem Erscheinen der letzten MODUL aufgrund der Tatsache, daß sein Name häufiger gedruckt wurde, als der von Jan Louwman und Ossi Weiner zusammen, nicht mehr an die Tastatur kommt, da er etwa 1,50 Meter über dem Boden schwebt.

Nun aber in medias res:

Zunächst einmal meine persönlichen Erfahrungen mit dem Analyst D++ 8 MHz. 1988 hatte ich mir einen Leonardo und das damals neue Analyst C-Modul zugelegt. Doch außer guter Endspielkenntnisse gab es nicht viel gutes zu berichten. Der Stil des Programmes war und ist wohl am ehesten mit langweilig zu charakterisieren. 1980 ließ ich das Modul dann umprogrammieren auf das D-Programm, von dem Thorsten ja ebenfalls schon Wunderdinge in der CSS berichtet hatte (Das war Dirk Frickenschmidt, lieber Karsten!!! Anmerkung von T.C.). Doch welche Enttäuschung.

Zwar spielte dieses deutlich stärker, aber von der versprochenen Spitzenspielstärke war das Ding weiter entfernt, als München von New York.

Vor allem das noch unansehnlichere Spiel mit einem geradezu krankhaften Drang die Dame zu tauschen, mißfielen mir. Als Thorsten mir dann die D++-Version anbot und wieder einmal unglaubliche Ergebnisse zu vermelden hatte, war ich natürlich skeptisch.

Mit dem neuen Programm zu hause angekommen, ließ ich das Ding gegen den Sphinx Dominator, wovon ich mir eine besonders spannende Partie versprach, spielen und erlebte eine Überraschung:

Man kann wirklich nicht sagen, daß der Domi nicht verdient gewonnen hätte, aber ich war dennoch zufrieden, weil der D++ genauso gespielt hatte, wie Thorsten es versprochen hatte. Daß die scharf geführte Partie noch verloren ging, war...na sagen wir mal, Künstlerpech.

Der Eindruck dieser ersten Partie setzte sich übrigens fort in den folgenden Spielen. Der D++ ist zu wahrhaft phantastischen Partien im Kaffehausstil fähig, spielt aber noch lange nicht meisterlich stark! Leider kann ich nicht mit einer solchen fast unglaublich gut gespielten Computerpartie aufwarten, wie die, die Thorsten veröffentlicht hat, aber die meisten Spiele sind spannend und abwechslungsreich!

Thorstens enthusiastischer Schreibstil ist ja mittlerweile jedem bekannt, so da sich die meisten Leser wohl schon dachten, daß echte Spitzenspielstärke doch nicht erreicht wurde. Auf der WM mit getunten Formel-1-Schachcomputern wäre der Entertainer (bleiben wir ruhig bei diesem Begriff!) hoffnungslos untergegangen. Diese Aussage kann ich jetzt endlich auch belegen!!

Mein Freund Werner Stowasser war so nett und hat mir auf Grund von 68 ihm vorliegenden Partien Rating von 2008 (gemessen an seiner ELO-Liste!) errechnet! Das entspricht etwa der Spielstärke des MM V! Das alte D-Programm liegt mit (SSDF)-ELO 1972 allerdings nicht wesentlich schlechter. Aber mal ehrlich, wer außer Thorsten hat das denn erwartet oder gehofft!

Sehr gut in diesen Rahmen passen da die von mir selbst erzielten Ergebnisse des Entertainers:


Testergebnisse von Karsten Bauermeister
Analyst D++ 8 MHz - Fidelity Mach IIc 0,0 - 1,0
Analyst D++ 8 MHz - Mephisto Berlin 68000 1,5 - 4,5
Analyst D++ 8 MHz - Mephisto MM V 0,5 - 0,5
Analyst D++ 8 MHz - Mephisto Milano 5,5 - 4,5
Analyst D++ 8 MHz - CXG Sphinx Dominator V2.05 7,5 - 4,5


Tja, die Trauben wachsen nun eimal nicht in den Himmel, auch für Kaplan nicht!!

Der 100-ELO-Punkte-Quanten-Sprung, der in der MODUL herbeigesehnt wurde, wurde verfehlt.

Sicher zerstöre ich mit diesen Zahlen die Hoffnungen all derjenigen, die gehofft hatten, daß der D++ ein wirklich revolutionäres Programm mit einer unglaublichen ELO-Steigerung ist.

Aber der MODUL ist in ganzem Umfang zuzustimmen, wenn ich da lese, "daß der D++ bei weitem das stärkste und interessanteste Kaplan-Programm ist und ein besseres Schicksal als das Verschwinden im Untergrund verdient hätte".

Da von Saitek in dieser Richtung nichts zu erwarten ist, wenden sie sich nur vertrauensvoll an Thorsten, wenn er gerade in Reichweite eines Funktelefons ist, wird er ihnen sicher weiter helfen können!


Karsten Bauermeister (im Jahr 1993)